Triathlon emotional, oder: DTU – state of the union

Es ist also möglich! Man KANN offenbar auch die Kurzdistanz (Olympische Distanz – OD) emotional packend und interessant medial darstellen. Das war für mich als wiedereinsteigender Zaungast aus der Ferne immer ein Rätsel: Warum schaffen es die Triathleten nicht, sich professionell medial rüberzubringen? Irgendwie scheint sich bei der International Triathlon Union (ITU) etwas getan zu haben. Sieht ja ganz so aus, als bestehe zumindest die Möglichkeit, dass sich derzeit auch bei der Deutschen Triathlon Union (DTU) etwas tut . . .

Die große Ausnahme war immer: IRONMAN™. Aber das ist eben ein privatwirtschaftlich organisiertes und sehr professionell agierendes Unternehmen: Die World Triathlon Corporation (WTC). Wie „im Rest des Lebens“ zeigen Verbandsfunktionäre nicht annähernd die Klasse und Professionalität wie marktwirtschaftlich organisierte Organisationen. Manche mögen dies beweinen („Die guten, alten Zeiten“). Den Sport richtig voran bringen jedoch Macher wie Kurt Denk mit seinem IRONAMN Germany in Frankfurt. Oder, um in einen ganz anderen Bereich zu gehen, die Vermarkter der Nordischen Disziplinen, die bis vor wenigen Jahren ein Schattendasein fristeten und jetzt Airtime, Zuschauerzahlen und das damit einhergehende (und von manchem verhasste) Geld SATT bekommen. Biathlon interessierte doch vor zehn Jahren wirklich nicht viele Menschen. Heute hat sich eine schöne, kleine „Industrie“ darum aufgebaut, die einer ganzen Menge Menschen „Lohn und Brot“ beschert. Schlimm? Nicht wirklich. Hängt natürlich wie immer vom Blickwinkel ab.

Eine große Herausforderung, die ich meine zu erkennen, ist, dass Verbandsfunktionäre in der Regel „ehrenamtlich“ unterwegs sind. Was heißt das? Ähnlich wie in der Politik macht natürlich niemand in der ganzen Welt etwas umsonst. Alle haben sie eine Motivation (das Wort stammt direkt von MOTIV ab)!!! Warum geht also jemand in die Politik? Warum wird jemand Funktionär? Ich möchte hier nicht spekulieren und überlasse es jedem Einzelnen, für sich eine Antwort zu finden.

Eines ist jedoch klar: Es zieht eine bestimmte Sorte Mensch an. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Motive wie Geld, Macht und Status involviert sind, ist ziemlich groß. Aufpassen: Ich urteile hier nicht! Von mir aus kann jeder nach soviel Geld, Macht und Status streben, wie er wünscht. Nur nennt es halt beim Namen (wie das z.B. Kurt Denk völlig entspannt tut)! Denn die Konsequenz ist, dass wir oft (wie in der DTU) alle möglichen Anwälte und Ärzte sitzen haben, aber seltsamerweise keine Marketing-Profis. Und das ist genau der Grund, warum dieser Sport aus meiner Sicht vergleichsweise suboptimal vermarktet wird. Triathlon hatte in meinen Augen von Anfang an (Mitte der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts) das Potenzial, von einer Randsportart zu einer wirklich großen, spannenden Sportart für Massen zu werden. Die wurde nie wirklich gut genutzt.

Es hat mit Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem „Stamm“ zu tun. Mit Ritualen. Dafür bezahlen Menschen viel Geld. Sie bezahlen keine 9,90 Euro auf iTunes für das neuste Album von Amy Winehouse (OK, vielleicht machen das einige Ü-30-Jungs wie ich). Sie bezahlen aber viele hundert Euro, um Amy vollgekokst live auf der Bühne zu sehen. Dabei zu sein. Dazu zu gehören!!!

Genau das Gleiche ist bei Sportveranstaltungen – wie auch beim Triathlon – zu erkennen: Für den Feld-,Wald- und Wiesen-Triathlon (no hard feelings) sind die Leute zu geizig, 50 Euronen zu überweisen. Für einen IRONMAN™ aber blättern sie ohne mit der Wimper zu zucken mehrere hundert Euro hin. Warum? Siehe oben. It’s a Community!!! Und ich möchte dazu gehören. Und bezahle dankend (so fast) jeden Preis, den Du nennst!

Und da schließt sich der Kreis: Es hat etwas mit Emotionen zu tun. An den Hintertupfinger Dorf-Triathlon erinnere ich mich schon nächstes Jahr nicht mehr. Von meiner Teilnahme an den IRONMAN-Weltmeisterschaften in Hawaii werde ich meinen Enkeln noch erzählen – mit Tränen in den Augen. Emotionen. Wie wecke ich diese? Das obige Video ist ein schönes Beispiel.

In meinen 12 Jahren Abwesenheit hat sich marketing-technisch nicht viel getan. Veranstaltungen? Nicht mehr und nicht besser als damals. Teilnehmer? Nicht mehr als damals. Klar, Triathlon wurde olympisch und damit änderte sich eine ganze Menge (z.B. Sportförderung). Die OD wurde in eine völlig andere Form gegossen, die nichts mehr mit der Sportart „ich allein mit mir da draußen gegen die Uhr“ zu tun hatte (wieder kein Urteil von mir – nur eine Betrachtung dessen, was ist). Wenn ich sehe, wie unprofessionell z.B. einige Fußballer unterwegs sind und dass selbst drittklassige Kicker mehr verdienen als die Besten der Besten im Triathlon, tränen mir die Augen.

Ich glaube, das könnten wir alles noch ein wenig besser machen als bisher. Schau‘ ‚mer mal . . .😉

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