Was ist das Ziel?

superkompensation

Genau wie im Rest des Lebens, so sehe ich auch im Leistungssport die fehlende Zielorientierung. Ganz gern wird die von einigen Vertretern heruntergespielt („Ist ja alles nicht wichtig!“, „Ich mache das ja nur aus Spaß!“, etc.). Wenn’s nicht wichtig ist, warum machen wir es dann. Wenn’s NUR für den Spaß ist, warum stehen wir dann früh morgens um 04:00 Uhr auf, um unser Frühstück lustlos reinzuwürgen vor dem Wettkampf? Warum machen wir überhaupt Wettkämpfe?

Nein, nein, Jungens! Das kann mir keiner erzählen. Gerade jetzt, als ich das erste Mal seit vielen Jahren zu einem Arzt und zu Physiotherapeuten gehen durfte, erkannte ich, wie voll die Sprechzimmer und Liegen sind, mit Leuten, die das per definitionem NICHT mehr nur aus Spaß machen (sonst käme es nämlich nicht zu millionenfachen Überlastungserscheinungen!).

Gehen wir gedanklich einen Schritt weiter: Neben der berühmten WARUM-Frage („Warum mache ich das alles?“), die uns nach unserer eigensten Motivation fragt, ist auch die andere Seite interessant. Nämlich, WOHIN das Ganze führen soll – also der Frage nach dem Ziel.

Wenn ich mich im Amateurbereich umsehe, trainieren da IMHO viele für’s Training. Im Profi-und Spitzensport ist allen Beteiligten völlig klar, dass es dagegen NUR um die optimale Wettkampfleistung geht. Das Training ist hinführend auf den Tag X des Hauptwettkampfes. Training ist also quasi nur Spiel, während der Wettkampf das wahre Leben darstellt, den Ernstfall. Das kann auch EIN Grund sein, warum viele Athleten wahnsinnig viel trainieren, aber nur extrem wenige Wettkämpfe machen. Insbesondere die bekannten Trainingsweltmeister, die beim Üben ihre Kollegen regelmäßig mit Top-Leistungen schocken, aber beim Rennen nullkommanix hinzusetzen können. Klar, für sie war ja das Training schon Ernstfall. Anders bei Wettkampftypen: Die können sich im Training nur selten voll ausbelasten. Auf der anderen Seite braucht es dann eben einen Wettkampf hier und da eingestreut, um im wirklich ernsthaft hohen Intensitätsbereich zu trainieren. Und – surprise, surpsrise – sehe ich genau dieses Muster bei den wirklichen Spitzenleuten. Die trainieren nicht für zwei Marathons oder IRONMANs im Jahr. Die nehmen auf dem Weg dorthin jede Menge C-Wettkämpfe mit, um sich die nötige Wettkampfhärte anzueignen.

Abgesehen davon ist ein Wettkampf natürlich ein hervorragendes Training für all‘ die kleinen Details, die wir im Trainingslauf nur schwer üben können: Taktische Spielereien, einteilen der „Körner“, Geduld, „Anschlag“, Zielsprints, mentale Vor- und Nachbereitung, psychologische Spielchen, etc.

Aber, wie ich an anderer Stelle hier schonmal schrieb, tun sich viele Athleten schwer, einen C-Wettkampf WIRKLICH aus dem Training heraus zu bestreiten (behaupten tun das dagegen sehr viele). Denn eines ist ja offensichtlich: Es wird verdammt schwer, ein irgendwie halbwegs konstruktives Training hinzubekommen, wenn ich 20 Rennen im Jahr bestreite und auf alle sauber hintapere.

8 thoughts on “Was ist das Ziel?

  1. Wahnsinn! Was für ein grandios guter Eintrag!!!
    Genau so ist es.
    Sicherlich habe ich auch meine Probleme „C-Wettkämpfe“ zu absolvieren, aber man kann halt nicht jede wahre Erkenntnis auch umsetzen😉
    Weiter so…. es macht Spass die fundierten Einträge zu lesen.

  2. Wie immer, ein sehr interessanter Artikel!

    Wie bereitest Du denn Deine C- und B-Wettkämpfe vor?

    Habe diese Jahr auch mal mit dieser Einteilung angefangen und C-Wettkämpfe bisher aus vollem Training absolviert, d.h. ohne eine Pause vorher einzulegen.

    Viele Grüße
    Olli

  3. Hi Olli!

    Erstmal unterscheide ich C- von B-Wettkämpfen.
    „Aus dem Training heraus“ bedeutet offenbar auch für jeden etwas anderes.
    Es gibt jede Menge Leute, die fahren vor einem Laufwettkampf vorher noch 3 h Rad. Dann brauche ich auch keinen WK, IMHO. Wenn ich mit fertigen Beinen Laufen will, mache ich ein Koppeltraining. Das kann ich auch ohne Startgeld. Meine Frage an Euch: Wem will ich damit etwas beweisen? Zugegeben: die Story hört sich toll an.
    Hier meine Version:
    C – Ich trainiere bis zum Vortag regulär durch, als wenn kein Rennen auf dem Plan wäre. Am Vortag mache ich dann nochmal etwas Lauf-ABC, Wechseltraining (bei Du- oder Triathlons) und etwas für den Speed (z.B. Laufen in Renntempo oder leicht drüber).
    B – Letztes „hartes“ Training am Mi oder Do vor dem WE. Danach nur noch locker, regenerativ, koordinativ, ein bißchen Speed (s.o.).
    A – das volle Tapering-Programm.

    Gruß, Jörg

  4. wieder ein Super Beitrag!!!
    Die Einteilung in A-,B-,C- Wettkämpfe ist genau Richtig!
    Ich denke aber schon das die Top Leute sich Hauptrennen (A-Wettkampf) setzen je nach Sessionlänge 1-3.
    B-Wettkämpf sind Rennen die zwar gelingen sollten, jedoch ein Taperingphase zu viele Zeit in Anspruch nimmt die für die A-Rennen fehlen.
    C-Rennen sind meines Erachtens Standortbestimmungen und sollen eine abwechselung aus dem zähen Trainingsaltag liefern.
    Stay tuned
    Jörn

  5. Hi Jörn,

    genau so ist’s gedacht. In der Praxis sind das bei mir auch drei A-Wettkämpfe dieses Jahr. Wobei die Langdistanz-Profis sicher nur deren zwei machen: Einen im Sommer und dann Kona. Alles andere ist nur schmückendes Beiwerk.😉
    Have fun!

  6. Hi Jörg,
    super, genauso versuche ich das ab diesem Jahr auch endlich mal zu machen. Die „Koppeleinheit mit Startgeld“ scheint unter Trias wohl weitverbreitet zu sein. In unserem Verein machen dies einige Leute auch regelmäßig, wundern sich jedoch, dass sie dann nicht mal eine persönliche Top-Zeit bei einem Lauf raushauen können. Wenn ich eine Koppeleinheit mit Aussagekraft benötige, muss ich halt einen Dua oder Tria machen.

    Viele Grüße
    Oliver

  7. Hat mir sehr gefallen, dein Ansatz, mal das Ganze zu hinterfragen! Ich habe bisher eher unbewusst meine Wettkampf-Einteilung gemacht und werde das in Zukunft etwas bewusster in A, B und C machen. Danke!

  8. Pingback: Jetzt gehts los! | Projekt 2011

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