IRONMAN European Championship 2008

Frankfurt am Main, Sonntag, 06. Juli 2008

Jörgi’s Race Report – what REALLY happened in Frankfurt last Sunday . . .🙂

Well, I did it: MISSION ACCOMPLISHED!

Welch ein sensationelles, unbeschreibliches Erlebnis! Ich bin zwei Tage nach dem Rennen sowohl körperlich (sicher sehr nachvollziehbar), als auch emotional (schwieriger nachvollziehbar) noch nicht wieder ganz herrgestellt. Das war Sport auf allerhöchstem Welt-Niveau. Chris (Macca) und Chrissie (Wellington) als verdiente, strahlende, sympathische Sieger und die Deutschen, die sich auf „home turf“ sehr wacker geschlagen haben. Unglaubliche Siegerzeiten: Macca tatsächlich – und mit Ansage! – unter 8 Stunden; Chrissie nur knapp an der absoluten IRONMAN-Weltbestzeit vorbeigeschrammt (damals von Paula Newby-Fraser in Roth aufgestellt).

Nachdem ich hier den letzten Post verfasst hatte, fuhr ich direkt nach Frankfurt zur Wettkampf-Besprechung (Freitag, 15:00 Uhr). Danach WK-Unterlagen am Römer abholen und ein bißchen über die Triathlon-Expo schlendern. Eine Kombination aus Schaulaufen, Adrenalin in der Luft und schierer Angst in manchen Augen . . . Am Abend dann zur Pasta-Party. Gutes und vor allem reichliches Essen und Trinken. Ein Schwätzchen hier, neue „Freunde“ kennen gelernt dort. Schließlich noch mit meinem Gastgeber Martin und Tobias ein Bierchen getrunken und viel zu spät ins Bettchen.

Am Samstagmorgen dann gleich nach dem Frühstück raus zum Langener Waldsee. Rad und Wechselbeutel einchecken. An dieser Stelle exemplarisch, WIE PERFEKT diese gesamte Veranstaltung organisiert war. Keine Schlange. Ein eigener Helfer holt mich ab, nachdem die Kampfrichter mein Fahrrad und Helm geprüft haben. Er bringt mich persönlich zu meinem Wechselplatz und wir richten alles perfekt für den Race Day her. Alles darf am Rad gewechselt werden – perfekt. Dann begleitet er mich wieder persönlich bis „vor die Tür“. Klasse gemacht.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei ALLEN Helfern in Frankfurt bedanken. Und mir kommen soeben einmal mehr Tränen der Rührung über so viel selbstloses Engagement. Ihr wart einfach nur wunderbar und habt uns die Tage so viel angenehmer gestaltet. Vielen herzlichen Dank!

Der Rest des Tages ging weitgehend mit „chillen“ drauf. Ein wenig planschen im See und Schwätzchen mit wildfremden Leuten halten, die die gleiche Leidenschaft teilen. Simone Aumann sitzt plötzlich neben mir und ich lerne sie mal persönlich kennen. Sie wird tags darauf den 9. Gesamtplatz belegen. Abends nochmal mit allen zum Italiener, nachdem auch Andrea aus Freiburg eingetrudelt ist. Wieder ein erstaunlich guter, ruhiger Schlaf. Mental war ich zumindest echt gut aufgestellt. Allerdings hatte ich mich in der Nacht zuvor „verlegen“ und meine bewährte Blockade in der Lendenwirbelsäule eingehandelt. Ich war gespannt, ob ich mit den Schmerzen den Wettkampf überhaupt durchstehen würde. Aber nach dem Schwimmen lief alles problemlos.

Aufstehen um 03:45 – drei Stunden vor dem Start. Kleines Pre-Race-Frühstück. Zwei Tassen Kaffee. Noch ein bißchen hinlegen. Dann fahren wir rüber nach Langen. Irgendwie muss ich da was falsch verstanden haben; jedenfalls dürfen wir nicht auf der B44 durch, sondern müssen wieder den Umweg über die A5 machen. Das kostet uns zu dieser Zeit eine glatte halbe Stunde und bringt mich arg in Zeitdruck. Mit etwas zu wenig Zeit dann die letzten Vorbereitungen in der Wechselzone (meines ist das letzte Rad mit „Verhüterli“ in der ersten Startgruppe). Die Dame scheucht uns mit der Ankündigung „noch 15 Minuten bis zum Start“ Richtung Wasser. Neo anziehen. Ich treffe Kathrin Paetzold und die Sifi-Gang. Sie wird leider nicht finishen (Stichwort Kopf). Ist ja noch jung und hat jede Menge Zeit, sich da noch zu entwickeln. Aber natürlich schade – hätte sie gern mit Nicole laufen sehen.

Dann einer der emotionalsten Augenblicke des Tages für mich. Nach ein paar Metern einschwimmen liege ich in meinem Helix an der Startleine und schau zurück. Das Bild ist überwältigend: Tausende Zuschauer, der Zielkanal, die vielen schwarzen (Elite-Amateure) und weißen (Pros) Badekappen, Blimps und Ballone sowie natürlich der obligatorische Helikopter in der Luft. Und dann die deutsche Nationalhymne. Soll noch mal jemand sagen, ich hätte keine Heimatverbundenheit. Da ich ja von Haus aus eh‘ schon nah ans Wasser gebaut bin, liefen mir zum ersten Mal an diesem Tage die Tränen (Mist – meine blueseventy Vision-Schwimmbrille schon voll Wasser).

Start. Ich habe das Gefühl, dass es deutlich entspannter mit 300 Kollegen losgeht als mit Zweitausenddreihundert. Dazu noch Leute, die sich wahrscheinlich gut einschätzen können. Ich cruise recht entspannt an der linken Seite mit und suche mir immer wieder „gute Füße“. Das klappt ausgezeichnet und ich steige nach einem „Australien Exit“ (Schwimmausstieg nach ca. 2.200 m) und einer zweiten Runde relativ locker nach 54:24 aus dem Wasser. Sensationell. Das war deutlich flotter als erwartet (Strecke war aber sicher auch ein paar Meter zu kurz). Dann den steilen Berg hoch zur Wechselzone. Mein weiblicher Fanclub in Person von Andrea und Carmen feuern mich an. Schön. Wechsel klappt einwandfrei. Raus auf die B44. Zu Beginn habe ich Schwierigkeiten, mich runterzupacen (tolles Wort, gell?). Erst in FFM angekommen dampfe ich mich unter die 250 Watt-Grenze und nehme mir Zeit, an meinem Fläschen Hammergel zu nuckeln. Ich bin erstaunt, wie effektiv die 300-Mann-Regelung wirkt (statt wie bis letztes Jahr alle 2.300 Athleten gemeinsam auf die Strecke zu schicken). Bin praktisch mehr oder weniger allein da draußen. Ab und zu kommt mal ein „Killer-Biker“ vorbeigerauscht, aber das war’s dann auch schon. Ich habe den Eindruck, dass ich andersrum wenige Leute einhole und konzentriere mich auf meine Form (SAUBER radeln) und v.a. die Ernährung. Die Verpflegungsstellen funktionieren tadellos. Die Jungs und Mädels machen einen super Job und sind offenbar gut geschult (und mit Spaß bei der Sache!). Nothing much happens. Ist eine ganz schön lange Zeit da draußen. Am Hühnerberg überhole ich Nicole Leder (später 2. gesamt) und kurz darauf Meike Krebs (später 4. gesamt). Gleichzeitig überholt mich Dieter Metz (meine Vergleichsgruppe und später 2. in der M40). Wir sehen uns dann erstmal sehr lange nicht mehr, bis ich ihn am Heartbreak Hill in Bad Vilbel stehen lasse. Dann überholen wir uns noch öfter auf der Laufstrecke und er finisht schließlich 42“ vor mir. Wenn’s um Platz 2 gegangen wäre, hätte ich dann wahrscheinlich doch noch mal ein anderes Register gezogen. Aber wie mir Kollege Rolf (Schwarz) schon zuvor mitgegeben hatte: „Wenn Du jenseits vom Treppchenplatz bist, lass‘ es lieber etwas ruhiger angehen und reduziere damit Deine Regenerationszeit dramatisch.“

Auf den letzten Metern der Radstrecke stretche ich dann noch ein wenig und muss feststellen, wie fertig meine Beine tatsächlich schon sind und wie nah am Krampf. Uiuiui! Da ich wieder völlig allein in die T2 kam, klappte das auch mit dem 2. Wechsel sehr flüssig. Wieder tolle Helfer. Dann verhalten auf die Laufstrecke. In dem Moment überkommen mich echte Zweifel, wie ich jetzt noch einen Marathon laufen soll. Geschweige denn schnell. Aber es geht dann doch besser als gedacht. Zwei Briefchen mit Kochsalz bei den nächsten Verpflegungsstellen und VIEL trinken helfen deutlich. Ich komme so in meinen Trott und sehe am Westend die zwei Führenden und kurz dahinter noch Faris (Al-Sultan, der kurz daruf aufgeben sollte – ich vermute mal wieder „Kopf“). Auf der Siegerehrung am Montag erzählt mir Macca, wie Faris wohl eine völlig idiotische Attacke gefahren wäre, die ihn wohl dann auch das Rennen kostete. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich wäre lieber langweiliger Dritter, als ein unlangweiliges DNF hinzulegen.

Anyway. Dann kamen sie alle einzeln langsam, aber sicher an mir vorbei (natürlich alle mit einer Runde = ca. 45′ Vorsprung): Timo, Cam Brown, Hektor Llanos, Jan Raphael und schließlich auch Markus Fachbach, der sich ca. 3 km vor dem Ziel allerdings nur 200 m vor mir halten konnte und dann nach hinten wegbrach. Er konnte seinen hervorragenden 8. Gesamtplatz allerdings noch ins Ziel retten. Gratulation! Ganz starke Leistung! Übrigens haben alle oben genannten Zeiten hingelegt, die bei den meisten IRONMAN Triathlons locker zum Sieg gereicht hätten!

Zwischendrin hatte ich so bei Kilometer 15-18 einen „Hänger“ und hintenraus wurd’s dann schon recht hart. Aber das ist ja auch ein IRONMAN. Wie Rolf gerade am Telefon sagte: „Wenn’s leicht wär‘ würde man’s Fußball nennen.“

Sven Imhoff aus Mönchengladbach, der mich so bei km 170 auf der Radstrecke überholte und später stets ca. 40-60 Meter vor mir lief, brach kurz vor dem Ziel noch etwas ein (oder war doch ich es, der nochmal ein bißchen auf’s Gas trat?). Jedenfalls fing ich ihn noch auf den letzten 400 Metern ab und sicherte mir den 42. Gesamtrang (wir haben’s schließlich beide noch auf die erste Seite der Ergebnisliste geschafft). Naja, ein 3:10-Marathon ist nicht so wirklich berauschend für mich, aber Minimum-Ziel und damit völlig OK. Habe einfach durch das ständige Alleinfahren (v.a. auf der 2. Runde zurück von Friedberg gegen den Wind) zu viele Körner beim Biken verbraten. War aber eine gute Einstimmung auf Hawaii. Was uns nach dem reinen Durchkommen (finishen) zum zweiten großen Ziel des Tages bringt: Die Hawaii-Quali. Und wie erwartet war das Ziel ganz locker erreicht, wenn eben nichts außergewöhnliches passiert. Als 8. der M35 sicherte ich mir einen der begehrten Slots und werde am 11. Oktober hoffentlich gut trainiert und gesund an der Startlinie in Kona stehen. Freue mich schon auf einen echten Kona Coffee im Lava Java.

Im Ziel wieder einmal alles perfekt: Ein „Catcher“ hilft mir rüber in den „Athletes Garden“ auf dem Paulsplatz, bringt mir zu essen und zu trinken, meinen „After Race Beutel“, mein Finisher Shirt und meine offzielle Urkunde. Einfach wunderbar!

Fazit: Ein praktisch perfekt organisiertes Rennen mit offiziell geschätzten 500.000 Zuschauern (in Worten: fünfhunderttausend!). Eine irre Kulisse. Praktisch perfektes Wetter (OK, für mich könnte es wie fast immer gern noch ein wenig kühler sein). Schwimmen super. Radfahren nicht berauschend, aber unter den gegebenen Bedingungen OK. Laufen solide mit Potenzial nach oben. Bin gesund und munter und werde mich nachher rüber in die Therme verabschieden, um meine Regeneration etwas zu beschleunigen.

Race Stats:

Strecke: offziell 3,86 km Schwimmen (etwas kurz) – 181,6 km Radfahren (etwas zu lang und zu „hakelig“) – 42,195 km Laufen

Zeiten: 54:24 Swim – 3:15 T1 – 4:59:41 Bike – 1:41 T2 – 3:10:27 Run –> 9:09:30 gesamt

Platzierung: 126. – 122. – 34. –> 42. overall (8. M35 – theoretisch 3. M40)

Ergebnisliste gibt’s hier!

Rennentwicklung:

  • 1. Runde Swim in 30:11 (142.) – 2. Runde in 24:12 (99.) = 54:24 (126.)
  • T1 in 3:15 (93.) = 57:40 (105.)
  • Anfahrt nach FFM in 20:02 (116. / 89.) – 1. Runde Bike in 2:16:42 (178. / 103.) – 2. Runde in 2:22:57 (115. / 87.) = 5:57:21 (87.)
  • T2 in 1:41 (329.) = 5:59:03 (88.)
  • 1. Runde Run in 44:06 (33. / 61.) – 2. Runde in 46:11 (30. / 50.) – 3. Runde in 48:30 (43. / 43.) – 4. Runde in 51:38 (60. / 42.) = 9:09:30

Leider musste ich ja dank der bescheidenen WTC-Regelung ein letztes Rennen in diesem Leben in der M35 machen, da ich erst in einigen Tagen meinen 40. Geburtstag feiern kann. Irgendwie komisch, wenn man schon das ganze Jahr in der M40 startet (und dort fast alles gewonnen hat). Naja, ist halt so. In Hawaii darf ich dann jedenfalls in der M40 starten.

Wetter: Leicht bewölkt bei ca. 20-26°C, nachmittags recht stark aufkommender Wind aus westlichen Richtungen.

Starter: 2.300 aus 45 Nationen – im Ziel: 1993 Männer und 242 Frauen = 2.235 offzielle Finisher

Equipment: Orca Trisuit; blueseventy Helix Wetsuit mit blueseventy Vision Goggles; Planet X Stealth Pro Zeitfahrrad mit Planet X Aero Wheels (50 vorn +100 hinten); Pearl Izumi Tri Fly Radschuhe; Giro Advantage Aero-Helm; Ergomo-Wattmesser; Pearl Izumi Streak Laufschuhe; Alpina Airframe One Brille

5 thoughts on “IRONMAN European Championship 2008

  1. Wow. Respekt. Natürlich in erster Linie für das Finishen, aber auch für den wunderbaren Bericht! Habe am Sonntag ein wenig in die Live Übertragung geschaut und war schon hin und weg von dieser riesigen Kulisse und mich geärgert, das ich nicht, noch als Zuschauer🙂, dabei sein konnte (kein „Kopf“😉, sondern 30km Lauf).
    Also nochmals Gratulation und eine wohlverdiente Regeneration.

  2. Das liest sich alles so entspannt. Nur wenn man das schon mal mitgemacht hat, kann man erahnen, wieviele schwere Minuten Du durchgemacht hast und wieviel Zähne zusammenbeißen dahinter steckt.
    Ein schöner Bericht und ein Ergebnis das jenseits meiner Vorstellungskraft liegt. Glückwunsch dazu und zur Quali und ich freue mich schon auf den Bericht von Hawaii.

    Viele Grüße und gute Erholung
    Uli

  3. Ich gratuliere natürlich auch!! Fantastische Leistung und auch noch nach Hawaii, SUPER!!

    Wieder ein toller Bericht, KLASSE!!!

  4. Super. Gratuliere zu deiner hervoragenden Zeit. Für mich echt ein Rätsel, wie du bei den „geringen Trainingsumfängen“ so eine Leistung abrufen kannst. Respekt.
    Hoffentlich hast du noch ein paar Körnchen für Schluchsee aufgehalten.

    Bis dann

  5. Hallo Roland,

    erstmal Danke.
    Da hast Du einen wunden Punkt getroffen. Ich habe nämlich sehr wohl gemerkt, dass ich nur 4 x >4h und 1 x >5h in den letzten 8 Wochen vor dem IM gefahren bin. Die 2. Runde (v.a. allein zurück von Friedberg gegen den nun heftig aufkommenden Wind) war echt hart. Und schließlich hat man’s ja auch beim Laufen gespürt. Normal sollte ich da schon noch etwas schneller können.
    Also der Plan steht: Bis Oktober müssen noch ein paar lange Radausfahrten / Koppeleinheiten her. Sonst wird das auf der Marathonstrecke von Kona NOCH härter. Und das wollen wir doch nicht!😉

    Frank hat mich vorhin angerufen zum Thema Schluchsee. Ich schau‘ mal, wie sich meine Beine zum WE hin anfühlen. Auch mit nur 70% von mir würd’s wahrscheinlich einen positiven Unterschied für’s Team machen. Ich hoffe, es geht.
    Bis Freitag (Schwimmen?),

    Jörg

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