Die Profis . . .

wirf das Auto um

Inspiriert von Lauf-Opa Peter Greif möchte ich eine seiner Beobachtungen aufgreifen, die auch ich immer wieder machen kann: Das „Die-da-vorn-“ oder auch „Profi-Syndrom“.

Bei uns im Verrückten-Lauftreff (TSS) gab es eine Zeit lang doch tatsächlich mal neben den altbekannten A- („Arschloch“) und B-Kadern („Bescheuerte“) einen sogenannten G-Kader (für „Genussläufer“). Ja, nee, iiss klaaar! Wie Peter Greif schreibt, sind dies Athleten, die ganz gern im lockeren Trab und Schlappschritt durch den Wald hoppeln und sich gedanklich wie sprachlich stark von „den Profis da vorn“ distanzieren. Nichts gegen einen lockeren Lauf. Ich bin ja nun auch schon seit langem zu lockeren Läufchen verdammt. Aber genau so sehe ich das auch: Verdammt!

„Wir laufen ja nur zum Spaß!“ „Der Genuss steht bei uns im Vordergrund!“ „Mit den Profis wollen wir uns gar nicht messen!“

Typische Sprüche dieser Fraktion. Erinnert mich an die Leute, die 1.500 Euro netto verdienen und lautstark posaunen: „Ich will gar nicht mehr verdienen!“ Es gibt sicher solche Menschen, bei denen das zutrifft. Aber das sind meiner Meinung nach die absoluten Ausnahmen. Und die sieht man auch nicht beim TSS oder bei Wettkämpfen. Warum sollten sie sich auch so etwas antun? Wie Peter korrekt analysiert, gehen diese Menschen von zwei Grundannahmen aus, die so überhaupt nicht zutreffen müssen:

  1. Diejenigen, die sich mehr Mühe geben, mehr trainieren oder einfach mehr Talent haben, können gar keinen Spaß an der Sache haben. Eine WILDE Unterstellung!
  2. Die „Cracks“ sind ja Profis, haben also weder Beruf, noch Familie noch irgendwelche weitere Aktivitäten in ihrem Leben. Eine WILDE Unterstellung!
  3. Eine weitere Grundannahme, die ich hier hinzufügen möchte: Wenn ich nur so viel trainieren könnte, wie „die da vorn“, wäre ich selbstverständlich auch so schnell.

Interessant ist dabei, dass all‘ diese Typen bei den regionalen Volksläufen „alles geben“, sämtliche Ergebnislisten der letzten 27 Jahre auswendig runterbeten können (zumindest in ihrer jeweiligen Altersklasse) und (fast) alles tun, um den Kollegen Fritze Flink nur hinter sich zu lassen oder die ach-so wichtige persönliche Bestzeit (PBZ) zu verbessern.

10 thoughts on “Die Profis . . .

  1. Es scheint in der Tat für erstaunlich viele Sportler (nicht nur Läufertypisch) schwer zu sein sich hinzustellen und zu sagen:

    – „Ich habe einfach nicht das Talent um in der Spitze mitzulaufen“
    und/oder

    -„Ich bin nicht bereit mich für eine schnellere Zeit zu quälen.“

    Solange alle „Genussläufer“ um einen solchen Läufer herum auch sagen „Jaaahh, der macht doch eh den ganzen Tag nichts anderes als Laufen. Dann wäre ich auch so gut.!“ und zustimmend nicken scheint ja auch alles in Butter zu sein.

    Die Sportler, die richtig was erreichen wissen im Endeffekt woher die Leistung kommt.
    Die, die so mittröpfeln und in ihren eigenen Sphären um PBZ kämpfen dürften in den meisten Fällen auch wissen dass sie sich da eine ganz bequeme Haltung zugelegt haben.
    Allerdings verstehe ich nicht, was so schwach daran sein soll, einfach dazu zu stehen dass man halt nicht so gut ist etc.

    Ich habe kein Problem damit – ich kann einfach nicht schnell laufen ohne einen erheblichen Aufwand – und das ist es mir nicht wert😉.

    Genusslaufen tue ich wirklich nur dann, wenn ich weder Puls noch min/km im Blick habe und mich kreuz und quer durch die Landschaft bewege – ohne Trainingsziel. Einfach nur weil ich die Landschaft und die Bewegung genieße.

  2. Hallo Jörg, klasse Eintrag, den Du mir „weggenommen“ hast, will schon seit zwei Wochen etwas Ähnliches schreiben.😉 …
    Ich werde ja oft „verseggelt“, ich sehe das „zu eng“, der „Spass geht bei mir flöten“ und „ach, lass‘ es doch wenn Du dauernd Probleme hast“.
    Ich würde es nicht tun, wenn ich keinen Spass am „Quälen“ hätte. Klaro sind die Tempoeinheiten hart und über diese blogge ich oft, das kommt dann oft falsch herüber. Ausserdem, wer strukturiert trainiert, hat mit Sicherheit auch die „Genusseinheiten“, die „langsamen Läufe“, die man geniesst.
    Ich werde oft verurteilt, weil ich aus meinem Einsatz (sprich Zeit) das Optimum (eine für mich gute Leistung) herausholen will. Ich werde oft verurteilt, weil ich die Sache strukturiert angehe und es mir in gewisser Art und Weise eine Befriedigung verschafft, wenn ich mich verbessere. Warum sonst sollte ich trainieren? Um meinen Level zu halten? Nee…. ausserdem „muss“ ich beim Hohenneuffen irgendwann nochmal den Michi wegputzen und unter 40 Minuten laufen😉
    Also, kurzum, die schreibst mir aus der Seele.
    Viele Grüsse,
    F.G.

  3. Hallo, Ihr Beiden!
    Puuh, ich hatte schon gedacht, dass ich mich mit DEM Post mal wieder unbeliebt mache. Aber meine Wahrnehmung teilen offenbar auch andere.
    Und dann gibt es auf der anderen Seite IN DER TAT Menschen, denen „Anstrengung“, „etwas erreichen“ und „Ziele planvoll angehen“ völlig abgehen. Das ist doch völlig in Ordnung. Aber von denen habe ich es ja hier nicht.

  4. Hi Jörg!
    Ich frage mich nur manchmal, ob es eben nicht ein und die selben Menschen sind, die sich nicht wirklich anstrengen etc. wollen – und die, die dann über die „Profis“ gackern und betonen dass sie nur zum Spaß laufen. Eben weil sie sich und anderen nicht eingestehen wollen, dass sie einfach keinen Bock auf Anstrengung etc. haben.

    Aber vielleicht werfe ich damit ungerechterweise ein Paar Menschen zuviel in einen Topf.

  5. Liebe Simone,
    das Problem liegt mit Verlaub im (Ver-)Urteilen.
    Einerseits gibt es antriebsschwache Menschen wie z.B. meine Schwester. Die urteilt aber nicht negativ über andere, die mehr erreichen im Leben und ist von Grund auf Zufrieden mit Hartz 4. Null problemo.
    Andererseits gibt es aber Menschen, die ebenfalls über eine „geringe intrinsische Motivation“ verfügen, über wenig Talent oder eben ein paar suboptimale Lebensentscheidungen getroffen haben in Bezug auf Leistungssport (70-Stunden-Woche, Familie, etc.), die aber GERN AUCH DA OBEN wären und ergo neidisch „die Profis“ verurteilen. DAS ist das Problem!

  6. Jo, sehe ich ja auch so- dass das Problem das ist dass sich manche dann über die „Schnellen“ mit unfairen Unterstellungen wenden. Keine Frage.
    Bin wohl etwas abgedriftet, sorry.

  7. Also Jörg, was hast Du denn da wieder „vom Zaun“ gebrochen. Willst du einfach nur böse sein, oder ist das jetzt Dein ERNST, dass Du dich immer wieder mit diesem Thema beschäftigst. Laß Dich/ uns doch nicht ärgern!!! Jeder der aktiven Sport betreibt, ist doch auch bestens darüber informiert, wie es um den Zusammenhang zwischen Einsatz und Ergebnis bestellt ist. Also weiter frei nach dem Motto „ohne Preis keinen Schweiß“ oder anders herum.
    Laß stecken Junge und trainiere weiter….

    Alex

    Habe heute mit Dennis einen schönen Langen gemacht und fühle mich sauwohl. Dies auch, obwohl das Risiko beim nächsten Lauf zu versagen, immer drin ist. Das ist für mich Sport. Oder das Leben eines Sportlers. Das ist wie mit dem Sisyphos.

  8. Hallo Alex,

    „vom Zaun gebrochen“??
    Was genau meinst Du?
    Böse sein? Warum denn? Wer urteilt über böse und nicht-böse?
    Jeder? Wirklich? Warum greift denn ein Peter Greif das Thema auf mit 40 Jahren Erfahrung in diesem Bereich? Warum dann die bestätigenden Kommentare oben?

    Versagen? Es gibt kein Versagen. Du gibst Dein Bestes, alles was Du in diesem Moment geben kannst und die Welt ist in Ordnung.

    Nebenbei: Wer fühlt sich denn da angesprochen? Ihr seid doch gerade NICHT die angesprochene Gruppe, sondern die „Profis“ auf die neidisch geschielt wird. Oder warum meinst Du hört man Sprüche wie „Wehrsportgruppe Schweizer“ da draussen?

    „Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewußtseins.“
    — Marie von Ebner-Eschenbach

    • Moin Jörg,

      leider lese ich Deine Antwort zu spät, um zeitnah zu antworten. Glaube aber, dass du mich gehörig mißverstanden hast. Mir ging es in erster LInie darum, dass eben der Dialog darüber eigentlich wenig ergiebig ist. Wer sport lebt -natürlich jeder in seiner Gewichtung der Prioritäten-, wird immer auch nach Leistung und Verbesserung streben. Entweder im Gesamtfeld ( die Profis) oder in seiner Altersklasse (die anderen). Finde es wenig ergiebig die eigenen Motive, die sicher oft vielfältig ausfallen, mit den falschen Personen zu teilen. Ausserdem – aber da haben wir ja schon oft drüber gesprochen – hat ma(n) eben doch nicht die Möglichkeit eines Profitrainings, nur weil man(n) es einfach will. Diese Betrachtung ist einseitig und, wie ich finde, auch etwas am LEBEN vorbei, das die überwiegenden MENSCHEN dann wohl leben.

      Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass die meisten Sportler, die es bei einem Wettkampft unter die ersten 5% bringen allesamt erfolgreiche und fleißige Menschen sind.
      bis bald Alex

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