IRONMAN Hawaii – the morning after

IM Kona

Puuh. Welch ein Nacht – welch ein spannendes Rennen. Auch wenn beide Tipps von mir passten und sowohl Crowie, als auch Chrissie ihre Siege wiederholten – das sah lange Zeit bei Crowie nicht unbedingt nach Sieg aus. Dass Chrissie die Damenkonkurrenz dominieren würde stand ausser Frage. Aber würde sie den Course Record von Paula Newby-Fraser , the „Queen of Kona“, unterbieten können? Sie konnte. Aber an ihrem Gesicht und den Interviews im Ziel konnte man erkennen, a) wie gut Paula’s Streckenrekord war und b) wie tief sie schürfen musste, um eine lausige Minute drunter zu bleiben. Und dahinter hätte ich mich total verschätzt (und deshalb klugerweise nur den Tipp für die zwei Sieger abgegeben). Mirinda hatte ich zwar auf der Liste, aber dass sie vom zehnten auf den zweiten Platz vorlaufen würde und mit einem 2:56-Marathon den Frauen-Marathonrekord brechen würde – damit hatte ich nicht gerechnet. Und dabei sah sie soooo smooth aus! Eine der schönsten Lauferscheinungen – Männer eingeschlossen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die „schönen“ Läufer (sauberer Laufstil – nicht Outfit o.ä. – IMHO) auch die schnellen Läufer sind (Crowie, Raelert, Mirinda, Virginia etc.). Dahinter mit der Spanierin Virginia Berasategui eine weitere Klasse-Läuferin. Bek Keat erhielt schon einen 4-Minuten-Penalty in T2 und wurde später ganz DQ’ed. Yvonne gab auf. Und Sandra Wallenhorst lief zwar mit einem 3:09-Marathon in die Top Ten – aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Not her day! Sam McGlone hatte ja genau das gleiche Malheur wie ich (Achilles Tendonitis), musste ein ganzes Jahr pausieren, fand erst ganz langsam wieder zurück zu ihrer Form und zeigte in Kona einmal mehr, welches Talent in ihr steckt (6. Platz mit einer soliden 9:30).

Zu den Herren der Schöpfung:

Aus dem Wasser führten (von John Flannagan, einem Spitzenschwimmer mal abgesehen) Andy Potts und der junge Engländer Philip Graves. Letzterer hatte ja schon in der PK angekündigt, dass er „old school“ vorneweg „den Helikopter einholen“ wolle und setzte seinen Plan auch sofort in die Tat um. Es dauerte bis kurz vor dem Wendepunkt in Hawi, bis die stärksten Radfahrer Faris Al-Sultan und Chris Lieto ihn überholten. Er musste das einem 20-jährigen Rookie zustehende Lehrgeld zahlen und beendete den Wettkampf abgeschlagen auf Rang 41 der Pros mit einem 3:37-Marathon. Ab Hawi kam dann auch etwas mehr Spannung ins Spiel. Lieto hatte den entscheidenden Zahnkranz an Bord und hammerte mit Rückenwind von Hawi nach Kawaihae runter wie ein Berserker und legte die entscheidenden Minuten zwischen sich und die Verfolger. Faris hielt sich tapfer dahinter, Marino Vanhoenacker kackte gegen Ende ab und von hinten kam Normann Stadler mit Chris McCormack im Gespann. Dahinter die üblichen Verdächtigen in einer relativ großen Gruppe (alles, was man so in den TV-Bildern sehen konnte, sah sehr sauber aus). Als hätte Head-Referee Jimmy Riccitello und seine Crew vorab eine spezielle Warnung ausgesprochen, fuhren alle i.d.R. mit deutlich mehr als 10 m Abstand.

T2. Tolles Bild: In „German Style“ hatte es Chris Lieto wissen wollen und brachte mit einem 4:25-Bikesplit mal eben 10 Minuten zwischen sich und seine Verfolger. Und die richtigen Laufkiller kamen ja erst in der Verfolgergruppe. Dass sollte mal wieder reichen seit den deutschen Dominanz-Jahren 2004-2006 (Normann, Faris, Normann), dass das Rennen auf dem Rad entschieden wird. Aber wie es das Schicksal will, findet sich ausgerechnet die günstigste aller Konstellationen der Läufer zusammen in Form von Andreas Raelert und Graig Alexander. Die zwei Hammern über den Asphalt – Schulter an Schulter bis zum Energy Lab. Crowie – mit 37 Jahren und einem ersten und einem zweiten Platz in den beiden Vorjahren erfahrungstechnisch vorne – „legt den Hebel um“ und lässt Andreas in der Bergab-Passage zum Wendepunkt stehen. Zurück auf dem Queen K, holt er sich auch noch Lieto und verteidigt seinen Titel glorreich. Im Ziel gibt er zu, dass er lange Selbstzweifel hatte, so tief wie noch nie schürfen musste und ohne Andreas das Ding wahrscheinlich nicht mehr gebogen hätte. Lieto enttäuscht auf Platz 2. Dahinter Raelert in seinem Rookie-Jahr auf dem Treppchen. Am Beispiel Chris McCormack sieht man einmal mehr wie a) die Jungs alle am absoluten Limit sind und b) man sich nicht die kleinste Schwäche (hier Gehpause auf dem Queen K) leisten kann.

In den Top Ten spricht man nach zwei schwachen Jahren wieder deutsch – wie es sich gehört! Timo Bracht bestätigt auf Platz 6 seine Vorjahresleistung, der für Luxemburg startende Schwabe Dirk Bockel finisht dahinter auf Platz 7 in seinem Rookie-Jahr auf der Insel und good-old Faris komplettiert die Top Ten mit einem (mich) beeindruckenden Rennen. Wenn er seine orthopädischen Herausforderungen meistert (ich kann ja gerade mitheulen) und wieder eine solide Laufleistung zeigt, kann er nächstes Jahr wieder ganz vorne mitreden. Es trennen ihn lediglich 11:23 min. vom Sieg und einen 2:52-Marathon oder eine etwas mutigere Radfahrt länger mit Lieto traue ich ihm durchaus zu. Dahinter finischen Maik Twelsiek auf Platz 12 (nach unglaublich couragierter Fahrt und zweitem Platz in T2), Matthias Hecht (13.), Ronnie Schildknecht (18.), Stephan Vuckovic (20.), Chrissie Wellington (23.), Christian Brader (27.), Jan Raphael (28.). Hier mache ich mal Schluss. Man sieht schon an den letzten beiden Profis, dass JEDE MENGE Jungs gechickt wurden (von Mädels abgehängt). Es gab mal Zeiten, da hatten die besten Frauen der Welt keine Chance gegen gute Amateure. Jetzt sind wir wieder in der Liga wie damals mit Paula Newby-Fraser, als nur noch eine Hand von Spitzenprofis, die beste Frau hinter sich lassen konnten. Mind-blowing!

Und zum nicht-so-guten Schluss: Michael Göhner hat aufgegeben und von Kathrin war nirgends eine Spur zu finden (wie schaffst Du das bloss?).

Ergebnislisten und Athlete Tracker gibt’s hier!

2 thoughts on “IRONMAN Hawaii – the morning after

  1. Hallo Jörg!
    Vielen Dank für Deine tolle Zusammenfassung! Habe mir den Start und ein Teil vom Zieleinlauf im Internet angeschaut. Leider war im Fernsehen ja nichts davon zusehen, ausser heute eine kurze Zusammenfassung im ARD, in Österreich wurde der Triathlon nicht einmal erwähnt. Finde ich wirklich sehr schade, dass diese Sportart überhaupt nicht erwähnt wird!
    Ein großes Ziel von mir – einmal als Betreuer mit dabei auf Hawaii!
    Wie geht es dir mit der Achillessehne?
    Liebe Grüße aus Wien – Susanne

  2. Hallo Susanne!
    Nachdem ich Triathlon seit 1991 völlig ausgeblendet hatte, schaute ich mit Freunden 2007 zum ersten Mal wieder den IRONMAN an. Letztes Jahr war ich ja dann selbst vor Ort. Und dieses Jahr lief es blendend ohne Fernsehen, da der Life-Stream einfach gut gemacht war und technisch einwandfrei funktionierte (wenigstens bei mir). Siehe Kommentar oben.
    Den Achillessehnen geht’s leider keinen Deut besser.
    Grüssle, Jörg

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