IRONMAN-Wochenende im Rückblick

Welch ein bedeutendes Triathlon-Wochenende. Drei mitteleuropäische Langdistanz-Triathlons am gleichen Tag (das „best old race“ in Roth sowie die zwei IRONMANs in Klagenfurt und Zürich). Dazu ein angekündigter Anschlag auf die absolute Weltbestzeit der Frauen – aufgestellt von keiner geringeren als der „Queen of Kona“, Paula Newby-Fraser, 1994 in Roth. Es versprach ein heißer Sonntag zu werden (allerdings nicht meterologisch gesehen) und so kam es dann auch . . .

Ich war ja mit der Sifi-Gang in Zürich, um „unsere“ Kathrin Paetzold anzufeuern. Sie machte auf mich schon vor dem Start einen deutlich entspannteren Eindruck als in FFM die Woche zuvor (DNF – deshalb kurzfristig umgebucht auf IM Switzerland – Profi müsste man sein).

Bei den Herren waren die eidgenössichen Killer-Biker gemeldet sowie der Super-Schwimmer Matthias Hecht (Aufagbe beim Radfahren nach 30 km – hey, bist Du ein Profi oder was? Du hast bestimmt ein paar warme Klamotten im Schrank, wenn Du schon eine Frostbeule bist) und der ebenfalls in letzter Sekunde nachgemeldete Frank Vytrisal (gleiches Schicksal wie Kathrin – DNF in FFM).

Das Rennen in Kurzform: Hecht stieg mit drei weiteren Schwimmern zuerst aus den Fluten des Zürichsees. Ronnie Schildknecht fackelte nicht lange und stampfte sie alle in alter Norminator-Manier in Grund und Boden (bereits über 17 Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Stefan Riesen nach dem Radfahren). Frank hielt sich gut in der Verfolgergruppe und lief im abschließenden Marathon noch von Platz 4 auf 3 vor. Sehr solide Leistungen und Hawaii-Quali von allen Dreien. Aber eben für uns Zuschauer sehr „typisch schweizerisch“: Solide Leistungen aber total unspannend. Es war zum Einschlafen, da die Abstände so schnell so groß waren, dass es überhaupt kein Überraschungsmoment gab.

Da war Kathrin ein echter Lichtblick. Verschwamm sich gleich mal im (zugegebenermaßen großen) See. Hmm? Verlaufen und verfahren kenne ich ja. Aber verschwimmen? Sie war aber guter Dinge und hatte noch die Zeit, uns allen davon während des ersten Wechsels zu erzählen. Beim Radfahren fuhr sie dann ganz entspannt und stetig vor bis auf Platz 5, um dann in gewohnter Manier noch mit einem ordentlichen (aber für sie nicht wirklich prickelnden) Marathon auf Platz 2 vorzulaufen. Der Sieg wäre sicher drin gewesen. Ich denke aber, dass dieses Ergebnis für ihre Entwicklung wahrscheinlich das Beste ist, was ihr passieren kann. Verpasste Hawaii-Quali (leider nur ein Slot). Wenn sie nur irgendwie ähnlich tickt wie ich, wird sie sich schwarz ärgern. Aber es sind eben die vielen Kleinigkeiten, die sich bei einem solch langen Rennen addieren. Und sie muss lernen, dass sie so einen 3:08-Marathon (unter viel schwierigeren Bedingungen in Hawaii) eben auch nicht an jedem x-beliebigen Tag raushauen kann. Die wesentlich erfahrenere Eidgenössin Sybille Matter siegt derweil zum ersten mal bei einem IRONMAN und bucht das Ticket nach Hawaii.

Nebenbei soll noch einmal erwähnt werden: Kathrin’s zweiter Platz bei einem offinziellen IRONMAN ist natürlich eine super Leistung, die mir absolute Hochachtung abringt. Trotzdem wäre eben ganz leicht mehr drin gewesen, wenn man nicht schon nach der Auftakt-Disziplin 13 min. Rückstand einfängt.

Dagegen sollten sich die Rennen in Roth und Klagenfurt an Spannung und Brisanz überbieten.

In Roth gab Macca wie erwartet irgendwo beim Radfahren auf um nicht sein zweites Hauptziel des Jahres (nach dem Sieg in Frankfurt am vorigen Wochenende) zu gefährden: Die Titelverteidigung in Kona. Der Neukaledonier Patrick Vernay (FRA) gewann vor Pete Jacobs (AUS) und dem Thunderbear Tobrjörn Sindballe (DEN). Thomas Hellriegel verteidigt als bester Deutscher auf Platz 6 seinen DM-Titel vor Markus Forster und Swen Sundberg. Der hochgehandelte Stephan Vuckovic musste – wie jede Menge anderer großer Namen – einsehen, dass man einen Langdistanz-Sieg nicht planen kann und finisht „nur“ auf Platz 9 (Rückenprobleme). Damit lag er aber noch vor einigen anderen Stars, die es noch schlimmer erwischte, wie Luke Dragstra (CAN, 13.), Justin Granger (AUS, 16.) oder Raynard Tissink (ZA, 34.).

Bei den Damen sollte die Weltbestzeit nicht nur wackeln, sondern fallen. Yvonne van Vlerken machte ihre Ankündigung wahr und pulverisierte förmlich die alte Bestmarke von 1994 (8:50:53) mit einer 8:45:48 und sogar die zweitplatzierte Ungarin Erika Csomor blieb mit einer 8:47:05 noch deutlich drunter.

Als dritte Frau sollte das einige hundert Kilometer weiter südlich in Kärnten beim diesjährigen IRONMAN Austria eher überraschend auch der deutschen Sandra Wallenhorst mit einer 8:47:27 gelingen. Bezeichnend ist dabei, dass sie nach einem 4:50-Radsplit einen 2:54-Marathon hinlegt. Hmm? Es darf gerätselt werden. Ich will selbstverständlich niemanden verdächtigen, aber mittlerweile (Stichwort „Tour de France“ und „20 Fahrer mit auffälligen Werten„) klingeln bei mir sämtliche Alarmglocken, so bald ich etwas von neuen Rekorden oder gar „Leistungsexplosion“ höre. Meine Forderung hier wäre ganz klar: Blut-Datenbanken von allen Profi-Athleten (am besten noch die Elite-Amateure gleich dazu – aber sicher finanziell nicht realistsich) wie beim Dresdner Kleinwort Triathlon Team. Und dann nicht nur pinkeln, sondern IMMER gleich auch Blut abzapfen und vergleichen. Bei den typischen Unregelmäßigkeiten nicht lange fackeln – sofortige Disqualifikation und Sperren. Nebenbei bin ich gerade im Begriff, meine naive Einstellung zu revidieren, dass es „bestimmt noch nichts Tolleres als EPO gibt“. Trau‘ keinem über fünfzehn . . .

Das zweite große Thema ist natürlich die exakte Vermessung der Rennstrecken. Dank der Länge der Rennen sind IRONMAN-Events ja ohenhin nie vergleichbar (Stichwort: Wetter). Aber wenisgtens die Strecke sollten exakt stimmen (naja, vielleicht beim Schwimmen wenigstens auf 50 Meter). Ich habe so meine Zweifel, wenn in Klagenfurt plötzlich 20 Leute unter 3 Stunden laufen können. Und das sogar nach sehr ansprechenden Sub-5-Radzeiten. Naja, es darf geschmunzelt werden . . .

Kommentar Hawaii-Slots vs. Preisgeld:

Auch wenn ich hiermit Aufruhr erzeuge, möchte ich doch meiner Meinung zum Thema „Verteilung von Hawaii-Slots vs. Preisgeld“ Ausdruck verleihen.

Auf der einen Seite finde ich es grundsätzlich hart, wenn in einer Kategorie nur ein einziger Slot vergeben wird. Insbesondere, wenn bei den Herren deren 3 vergeben werden. Ganze 200 Prozent mehr. Hmm?!

Ähnlich sieht’s bei den Agegroupern aus: Während in jeder Kategorie mindestens ein Platz vergeben wird (womit man in der W60 oder M70+ praktisch nur durchkommen muss – bei allem Respekt), muss man z.B. inFrankfurt in der M18 eine 9:16, in der M25 eine 9:11 und in der MPRO gar eine 8:13 hinlegen. Das ist ein ziemlicher Knaller!

Auf der anderen Seite werden nach wie vor bei fast allen Wettkämpfen für die Top-Männer und -Frauen die gleichen Preisgelder verteilt. Man ist ja modern und bei aller Gleichberechtigung sollen eben auch Frauen das gleiche Geld erhalten können.

Wenn man sich die Tiefe der Felder anschaut, ist das IMHO eine schreiende Ungerechtigkeit. Während bei den Männern oft bis Platz 20 oder tiefer echte Spitzenleistungen erbracht werden, sind es bei den Damen oft nur eine Handvoll wirklicher Spitzenathletinnen, die ernsthaften Anspruch auf Preisgeld erheben können. Glücklicherweise wird dem heutzutage durch eine Regelung abgeholfen, nach der nur Preisgeld erhält, wer mindestens in der Bandbreite „2. Platz minus 10 Prozent“ (oder vergleichbar) ins Ziel kommt. Das halte ich für eine faire Regelung.

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