Nachtrag „Kurbeln“

Da ich wohl von etwas zu viel Vorwissen ausgegangen bin bzw. mich nicht deutlich genug ausgedrückt habe, hier nochmal ein paar Erläuterungen und Grafiken (anklicken zum Vergrößern):

In der „guten, alten Zeit“ gab es mal eine Standard-Kurbel, die war 170 mm lang und hatte i.d.R. ein 52er- und ein 42er-Kettenblatt. Das ist lange her. Standard der letzten Jahre war vorn ein 53er- und ein 39er-Kettenblatt. „Richtige“ Radfahrer setzen so etwas ein. Die große Masse an Radfahrern – und diese Masse hat sich in den letzten 20 Jahren extrem ausgeweitet – fahren aber eher nicht mehr als 5000 Radkilometer im Jahr und streben auch keinen 40er-Schnitt an. Daher haben sich zwei „neue“ Standards etabliert:

  1. Die erwähnte Kompaktkurbel mit ZWEI Kettenblättern und 50er- und 34er-Kettenblatt.
  2. Die Dreifach-Garnitur, wo eine noch größere Bandbreite an Übersetzungen zur Verfügung steht (analog den Mountain Bikes, wo dies ja schon lange Standard ist).

Dadurch, dass hinten üblicherweise heute 10-fach-Ritzelpakete verbaut werden (Campagnolo hat auf der letzten Eurobike schon ein 11-fach-Zahnkranz vorgestellt), ist das Thema natürlich deutlich entspannter zu betrachten. Ohne dass „mittendrin irgendwelche Lücken auftreten“ geht es nun eher darum, ob eher „oben“ (mehr Weg pro Kurbelumdrehung) oder „unten“ (weniger Weg pro Kurbelumdrehung) entscheidend sind.

Zum Vergleich hier die großen Kurbeln (mit 53/39 vorn und 12-25 hinten):

uebersetzung_gr_gr

Und hier die kleinen Kurbeln (mit 50/34 vorn und 11-25 hinten):

uebersetzung_kl_gr

Wie nun unschwer zu erkennen ist, ergibt die 34/25-Übersetzung einen Raumgewinn von nur 2,82 m – damit kommt man nun wirklich (halbwegs trainiert) überall hoch. Bei 39/25 ist das nicht immer ganz so locker zu schaffen (dank eines Minimums von 3,24 m).

Auf der anderen Seite kommt man mit einer 50/11 auf sage und schreibe 9,45 m – versus nur 9,20 m bei einer 53/12. Zugegeben: Den Raumgewinn „oben“ holen wir uns durch das 11er-Ritzel. Das braucht’s dann schon. Mit einem 12er wären es nur 8,68 m. Aus meiner Erfahrung ist es allerdings auch mit einem 12er-Ritzel und 50er-Kurbel fraglich, ob es sinnvoll ist, jenseits der 50 km/h überhaupt noch zu treten. Ich denke, es ist sinnvoller, in diesem Fall eine ordentliche Aero-Position einzunehmen und das Treten einzustellen. IMHO ist ab einer gewissen (individuellen) Schwelle der Aufwand pro Nutzeneinheit nicht mehr zu rechtfertigen. Insbesondere im Triathlon, wo man ja i.d.R. froh ist, beim Laufen noch ein paar Körner übrig zu haben.😉

Der entscheidende Sprung ist in jedem Fall der erste 2er-Sprung auf dem großen Blatt: 53/17 auf 53/19 – 6,68 m auf  5,80 m versus 50/15 auf 50/17 – 6,92 m auf 6,12 m. Das spürt man schon. Zumal die zwei Übersetzungen mit der stärksten Überkreuzung ohnehin nicht gefahren werden sollten.

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