Nachtrag Challenge France

So, nun bin ich endlich wieder zuhause in der Home Base und habe etwas Zeit, ausführlicher ober die 1. CF zu schreiben.

Zuerst einmal noch ein paar weitere „Verbesserungspotenziale“:

1. Wo ist das Race Briefing? Wo gibt’s Startunterlagen? Es braucht nicht viel Aufwand, ein paar Schilder aufzustellen, damit man sich zurecht findet. Alle fragten sich so durch und das klappt dann schon irgendwie. Aber muss ja nicht sein.

2. Pasta-Party? Den Trip nach Richtershofen hätte ich mir sparen können. Erst lassen sie ein paar hundert Leute ewig draußen warten („Vorne links, bitte jeder nur ein Kreuz!„) und dann muss ich auch noch mein zweites Dessert wieder zurück bringen (für jeden abgezählt nur eines). Das bin ich so einfach nicht gewohnt. Vor allem nicht für 14 Euronen. Ich kann ziemlich gut einschätzen, was man für 14 Kröten catering-technisch alles wuppen kann. Jedenfalls DEUTLICH MEHR!

3. Warum muss man die Straße am See von Mouterhouse unbedingt um 08:30 – eine ganze Stunde vor dem ersten Start – sperren?

4. Warum muss man bei Race Briefing die Teilnehmer mit der Ankündigung schocken, dass der See nur 14°C hätte. Das hatte er vielleicht gerade die ersten Meter am Start. Danach war er gefühlt deutlich wärmer. Sonst dürften wir laut Reglement überhaupt nicht 1,9 km schwimmen.

Auf der Haben-Seite steht dagegen eine praktisch perfekte Ergebnisliste. Genau so sollte sie auch sein: Gesamtplatz, Name, Nationalität, S-Platz + -Zeit; Wechsel-Platz + -Zeit + Platzierung danach, das Gleiche für’s Radfahren, den 2. Wechsel und das Laufen, Gesamtzeit, Differenz zum Ersten, AK + AK-Platz.

Der Sieger Francois Chabaud (© Photo Credits: Challenge France)

Zum Rennverlauf:

Die erste Disziplin lief wie erwähnt den Umständen entsprechend recht gut. Das Wechselzelt war deutlich zu klein für diese Massen an Athleten. Das würde mir normal nichts ausmachen. Aber mit zwei Startgruppen vor mir, war das Wechselzelt jetzt schon proppenvoll, als ich einlief. Trotzdem bin ich mit meinem ersten Wechsel zufrieden. Der 55. Wechsel in 2:27 katapultierte mich immerhin vom 54. auf den 41 Platz (daran kann man schon die Länge der 1. Wechselzone erkennen).

Dann kam ich für meine Verhältnisse gleich sehr gut in den Tritt. Ich flog nur so an Franzosen der 1. Startgruppe vorbei und ohne Ergomo hätte ich sicher vermutet, dass ich überziehe. Dem war aber nicht wirklich so, denn ich warf gerade in den ersten zwei steilen Anstiegen immer mal wieder einen Blick auf meine Wattzahlen.

Watt (gelb), Trittfrequenz (grün) und Höhenprofil (orange). Die gestrichelten Linien sind bei 200 und 260 Watt (Funktionale Schwelle) und bei 85 U/min.

Einer meiner wichtigsten Lernpunkte für dieses Rennen war die Ernährung. Das klappte ganz ordentlich. So viel habe ich bestimmt noch in keinem Triathlon getrunken (zwei große und eine kleine Flasche). Zusätzlich habe ich bereits in der 1. Wechselzone ein wenig Hammer-Gel genommen und an zwei Verpflegungsstellen zusätzlich deren kleine Gel-Tuben. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass dies nicht genug war und mein „Schwächeln“ auf der Laufstrecke auch mit Energiemangel nach dann schon über 3 Stunden Renndauer zusammenhing. Ich habe verschiedene Möglichkeiten durchprobiert, auf dem Rad etwas mitzuführen. Auf dem Oberrohr klappt nicht, da ich bei meinem „Kinderrad“ und sehr eng geführten Beinen ständig dran hängen bleibe. Mein Anzug hat auch keine Taschen, in die ich etwas reinstecken könnte. Hmm? Habt Ihr ein paar Tipps für mich? Wie macht Ihr das?

Das zweite Thema ist Aero-Bottle. Wenige Tage vorher habe ich das Profile-Ding zum ersten Mal an den Lenker geschnallt und fand es irgendwie nicht toll. Für die Halbdistanz ging es auch ohne, aber vielleicht muss ich mich für einen vollen IRONMAN doch daran gewöhnen?!

Das Aufnehmen von Verpflegung beim schnellen Radfahren muss ich echt noch üben. Aber dazu war ja dieser Wettkampf u.a. da. Das funktionierte zwar schon recht gut, bedeutete aber stets eine Stresssituation für mich.

Beim Laufen dann das „volle Programm“: Wasser, Wasser, Wasser + Schwämme. In der zweiten Laufrunde dann zusätzlich Cola (zu spät?). Habe kein Gel mehr gesehen. Wenigstens wurde mir keines mehr angereicht. Das ist dann sicher in der 1. Runde besser, wenn man WIRKLICH auf Platz 16 läuft und die Freiwilligen an den Verpflegungsposten noch entspannt sind und Zeit für einen haben. Aber das ist ein prinzipielles Problem dieser Mehr-Runden-Kurse: Ab der 2. Runde weiß kein Mensch mehr (Athleten UND Freiwillige UND Zuschauer), wer gerade wo im Klassement ist. Und es ist eine kleine Herausforderung, bei jedem der mich gerade überholt schnell mal die Runden-Bändchen zu zählen. Die Top-Athleten gehen sang- und klanglos in der Masse unter (naja, die Top 3 haben wenigstens bei gut-organisierten Events einen Führungsradler bei sich).

Fazit: Ernährung könnte noch besser sein – v.a. wenn es so schwül-warm ist.

Der zweite Wechsel war mit 1:39 nur der 217-schnellste. Da muss ich dran arbeiten. Immerhin verliere ich allein auf den Sieger Francois Chabaud fast 2 Minuten in den Wechseln – lauf das mal schneller!

Womit wir bei den Stars wären: Nachdem er schon beim IRONMAN Südafrika überzeugte und bis kurz vor dem Ziel führte, machte hier Francois Chabaud das Rennen seines Lebens. Er kam mit der Spitzengruppe (mit Patrick Bringer, Luke Dragstra, Maik Twelsiek) aus dem Wasser und legte dann den mit Abstand schnellsten Radsplit, den schnellesten 2. Wechsel und den schnellsten Laufsplit hin. Das ergab dann einen atemberaubenden Vorprung von über 6 Minuten auf den zweitplatzierten Belgier Rutger Beke. Reschpeckt!😉 Wie macht der Mann das? Die Anderen können doch auch laufen. Bei den Männern hätten alle das Feld und die Entscheidung enger eingeschätzt. Aber ausgerechnet bei den Damen legten die spätere Siegerin Belinda Granger und die Zweiplatzierte Lucie Zelenkova einen Zielsprint hin und unterschieden sich schließlich nur um 5 Sekunden.

Wie stark das Feld auch vorn besetzt war, zeigt die Platzierung der Top-Frauen. Granger und Zelenkova auf den Plätzen 56 und 57; Nina Eggert auf Platz 73. In den meisten Langdistanz-Rennen ist die Spitze der Damen gern mal zwischen Platz 20 und 30.

Mein verhältnismäßig schwacher Laufsplit nervt mich ja schon ein wenig. Insbesondere, da mir meine Vergleichsgruppe alle 4 Minuten gegeben haben und ich damit vor Markus Forster auf Platz 8 platziert wäre. Aber das ist eben reine Spekulation (hätte, wäre). Gleichzeitig macht es mir Mut, dass der Einzige, der mich überholte (Steffen Haak) auch in der Ergebnisliste des IRONMAN Frankfurt 2007 auftaucht: Auf Platz 18 – nicht sooo schlecht. Da wäre ich aber sowas von zufrieden . . .🙂

Und auch der 38,5er Schnitt auf dem Rad stimmt zuversichtlich. Das wären auf 180 km hochgerechnet 4:40 – mit allem unter 5 Stunden wäre ich mega-zufrieden.

Den Bericht von Felix Weilenmann findet Ihr hier!

Ach ja, meine Ankündigung bzgl. Andi Böcherer hat sich bewahrheitet. Warum manche Menschen immer noch glauben, so ein „schnöder Infekt“ käme irgendwie zufällig „über sie“? Verstehe ich nicht. Oder ist er gar einer DER Profis, die nur dann an den Start gehen, wenn sie 100-prozentig perfekt fit sind? Perfektionisten haben es schwerer im Leben!

Und noch etwas: Wo hat man schonmal die Gelegenheit, Justin Granger 11:30 aufzubrummen (34. in 4:28:26)?

Eine nette Anekdote zum Schluss: Am Ende der 1. Laufrunde muss ich wohl recht gut ausgeschaut haben. Jedenfalls leiten mich die Helfer in einen Kanal der direkt auf’s Ziel zusteuert und ich kann mit non-verbaler Kommunikation in letzter Sekunde klarstellen, dass ich NICHT der Sieger bin, sondern unter dem Absperrband hindurchtauchend auf die 2. Runde darf. Hier das Video von Andrea:

2 thoughts on “Nachtrag Challenge France

  1. Ich finde es als Teilnehmer (aber auch „im richtigen Leben“ in meinem Job) immer besonders ärgerlich, wenn es so winzige Details sind, die aber eine große Wirkung in der Wahrnehmung der Empfänger haben.
    Schade.
    In meinen Seminaren wird meine Performance als Seminarleiter ja auch jedes Mal bewertet. Die letzte Frage heißt meist: Würden Sie dieses Seminar weiterempfehlen? Bei dieser Veranstaltung bin ich mir – bei allem sicherlich Positiven – nicht so sicher, ob ich ein „Thumbs Up“ geben würde.
    Jörg

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