Kraichgau Triathlon Festival – so war’s

Wow! Was soll ich sagen? Das Erste, was mir einfällt, ist, dass dies wahrscheinlich der am besten organisierte Wettkampf war, an dem ich jemals teilnehmen durfte. Fast alles war absolut perfekt organisiert. Und wer meinen Bericht über die Challenge France gelesen hat, weiß, dass ich durchaus kritisch in solchen Dingen bin. Ein gewisser Kultstatus eilte diesem Triathlon ja voraus. Aber dass er so hervorragend durchgeführt werden würde, hätte ich nicht gedacht.

Ein wirklich toller Event!

Da ich die Ecke von meinem Lieblingskunden SAP recht gut kenne (St. Leon-Rot ist das nächste Dorf) und genau wusste, wie lange wir dorthin brauchen würden, fuhren wir am Morgen und kamen pünktlich um 07:30 Uhr an, um die Startunterlagen abzuholen. Nach dem Einchecken schauten wir uns den Start der Kurzdistanz-Kollegen an (Sebastian Kienle gewann wieder mal – nicht wirklich überraschend). Um 09:00 Uhr kamen die Staffeln und Polizeimeisterschaften dran. Dann die L-Distanzler um 09:30 Uhr und schließlich wir, die top-besetzte M-Distanz 7 Minuten später. Warum sieben Minuten? Die (zugegebenermaßen clevere) Idee ist, dass dadurch keine Schnelleren durch die Pulks langsamerer vorher gestarteter Teilnehmer fahren müssen. Die Jungs um Chef-Organisator Stefan Hellriegel (genau, der Bruder von Thomas, aka Hell on Wheels) sind da schon einen Schritt weiter und haben so einen meiner Hauptkritikpunkte des letzten Rennens erkannt und besser umgesetzt. Die schnellen Schwimmer der L-Distanz haben dann gerade ihre 500 Meter absolviert und beide Starterfelder vermengen sich schon beim Schwimmen.

Thomas Hellriegel (stehend) und Belinda Granger (in Sumo-Ringer-Pose) bei den letzten Startvorbereitungen.

Vor dem Start stehen beim Neo-Anziehen zufällig Thomas (Hellriegel) und Belinda (Granger) neben mir und wir tratschen ein bißchen. Chris ist auch in der Nähe und alle ahnen, dass das zumindest auf der M-Distanz bei den Männern ein Weltklasse-Niveau ist. Bei den Mädels ist Belinda die klare Favoritin und legt heute ein sensationelles Rennen hin. Während ich in Niederbronn vor zwei Wochen schon beim Radeln die 10 Minuten Startabstand aufgeholt hatte, brauchte ich heute bis Kilometer 3 auf der Laufstrecke, um sie zu überholen. Sie distanzierte die Konkurrenz brutalstmöglich. Ähnlich sollte es auch bei den Männern laufen, wo Macca nichts anbrennen ließ und selbst den Mörder-Bike-Maschinen á la Hellriegel 3 Minuten auf dem Rad mitgab.

Im Wasser fühlte ich mich – ganz anders als 2 Wochen zuvor – überhaupt nicht wohl. Irgendwie fühlte sich alles nicht richtig locker und rund an. Ich gurkte also die 2 Kilometer im wirklich traumhaft schönen Baggersee von Ubstadt runter und freute mich auf die anfeuernden Rufe der tausenden Zuschauer am Ufer. Direkt mit mir kam einer der fünf Top-Profis, Ain-Alar Juhanson, aus dem Wasser. Er überholte mich offenbar in der Wechselzone, da die estnische 1,95m-Radkanone später nicht vorbeiballerte.

Nach einem „so-la-la“ Wechsel machte ich mich auf die Verfolgung, musste aber leider feststellen, dass ich meine Radbeine zuhause vergessen hatte. Erstmal ging gar nichts. Nach den ersten Hügeln im Wiegertritt und ein wenig Stretching ging’s dann aber immer besser. Während der Tag mit „meinem Wetter“ (bewölkt, 18°C) begonnen hatte, kam nun die Sonne immer stärker raus und die Quecksilbersäule stieg auf 25°C (mit übler Luftfeuchte). Die Trink- und Ess-Verpflegung klappte schon viel besser. Ich hatte mein gutes Hammer-Gel in einem Fläschen dabei und so hatte ich auch hintenraus auf der Laufstrecke null Energieprobleme. Die Radstrecke ist tatsächlich ultra-wellig, sehr selektiv, aber fair. Außerdem wurde heute um mich herum zumindest von allen Mitspielern versucht, so fair und regelkonform wie möglich zu fahren. Und nicht zu vergessen, dass das Thema Kampfrichter vorbildlich gelöst wurde: Mir kam es vor, als wenn ein Bienenschwarm von BWTV-Kampfrichtern mehr oder weniger ständig um uns rumschwirrte. So sollte es sein: Alle sollten ständig das Gefühl haben, dass bestimmt gerade jemand guckt. Und auch die Art, Athleten direkt „anzufahren“ und höflich aber bestimmt auf die Einhaltung des Mindestabstands hinzuweisen – perfekt!

In jedem kleinen Dörfchen bildeten sich „Fan-Nester“ und das machte richtig Spaß. Ich hatte den Eindruck, dass an so einem perfekten Triathlon-Tag alle (Zuschauer, Organisatoren, Freiwillige, Athleten) auf ihre Kosten kamen und Spaß hatten. So richtig toll fühlte sich das Radeln auch nicht an und meine Nummer 1-Herausforderung des Tages war, mit negativen Gedanken konstruktiv umzugehen. Ich versuchte, das ganze Negative zu drehen und visualisierte schonmal einen perfekten Lauf. So sollte es dann auch kommen. Aber zuerst gab’s einen perfekten Wechsel. Da waren Helfer, die einem das Rad abnehmen, Helfer, die einem bereits den Wechselbeutel anreichten und schließlich eine Helferin, die einem den Sack ausleerte und mit „dem Übrigen“ wieder befüllte. Klasse! Genau so sollte es sein (zugegebenermaßen sehr personalintensiv – aber wenn man das richtig macht, haben ALLE etwas davon). Glücklicherweise fand ich im zweiten Wechsel meine Laufbeine. Der Lauf war aus meiner Sicht ziemlich perfekt für die nun doch sehr warmen Bedingungen. Der fünftbeste Laufsplit des Tages (51:38 – schneller waren vor mir nur die Top Three) bestätigte hier mein Gefühl. Als ich Belinda überholte, nahm ich mir aber dann doch Zeit für ein kurzes Schwätzchen. What a girl! Just lovely!😉

Im Ziel dann wieder alles perfekt organisiert: Essen und Trinken satt!!! Drei kühle Pools zum einfach reinlegen und runterkühlen. Liegestühle und Sonnenschirme überall. Reinlegen und wohlfühlen! Sensationell! Warum machen das nicht alle so?

Und noch etwas: Das war doch mal ein interessantes Siegerehrungs-Konzept. Statt ellenlange Zeiten, die sich v.a. durch hoch- und runtersteigen auf’s Podium kumulieren, folgendes: Zuerst steigen alle Dritt-, dann alle Zweitplatzierten ALLER AKs auf’s Podium, zuletzt alle Sieger. Erstmal geht’s schneller und ich fand es auch interessant neben mir vom 22-Jährigen bis zum 67-Jährigen alle Gewinner ihrer Alterklasse zu sehen. Abschließend gab’s dann noch die drei Gesamtsieger mit den richtig dicken Schecks😉 und ein Siegerinterview. Einmal mehr vorbildlich. Professionell durchgezogen und moderiert von einem super Sprecher, der sich ganz offensichtlich optimal auskennt in der Szene (und gut Englisch spricht).

Race Stats:

  • 2600 Starter
  • S- (1,5 – 40 -10), M- (2 – 60 – 14) und L-Distanz (2,5 – 110 – 21)
  • außerdem BaWü- und Bayerische Polizeimeisterschaften sowie Staffeln auf S- und L-Distanz
  • Wetter: Start – leicht bewölkt, 18°C – im Ziel dann sonnig und 25°C, leichter Wind
  • Top-Weltklasse Starter auf der M-Distanz mit einem Zieleinlauf genau wie ich ihn mir gedacht habe: 1. Chris McCormack, 2. Stephan Vuckovic, 3. Thomas Hellriegel, 4. Steffen Liebetrau und 5. Ain-Alar Juhanson.
  • Bei den Frauen: 1. Belinda Granger vor 2. Wenke Kujala und 3. Jennifer Lehmler
  • Eigene Platzierung und Zeit: 10. Platz overall (Ziel erreicht) und 1. M40 (Ziel erreicht) in 3:07:08 – Zitat Andrea: „Ein gefühlter 5. Platz!“
  • Splitzeiten: 28:26 (27.) – 1:47:03 (24.) – 51:38 (5.) – inklusive Wechsel im Radsplit
  • Ergebnisse gibt’s hier!
  • Eine schöne Bildergalerie gibt’s hier beim Triathlon-Magazin, den Rennbericht hier!

3 thoughts on “Kraichgau Triathlon Festival – so war’s

  1. Gratuliere, tolle Leistung, tolle Zeit. Wie ich sehe, bist du fit und in Form (auch wenn deine Beine zu Hause gelassen hast🙂

    Gute Erholung!

  2. Merci Roger!
    Wenn man schon die Radbeine zuhause lässt, muss man wenigstens die Laufbeine dabei haben!🙂

    Bin schon wieder ganz aktiv am Erholen.
    Ciao, Jörg

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