KI Challenge Croatia 22. – 23.04.2006

Jörg im Schnee.JPG

Was für ein Rennen! So etwas habe ich auch noch nie in einem Wettkampf erlebt: Dass einerseits alle Teams so eng zusammen sind und einzelne Teams (wie z.B. wir) einmal den ersten, dann plötzlich wieder den letzten Platz belegen. Und dass andererseits in einem 24-Stunden-Rennen (ein Wettkamp, bei dem die erwartete Siegerzeit so um die 24 Stunden beträgt), die 1. Etappe (ERSTE Etappe – hier: Laufen/Trekking) allein schon 16 Stunden dauert.

Piotr, unser Trainingskamerad und Team Captain von Speleo Salomon Isostar aus Polen begleitete mich ins schöne, frühlinghaft-warme Kroatien, um beim ersten AR-Wettkampf der Saison zu sehen, wo ich stehe und Erfahrung zu sammeln für die kommenden Rennen der Saison.

Der Wettkampf war von Elvir, Vlatko und ihrem Team von Ad Natura sehr gut und mit viel Herzblut organisiert, hatte aber, wie fast alle AR, seine „Ecken und Kanten“. Aber der Reihe nach . . .

Wir erreichten Moscenicka Draga am Freitag-Abend und kamen gerade rechtzeitig zur Wettkampf-Besprechung. Vom Kroatisch verstanden wir aber beide kein Wort und so entpackten wir erstmal das Auto, bezogen das Zimmer und gingen zum Abendessen. Dann gab es eine Extra-Einführung in Englisch für uns. Leider hörten weder Piotr noch ich etwas von einem markierten Pfad in der Schlucht der Rjecina, was uns am folgenden Morgen zwischen CP2 und CP3 vom dritten auf den letzten Platz zurückwerfen sollte. Das Kartenmaterial variierte von einer sehr guten Karte im Massstab 1:30.000 bis zu katastrophalen im selben Massstab bzw. 1:100.000, was nicht wirklich praktikabel zu Navigation auf dem MTB in der Nacht ist.

Naja, am Samstag-Morgen dann der Transfer nach Downtown Rijeka, wo mitten in der Fussgängerzone der Start pünktlich um 10:00 Uhr erfolgte. Sofort setzten wir uns an die Spitze, obwohl ich mit meiner getapeten linken Wade etwas vorsichtig war (Muskelfaserriss eine Woche zuvor). Gerade bergab merkte ich, wie ich das schnelle Anfangstempo nicht mitgehen wollte. So liessen wir den ersten beiden Teams den Vortritt an einer wunderschönen Tyrolean Traverse (Seilbrücke) über die Rjecina. Dann kam der Abschnitt, bei dem ich meine linke Wade erneut riss und von nun an war der Wettkampf das Schlimmste, was ich befürchtet hatte: Eine Lehrstunde in Schmerzerfahrung. Hier nahmen alle einheimischen Teams das rechte Ufer, wir das linke. Es folgte ein spektakulärer 45-Meter-Abseil von einer Brücke in einen engen Canyon, den wir dann weiter flußaufwaärts bis zum CP4 liefen. Im Laufschritt (frage nicht nach Schmerzen) überholten wir so eines ums andere Team. Zwischen CP4 und CP5 kamen die Vorteile dieses Rennkurses voll zum Vorschein: Es gab quasi „unendlich“ viele Routenwahlmöglichkeiten. Prompt fanden wir uns am CP5 bereits wieder mit dem führenden Team zusammen. Allerdings mussten wir der gefühlten Hitze (25 Grad Celsius sind wir noch nicht gewohnt) Tribut zollen und ich als starker Schwitzer dehydrierte so stark, dass Piotr meine Trinkblase mit brackigem Wasser aus einem Autoreifen und zwei Micropur-Tabletten füllte. Glücklicherweise erreichten wir wenig später eine kleine Berghütte, wo gerade ein Geburtstag gefeiert wurde und wir uns netterweise mit Cola, Wasser, Weisswein, Gegrilltem und Brot vollstopften, bevor wir uns – deutlich besser fühlend – auf den Weg zu einem Schneegipfel (CP6) machten. Dummerweise mussten wir – nun in Führung liegend – die Spurarbeit im Schnee erledigen und zusätzlich die Navigation. Aber die anderen Teams bedankten sich freundlicherweise im Ziel für die gute Arbeit, die sie im Achterpack (vier Teams zusammen ) direkt hinter uns sehr zu schätzen wussten.

Auf dem Weg zu CP7 machten wir dann einen fundamentalen Navigationsfehler, der uns wieder zurückwarf auf Platz vier. Wieder ging mir das Trinken aus (was bei einem 16-Stunden-Trek nicht wirklich überraschend ist). Das karstige Kroatien ist eine ausgesprochen trockene Gegend, die alles Wasser sofort zwischen den Kalkfelsen versickern lässt. CP8 wurde aufgrund der fortgeschrittenen Stunde gestrichen und so begaben wir uns direkt zu CP9, der gleichtzeitig auch TA1 war (Transition Area/Wechselzone). Zwischenzeitlich (2:00 Uhr) war es eine stockdunkle und vor allem empfindlich kalte Nacht geworden (ca. 3 Grad Celsius). Rauf auf die Bikes und auf zu CP11. Die CPs 10, 12 und 14 waren gestrichen, das das Rennen ansonsten deutlich zu lang geworden wäre. Auch hier war die Navigation eine gewaltige Herausforderung. Die Karten stimmten mit der Realität nur rudimentär überein. Die kalte, dunkle Nacht tat ihr übriges. Dennoch lagen wir ganz gut im Rennen, bis bei Piotr öfter und öfter Schaltungsprobleme auftauchten, die am Schluss dazu führten, dass sein Schaltauge abriss. In Ordnung, wir hätten die Kette kürzen können und er hätte dann mit einem Gang weiterfahren müssen. In dem Moment dachten wir beide nicht daran und das wäre auch noch einmal eine brutale Extra-Anstrengung gewesen. Piotr startet aber bereits nächstes Wochenende mit seinem Team beim „The Nort Face Adventure Trophy“ in Polen, einem für ihn sehr wichtigen Rennen und so stiegen wir an der Stelle an dritter Position liegend aus.

Die anschliessende Canyoning-Etappe liessen wir uns nicht entgehen und hatten noch eine sehr erfrischende Abkühlung mit einigen sehr langen Abseil-Passagen und tiefen Gumpen.

Für uns beide war es sicherlich ein enorm gutes, wettkampfspezifisches Training und insbesondere ich konnte wieder eine Menge neuer Erfahrung sammeln und viel über mich selbst dabei lernen.

Fazit: KI Challenge ist ein sehr ernstzunehmender Frühjahrswettkampf, der mit viel Liebe und Herzblut von einem sehr freundlichen und netten Team von Ad Natura organisiert wird, der einige sehr ernstzunehmende regionale Teams als Herausforderer bereithält und der in einzigartiger Weise die perfekte Landschaft für ein AR in Szene setzt. Wenn das Wetter hier richtig schlecht wird, hat es das Potenzial zum echten Killer.

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