Doping-Ökonomie

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Der bekannte schwedische Anti-Doping-Experte Bengt Saltin hat auf einem Anti-Doping-Forum in Berlin die Praktiken im Anti-Doping-Kampf verurteilt. Neben vielen Details ist aus meiner Sicht v.a. sein Hauptpunkt erstaunlich: Er meint, dass die WADA und die nationalen Behörden bei der Begrenztheit der finanziellen Mittel und akkreditierten Labore ihre Mittel doch gefälligst konzentrieren sollen. Erstaunlich deshalb, weil man nicht unbedingt einen IQ von 145 und einen MBA haben muss, um diese Logik zu begreifen.

Das ist IMHO doch wohl das Selbstverständlichste der Welt: Wie kann ich den Erfolg maximieren bei begrenzten Ressourcen (was praktisch die Grundlage jeden wirtschaftlichen Schaffens in kapitalistischen Märkten beschreibt)? Bingo! Ich konzentrieren meine vorhandenen Ressourcen auf die erfolgversprechendsten Projekte. Heißt konkret für den Anti-Doping-Kampf: Statt Wettkampfkontrollen (wo ich nur die paar Vollidioten erwische, die zu blöd sind, ihre Maßnahmen sauber zu timen) fokussiere ich meine Anstrengungen auf unangekündigte Trainingskontrollen und auf die Mittel, die die größte Hebelwirkung in den jeweiligen Sportarten haben. Das sind nicht überraschenderweise insbesondere Mittel zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme (z.B. EPO) bzw. zum Muskelaufbau (z.B. Wachstumshormone). Saltin ist sich sicher, dass mit dieser Änderung bereits 1000 Olympia-Athleten vor den Spielen in Peking hochgegangen wären.

„Es ist sinnlos, die Kapazitäten der wenigen qualifizierten Labore und der Anti-Doping-Fachleute mit der Jagd nach Asthmamedikamenten zu beschäftigen, die bei Gesunden kaum leistungssteigernd wirken.“

Die Zukunft scheint ganz klar Langzeit-Methoden zu gehören, die z.B. die Zahl der roten Blutkörperchen oder bestimmter Blutzellen über die Zeit verfolgen. Dies funktioniert natürlich nur in Verbindung eines sogenannten biologischen Passes. Ausgerechnet der Radsportverband UCI ist hier Vorreiter (allerdings – surprise, surprise – ist die Tour de France explizit ausgenommen). Die DTU hat ebenfalls eine Einführung beschlossen und ich denke, dass sich ganz überraschenderweise einige Athleten ab 2009 auf einem neuen Leistungsniveau wiederfinden werden. Und dieses ist nicht ERHÖHT!

One thought on “Doping-Ökonomie

  1. Hallo Jörg, mal wieder ein sehr guter Artikel.
    Der Witz ist tatsächlich, dass die „Tortour“ davon ausgeschlossen ist. ….leider gehöre ich aber zu denjenigen, die sich den Schei…. dennoch ansehen. Ich kann nicht anders, ich finde es halt einen tollen Sport.😦
    Gruß Sven

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