Deutsche Meisterschaft Xterra 2008, Zittau

Um es vorweg zu nehmen: Einmal mehr kann ich sagen „MISSION ACCOMPLISHED“! Mit dem Deutschen Meistertitel in der M40 habe ich mir gleichzeitig die Qualifikation für die Xterra Weltmeisterschaft Ende Oktober in Hawaii gesichert. Auch wenn ich schon jetzt sehr zufrieden mit meiner ersten „Wiedereinsteiger-Saison“ als Triathlet bin. Oder um einen unserer jüngsten Olympia-Sieger zu zitieren: „Es ist das I-Tüpfelchen auf dem I-Tüpfelchen auf dem I-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen.“

Aber der Reihe nach . . .

Es fing alles andere als optimal an. Ich musste noch bis Donnerstag-Abend arbeiten und kam ziemlich müde und ausgelaugt nach Hause. Dann am Freitag noch alles packen und allein in einem 7½-Stunden-Horrortrip im Dauerregen mit schlechtfahrenden Ossis um die linke Spur kämpfen. Am Abend angekommen konnte man schon nicht mehr allzuviel sehen von der Szenerie. Ein dunkler Baggersee und in der Ferne wolkenverhangene, ebenso dunkle Berge. Einladend ist was anderes . . .😦

Glücklicherweise war das kleine Hotel sehr cozy und ich ging totmüde SEHR früh ins Bett. Am Morgen dann das gleiche Bild: 11°C und Dauerregen. Alles nass und kalt. Eklig. Beim Frühstück erkannte man die Sportler natürlich gleich an den schicken Triathlon-Klamotten und ich kam mit zwei ausgesprochen netten Ossis aus Fürstenwalde ins Gespräch (danke, Nic & Ulf für den interessanten Austausch). Das ist auch immer ein netter Teil eines Wettkampfes für mich: Wenn ich schon allein irgendwo hin fahre, dann wenigstens nette Sportskameraden treffen und ein wenig den Horizont erweitern.

Unten am See angekommen dann der erste Minuspunkt: Muss man den Sportlern jetzt wirklich noch zwei Euro Parkgebühr abknöpfen? Sowas hinterlässt bei mir immer einen schalen Nachgeschmack. Die zwei Euro sind mir völlig wurscht aber das Signal kommt negativ an. Aber bei wirklich anständigen 40 Euro Startgebühr will ich nicht mosern.

Als ich meine Sachen in die Wechselzone einchecken möchte, überholt ein supereiliger Sportkollege „mal noch schnell“ auf der anderen Wegseite und stösst frontal mit mir zusammen. Rechte Hand blutig und ganz arg Aua. A . . .och! Muss denn sowas sein? Gaaanz toll! „Fängt ja schon super an heute“, denke ich mir. Die Kampfrichter sind extrem genau und wollen sogar den Neo prüfen, ob er die maximale Materialstärke auch ja nicht überschreitet (naja, OK, ist halt eine offizielle Deutsche Meisterschaft). Dann schön alles in der nun schon aufgeweichten Wechselzone sauber platzieren (endlich mal richtig viel Platz!). Locker einlaufen. Neo anziehen. Ab in die Startbox. Netterweise ist der Chef-Kampfrichter vor Ort und lässt uns noch einschwimmen. Ich bin gerade im netten Gespräch mit Kathrin Hill (die später Deutsche Meisterin werden soll), als auch schon der Startschuss ertönt. Meinem etwas gedämpften Motivationsniveau gemäß (ich fühlte mich immer noch müde nach dieser lahmen, arbeitsreichen Woche) ließ ich es etwas ZU locker angehen und -schwupps – war auch die erste größere Gruppe weg. Von Maik Petzold, der eigentlich morgen in Peking starten sollte, will ich hier mal gar nicht reden. Er spulte die 1,5 Kilometer in sagenhaften 19:51 (bißchen lang) im optimal temperierten O-See runter und holte schon im Wasser 1:24 auf den späteren Sieger und neuen Deutschen Meister Ronny Dietz und 2:45 auf den Zweitplatzierten Jörg Scheiderbauer heraus. Ich zockelte recht entspannt nach 24:46 kurz vor der ersten Frau als 22. an Land. Auf dem Bike musste ich mich dann in Geduld üben, denn mein Körper wollte diese hohen Intensitäten noch nicht so rasch hergeben. In Olbersdorf bekam ich dann auch gleich die Quittung für das, was man bei einer Meisterschaft (oder ganz allgemein bei einem ernsthaften Rennen oder im Grunde IMMER) nie machen sollte: Ohne Streckenkenntnis an den Start gehen. Ich verfuhr mich. Ist mir noch nie passiert. Insbesondere bei einer MTB-Strecke kann’s da schon mal Überraschungen geben. Und der Streckenposten, der die Straße absperrte, schaute auch nur entsetzt hinterher, statt korrigierend einzugreifen. Naja. Auf der nächsten längeren Gerade kam mir in den Sinn, dass da was nicht stimmt, denn die Typen vor mir waren plötzlich auf 300 m nicht mehr zu sehen. Ich kehrte um und wieder rauf auf die Strecke. Oweh. Da waren auch schon die ersten drei Frauen vorbei, die auch als „richtige“ Bike-Cracks alle schneller auf dem Rad fuhren. Nach und nach wurde ich auch etwas „wärmer“, kam besser in den Tritt. Berg hoch war die spätere Siegerin Renata Bucher aus der Schweiz stets einen Tick schneller (Mörder-Druck!!), bergab dann die letztjährige Siegerin und diesjährige Zweite Anna Baylis-Scheiderbauer. Genau, die australische Ex-MTB-Profi-Fahrerin ist die Ehefrau von Jörg Scheiderbauer (s.o.). Das machte jetzt mehr und mehr Spaß. Tolle Strecke. Für einen Nicht-MTB-Profi wie mich technisch an einigen Stellen echt herausfordernd. Und bei DEM Sauwetter natürlich eine brutale Schlammschlacht. Immer schön der technisch ausgezeichnet fahrenden Anna hinterher. Am Ende des Tages sollten die Bremsklötze meiner Scheibenbremsen völlig runtergeschrubbt sein. Vollkommen blank! Anderen ging es offenbar gleich. Gegen Ende der Radstrecke konnte ich mich von den Top-Mädels noch etwas absetzen, aber sie sollten mich – wie einige Herren auch – in der Wechselzone wieder überholen. Einmal mehr kam ich nicht aus meinen MTB-Schuhen raus. Die Schnallen meiner ansonsten echt guten Shimano-Schuhe ließen sich beim besten Willen nicht öffnen. Und mit eiskalten Händen gleich gar nicht . . .😦 Irgendwann schaffte ich es dann trotz geschlossener Schnallen herauszuschlüpfen (das sollte im Grunde unmöglich sein!!).

Beim Laufen war es dann wieder ein einziger Spaß. Nass und vollkommen verdreckt waren wir ja eh‘ alle und die Laufstrecke hatte es so richtig in sich. Super crossig! Und da zuvor bestimmt zehn Leute in der T2 an mir vorbeigerauscht waren, musste ich die natürlich alle wieder ein- und überholen.😉 Mit der elftbesten Laufzeit schob ich mich noch auf Platz 21 gesamt vor. Das war Platz 12 in der DM-Wertung (der Rest war praktisch die tschechische Meisterschaft) und Platz 1 in der M40. Die M40 international gewann wie erwartet der amtierende Xterra-Weltmeister Ulli Katzer aus Österreich.

So schnell war ich noch nie vom Ziel-Buffet weg. Alles war einfach nur noch NASS und KALT. Der böige Westwind tat sein Übriges. Hände und Füße waren gerade mal so eben im Ziel aufgetaut. Und bei Freund Immo Trebing aus Calw sah man nur noch zwei weiße Augäpfel aus einem ansonsten völlig braunen, dreckverschmierten Gesicht lächeln. Ich glaube, wir hatten alle trotz der sehr widrigen, aber Xterra-gerechten Bedingungen JEDE MENGE SPASS!! 🙂

Nebenbei bemerkt: Armin Beyrich kam nach 5:05 h als 70-jähriger bei diesen Bedingungen ins Ziel. Da können sich jede Menge junger Menschen eine Scheibe von abschneiden!

Einen herzlichen Dank an die wirklich engagierte Organisation der Zittauer Triathleten rund um Benno. Bis auf ein paar Kleinigkeiten war das richtig gut gemacht. Abends gab es dann noch eine sehr intime Siegerehrung „im kleinen Kreis“ (mehr hätten auch nicht in das winzige Zelt gepasst) und einen netten, kameradschaftlichen Austausch mit den Dornstädtern (Familie Sauter wurden von Thilo Zoberbier unterstützt dritte in der Teamwertung). Abgerundet wurde das Ganze mit einem leckeren Buffet, bevor die Abordnung des SF Donstadt noch die weite Heimreise antrat und ich bei meiner Ex-Freundin Sophia in Dresden Unterschlupf fand.

Races Stats:

2 thoughts on “Deutsche Meisterschaft Xterra 2008, Zittau

  1. Hallo Jörg,

    Herzlichen Glückwunsch zum DM-Titel und der Teilnahme an der WM im Oktober 2008.
    Leider konnten wir nicht mehr bis zur offiziellen Siegerehrung bleiben. Wir waren völlig durchgefroren und froh, uns von der Autoheizung etwas erwärmen zu lassen.
    Ich drücke Dir die Daumen für Deine nächsten Vorhaben und denke, dass wir uns in 2009 sicher sehen werden.
    Bei mir hat es zu Platz 5 in der AK gereicht, leider deutlich schlechter als 2007, dennoch war es ein sehr schöner und wohl nicht so schnell zuvergessender WK, nicht zuletzt wegen dem Wetter…
    Bis dahin
    Nic

  2. Hallo Nic,

    ja, das war ein unvergessliches Erlebnis. Hat mir jedenfalls jede Menge Spaß gemacht. Auch, dass man so nette Sportskameraden wie Euch kennen lernt.
    Ihr seid doch nicht etwa so dreckig direkt in’s Auto gestiegen ohne Duschen??? Nanana!!
    Und als Klugscheisser muss ich anmerken, dass der Genitiv mal wieder des Dativ’s Feind ist: Es heißt richtig „wegen DES WETTERS . . .“!! 8)
    Drück‘ mir die Daumen am 11.10. (IM Kona) und 26.10. (Xterra WM)!
    CU „down the road“,
    Jörg

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s