LBS-Liga Tauberbischofsheim

Die Veranstalter und der BWTV hatten sich etwas (im Prinzip) ganz Tolles einfallen lassen. Das Wettkampf-Format sah heute einen morgendlichen, ultrakurzen Swim&Run-Sprint vor (500 m Swim + 4 km Run). Die so ermittelte Reihenfolge sollte dann den mittäglichen Start-Modus für einen Sprint-Triathlon (500 m Swim – 33 km Bike – 7 km Run) bilden. So weit – so gut.

Was sich auf dem Papier spannend anhört, ist in der Praxis – noch dazu in einem (räumlich sehr begrenzten) Schwimmbad recht schwierig pannen- und verletzungsfrei durchzuführen. Zwei Herausforderungen hatten wir ohnehin schon zeitlich zu stemmen: Erstens mussten wir um 07:30 Uhr in TBB sein, denn um 08:50 Uhr war bereits unser Start anberaumt und zweitens wurde dann der Triathlon in voller Mittagshitze bei 32°C durchgeführt. Ich sach‘ ma: Suboptimal!😦

Wir holten unsere Startunterlagen im wirklich bewundernswert schönen Rathaus in Tauberbischofsheim ab. Natürlich muss – wie immer im Leben – einer zu spät kommen. Man weihte mich ein, dass es immer die selben sind. Klar, wie immer im Leben. Unser Team wurde repräsentiert von: Frieder Reusch (116), Ralf Schmidt (117), Ben Karger (118), Roland Schmandt (119) und schließlich mir (120).

Dann also etwas hektisch die Startvorbereitungen, ein wenig warmmachen und dann los. Jedes Team hatte eine Bahn für sich (super!) und vorn sprachen sich Frieder und Roland ab, wer wie lang vorn schwimmt.

Start. Alle schwimmen brutal schnell an und ich halte mich schließlich an die Füße von Ben. Dann das Unvorstellbare: Nach 400 Metern steigen alle vor mir aus dem Wasser. Ich dachte, wir müssen 500 schwimmen??! Wie in der Sozialpsychologie bekannt, verhielt ich mich konform und trappste hinterher in die Wechselzone. Dort angekommen ging’s auch schon wieder zurück. Roland war ebenfalls klar im Kopf und so stiegen wir alle nochmal in den Pool und schwammen unsere restlichen 100 Meter. Toll. Kostete uns ganz locker mal 2 Minuten (x 5!!!) und damit eine Platzierung auf dem Podium. Na, das war ja wein toller Start. Ich möchte hier explizit keine Schuld abschieben (ich glaube ohnehin nicht an das Konzept „Schuld„). Aber interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Mädels an der Bahn offenbar nur zum Nasebohren da waren, statt zu zählen (wie übrigens vorbildlich in Waiblingen bei den BaWü-Meisterschaften Swim&Run). Es schien auch keinem der Kampfrichter aufgefallen zu sein. Hinterher hätten sich vielleicht der eine oder andere gewundert, wie denn plötzlich all‘ die Dettinger so schnell schwimmen können. Anyway, das Kind war bereits in den Brunnen gefallen und so sattelte ich wenigstens noch einen recht flotten Trainingslauf hintendrauf. Hinter mir kamen Roland und Ben zusammen, dann Ralf und schließlich Frieder, der schon resigniert zu haben schien und nur noch lustlos die Laufstrecke abgejoggt war.

Im Ziel war dann die größte Aufgabe, die Gemüter wieder etwas zu beruhigen, keine großen Schuldzuweisungen aufkommen zu lassen und die negativen Gedanken in positive Jetzt-Erst-Recht-Haltung umzubiegen.

Zwischen den Rennen hatten wir ja ausreichend Zeit, uns wieder runterzukühlen, zu rehydrieren und etwas im Schatten im Freibad zu dösen. Zwischenzeitlich waren wir zum Gesprächsthema #1 avanciert. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen . . .

Der Start des 2. Rennens war dann ziemlich chaotisch (wie vorauszusehen war). Schnelle Schwimmer, die aber von guten Läufern überholt worden waren, mussten sich nun in engen Bahnen wieder einen Weg nach vorn bahnen. Nicht sehr clever in diesen beengten Verhältnissen. Ich bekam dann auch prompt eine auf die Nase und Oberlippe. Überleben war angesagt. Raus aus dem Wasser und rauf auf den Bock. Jetzt gab’s wieder etwas völlig Neues für mich: Windschattenfahren!🙂 Ich bin mir natürlich bewusst, dass bereits einige andere Kollegen mit dieser Technik in drafting-freien Rennen experimientiert haben, aber heute war es offiziell zugelassen (also wie bei den Profis im Weltcup). Uiuiui. Das war mal wieder etwas Spannendes zum Wahrnehmen und lernen. Zuerst fand sich ein starker Partner, mit dem ich ein Paarzeitfahren veranstaltete, dann sammelten wir ein paar versprengte Häufchen von schnellen Schwimmern ein und schließlich wurden wir vom „freight train“ der 1. Liga mit all‘ den Stars geschluckt. Dann ging richtig die Post ab. Für mich kleinen Unwissenden fühlte sich das fast ein wenig nach Tour de France an. Im Grunde gemütliches Rollen im Peloton. Dann aber immer wieder Attacken, die entsprechend pariert werden mussten. Notfalls mit 720 Watt (s.u.). Kaum waren die Erstligisten weg (früher gestartet), ging’s auch schon in den Keller mit unserem Tempo. Ich musste dann mit wenigen Anderen die Pace machen und trotzdem verloren wir eine halbe Minute allein in der letzten Runde auf Frieder’s Gruppe. Ein wieder einmal sehr solider Lauf krönte diese recht interessante Erfahrung.

Fazit: Ein grundsätzlich durchaus interessantes Renn-Konzept, dass allerdings in den Details überarbeitet werden muss. Es gibt so viele etablierte, gute Rennen, dass ich keinen Liga-Wettkampf an eine Erstveranstaltung geben würde. Es gab doch eklatante Mängel, die auch bei einem „ersten Versuch“ nicht passieren sollten. Windschattenfreigabe hat aus meiner Sicht grundsätzlich nichts mehr mit Triathlon zu tun. Schnell schwimmen, um die erste Gruppe zu machen. Dann reinhängen und Beine hoch. Und hintenraus einen 3er-Schnitt laufen. Langweilig.

Race Stats:

  • Alle Ligen bis auf die Frauenliga
  • Swim&Run (05, – 4) –> Jagdstart Triathlon (0,5 – 33 – 7)
  • Zeiten: S&R: 21:27 (98.) –> Swim/Bike/Run: 08:09 (60.) – 50:58 (30.) – 23:12 (11.)
  • 2. Liga: Mannschaft 6. Platz in 7:11:47 – Einzel: 3. Platz in 1:43:46 (1. M40)
  • Wetter: Morgens sonnig, 20°C, Mittags dann sonnig, ordentlicher Südwind bei 32°C
  • Ergebnisse gibt’s hier beim Ergebnisdienst des BWTV!

2 thoughts on “LBS-Liga Tauberbischofsheim

  1. Hi Jörg,

    das Wochenden hatte es wohl um alle von uns nicht so gut gemeint wenn es ums Runden zählen geht. Dto. bei unserem Zehner in Oberboihingen. siehe HP. Da zieh ich doch einen Lauf von A nach B vor. Klare Ansage, Hirn aus, Augen zu und durch.

    Gruß
    Michi

  2. Hi Michi,

    an die Runden muss man sich heutzutage bei den größeren Triathlons gewöhnen. Es ist sowohl für die Organisatoren schwierig (Verpflegungsstellen, etc.), als auch die Zuschauer ziemlich langweilig, wenn die Athleten für 5+ Stunden „da draussen“ irgendwo in der Pampa sind.
    Außerdem spielt das natürlich normalerweise für mich, da die „nicht so hellen Sterne“ da i.d.R. die größeren Herausforderungen haben. Ich sollte vielleicht nur etwas mehr an mich selbst und meine Zählkünste glauben . . .😦
    FFM wird jedenfalls am Ende auf der Marathonstrecke mental sehr hart (4 Runden á 10,5 km) mit zwei laaangen Geraden in voller Sonne am Main entlang . . . arggghh!😦

    Gruß, Jörg

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