DM Duathlon 2008 Backnang

Im beschaulichen Schwaben-Städtchen Backnang treffen sich jedes Jahr im Frühling die Spitze der Du- und Triathleten um die deutschen Meister in der Elite und den Alterklassen unter sich auszumachen. Gestern war es also mal wieder so weit und ich zum ersten mal live dabei. Wettertechnisch hatten wir praktisch optimale Bedingungen, wenn auch die Kombination aus einem saukalten, verregneten April und dann plötzlicher Wärme an den einen oder anderen Körper bereits extreme Herausforderungen stellt.

Das Rennen der Elite startete um 11 Uhr und die Pros ließen es ordentlich krachen. Bezeichnenderweise gewann mit Alexander Schilling ein Youngster mit gerade mal 19 Jahren und demütigte die gesamte Du-/Triathlon-Prominenz. Florian Holzinger folgte wie letztes Jahr auf der 2; vor einem der altgedienten Haudegen, Markus Forster. Bei den Frauen siegte Anne Haug vor der Vorjahressiegerin Carolin Schlipf.

Zu den Deutschen Meiterschaften der Altersklassen: Wir hatten bis 14 Uhr Zeit bis zum Start (damit die Hitze wenigstens ihren Höhepunkt erreichen konnte😉 ). So nahm ich mir die Zeit, einmal gemütlich den Radkurs abzufahren – was ich da sah, ließ schon Schreckliches ahnen: „Drückerberge“ ohne Ende (siehe orangene Linie unten – türkis: Temperatur).

Nichts für so 62kg-Leichtgewichte wie mich. Ulle würde die 30-40 Meter-Wellen sicher alle im dicken Gang wegbügeln. Rhythmus kam da jedenfalls schon beim Warmfahren keiner auf . . .

Aber das Gleiche könnte man sicher auch über die Laufstrecke sagen. Nur dass eben jene 85 Kilo-Mister Oberschenkel-Typen da richtig schlecht aussehen und so Typen wie ich wieder eher Vorteile haben. Echt anspruchsvoll! Vom Start weg eine ca. 1 km lange Steigung in zwei Wellen, dann steil bergab. Der Rest der 2,5 km-Runde flach an der Murr entlang.

Race Stats:

Distanzen: 10 km Lauf (4 Runden) – 40 km Rad (3 Runden – 335 Hm) – 5 km Lauf (2 Runden)

Wetter: Sonnig, leichter Ostwind, 23°C

Teilnehmer: Alle Distanzen/Klassen ca. 500

Equipment: Asics DS Racer, Planet X Stealth Pro, Planet X Aero-Wheels, Giro Advantage, Shimano Tri

Leistung: NP=222 Watt; IF=0,856 (sollte 1,000 sein!!!); TSS=77,8 (sollte 100 sein!!! – nur 77,8% dessen, was ich momentan drauf habe!); TF=81; VI=1,04

Platzierung/Zeiten: 36:16 (3.) – 1:05:16 (45.) – 20:51 (8.) –> 2:02:24 (12. Gesamt)

Ergebnis: Deutscher Vizemeister und Baden-Württembergischer Meister (M40)!

Ergebnisliste gibt’s hier!

Also platzierungstechnisch gar nicht übel. Der Teufel liegt jedoch wie so oft im Detail. Wenn ich das Rennen selbstkritisch analysiere, muss ich sagen, dass der erste Lauf exzellent war (sehr kontrolliert hinter den beiden Führenden, die unbedingt schon am ersten Berg ihr Laktat auf über 4 mmol/l drücken wollten). Ordentlicher Wechsel. Und dann kam das Grauen: Eine gute Stunde pures Leiden. Ich weiß nicht, was los war, es war aber an diesem Tag einfach „kein Druck da“. 214 Watt Durchschnittleistung sprechen Bände. Da habe ich vor ein paar Wochen im Trainingslager über 6 Stunden Fahrzeit allein in starkem Wind mehr auf’s Pedal gebracht. Ein Vergleich von einer normalen langen Trainingsrunde in Malle (5 h+) und gestern sagt schon alles:

Ich wurde also ordentlich überholt. Wobei ich erwähnen möchte, wie recht fair das Ganze abging. Zumindest vorn gab es nur einen „Express“, in dem die Jungs aber wenigstens das Feigenblatt des „8-10 Meter-Abstands“ aufrecht erhielten. Vorbildlich hier die BWTV-Kampfrichter, die jede Menge „mobile Einsatzkommandos“ auf der Strecke hatten und sich natürlich auf die Top-Leute konzentrierten, bei denen es um deutsche Meistertitel geht. Hinten wurde so schamlos gelutscht, dass es mir schon vom Zuschauen die Schamesröte ins Gesicht trieb – oder war’s doch die Anstrengung?! (konnte man an den 3 Wendepunkten pro Runde ja schön beobachten). Naja, mit der Aussicht, nach zwei Stunden Leiden fertig zu sein wechselte ich auf Platz 13 zum 2. Lauf und konnte mich trotz achtbestem 2. Laufsplit nur auf Rang 12 vorarbeiten. Das reichte heute zum deutschen Vize-Meistertitel. Auf der anderen Seite ging es vor mir recht eng zu. Entweder hätte ich einfach „normal“ biken müssen, oder aber wie mein M40-Mitbewerber (und deutsche Meister), die entscheidenden 1:18 schneller laufen müssen, um Platz 5 overall und den AK-Sieg davon zu tragen.

Toll war auch, dass durch die räumliche Nähe, ein ganzer Zug von Dettinger Schlachtenbummlern angereist war – einige davon sogar die 75 km one-way mit dem Rad. Vielen Dank an dieser Stelle für’s anfeuern – auch wenn ich im Renngeschehen nicht immer „ein Auge“ für jeden an der Strecke habe.

Fazit: Ein sehr ordentlich organisiertes Rennen. Schöne Location. Ergebnis sehr gut, aber eher schmeichelhaft. Renn-Leistung selbst durchwachsen (indiskutable Bike-Leistung – da wäre ich bei der Elite im windschatten-legalisierten Rennen besser aufgehoben gewesen). Die Laufleistungen sind dagegen mittlerweile eine sichere Bank. Ich habe viel lernen können und es war ein außerordentlich gutes Training. Insgesamt also ein lohnender Ausflug nach Backnang. Ach ja, die traurige Leistungskurve möchte ich (in Ermangelung von Bildern, die nachgreicht werden) nicht vorenthalten (gelb: Watt – grün: Trittfrequenz):

3 thoughts on “DM Duathlon 2008 Backnang

  1. Hi Jörg,

    trotz deinen Selbstzweifeln auf dem Rad. Gratualtion zum Vizemeister und zum BaWü-Meister.
    Musst jetzt halt noch ein paar Rad-Kilometer machen damit es im Juli passt. …der Regen soll ja wärmer werden😉

    Gruß
    Michi

  2. Hi Jörg,

    Glückwunsch!!!
    Auch wenn du mir dir nicht richtig zufrieden bist hast doch trotzdem ein wirklich gutes Resultat erreicht. Das mit der Radleistung wird schon noch da bin ich mir bei dir sicher.
    Gruß
    Frank

  3. Hi Michi, hi Frank,

    vielen Dank für die aufmunternden Kommentare. Kann ich irgendwie brauchen. Ist mental für mich schwer, wenn ich seriös trainiert habe, „meine Hausaufgaben gemacht“, in jedem lockeren Training mehr Druck bringe und dann im WK nicht. Aber so ist das halt manchmal. Man darf es auch nicht überbewerten. Außerdem will ich nicht vergessen, dass ich auch irgendwas richtig gemacht haben muss. Schließlich kommen zu einer DM halt schon meistens alle, die sich einen Medaillenplatz ausrechnen.

    Gruß
    Jörg

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