Zugspitz Extremberglauf 2008

Bild: Schneefernerhaus mit Läuferschlange auf dem steilen Schlussanstieg

Eine Tragödie spielte sich in der diesjährigen Ausgabe des Zugspitz-Extremberglaufs ab, der von Ehrwald hinauf auf Deutschlands höchsten Gipfel führt. Nachdem wir letztes Jahr mit 5 Läufern des Team Sport Schweizer am Start waren und die Mannschaftswertung für uns entscheiden konnten, rückten Sieger und Ergebnisse dieses Jahr auf traurige Art in den Hintergrund.

Wie ich letztes Jahr an dieser Stelle bereits erwähnte, zählte die Veranstaltung aus meiner Sicht zum schlechtesten, was ich je an Sport-Organisation erlebt habe. So ein Level ist IMHO völlig OK für ein Adventure Race, wo ich für eine extrem kleine Gruppe (10 – 50 Teams) extrem gut trainierter Sportler, die sich explizit NICHT allein (sondern in Teams von 2 bis 4 Personen) bewegen, die sich mit Navigation und wirdrigen Bedingungen auskennen und die vorgeschriebenen Wetterschutz mit sich führen. Aber für eine Massenveranstaltung mit 600 – 800 Athleten ist so etwas völlig inakzeptabel. Wir befinden uns zudem im Hochgebirge und da kommt so etwas wie ein Wettersturz schon mal vor. Auch außerhalb eines solchen Rennens kommen jährlich viele Sportler in den Alpen um. Aber das war ja letztes Jahr schon (bei weniger dramatischen Verhältnissen) das organisierte Chaos. Abbruch des Rennens VOR dem eigentlichen Ziel, dem Gipfel der Zugspitze – dann aber keine Kleiderbeutel der Athleten da. Das ist das Rezept für ernsthafte Unterkühlungen. Dies kombiniert mit Menschen, die, wie ein Freund von mir aus dem platten Land Westfalens, weder die Berge noch deren manchmal dramatische Wetterbedingungen einschätzen können und zudem, wie in unserer modernen Gesllschaft ab und zu erkennbar, sich masslos selbst überschätzen: Das Ergebnis kann man sich ausrechnen.

Resultat: 2 Tote und viele ernsthaft Unterkühlte, die in einer konzertierten Aktion der deutschen und österreichischen Bergwacht gerettet werden konnten.

Mein Beileid gilt den Familien und Freunden der toten Sportfreunde.

3 thoughts on “Zugspitz Extremberglauf 2008

  1. Hallo Jörg,

    ich kann alles bestätigen, was Du geschrieben hast.
    Ich sehe da aber auch noch ein anderes Problem auf uns zukommen. Dass sich die wenigsten Läufer richtig einschätzen können – es handelt sich immerhin um einen EXTREM Berglauf – können wir nicht ändern.
    Ein Problem sind meiner Meinung nach die kommerziellen Veranstalter im Laufbereich. Ist ein generelles Thema. Da geht es nicht um die Läufer und die Sache an sich, sondern nur noch um die Kohle. Aber daran müssen wir uns gewöhnen, denn je mehr Laufsportläden uns die Leute aus den Vereinen abwerben, desto weniger Vereine bzw. Veranstaltungen, von Vereinen organisiert, wird es geben. Da springen dann immer mehr die Laufsportläden ein. Ich hätte kein Problem unseren Lauf bei üblem Wetter abzublasen, aber wenn Du damit Geld verdienen musst, siehst Du es anders.
    Ich bin hier nun ein wenig vom Thema abgewichen, sorry.

    Grüsse,
    Sven

  2. Hi,

    nach allem was ich so gelesen und gehört habe (unter anderem aus 1.Hand von Jürgen H. vom TSS, der bei dem Lauf dabei war) muss man zu dem Schluss kommen, dass alle Beteiligten Fehler gemacht haben.
    1. Die Teilnehmer, die zum Teil zu blauäugig und leichtsinnig an die Sache ran gegangen sind und Warnungen ignoriert haben,
    2. Der Veranstalter, der viel zu spät reagiert hat und das Ziel verlegt und insgesamt ein katastrophales Krisenmanagement hatte
    3. Die Bergwacht die viel früher Druck auf den Veranstalter ausüben hätte sollen um das Ziel auf Sonnalpin einzurichten

    Hoffen wir, dass so etwas so schnell nicht mehr vorkommt.
    Gruß
    Frank

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