Triathlon und Professionalität

zuschauer_roth

Gerade musste ich einmal mehr an die „kleinen Unterschiede“ zwischen „König Fußball“ und der Randsportart Triathlon denken, als ich diesen Artikel bei Spiegel Online las.

Während unsere tollen Spitzenfunktionäre froh sind, dass sie mit viel internationaler Hilfe Triathlon olympisch gemacht haben und damit automatisch am Tropf der Sportförderung hängen, wird in anderen Sportarten selbst auf drittklassigem Niveau mit ganz anderen Zahlen operiert. Während hier nur ein verschwindend kleiner Teil von Athleten (v.a. die wenigen Kader-Athleten, die auf der Kurzdistanz unterwegs sind) gefördert wird, wird dort schon gejammert, wenn nicht jeder einzelne Drittliga-Club doch wenigstens 2 Millionen Euro Extra-Unterstützung von den Fernseh-Einnahmen erhält. Und, nur um das klarzustellen, ich denke nicht, dass die Fußball-Funktionäre in irgendeiner Weise „besser“ wären. Aber ich meine, dass die Einstellung und der eigene Anspruch ein anderer ist. Und mal von anderen Faktoren abgesehen (Fußball gibt’s ja auch schon ein bißchen länger, etc.) . . .

Und wer, wie oben zu sehen, einmal bei einem großen Triathlon-Event selbst dabei war – und sei es als Zuschauer – der weiß, welch eine sernsationelle Energie tausende von menschen verbreiten, die die selbe Leidenschaft teilen. Es ist einfach nur geil, beflügelnd, inspirierend. Schade, dass es so wenige professionelle Macher gibt, die dieses Konzept verstehen und in der Praxis profitabel für alle umsetzen können.

Dann wird zum x-ten Mal die alte Story ausgegraben, wie überaus positiv sich die Sportart entwickelt. Und beim genaueren Hinsehen entpuppen sich die Zahlen als richtig schlechte Statistik. Von der WTC und ihren IRONMAN-, sowie Felix Walchshöfer’s Team Challenge-Veranstaltungen mal abgesehen (beides sowohl was die Professionalität als auch die finanzielle Seite betrifft herausragend), haben wir in den letzten 20 Jahren aus meiner Sicht deutlich zu wenig Fortschritt gesehen. Statt dessen bekriegen sich die Funktionäre und vergessen ob ihrer riesigen Egos ganz, wofür sie eigentlich angetreten sind: Der Sportart und den Sportlern zu dienen.

2 thoughts on “Triathlon und Professionalität

  1. Ich denke, Fußball und Triathlon sind nun mal absolut nicht vergleichbar. Für ein „mieses Drittligaspiel“ am morgigen Samstag (Jena – Erfurt) hätte man locker 30.000 Karten verkaufen können. Der Deutsche Fußball Verband hat ca. 6 Mio Mitglieder. Bei der Fußball-WM sitzen über 25 Mio. Deutsche vor dem Fernseher.
    Ob man es wahrhaben will oder nicht, über Jahrzehnte gibt es dort eine ganz andere Basis, die man einer Randsportart, die Triathlon immer sein wird, so spektakulär diese auch sein mag, niemals annähend erreichen kann.
    Sicherlich könnte man auf Verbands- und Funktionärsseite vieles besser machen, doch dieser Sport wird immer um entsprechende Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

  2. Selbstverständlich, Chris, JEDER Vergleich hinkt. Meine Intention ist ja lediglich, Aufmerksamkeit zu lenken auf die suboptimalen Strukturen und Systeme in unserem Sport. Wie von einem der ganz großen Organisationspsychologen, Jacques Elliot, postuliert, sind es nämlich selten die Menschen selbst, die eine suboptimale Entwicklung begünstigen, sondern o.g. Strukturen und Systeme.
    Aber wenn wir schon beim Vergleichen sind: Biathlon comes to mind!🙂 Bis vor wenigen Jahren interessierte sich dafür auch kein Schwein. Heute ist das richtig „big business“. Da könnten wir jede Menge von lernen.
    Auf der anderen Seite zeigt Biathlon gerade in den heutigen Tagen , wie fragil dieses Gebilde ist. Mit ein paar „Fehlern“ wie schwache Standortwahl für die WM am A… der Welt ohne Schnee und natürlich v.a. die heikle Doping-Problematik fällt das schöne Kartenhaus auch ganz schnell mal wieder zusammen.

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