Nutzen versus Risiko

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Inspiriert einmal mehr von „Star Coach“ Joe Friel und meiner professionellen Tätigkeit, sowie der momentanen Wirtschaftslage im Allgemeinen und der Finanzmärkte im Speziellen, möchte ich mich dem Thema „Risk & Return“ widmen.

Ganz ähnlich wie beim Investieren des „Zuviel“ an verfügbarem Einkommen (immerhin gaben die Deutschen im vergangenen Jahr 3,3 Mrd. Euro für ihre 23,2 Millionen Haustiere aus – uns kann es also nicht wirklich so schlecht gehen), so kann man auch jedes Training als Investment in eine bessere Fitness betrachten. Und wenn man das als BWL’ler macht, kann man nach alter Consulting-Manier eine schöne 2 x 2-Matrix (im Jargon „two-by-two“) daraus basteln. Ich meine, dass eine solche Betrachtung recht aufschlussreich für viele ambitionierte Amateure sein kann.

Was können wir sehen? Schauen wir uns dies der Reihe nach an:

  1. Quadrant I ist geprägt von lockerem Training, welches tendenziell recht bescheidenen Nutzen generiert, aber auch das Risiko niedrig hält. Klassisches „safety investing“ – Häusle bauen. Solange kein Erdbeben das Eigenheim plättet, hat man es sicher. Es wird allerdings – zumindest in Deutschland – kaum Wertsteigerung erfahren. Das ist das Training des reinen „Spass-Sportlers“.
  2. Quadrant II ist geprägt von der auseinander gehenden Schere zwischen Risk und Return. Sobald wir an den drei klassischen Stellschrauben Häufigkeit der Trainings (#1), Umfang (#2) und Intensität (#3) drehen, werden sich Fortschritte in der Fitness zeigen.
  3. Bis zu einem gewissen Punkt, der selbstverständlich höchst komplex von vielen Parametern abhängt und höchst individuell zu betrachten ist, bleibt das Risiko einer Verletzung recht gering. Der Nutzen eines beispielsweise intensitätsbetonten Trainings steigt dagegen rasant an.
  4. Dies allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt X, dem individuellen Maximum der blauen Nutzenkurve. Gleichzeitig steigt das Risiko einer Verletzung bzw. Krankheit als Signal des Körpers, dass das individuelle Equilibrium nachhaltig gestört ist, rasant an. irgendwann schneiden sich die Kurven. Der Grenznutzen (wie viele „Nutzeneinheiten“ pro „Einheit Härte“ generiere ich mit meinem Training) nimmt deutlich ab, während das Risiko so groß wird, dass sehr feinfühlig auf erste Körpersignale geachtet werden sollte.

Selbstverständlich ist meine schematische Darstellung nur ein grobe Skizze der in der Realität zu beobachtenden Risiko/Nutzen-Vorgänge.

Fazit: Das Ziel sollte sein, lange Zeit (PREP- und BASE-Perioden) in weitgehend risikofreiem Training mit niedrigen Intensitäten zu trainieren. Dann zuerst die Trainingshäufigkeit anzuheben. Diese ist am leichtesten vom Körper zu tolerieren. Dann werden (gerade in der BASE-Periode) die Umfänge hochgefahren. Und schließlich werden in der BUILD-Phase die Intensitäten angehoben.

PS: Im gerade abgelaufenen Seminar konnte ich wieder einmal betrachten, wie sehr das intellektuelle Verstehen vom Tun entfernt sein kann. Denn dreimal darf geraten werden, wer gerade nachhaltig verletzt ist. Genau! Und warum? Weil ich nicht in der Lage war, im Dezember einfach mal alle anderen laufen zu lassen und bei meinen super-niedrigen Einlauf-Intensitäten zu bleiben.

PPS: Speziell beim Triathlon ist daneben noch das Risiko-Profil der einzelnen Sportarten zu betrachten. Schwimmen und Radfahren (abgesehen von Stürzen) mit sehr niedrigem Verletzungsrisiko. Und das Laufen mit deutlich größerem Risiko. Das ergibt einen Grund mehr, die Grundlagenausdauer vermehrt auf dem Fahrrad aufzubauen und das Laufen auf einem vertretbaren Minimum-Level zu halten.

4 thoughts on “Nutzen versus Risiko

  1. Wie immer, äusserst interessant. Steigerst Du in der Base-Phase „nur“ Umfang und Häufigkeit oder auch ein wenig Intensität?

    Viele Grüße
    Olli

  2. Hallo Olli,

    also ich bin eben schon so einer von denen, die sich a) auch in der Base-Phase kaum zurückhalten können. Außerdem denke ich, dass b) auch ein paar Spitzen zur „Auflockerung“ in jede Phase (außer reine Rege) gehören. Eines der fundamentalen Trainingsprinzipien ist ja auch entsprechend das „Prinzip der variierenden Belastung“.
    Zitat aus dem „Klassiker“*: „Einerseits ist eine allmähliche, kontinuierliche Steigerung für eine stabile Anpassung des Organismus an Reize notwendig,
    andererseits führt dies in einem bestimmten Zeitpunkt zu einer Stagnation und muss deshalb durch sprungartige und variierende Belastung „gestört“ werden, um gesteigertes Leistungsniveau zu schaffen.“
    * Grosser/Brüggemann/Zintl: „Leistungssteuerung in Training und Wettkampf“

    Hilft Dir das weiter?

    Gruß, Jörg

  3. SIR, YES, SIR!

    …Spitzen werden also bewusst gesetzt, jedoch mit Bedacht und sehr variierend. Kleinere Wettkämpfe (10k-Läufe, mal einen Schwimmtest) werden dann wohl ihren Dienst vollbringen.

    Gruß
    Olli

  4. Pingback: Umfang versus Intensität « Jörg’s Multisport Blog

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