Rückblick Saison 2008

klippensprung

06. Januar 2009 – Feiertag – Zeit für eine Analyse und Rückblick auf die vergangene Saison (und die Jahre davor). Bevor ich – bildlich gesprochen – in die neue Saison 2009 springe. Das Bild oben entstand übrigens beim „cliff jump“ auf Hawaii – Hannes‘ „cheapest thrill on the island“ (ich wirke darauf nur deshalb so ausgemergelt, weil ich tags zuvor in physisch schlechtem Zustand einen IRONMAN gefinisht habe).

Vorweg: Meine „Wiedereinsteiger-Saison“ 2008 bin ich so systematisch und diszipliniert angegangen wie noch keine zuvor. Davor war Sport immer eine nette Nebensache. Trainiert wurde wenn man gerade Lust hatte und wie man gerade Lust hatte. Völlig ungeplant. Ohne klare Zieldefinition. Dadurch, dass ich mich beim IRONMAN Germany 2007 wieder in die Sportart Triathlon „verguckt“ und mich spontan für 2008 angemeldet hatte, war schonmal ein klares Ziel vorgegeben. Finishen wurde als Minimalziel angestrebt; die Hawaii-Quali als Realziel. Und ideal wollte ich insgeheim die Sache zwischen 09:00 und 09:30 einparken. All das sollte mir gelingen.

Was war bis dahin geschehen? Nachdem ich als Kind so ziemlich jede Sportart durchprobiert hatte, die sich anbot, musste ich erkennen, dass im Grunde alles ganz gut läuft – auch wettkampfmäßig. Die einzige Ausnahme schien Fußball zu sein (erschreckend erfolglos). Dafür klappte es gleich beim ersten Triathlon im Mai 1985 (Stockach) mit einem 2. Platz in der Jugendklasse. Vier Wochen zuvor konnte ich noch nicht länger als 100 m kraulen. Das Fahrrad lieh ich mir von meinem Vater (deutlich zu groß). Mit ein wenig Talent gesegnet und etwas angelesenem Fachwissen (DER Klassiker dieser Zeit: Grosser/Brüggemann/Zintl: „Leistungssteuerung in Training und Wettkampf“) schaffte ich es recht schnell in die Jugendnationalmannschaft. Dadurch und durch das regelmäßige mittrainieren mit dem BaWü-Landeskader lernte ich noch jede Menge praktisches Know-How bzgl. Trainingsplanung dazu. Dummerweise schaffte ich es damals knapp nicht in die Sportfördergruppe der Bundeswehr nach Sonthofen. Unser Team des TV Überlingen löste sich ebenfalls so langsam in Wohlgefallen auf. Und meine Motivation näherte sich asymptotisch der Nulllinie an.

1991 und 1992 machte ich dann mit meinem Fahrrad eine Weltreise und nahm dabei „auf dem Weg“ den IRONMAN New Zealand (damals noch in Auckland – Dirk Aschmoneit gewann überraschend!) und mit der geschenkten Quali in der M18-24 sechs Monate später den IRONMAN Hawaii mit. Damit war im Oktober 1991 meine Triathlon-Karriere offiziell beendet.

2004 überredete mich dann mein ehemaliger Triathlon-Kollege Michael Schwenzig (der zwischenzeitlich nach Liechtenstein emigriert war – sehr vernünftig!) zum Start mit ihm beim Engadin Skimarathon. Das hat Spaß gemacht! Und als Einstiegsdroge sollte dieses Rennen mich wieder dem Ausdauersport näher bringen. Dazwischen waren meine sportlichen Aktivitäten auf fast Null gesunken. Absolut null Schwimmen und Radfahren. Ein- bis zweimal die Woche Laufen – nie länger als eine Stunde. Ich war faul geworden . . .

2004 bis 2007 machte ich dann allerhand kleine und größere Läufchen, den einen oder anderen MTB-Marathon und eine ganze Reihe Adventure Races. Das hat alles viel Spaß gemacht und hat sicher auch meine Grundlagenausdauer wieder auf ein erträgliches Mass gebracht. Aber einmal mehr war das Training weder systematisch noch diszipliniert. Ich „werkelte halt so vor mich hin“.

Mit der Anmeldung zum IRONMAN Germany 2008 im Juli 2007 begann dann die „neue Zeitrechnung“ und ich hatte 12 Monate, um mich in Form zu bringen. Den Herbst 2007 verbrachte ich mit ein wenig „reinschnuppern“, beendete meinen ersten Triathlon (Ravensburg – Sprintdistanz) und ein paar Duathlons. So richtig los ging’s dann im November letzten Jahres, als ich der SG Dettingen/Erms beitrat und zum ersten Mal in meinem Leben an einem systematischen Schwimmtraining teilnahm. In den „alten Tagen“ mussten wir uns mit Kindern und Omas im Hallenbad Mühlhofen die Bahnen teilen (und genau so voll wie auf den Bildern war’s da auch meistens). Die „grosse Kreisstadt“ Überlingen hatte nicht einmal eine eigene Schwimmhalle!!! Mich graust es heute noch, wenn ich an unsere Trainingsbedingungen zurückdenke. Trainer hatten wir natürlich auch keinen und außer mir (naja) konnte auch keiner Schwimmen bei uns. Dafür konnten wir alle recht ordentlich radeln und ziemlich gut laufen. Was uns immerhin den BaWü-Mannschaftsmeistertitel einbrachte.

kona_start2

Fast forward to 2008:

Wettkampftechnisch hatte ich mir viel vorgenommen. Ich hatte den Vorteil des „unbeschriebenen Blattes“ und konnte überall auflaufen, ohne dass ich oder sonstjemand irgendetwas von mir erwartet hätte. Insgesamt startete ich an 20 Wettkämpfen (und beendete diese auch alle). Bis auf zwei (DM Duathlon, Backnang und IRONMAN  Hawaii, Kona) verliefen auch alle recht zufriedenstellend. Die meisten Ergebnisse waren sogar in der Lage, mich und andere positiv zu überraschen. Dadurch, dass ich vorher nichts Großes zu verarbeiten hatte, begann ich sehr früh mit einem sehr systematischen Aufbau. Das führte dann dazu, dass ich schon mitten im Winter einige flotte C-Wettkämpfe aus dem Training heraus bestreiten konnte. Das wiederum beflügelte mich, da ich recht schnell an „alte Tage“ anknüpfen konnte. Mit meinem 1:13-Halbmarathon in Kandel war ich schon Anfang März da, wo ich lauftechnisch hin wollte. Nur das Schwimmen machte deutlich mehr Probleme, als erwartet. Ich sollte es die ganze Saison nicht schaffen, auch nur annähernd an meine alten Schwimmfähigkeiten anzuknüpfen. Und die 0:54 in Frankfurt waren mehr als schmeichelhaft – die Strecke war wohl mindestens zwei Minuten zu kurz. Auf dem Rad entwickelte ich mich anfangs sehr rasch, um dann ein wenig zu stagnieren. Dieser Teil schien die gesamte Saison über DER Limiter besserer Ergebnisse zu bleiben. Während die Leistungen sich in den letzten 20 Jahren lautechnisch kaum verbessert haben (die Weltcup-Jungs mal ausgenommen), ist die Spitze im Radfahren und v.a. auch im Schwimmen deutlich kompetitiver geworden.

Überrascht hat mich am meisten, dass ich mich – obwohl mit klarem Ziel IRONMAN trainierend – auch auf den kurzen Distanzen klar verbessern konnte. Nach „so lala“ Ergebnissen im Frühling schien das Training dann pünktlich zur Saison anzuschlagen. Duathlon-DM (26.04.) → gut gelaufen, schlecht Rad gefahren. Waiblingen (03.05.) → katastrophal geschwommen (16:09 auf 1000), super gelaufen (3:15er-Schnitt).Beim ersten Liga-Wettkampf meines Lebens in Reutlingen (17.05.) wurde ich dann mit der harten Realität konfrontiert. Auf der einen Seite erschreckte mich das unglaublich hohe Niveau der ersten zwei Ligen (auch in der Breite), auf der anderen Seite konnte ich die Masters-Kategorie für mich entscheiden. Dann folgten meine zwei Vorbereitungs-Mitteldistanzen: Zuerst die Challenge France in Niederbronn-les-Bains, wo ich mit einem 16. Platz overall (bei absoluter Weltklasse-Besetzung) absolut zufrieden war. Dabei verlor ich auf so illustre Namen wie Markus Forster nur 3:30′ und Marc Pschebizin nur 3:01′. Not bad! Gutes Schwimmen und Radfahren – schwaches Laufen. Zwei Wochen später dann ein ähnliches Bild. Im Kraichgau über die M-Distanz finishte ich mit einem 10. Platz overall (wieder 1. M40) und verlor auf Sieger Chris McCormack 16:36′, auf Steffen Liebetrau (4. Platz) gar nur 9:29′. Da kann man nicht wirklich bellen (wenn man überlegt, wo ich herkomme und wo DIE Jungs herkommen). In Tauberbischofsheim durften wir dann zum ersten Mal in einem windschattenfreien Rennen ran. Wenn man mal abzieht, dass wir es als Team nicht hingekriegt haben, bis auf fünf zu zählen, war’s ein echt toller Wettkampf. Wieder super Läufe.

Und dann kam auch schon der Saisonhöhepunkt. Da hatte ich schon irgendwie ein bißchen Schiss. Was wird das wohl geben, bei „nur“ 5.000 Radkilometern? Meine Sorgen sollten unbegründet bleiben. Alles lief gut und ich konnte eine sehr ordentlich 9:09 einfahren. War zufrieden. Aber bei 9:09 kitzelt natürlich die berühmte und in Fachkreisen hoch gehandelte „sub-9“! Das wird wohl auch dieses Jahr nichts, denn in Zürich ging 2008 der letzte Sub-9-Platz an Joseph Spindler, der auch den Ostsee-Man gewinnen konnte (Platz 8 gaaanz weit vorne bei den Profis).

Bei der Xterra-DM in Zittau lief’s dann beim Schwimmen echt mies, beim Radeln wurd’s besser und Laufen war ich schon wieder richtig aufgeweckt. Das ergab unterm Strich Platz 12 in der DM-Wertung und der deutsche Meistertitel der M40 (und aller Masters). Damit war die Saison – zumindest mental – für mich gelaufen. Alles andere war „Spaß“. In Bad Orb nahm ich wieder bei der dortigen Spessart Challenge teil. Toller Wettkampf! Und dann ging’s auch schon in einem Horror-Trip nach Hawaii, wo ich mir aufgrund vieler, kleiner Gründe eine ordentliche Grippe einfuhr, die mich darnieder streckte. Finishen war aber Ehrensache. Zwei Woche später sprang dann überraschenderweise sogar noch ein ganz versöhnlicher 7. AK-Platz (83. overall) bei der Xterra-WM in Maui heraus.

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Fazit & Ausblick:

Ich bin sehr zufrieden mit dieser ersten Triathlon-Saison „neuer Zeitrechnung“. Ein deutscher Meistertitel, ein deutscher Vizemeistertitel, zwei Baden-Württembergische Meistertitel, zwei IRONMAN-Finishes, eine 9:09, zwei WM-Teilnahmen. Ist im Grunde schon so gut, dass es schwer für mich wird, das irgendwie zu überbieten.

Außerdem ging das Laufen schon wieder überraschend gut. Mit dem Schwimmen tat ich mich dagegen noch recht schwer. Irgendwie scheint mir – entgegen einiger Experten-Aussagen – das Wassergefühl doch ein wenig abhanden gekommen zu sein. Zumindest ist die Wasserlage in Ordnung. Den Rest möchte ich gern in der neuen Saison verbessern. Da die ersten zwei Ligen nun ab 2009 komplett windschattenfrei veranstaltet werden, spielt eine starke Schwimmzeit eine doppelt wichtige Rolle, da sonst im wahrsten Sinne des Wortes „vorne der Zug abgefahren ist“. Langdistanz werde ich 2009 nur eine machen: IRONMAN Switzerland in Zürich. Und er wird NICHT Priorität haben. Genau wie die Liga-Wettkämpfe. Statt dessen möchte ich an meinem #1-Limiter – dem Radfahren – arbeiten und ein paar solide Mitteldistanzen finishen.

Dazu muss ich allerdings erst einmal wieder beschwerdefrei laufen können . . .

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