Bienwald Marathon 2008 (Kandel – die Halbe)

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Vier Laufkameraden vom Team Sport Schweizer (aka Verrückten-Lauftreff) trafen sich im pfälzischen Kleinstädtchen Kandel um mit ein paar tausend anderen Läufern traditionell die Frühjahrs-Laufsaison einzuläuten und die persönliche Form zu testen. Reinhold und Alex fuhren mit mir, während Jürgen mit seinen Ludwigsburger Kumpels anreiste.

Das Wetter war besser als irgendjemand zu hoffen wagte. Strahlend blauer Himmel, sonnig, 8 – 10°C. Nur leider kann sich der Wind in der Rheinebene doch nie ganz zurückhalten. Aber sonst war’s praktisch perfekt.

Nach solidem Einlaufen dann der Kampf in der riesigen Läuferschar nach vorn, um in die erste Startreihe zu gelangen. Neben mir fragte ein Kollege, den neben ihm Stehenden, ob er Halb oder Ganz läuft. Antwort: „Ganz.“ Welche Zeit er denn so gedenke zu laufen. Antwort (pfurztrocken): „Jedenfalls unter 2:35.“ So sollte es auch kommen: Der Typ gewann den Marathon in 2:31 (das nenne ich selbstreflektiertes Einschätzungsvermögen) und war am HM-Wendepunkt nicht so wirklich weit zurück.

Dann ein mords Gedrängel, bis alle ihre ChampionChips so weit von der Startmatte weg hatten, dass diese endlich aufhörte zu piepen. Start. Vorneweg gleich der Kenianer (Hillary Kemboi siegt später deutlich in 1:06:19 und ersetzt damit den bestehenden Streckenrekord von 1994) und drei Mitstreiter, dahinter formierte sich sofort eine sieben Mann starke Verfolgergruppe, in die auch ich mich einreihte. Die Führende bei den Frauen (auch eine Kenianerin – Regina Nguria siegt später ebenfalls in neuer Streckenrekordzeit von 1:15:27) wurde bei km 1 schon von ihrem „Betreuer“ (die natürlich nicht erlaubt sind, aber gerade bei den Top-Frauen praktisch immer answesend sind) zurückgepfiffen. „You’re too fast!“

Der böige Westwind war nicht zu unterschätzen und so kam es, dass wir in „single file paceline“ wie bei der Tour de France stetig versuchten, ein wenig Windschatten vom Vordermann (oder seitlich) zu bekommen. Das Tempo variierte dabei recht stark (oder zumindest kam’s mir so vor) – in einem Moment dachte ich, meine Lunge explodiert, im nächsten Moment wollte ich schon die Jungs anfeuern, doch mal endlich ein bißchen Gas zu geben.🙂 So trotteten wir also recht ungleichmäßig durch den Wald bis bei km 10 (Durchgangszeit hier für uns 35:15 – wir waren also ALLE deutlich schneller auf der zweiten Hälfte) das erste Opfer der Spitzengruppe erreicht wurde und die Tempoverschärfung ausgerechnet Gerhard Schneble als erster nicht mitgehen konnte . Für die, die ihn nicht kennen: Schneble gewann u.a. im letzten Jahr den Freiburg Marathon mit neuem Streckenrekord von 2:27:21 und zuvor Ende 2006 den Tessin-Marathon in 2:29:30.

Ich war sowieso schon überrascht, dass ich mit ihm mitlaufen konnte. Letztes Jahr an gleicher Stelle wurde er 4. in einer super Zeit von 1:10:44 (DEUTLICH über meinen momentanen Möglichkeiten). Aber jetzt und hier hatte er einen unerklärlichen Hänger und verabschiedete sich nach hinten. An der Verpflegungsstelle kurz vor dem Wendepunkt war ich kurz unaufmerksam und schwupp war ein kleines Loch da, dass sich stetig ausdehnte. So musste ich leider bis km 17 alleine laufen, bis urplötzlich wieder Gerhard (später 8. in 1:12:57) mit einem jungen Kollegen der LG Filder (LutzKörner, später 9. in 1:13:00) von hinten aufschloss und sein Glück mit einer Attacke versuchte. Ich war nicht in der Lage zu kontern. Und die 17 min. glatt, in denen er die letzten 5 km gelaufen ist, waren mir dann doch diesen Tick zu flott. So verlor ich dann doch noch zwei Plätze (von 9 auf 11) im Gesamtklassement. Die TSS’ler grüßten alle fröhlich nach dem Wendepunkt und ich habe diese eigenartige Perspektive noch nie so bewusst erfahren. Da laufen 8 Typen vor dir und tausende hinter dir. Ist schon irgendwie komisch. Aber schön, wie die hinteren Läufer mit sichtlichem Respekt die Schnelleren anfeuern. Vielen Dank an dieser Stelle!

Hintenraus kam nichts bermerkenswertes mehr. Ist ja auch nur ein Halbmarathon. Und ich wollte testen, ob die Zahlendreher recht haben und ich mit einer 34:52 über 10k (VDOT 61 bei Jack Daniels) nur eine 1:17 hinbringe, oder ob ich tatsächlich in der Lage bin, meine Standard-Pace von 3:30/km auch über einen Halbmarathon durchzuziehen (und damit auf ein deutlich höheres VDOT-Level von 64 zu kommen). Das ging vergleichweise easy. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich diesen C-Wettkampf aus dem vollen Training heraus bestritten habe (jeden Tag die Woche voll trainiert, Freitags sogar zweimal – Beweis ist z.B. die Grafik im letzten Post, die zeigt, dass ich Freitags sehr harte,kurze Intervalle auf dem Rad gebolzt bin). Da bin ich sehr zufrieden. Platzierung war unwichtig (11. Platz overall/5. M40). Ein schöner Sonntag im März. Sonne, tadellos organisierte Veranstaltung, viele fröhliche Läufer und wir waren um drei schon wieder zurück in Nürtingen.

Gratulation noch einmal an dieser Stelle, Alex, zur neuen persönlichen Bestleistung und dem „Knacken“ der 1.30!! Good job!

Race Stats:

  • Strecke: 21,1 km; 25 Hm
  • Wetter: Sonnig, 8-10°C, böiger Westwind
  • Schuhe: Asics DS Racer
  • Teilnehmer: 2.291
  • Ergebnis: 11. Platz overall (5. M40) in 1:13:57
  • Ergebnisse TSS’ler: Jürgen Heubach (89. in 1:24:01); Reinhold Müller (120. in 1:26:25); Alex Müller-Wirsam (177. in 1:29:58 (!!!🙂 )
  • Ergebnisliste gibt’s hier!

Nachtrag: Habe gerade bemerkt, dass sich Nicole Klingler, eine starke Triathletin von meinen Liechtensteiner Sportsfreunden, den Damensieg beim Marathon mit sehr ordentlichen 2:51:42 sicherte. Leider verpasst sie damit die Olympia-Limite von Liechtenstein um knapp vier Minuten.

4 thoughts on “Bienwald Marathon 2008 (Kandel – die Halbe)

  1. Mir ist das ein Rätsel, wie man so schnell rennen kann. Umso mehr Respekt vor Deiner Leistung. Ein schöner Bericht von einem offensichtlich schönen Wettkampf.

    Viele Grüße
    Uli

  2. So etwa Platz 27 in der deutschen Bestenliste M40
    hätte nie gedacht dass so viele vor dir sind

    trotzdem nicht schlecht

  3. Siehste! GERADE in der M40 und GERADE beim Laufen sind halt doch jede Menge „harte Knochen“ unterwegs.
    Naja, für einen Triathleten mit 111 Laufkilometern im Februar dann doch ganz passabel. Das machen andere in der Woche.😉

    Beste Grüße, Jörg

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