Lernen – Wachsen

Heute habe ich mich mit Ute Mückel im Hallenbad von Bruchsal getroffen. Ute ist eine der besten deutschen Langdistanz-Triathletinnen der vergangenen Dekade (viele IRONMAN-Siege und Podest-Platzierungen zwischen 1996 und 2006).

Dabei sind mir mehrere Dinge aufgefallen:

  • Wie ein guter Coach aus Erfahrung die Standard-Fehler bereits kennt.
  • Wie er diese Fehler herauskristallisieren und verbalisieren kann.
  • Wie er Verbesserungsvorschläge in einer Art und Weise rüberbringen kann, dass der Lernende dies auch aufnehmen und umsetzen kann (non-konfrontativ).

Die wirklich wichtige Erkenntnis dieses Tages war jedoch eine andere. Nachdem Ute weg war und ich noch ein paar Bahnen an meiner Technik gefeilt hatte, studierte ich noch über eine Stunde, wie die anderen Schwimmer schwammen.

DAS war interessant!

Ich möchte niemanden beleidigen. Aber wenn ich an einem Sonntag-Nachmittag den Nicht-Profis bei ihrem Training zusehe, tränen mir die Augen. Fast ausnahmslos wurde dort eine so grottenschlechte Technik vorgeführt, dass ich nicht sicher war, ob ich lachen oder weinen soll. Beim Laufen oder Radfahren merkt man das ja nicht so krass. Beide Sportarten sind nicht so extrem technik-betont. Aber Schwimmen?

Meine Erkenntnis des Tages beruht auf einer Frage: Warum nutzen diese vielen Schwimmer und Triathleten nicht einen professionellen Coach, um gezielt an ihren Fähigkeiten in dieser sehr technik-lastigen Sportart zu arbeiten? Warum schwimmen sie Kilometer für Kilometer in einer miserablen Technik, kommen nicht richtig vom Fleck (das muss doch frustrieren?!), verausgaben sich sowohl im Training als auch im Wettkampf übermäßig und erhöhen zu guter letzt noch die Chance von Verletzungen.

Warum machen wir das?

Das Gleiche kenne ich ja auch aus meinem beruflichen Umfeld. Ich sehe jedes Jahr hunderte von Führungskräften und Mitarbeiter größerer Unternehmen, die meist recht professionell aufgestellt sind. Aber kaum einer dieser Menschen würde sich auf eigene Rechnung mit einem professionellen Coach zusammensetzen und gezielt an Verbesserungspotenzialen arbeiten.
Da machen wir lieber den gleichen mittelmäßigen bis schlechten Stiefel weiter ohne zu reflektieren. Und wenn uns unser Chef nicht sagt, dass die Leistung nur mittelmäßig oder gar schlecht ist, kommen die meisten auch nicht auf die Idee, dies zu hinterfragen. Wer fragt denn schon, ob die eigene Leistung zufriedenstellend, gut, sehr gut oder gar herausragend vom Leistungsempfänger wahrgenommen wurde? Ich kenne persönlich nicht so viele. Diejenigen, die ich kenne, sind ausnahmslos Top-Performer.

Also wieder eine schöne Parallele zwischen dem Sport und meinem beruflichen Treiben als Coach und Trainer. Wie Jack Daniels, der große Running-Coach, so schön gesagt hat: „Warum mache ich diese Trainingseinheit? Was ist der Sinn und Zweck?“
Denn ohne Sinn trainieren kann natürlich aus dem reinen Spaß-Gedanken in Ordnung sein. Aber die meisten, die mir über den Weg laufen, reisen von Wettkampf zu Wettkampf, wollen sich messen mit Ihresgleichen, werfen gar unerlaubte leistungsfördernde Mittel ein, zumindest aber „Vitamine und so“, kaufen sich Carbonräder für 5000 Euro und investieren ganz allgemein Unmengen an Zeit und Geld in ihr „Hobby“. Warum nicht relativ kleines Geld in einen professionellen Coach investieren, um kurzfristig deutlich weiter zu kommen?

2 thoughts on “Lernen – Wachsen

  1. „… und investieren ganz allgemein Unmengen an Zeit und Geld in ihr „Hobby“. Warum nicht relativ kleines Geld in einen professionellen Coach investieren, um kurzfristig deutlich weiter zu kommen?

    Oder wenigstens ein bisschen Grips und Selbstkritik, um bei anderen zuzusehen und von diesen zu lernen. Du sprichst mir aus der Seele.

    Ein schöner und informativer Blog, den ich seit Kurzem verfolge. Auch als „alter Hase“ kann man immer wieder mal was Neues lesen.

    Viele Grüße
    Uli

  2. Freut mich, wenn er Dir gefällt und Du „etwas rausziehen“ kannst, Uli.
    Und natürlich Danke für die Blumen. Ist mir eine Freude und Ehre, wenn ich andere Menschen weiter bringen kann. Und wenn’s nur hilft, „ein bisschen Grips und Selbstkritik“ anzustacheln . . .
    Beste Grüße,
    Jörg

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