Überraschender Vergleich und das Thema Drafting

„Zufällig“ schaute ich mir mal die Monatsstatistik in der ErgoRacer-Software an und war überrascht, wie sich zwei bestimmte „Ausfahrten“ an einem gewissen Sonntag im Mai (25.05.2008 – Wettkampf: Challenge France) und eine 6 Tage später durchgeführte Gruppenausfahrt mit 5 Dettinger Club-Kollegen verglichen. Beide waren von der Fahrtdauer her ähnlich gelagert. Aber das war’s dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Und anders als vielleicht erwartet, waren die Watt des Training Ride höher als die im Wettkampf. Außerdem waren’s auch noch mehr Höhenmeter (nämlich 975 Hm zu 705 Hm). Wie man in obiger Grafik schön sehen kann, verbrachte ich im samstäglichen Group Ride viel mehr Zeit in TH (Threshhold = „um die funktionale Schwelle rum“) als im Wettkampf. Und das ohne Druck. Ich fuhr natürlich vorne im Wind und anders als im Wettkampf überholten wir uns nicht ständig (wie das in sogenannten „Legal Packs“ im Rennen ständig passiert). Meine Annahme ist, dass dies genau den Unterschied macht. Genau da akkumulieren sich Zeiten in E (Endurance = Ausdauer-Level = 55-75% der funktionalen Schwelle –> bei mir momentan 150-200 Watt) und Rege (Regeneration – <55% oder 150 Watt). Letzteres GEHT GAR NICHT im Wettkampf: Entweder ist die Abfahrt so steil, dass ich NULL trete (=NULL Watt) oder ich sollte verdammt nochmal jenseits der 200 Watt treten (Tempo-Level).

Auch hier sieht man die (knappen) Unterschiede sehr schön (gelb = Challenge France; grün = Training). Die MMP-Kurve (Mean Maximal Power) zeigt wieviel Zeit ich welche Watt getreten habe. In der Trainingsausfahrt mit Frieder und der Familie Knapp habe ich „oben den Deckel drauf gehalten“ und habe nicht mit Frieder (Landeskader BaWü) die Neidlinger Steige hochgedrückt, sondern bin entspannt um die Schwelle geblieben (260 Watt). Das sieht man links bei den hohen Wattzahlen. Dafür habe ich die Leistung im Schwellenbereich deutlich länger/konstanter durchgehalten (mittlerer Teil der Kurve). Das Ganze wie gesagt ohne Druck in einer locker-flockigen Trainingsausfahrt.

Fazit: Nicht nur, dass schwächere Radfahrer mit der Lutscherei schneller sind und Energie sparen – sie bremsen auch noch stärkere Fahrer aus und halten sie durch das ständige Tempo-Rausnehmen und „aus dem Windschatten rausfahren“ auf. Teilweise war in Frankreich auf den schmaleren Sträßchen eine „Mauer“ von 20 Athleten, die ich gar nicht direkt stehen lassen konnte, da sie bereits 4 Fahrer breit die Straße dicht machten. Und dann fährt auch noch (im ersten Teil der Rennstrecke) ein Schiedsrichter auf dem Motorrad hinterher und disqualifiziert den gesamten Pulk nicht.

Ich verstehe als Unternehmer natürlich die wirtschaftlichen Interessen der Veranstalter. Es ist ein wahres Dilemma. Auf der einen Seite möchte ich, dass möglichst viele ZAHLENDE Athleten bei mir starten, auf der anderen Seite mache ich einen fairen Vergleichskampf unmöglich und verwässere die Ergebnisse. Zusätzlich sende ich das Signal, dass sich bescheissen lohnt und verärgere damit faire Athleten mit einem soliden Werte-Gerüst. Aber ich möchte mich hier auf keinen Fall als Moralapostel aufspielen. Die Dinge sind so, wie sie sind und der Sport ist (siehe auch das Thema Doping) eben auch nur eine Reflektion unserer Gesellschaft und ihren Werten.

Ein Vorschlag wäre aus meiner Sicht, dass man es so macht, wie Kurt Denk in Fankfurt. Eine Gruppe mit allen Profis UND den Top Age Groupern. Das setzt ein Assessment der AG-Leistungen im Vorhinein voraus. Und diese Gruppe müsste einerseits groß genug sein, damit wirklich ALLE (so praktikabel das eben geht) Age Grouper mit Ambitionen auf einen Treppchenplatz (oder Hawaii-Quali-Platz bei IRONMAN-Events) dabei sind und andererseits klein genug, dass ein hundertprozentig, super-scharfes Windschattenreglement durchgesetzt wird. Und vergesst die drei schwarzen Karten – das lädt ja geradezu zum betrügen ein („Ich muss ja erst dreimal wegen zu schnell fahrens oder über die rote Ampel fahrens erwischt werden, bevor ich ein Knöllchen kriege.“). Wie beim Fußball: Das sollte komplett im Ermessensspielraum hervorragend ausgebildeter Schiedsrichter liegen, die selbst Triathlon betreiben und eine Einschätzunge davon haben, was 7 Meter versus 10 Meter Abstand bewirken. Wenn einer ganz offensichtlich bescheißt –> sofort disqualifizieren. Ohne wenn und aber: „Bitte stellen Sie HIER Ihr Rad ab. Gehen Sie NICHT über Los. Ziehen Sie KEINE 4.000 ein!“

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