Erfolg

Manchmal frage ich mich, was im Grunde den Erfolg ausmacht. Wie definiere ich Erfolg für mich? Das sind Fragen, die sicher den Einen oder Anderen von Euch ebenfalls beschäftigen.

Ich frage mich das in meinem beruflichen Umfeld (MEHR Geld, MEHR Status, MEHR Macht?). Und ich frage mich dies im Sport. Besonders nach Rennen liegt die Frage nach dem Erfolg natürlich nahe.

Nehmen wir doch mal exemplarisch die Wettkämpfe der letzten 4 Wochen:

1. Duathlon-DM Backnang: Vom extrinsischen Ergebnis her (Deutscher Vizemeister + BaWü-Meister) war das super, aber mit meiner Radleistung konnte ich nunmal gar nicht zufrieden sein. Ich hätte mit normaler Radleistung einfach ganz klar in die Top 5 laufen müssen und damit den Meistertitel holen. Also das erste Minus.

2. Eine Woche später die BaWü-Aquathlon-Meisterschaften (Swim&Run): Auf dem Papier BaWü-Meister. Hier kamen zwei interessante Faktoren zusammen: Zum einen meine vorwiegend intrinische Motivation („Ich muss vor mir selbst gut dastehen. Meinen Ansprüchen genügen. Was andere (Vergleichs-)Personen machen ist mir relativ egal.“). Zum anderen aber auch die Sondersituation, dass mir durch eine komplette Masters-Startgruppe die Chance gegeben wurde, auf dem abschließenden Lauf in die Führungsposition zu laufen. Das und ein Zieleinlauf als Sieger sind schon tolle Gefühle. Das Wichtigste für mich war jedoch der wirklich ausgezeichnete Lauf (ich bin seit 20 Jahren keinen 3:15er-Schnitt mehr gelaufen).

3. Zwei Wochen später beim 1. Liga-Wettkampf in Reutlingen: Auf dem Papier ein desaströser 50. Platz overall. Aber für mich selbst auf der einen Seite der mit Abstand Schnellste in meinem Team, Verbesserung meiner Schwimm- und Radleistung und rundherum ein solider Auftritt. Dazu Platz 4 in der 2. Liga und Platz 1 der Oldies. Wichtig hier: Die positive Leistungsentwicklung und das Mannschafts-Erlebnis.

4. Wieder eine Woche später die Challenge France: Der erste „ernsthaftere“, längere Wettkampf mit wirklicher Weltklasse-Konkurrenz. Auf der externen Seite Platz 16 overall und erneuter AK-Gewinn. Auf der internen Seite wieder eine schöne Verbesserung beim Schwimmen. Dazu die Rad-Performance gut auf die längere Distanz migriert. Allerdings eine für mich suboptimale Laufleistung.

In der Psychologie gibt es den Begriff der „Meta-Programme“, interner Programme, die („meta“) über anderen Handlungsmustern residieren und i.d.R. unbewusst unser tagtägliches Handeln und unsere Einschätzungen beeinflussen. Eines dieser Meta-Programme ist „Internal versus External“. Was motiviert mich? Externe Dinge (Macht, Status, Geld, Preise, Anerkennung, etc. – EXTERNAL) oder interne Messlatten (interne Referenzmaßstäbe, Glaubenssätze, Werte, persönliche Einschätzungen, etc. – INTERNAL).

Fazit: Ich erkenne immer wieder auf’s Neue, dass ich v.a. internal bin („Was schert mich das Geschwätz anderer Leute.“), garniert mit einem Schuss external. „Na klar ist es AUCH wichtig, in einem Wettbewerb mit vorn dabei zu sein. Die Platzierung ist mir dabei aber nur sekundär wichtig. Vor allem muss ich meine eigenen Kriterien erfüllen und mein „innerer Kompass“ sagt mir, ob ich diese erfüllt habe oder nicht.“

2 thoughts on “Erfolg

  1. God aften,

    wie entsteht Motivation? Warum arbeitet (bzw. läuft) der Mensch überhaupt? Da wird doch ein Haken zu den klassischen motivationstheoretischen Ansätzen (u.a. Theorien X und Y von McGregor, Bedürfnispyramide von Maslow,…) geschlagen😉

    Ich denke in den Ausdauerdisziplinen wird kein Sportler großartig durch extrinsische Anreize motiviert. Wegen der Anerkennung trainiert sicher niemand zig Stunden pro Woche. Klar wird die Leistung bewundert, aber halt nur von einer Handvoll (Wer aus der „Normalbevölkerung“ kennt schon die McCormacks, Geschweige denn irgendwelche Halbprofis und Amateure, die brutal viel Zeit in ihren Sport investieren). Und mit dem Anreiz Geld braucht man ja auch nicht kommen. In Saus und Braus für alle Ewigkeit leben jedenfalls die wenigsten… Um wirklich die Trainingskilometer runterzuspulen müssen Ausdauersportler wohl v.a. intrinsisch motiviert und etwas verrückt sein, und nach „Selbstverwirklichung“ oder so etwas streben🙂

    Hilsen fra Danmark

  2. Hi Ben,

    wenn Du schon Maslow ansprichst: Eines ist ja wohl klar – wir alle leben auf sehr hohem Niveau. Solange ich mich um Essen, Trinken, Schlafen sorge oder wie manch anderer beim Thema Sex hängen geblieben bin, werde ich mir sicher nicht diese Trainingsumfänge reinziehen. Maslow-technisch gesehen kommen da aus meiner Sicht sicher die drei Stufen Sozialbedürfnis (der Austausch untereinander ist ja für viele ein wichtiger – siehe VLT –> wir könnten ja alle allein laufen). Dann das Thema Anerkennung und Wertschätzung (für manche mehr, für manche weniger). Und schließlich – und da gebe ich Dir recht – v.a. auch das Thema „Selbstverwirklichung“, was übrigens im Original „self-actualization“ heißt. Aber diesen Oberbegriff müsste man ohnehin sauber trennscharf definieren.
    Schöne Grüße nach Dänemark (dann bist ja auch Du nicht beim Hohenneuffen-Berglauf dabei? Und schon wieder sinkt das Niveau),
    Jörg

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s