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Timo und Macca treiben sich gegenseitig zu Höchstleistung an (© Trimag)

Ein aus meinem Betrachtungswinkel herausragender Lernpunkt der gestrigen IRONMAN European Championship in Frankfurt ist einmal mehr das Thema Pacing-Strategie.

Einer der zentralen Limiter eines guten Langdistanz-Rennens ist die Strategie und dann v.a. deren Umsetzung was das Renntempo (neu-deutsch Pacing) angeht. Wie der amerikanische Coaching-Guru Joe Friel auf seinem Blog sogar hinsichtlich sehr viel kürzerer Renndauern (Meile, 5k, 10k) über die Entwicklung der Weltrekorde und deren Pacing analysierte, trifft mit Sicherheit insbesondere auch für lange Wettkampfdauern zu. Die Statistik ist da ganz eindeutig: Fast alle Rekorde wurden mit sogenanntem „negative split“ gelaufen (zweite Hälfte schneller als die erste).

Wenn wir uns also den gestrigen IRONMAN genauer ansehen, fällt IMHO folgendes auf: Beide Siege gingen vor allem über das überlegene Pacing. Das heißt bei einer Langdistanz insbesondere a) Geduld und b) Gleichmäßigkeit.

Meine These ist, dass alle vier Erstplatzierten bei den Männern hätten gewinnen können. Eneko zieht (IMHO völlig schwachsinnig für einen Läufer seiner Güte) schon nach 90 k der Spitzengruppe davon. Was soll das denn? Raelert zieht mit. Genauso schwachsinnig, aber verständlicher, da er ja um die Laufqualitäten von Eneko wusste. Wenn man das Interview in der T2 mit Raelert sieht, ist klar, dass er zu diesem Zeitpunkt klar überzogen hatte. Es spricht für seine Klasse, dass er das Ding überhaupt noch so hingebogen hat. Dann der gleiche Krampf von Macca, als er sinnloserweise so früh Timo davon läuft. Da hätte ich mir bei einem der erfahrendsten Athleten überhaupt mehr erwartet. Einem, der z.B. in St. Pölten noch bis 400 m vor dem Ziel warten konnte, da er genau um seine Sprintstärke weiß. Einem, der noch im Kraichgau davon sprach, dass eine Sekunde Vorsprung im Ziel völlig ausreichend ist (korrekt!). Da hatten sich also schon zwei meiner Top-Favoriten ein Bein gestellt. Llanos schien obgleich viel stärker SEIN Rennen bestreitend auch etwas überzogen zu haben. Was mal wieder zeigt, WIE SCHWER das Thema in der Praxis umzusetzen ist. Und schließlich bleibt in meiner Betrachtung Timo übrig, der überhaupt nicht überraschend den gleichmäßigsten Marathon (und nebenbei den Schnellsten) raushaute und mit dieser im Grunde einfachen Taktik das Rennen völlig verdient für sich entschied.

Es ist alles da, Jungs! Vielfach beschrieben in der einschlägigen Literatur. Was einmal mehr zeigt, dass das reine WISSEN überhaupt nichts zählt. Man muss es auch umsetzen. Das scheint in der Hitze des Wettkampfs offensichtlich nicht immer ganz leicht . . .