Periodisierung, Teil 2

Letztens habe ich ja schon mal etwas zum Thema Übergangsperiode geschrieben. Und genau wie zum Thema Motivation (kommt, kommt), möchte ich das Thema Priodisierung etwas weiter ausführen.

Wie schon beschrieben, sehe ich sehr viele Athleten, die gemäß der „Lauftreff-Methode“ trainieren, also Jahr ein, Jahr aus immer an den gleichen Tagen die gleiche Runde im gleichen Tempo laufen. Intellektuell ist es nicht gerade die Wahnsinns-Herausforderung, zu verstehen, dass auf diese Art ein Leistungszuwachs nach kurzer Zeit schon nicht mehr realisiert werden kann. Intellektuell verstanden haben das die Meisten auch (denke ich jetzt mal). Trotzdem ist so unglaublich viel Eintönigkeit da draußen zu sehen. Abgesehen vom ausbleibendem Leistungszuwachs: Das kann doch auch keinen rechten Spaß machen, oder? Nun gut, letzteres ist auch persönlichkeitsabhängig: Ich als ausgesprochen optionsorientierter Typ (NICHT verheiratet, NICHT festangestellt, etc.) merke sowas natürlich stärker als andere. Trotzdem bleibt: Unabhängig davon, dass Abwechslung mehr Spaß ins Training bringen kann, ist nur damit langfristig Erfolg machbar.

Dabei ist es aus meiner Sicht weniger wichtig, wie viele Perioden wir pro Trainingsjahr definieren und welche Namen wir diesen geben. Wichtig ist vor allem DAS PRINZP, dass wir dem Körper (und dem Kopf!) eine bewusste Regenerationsphase von aus meiner Sicht MINDESTENS 4 Wochen geben. „Aber dann ist ja meine tolle Form weg“, höre ich schon viele heulen. Ja. Ist sie. Und? Langfristig werden wir nur so unser Potenzial ausschöpfen können, da wir trotz allem Verlust (ähnlich wie innerhalb der Perioden) auf einem höheren, als dem Ausgangsniveau wieder starten.

Aufbauend  nach dieser Übergangsperiode müssen wir uns erstmal wieder an das regelmäßige Training gewöhnen und unseren gesamten Muskel-/Sehnen-/Bänderapparat mit einem gemächlichen Start belasten. Wir müssen praktisch trainieren, wieder den Körper hart belasten zu können. Oder: Trainieren, um trainieren zu können! Das ist die Vorbereitungsperiode (oder PREP für Preperation).

Und dann erst geht’s los mit den Base Miles: Hence BASE oder Basisperiode. Grundlagenausdauer ist angesagt. Bis hierher kann die IMHO auch gern noch „fachfremd“ in anderen Sportarten geholt werden. Geschwommen, geradelt und gelaufen wird später noch genug. Skilanglauf, Mountainbiken, Skitouren, etc. sind gute Ausgleichs-Sportarten.

Erst danach wird’s spannend und spezifischer: Läufer laufen und Triathleten haben immer noch ein bißchen mehr Abwechslung.😉

Egal, wie man die kommenden Perioden nun nennt: Wichtig ist vom Prinzip her, dass es nun trainingstechnisch immer spezifischer wird. Die Belastungen ähneln immer mehr den Belastungen, die wir auch im Wettkampf vorfinden. Bei den Trias ist nun auch die Zeit für Wechseltraining (die Wechsel zu üben – raus aus den Radschuhen, rein in die Laufschuhe) und Koppeltraining (den muskulären Wechsel von einer zur nächsten Sportart) gekommen.

Und irgendwann ist die Zeit für den Hauptwettkampf gekommen, Wettkampfperiode. Es wird zugespitzt, getapert. Und hoffentlich ein gutes Ergebnis eingfahren.

Selbstverständlich ist die Form dann nicht gleich futsch und es bietet sich – nach ausreichender Regeneration – an, einen oder zwei weitere Rennen auf hohem Niveau dranzuhängen.

Wenn wir aber jetzt, Mitte Dezember, schon im Wettkampftempo vom Juli laufen – wo soll denn da die Steigerung herkommen? Und ist es nicht frustrierend, wenn man der Silvesterlauf-Meister ist, aber wenn’s drauf ankommt, alle an einem vorbeilaufen? Es ist – auch gerade mental – immer gut, von hinten zu kommen. Ähnlich wie es für die Spitzenschwimmer und schwachen Läufer im Triathlon immer mental schwer wird, wenn man schon darauf wartet, bis die Lauf-Cracks vorbeigeschossen kommen . . .🙂

6 thoughts on “Periodisierung, Teil 2

  1. Hallo Jörg,

    ein für mich interessanter Beitrag. Dennoch: eigentlich nichts Neues…..😉
    Eigentlich. Was Du richtig ansprichst, ist, in diesem Fall, das „Lauftreff“ Problem. Immer das gleiche „zum-Quatschen-geeignet-Tempo“, immer die gleiche Runde. Saison ein, Saison aus. Winter wie Sommer. Aber klar, diese Personen legen meistens keinen Wert auf ein leistungsorientiertes Training und „laufen ja sowieso nur aus Spaßgründen“. Diese Leute versuchen sich dann auch an Wettkämpfen, bleiben aber fast immer unter ihrem Leistungspotential.
    Das Leistungspotential ist für mich Aufwand und Ertrag und nicht die absolute Leistung!
    Bleibt also der leistungsorientierte Teil übrig.
    Ich würde diesen dritteln. Ein Teil trainiert autonom und versucht sich selbst durch Erfahrungswerte zu steigern. Ein kleinerer Teil hat einen Trainer, der Pläne schreibt. Entweder hat man Glück mit einem fähigen Vereinstrainer oder hat das große Glück sich einen Personal Trainer leisten zu können. Der letzte Teil nutzt Trainingspläne aus dem Internet.
    Gehe ich mal von mir aus:
    Mal funktionierte autonomes Training, mal nicht. Ob es dann tatsächlich am Training lag oder an Verletzungen kann ich so nicht mehr feststellen. Könnte ja auch sein, dass das Training optimal war, aber Verletzungen die Leistung schmälerten. Oder anders herum: das Training war nicht wirklich gut, aber aufgrund dessen, dass es lange Zeit keine Verletzungen gab, schlug es schon aufgrund der konstanten Anzahl von Wochenkilometern an. Fakt ist: Ich war ständig unsicher, ob es der richtige Weg ist.
    Klaro, eine Periodisierung wurde angegangen, aber wenn es im Winter schon mal so gut läuft……
    Leichter scheint es, wenn man etwas vorgesetzt bekommt, darauf vertraut (Psyche!) und das dann durchzieht. Dann muss es ja klappen! Zumindest in der Theorie, aber manchmal auch in der Praxis.😉 Meine Bestzeiten und auch ein paar richtig gute Läufe erzielte und absolvierte ich mit den Plänen unseres Vereinstrainers. (Dieser führte übrigens einen Vereinskameraden von mir in ein paar Jahren von „0“ in die Berglauf Nationalmannschaft). Hier wurde absolut eine Periodisierung durchgeführt, im Winter wurde die Rest-Form „zerstört“ und dann wieder aufgebaut.
    Aber nach all den Jahren war das fest gefahren und ich war auf der Suche nach etwas Neuem. Ich blieb dann beim Vicsystem hängen, wonach ich seit fast zwei Jahren trainiere. Das System habe ich schon ausreichend in meinem Blog beschrieben. Es bietet auch eine Periodisierung, wobei hier nicht nach Winter und Sommer (grob beschrieben) unterschieden werden kann. Klar, es sind ja auch programmierte, automatisierte Prozesse. Dennoch gibt es unterschiedliche Perioden, die man mit ein wenig Hirnschmalz auch ausbauen kann. Stellräder habe ich genügend, sei es die unterschiedliche Eingruppierung von geplanten Wettkämpfen oder die grundlegende Trainingseinstellung (einfach nur so trainieren oder Wettkämpfe angeben, etc.).
    Dieses Trainingskonzept funktioniert. Warum ich dann in den letzten beiden Jahren nur einen „Test-Wettkampf“ absolviert habe?
    Weil ich der Meinung bin, dass man einen Wettkampf absolvieren sollte, wenn man sich bereit dafür fühlt. Bereit fühle ich mich ab einem bestimmten Wettkampftempo, dass ich nicht erreicht hatte. Dann kam wieder das ein oder andere Zipperlein dazu, ich war dann auch nicht mehr so richtig motivert usw.

    Also, die Periodisierung bringt das Programm mit, auch mehrere Zyklen. Da man aber kein Ziel formulieren kann, sich dieses jedoch aufgrund der Trainingsrückmeldungen gibt, bleibt die Frage: die Form ist weg.
    Wie schnell kann ich aber wieder in Form kommen?
    Was muss ich tun damit ich bis zum Höhepunkt wirklich fit bin?
    Wie lange sind die unterschiedlichen Perioden?
    Was für eine Vorlaufzeit wird benötigt?
    Wir wirken sich Verletzungsphasen aus?
    Benötige ich zwei Wochen Training um eine Woche Pause aufzuarbeiten?

    Interessant auch Deine Aussage, dass man den Muskel-/Sehnen-/Bandapparat langsam wieder heranführen soll. Das stimmt natürlich, aber das berücksichtigt so gut wie kein Programm, man selbst, als autonomer Trainierer, wohl auch nur selten.
    Vielleicht pausiert man im Winter („die Form muss absichtlich zerstört werden!“), aber die Steigerungen erfolgen viel zu schnell, da im März ja schon die Crossmeisterschaften anstehen und da will man ja auch nicht als Letzter durchs Ziel rennen. Ich glaube, dass hier das Hauptproblem liegt – auch wenn man ursächlich die Periodisierung berücksichtigt. Die Steigerungen folgen viel zu schnell. Laufserien sorgen für ihr Übriges. Eigentlich ist klar, dass man nur selten von Anfang April bis Ende Oktober wirklich in Form sein kann. Aber da taucht dann wieder das Wörtchen „eigentlich“ auf. Man hat das Bewusstsein, macht es oft aber dennoch falsch.
    Was also dagegen tun?
    Was soll ich tun?
    Die Notwendigkeit der Periodisierung ist mir ganz klar, aber wie sind die Vorlaufzeiten, was kann erreicht werden, wie muss was wann umgesetzt werden?
    Diese Dinge sind entscheidend. Wie oben beschrieben, kann es autonom funktionieren, ich glaube aber, dass dies dann aber eine Lotterie ist.
    Der „Trend“ geht eigentlich zum „Personal Trainer“, wenn der „Plan aufgehen“ soll.
    Wäre einen Versuch wert, aber finanziell…… naja, vielleicht benötigst Du aber auch noch ein Versuchskaninchen…..😉

    Gruß
    Sven

    PS: wie macht der Triathlet das, wenn man übers Jahr verteilt einige Ligawettkämpfe absolvieren muss?

  2. Wow! Vielen Dank für Deinen wirklich umfassenden Beitrag, Sven!
    Ich greife in meiner Antwort mal ein paar aus meiner Sicht zentrale Punkte raus:
    1. Die wichtigste Kernbotschaft dieses Artikels ist die, dass das Thema (hier: Periodisierung) natürlich allen bekannt und vielleicht auch klar ist. Es hat sich daran auch nichts verändert. Die Sache ist die Lücke zwischen WISSEN und TUN. Wir wissen auch, dass wir das Rauchen aufhören, weniger Transfette essen und uns mehr bewegen sollten. Und TUN es doch nicht!
    2. Eine zweite Kernbotschaft ist die, welche in einem anderen Artikel schon mal deutlicher hervor kam: Nämlich, dass die Meisten leistungsorientierten Athleten die lockeren Einheiten zu schnell absolvieren (hey, 5:20/km fühlt sich zu locker an) und die schnellen zu langsam (denn da muss man sich ja quälen). Und das Ergebnis ist sehr wenig differenziertes Training, dass dem Körper wenig Reize zur Anpassung gibt.
    3. Du sprichst einen wichtigen Punkt an: Wenn man Trainingspläne bekommt, ist es sinnvoll, daran (oder vielmehr an den Ersteller) zu glauben. Was aus meiner Sicht schonmal praktisch alle Standardpläne aus dem Internet ausschließt. Ich habe mir mal Pläne von vielen Anbietern schicken lassen, um zu vergleichen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Angbot auf dem Markt ist. Teilweise schon erstaunlich gut (im Rahmen des Möglichen), teilweise erschreckend. Was will ich denn mit einem Plan, der absolut Null auf meine persönliche Situation eingeht.
    4. Den Kern sollten doch die „fixen“, vorgegebenen Einheiten bieten. Wer schwimmt denn z.B. wirklich allein im öffentlichen Hallenbad? Ich würde es auch niemandem empfehlen. Also sind die Club-Trainings schonmal vorgegeben. Dann gibt es bei mir z.B. den VLT am Mittwoch-Abend. Warum soll ich denn meinen schnellen Tempolauf allein machen (mental!), wenn ich ein paar Jungs habe, mit denen ich „es mir richtig besorgen kann“ und dabei noch Spaß habe?
    5. Zum Thema Ziele: Ganz entschieden NEIN! Ein Ziel gebe ich vor aller Planung vor. Das Ziel bleibt fix stehen und wird zuletzt aufgegeben (wenn gar nichts mehr geht). Davor wird die Strategie (wie komme ich vom Hier dorthin?) verändert und – individuell!!! – angepasst. So etwas kann kein Standardplan leisten. Das geht nur mit einer individuellen Betreuung.
    6. Ich gebe Dir Recht: Nach einem systematischen Herunterfahren („zerstören“) der Formkurve, wird der Aufbau oft zu schnell durchgeführt. Gerade auch hier ist ein Trainer/Coach hilfreich, der sehr „nah dran“ ist. Denn wir selbst tendieren fast alle zum „zu viel – zu schnell“, da unser Körper ja ein gutes Erinnerungsvermögen hat, wie sich ein 4er-Schnitt anfühlt . . . wie gesagt braucht es auf beiden Seiten einen Coach: Das viele „zu schnell“ etwas einzubremsen, aber auch anzutreiben, die eine (oder zwei) Kerneinheit der Woche wirklich sauber im Tempo zu laufen.
    7. Wenn mein Ziel ist, mein volles Potenzial auf den Boden zu bringen, dann muss ich diesem übergeordneten Ziel alles andere unterordnen. Sprich: Wenn mein Wettkampfhöhepunkt z.B. die Deutschen Meisterschaften im Marathon sind, ist fraglich, ob ich gleichzeitig auf Top-Niveau die Crossmeisterschaft im März laufen kann. Wie so oft im Leben, ist hier auch Enthaltsamkeit eine Tugend! Und hierbei können zielgerichtete Gespräche mit einem Coach eben auch sehr förderlich sein!
    8. Ich sehe das ganze Malheur ja auch im Business: Die meisten Menschen, die ich coache oder zu einem spezifischen Thema traniere, WISSEN natürlich i.d.R., „wie es geht“. Die sind ja nicht dumm. Sie machen es nur nicht. Deshalb ist Wissen eben ÜBERHAUPT NICHT Macht, sondern nur TUN. Das Wissen um eine Sache ist nichts – die Umsetzung alles!
    9. Deinen letzten Punkten kann ich nur beipflichten. Ich denke auch, dass man vom Lotteriespielen wegkommen sollte, wenn man ernsthaft so viel Zeit (und andere Ressourcen) investiert und Ziele erreichen will (was ich immer unter dem Oberbegriff „ambitioniert“ zusammen fasse). Das kann praktisch nur mit einem wie auch immer gearteten Personal Trainer funktionieren.
    10. In der Tat ist das Thema Liga-Wettkämpfe für die Triathleten, die ihren Jahresschwerpunkt woanders setzen, schwierig. Das Einzige, was man versuchen kann, ist, diese halbwegs intelligent als Vorbereitungswettkämpfe („B“) in die Gesamtstruktur einzuplanen.

    Und zu dem anderen Thema mailen bzw. telefonieren wir mal!😉

    Gruß, Jörg

  3. Hallo Jörg,

    ein paar Einsprüche habe ich. Da ich nicht allwissend sein kann, darfst Du diese gerne mit Fakten widerlegen😉

    1. Nein, viele wissen es einfach nicht! Da kommt letztendlich dann das gleiche raus, als wenn man es weiß, aber nicht umsetzt. Viele Laufkameraden von mir würden nie auf die Idee kommen, sich den Kopf wie ich über verschiedene Themen zu zerbrechen. Deshalb sind sie nicht schlechter, aber auch nicht besser. Vielleicht sollte man sich, „back to the roots“, weniger Gedanken zu und über alles machen und statt dessen die Laufschuhr schnüren und einfach laufen….

    2. Deshalb finde ich es bis heute besser, sich am Puls zu orientieren. Der Puls spiegelt die Belastung meiner Meinung nach am Besten wider. Mit dem Puls kann man Tagesform, Topographie etc. wohl am Besten abfangen. Aber wie Du schreibst, es muss differenziert sein. Viele „Anfänger“ denken, dass sie veräppelt werden, wenn ich sage, dass ich manchmal auch langsamer laufe als sie. Aber das mache ich ja nicht immer, manchmal gibt es auch eine Tempospritze.

    3. Nun ja, sehe ich bisher anders. Der „Ersteller“ muss meiner Meinung nach selbst nicht unbedingt ein großer Sportler sein, er muss wissen was er tut und auf was es ankommt. Siehe auch Punkt 1 und 2. Das System ist ja das gleiche. Periodisierung und weg vom Einheitstrott. Das kann sicherlich der ein oder andere Standardplan erstmal bieten. Ich kenne z.b. die Greifpläne nicht und kann nur über das Vicsystem schreiben. Aber hier wird auf meine persönliche Situation eingegangen. Ich lege die Trainingstage fest (kann täglich geändert werden) und das System spuckt mir den Plan aus. Wenn ich das Training auf „Regeneration“ setze, weil ich mich „nicht gut fühle“, dann kann das folgende Training vom System abgepasst werden. Übertraining wird erkannt, da das System allzu große Leistungssteigerungen über die Rückmeldungen erkennt und das Training zurückschraubt. Selbst bei konstanter Verbesserung der Trainingsergebnisse, steigen die Anforderungen nur Schritt für Schritt. Wettkämpfe kann ich unterschiedlich eingruppieren (Fun, Training, Vorbereitung, Wettkampf). Ich weiß nicht, ob ein Personal Trainer hier mehr Möglichkeiten ausschöpfen kann….

    4. Wohl dem, der die Möglichkeit hat, zeitlich so flexibel zu sein. Alles kann man nicht unterordnen, ich muss die Trainings im Tagesablauf „irgendwie“ unterbekommen. „Ich muss“ und „irgendwie“ ist natürlich schonmal blöd.😉
    Aber ehrlich gesagt, habe ich kein Problem, meine Tempoeinheiten allein zu absolvieren. Fakt ist, dass ich diese ja absolviere, wenn sie auf dem Plan stehen. Soweit reicht meine Motivation. Die anderen, lockeren, Einheiten sind dann ja auch machbar. Ich kann es zeitlich nicht so hinbiegen, dass ich z.B. für ein Tempotraining nach Tübingen fahre. Am Samstag musste ich dort z.B. die Team-Bekleidung abholen. Da meine Frau Samstags arbeiten ist, hieß das die Kinder fertig machen (min. 45 Minuten!), dann zu Opa bringen. Weiter nach Tübingen, mit einem Kollegen noch eine kleine Runde gelaufen. Dann die Sachen abgeholt – wieder eine Stunde ‚rum. Naja, um 8:30 Uhr aus dem Haus und um 14:00 Uhr wieder zu Hause…. Da laufe ich doch direkt nach der Arbeit und gut ist dann!
    Mental ist das also für mich kein Problem. Und zeitlich ist es das Optimum. Hier gibt es aber auch fixe Einheiten wie z.B. Sonntag morgen oder Freitag nachmittags.

    5. Das ist ein heikles Thema. Man kann das Laufen oder den Sport sicherlich größtenteils auf die Wirtschaft übertragen, die Vorgehensweise….. aber wohl nicht alles.
    Um mehr Umsatz zu generieren (ohne Preiserhöhung) muss mehr gearbeitet werden. Um schneller laufen zu können, funktioniert mehr Training bis zu einem gewissen Grad, dann wird es kontraproduktiv, das Verletzungsrisiko steigt. Der Arbeitseinsatz hat kein Limit (muss man halt mehr Mitarbeiter beschäftigen). Auf den Laufsport übertragen heisst das, dass im Prinzip 7 Einheiten pro Woche machbar sind. Da man ja auch noch ein anderes Leben als Nicht-Profi hat, reduziert sich das „Machbare“ wohl im Schnitt auf 4-5 Einheiten, die mir zur Verfügung stehen. Jetzt bleibt die Frage, was kann ich mit diesen 4-5 Einheiten erreichen. Unterschieden muss hierbei noch, was ich mir wünsche und was realistisch ist. Unser Vereinstrainer meinte einmal, dass es kein Problem sei, mir einen Plan zu schreiben, damit ich 9:00 auf 3000 Metern laufen kann. Aber das sei nicht seine Intension, er will, dass wir noch länger laufen, bis ins „hohe Alter“. Die 9:00 Minuten wären mit einem Killertraining machbar, aber danach würde voraussichtlich gar nichts mehr gehen. Wenn man es jetzt so aufziehen würde, dass man sagt: ok, 9:15 sind ja auch gut. Dann würde das Training danach ausgerichtet werden. Frage 1: reichen hierfür 4-5 Einheiten in der Woche? Was geschieht mit Verletzungspausen, Krankheitsphasen etc.? Reicht eine Krankheitsphase aus um so aus dem Tritt zu kommen, dass das Ziel nicht realisiert werden kann? Ich glaube, dass es, unter Berücksichtigung der Vergangenheit, so sein würde, dass man ein Ziel formuliert und dann schaut, wie hoch der Aufwand ist. Wenn ich den Aufwand aber nicht bringen kann, dann bringt mir auch die Fixierung eines Ziels nichts.
    Viel besser finde ich da die Vorgehensweise von Vicsystem. Ich gebe vor, wann ich trainieren kann (Motivation vorausgesetzt!) und das System versucht mir ein optimales Training vorzugeben. Wettkämpfe gebe ich vor und bereite mich auch dafür vor. Was hingegen bei diesen Wettkämpfen erreichbar ist, ist abhängig von der Konsequenz meines Trainings, d.h. wie oft musste ich pausieren und wie genau habe ich mich an die Planvorgaben gehalten.
    Ist dies nicht realistischer? Ist dies nicht „logischer“?
    Mit einem bestimmten Einsatz, kann eben nur maximalen Ertrag erwarten. Das Risiko, zu hohe Ziele zu setzen, unrealistische Ziele zu definieren, wird hier eliminiert.
    Hier kommt dann der Trainingsplan zum Tragen: Dieser sorgt dafür, dass ich Einsatz auch optimal nutze und den maximalen Ertrag „erwirtschafte“.
    6. Stimme ich 100% zu.
    7. ist für mich logisch. Wobei ich bisher immer auf dem Trip war, dass ich nur einen Wettkampf laufe, wenn ich auch „fit“ bin (deshalb auch die zweijährige Abstinenz).
    Trainingswettkämpfe habe ich bisher immer abgelehnt.
    8. Naja, im Business gilt auch wie im Privatbereich: einige wissen es einfach auch nicht, sind zu weit weg von der Basis, legen keinerlei Wert mehr auf ihre Kernkompetenz.
    Das ist ja auch das Schlimme heutzutage, die Entscheidungsträger „wissen nicht was sie tun“.
    Mehr dazu dann in meinem Buch.
    9. Die Variablen und wie man damit umgeht – das ist fast noch wichtiger. Wie wirkt sich beruflicher und familiärer Stress aus, Sorgen und Nöte? Wie sollte dies im Training berücksichtigt werden? Wie geht man mit Krankheits- und Verletzungsphasen um, wie sieht ein Training danach aus?
    Sicherlich spielt das heutzutage eine immens große Rolle.
    Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern früher so viel zu tun hatten. Es gab kein Internet, man hatte nicht zig Hobbies, hatte nur drei Fernsehprogramme….. man konzentrierte sich aufs Wesentliche. Wahrscheinlich lebten sie früher, ohne den großen Luxus wie WLAN etc., stressfreier und „besser“.
    Heutzutage MUSS man das Training am PC auswerten. MUSS im Internet nach dem Laufschuhschnäppchen suchen, MUSS seinen Blog füllen, MUSS in anderen Blogs kommentieren, MUSS man sämtliche Ergebnislisten durchforsten, MUSS noch Sendung xyz im TV anschauen, MUSS MUSS MUSS.
    Nein, muss man nicht.
    Man muss sich aufs Wesentliche konzentrieren und das ist dann auch schon genug. Beruf, Familie und Hobby. Dann kann man diese drei Sachen auch richtig anpacken, wenn man sich nicht verzettelt.
    Wenn ich abends nicht vor dem PC hänge und meine Blogroll durchforste, dann kann ich die gewonnene Zeit auch auf dem Balanceboard nutzen und mir, meiner Muskulatur und meiner Laufform etwas Gutes tun. Oder mit den Kindern spielen….
    Ich werde meinen Blog „stilllegen“. Es war eine schöne Erfahrung.

    Sorry, wenn ich teilweise etwas abgeschweift bin, aber man sieht, dass das Thema nicht so leicht abzuhandeln ist.
    Könnt‘ mer glatt a Buch schreibe…..

    Viele Grüße
    Sven

  4. Wow. Ich denke, dass wir uns bald mal einen Verleger für unser gemeinsames Buch suchen sollten – wenn wir so weiter machen!😉
    Aber es macht Spaß, auf diesem Niveau differenziert zu diskutieren.
    Zu 1.) Mag sein, dass es auch viele Unwissende gibt da draußen. Ich gehe aber immer von meiner Zielgruppe aus, die a) diesen Blog nicht lesen würde und b) weit entfernt ist von Trainingsplänen oder c) differenzierter Betrachtung dieses Themenkomplexes.
    Abgesehen davon mache ich ja momentan (PREP-Phase) genau das: Ich laufe einfach nur locker durch die Gegend, um meinen Körper langsam wieder an’s Laufen/Trainierne zu gewöhnen. Kein Pulsmesser, keine Uhr, keine Gadgets. Dafür mit Gefühl trainieren und in seinen eigenen Körper reinspüren – eine weit unterschätzte Fähigkeit!
    Zu 2.) Über diesen Punkt ist schon jede Menge geschrieben worden und wir könnten ein Buch allein mit dieser Diskussion führen. Ich denke, dass „ernsthaftes“ Training (nach 1.) alle drei wichtigen Parameter berücksichtigen sollte: Erstens das eigene Körpergefühl, zweitens den Puls als Feedback der Körperreaktion auf einen Trainingsreiz/Stressor und drittens die Leistung (beim Radfahren) bzw. Geschwindigkeit (beim Schwimmen und Laufen).
    Zu 3.) Lies bitte nochmal meinen Kommentar! Erstens steht da, dass „Standardpläne“ das nicht leisten können und zweitens, dass einige Pläne hier „teilweise schon erstaunlich gut“ sind. Und ja, ich denke, dass es sehr auf den dann tatsächlich möglichen Feedback-Mechanismus ankommt. Darüber kann ich nichts sagen, da ich mit keinem System kontinuierlich über Monate trainiert habe. Das VICSystem sieht aber in der Tat nach einem der besten derzeit erhältlichen Pläne aus.
    Ich denke aber dennoch, dass das „System Mensch“ ein sehr komplexes ist, in dem Gefühle und Intuition eine Rolle spielen. Und ich denke, je komplexer das Spiel, desto schwerer tut sich eine Maschine mit dem Regelmechanismus. Deshalb schafft es auch nur ein sehr, sehr guter Computer, die besten Schachspieler zu schlagen, während beim Go kein Computer der Welt einen exzellenten Spieler schlagen kann.
    Zu 4.) Genau das, was ich gesagt habe. Ob Du die Einheiten dann allein machst, ist ja sekundär. Wichtig sind die Schlüsseleinheiten der Woche. Und ich sehe, dass viele da draussen lieber mit anderen trainieren – v.a. wenn’s hart wird (das ist auch IMHO der Hauptgrund, warum praktisch alle innerhalb des TSS sehr rasch einen deutlichen Schritt nach vorn machen).
    Zu 5.) Gute Gedanken = guter Austausch. Sehe ich prinzipiell auch so. Allerdings leben wir in einer zielorintierten Welt, d.h. Dir werden i.d.R. von Deinem Chef Ziele vorgegeben, die Du erreichen sollst. Wenn Du sie kontinuierlich nicht erreichst, könnte das Konsequenzen haben . . .
    Ich sehe auf der anderen Seite aber auch die viele Menschen, die sagen, dass sie einfach ihr Bestes geben wollen . . . und dann auf Platz 783 rumdümpeln (mit deutlich mehr Potenzial aus meiner Sicht!).
    Aber in der Tat: Beide Ansätze „haben was“! Wenn wir mal von Chrissie Wellington absehen, wirst Du aber auf dem Siegerpodest eher Menschen der Kategorie „Ziel“ sehen, als die Anderen, die einfach ihr Bestes aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen gemacht machen und – huch – ganz überraschend gewonnen haben.
    Zu 6.) Na da sind wir uns doch tatsächlich mal einig.🙂
    Zu 7.) Könnte Deine zweijährige Wettkampfabstinenz bei ambitioniertem Training nach VICSystem AUCH damit zu tun haben, dass Du (siehe 5.) eben NICHT auf ein Ziel hin trainierst, sondern „halt so schaust, was geht“ und wenn halt nichts geht ist auch gut, lalala . . .??
    Zu 8.) Freu‘ mich schon auf Dein Buch. Das deckt sicher aber – leider – mit vielen meiner Erfahrungen: Gerade im Führungsbereich sind so erschreckend viele schwache Führer – es ist ein Jammer!
    Zu 9.) Da kann ich Dir nur zustimmen. Das sehe ich genauso! Einen vielleicht hilfreichen Link zum Thema „Less is More“: http://mnmlist.com

    Beste Grüße, Jörg

  5. Hallo Jörg,

    ich bin ein Gegner vom „Thema tot quatschen“, sonst nimmt man die Wirkung heraus, aber zwei Kommentare seien mir noch erlaubt:
    1.) Ich mache gerade nichts anderes. Kein Puls, kein Plan, einfach wieder ans Laufen gewöhnen.
    7.) DAS kann natürlich sein! Zwar kann ich Wettkämpfe planen, aber genau so gut kann ich sie wieder austragen, wenn ich mich nur zu 98% in Form fühle und glaube, dass es Sinn macht, noch drei weitere Wochen zu trainieren. Zudem war die Notwendigkeit eines Starts nicht wirklich gegeben. Da kann ich vom neuen Verein wirklich profitieren!

    Wie man an Punkt 7 sieht, ist es sehr wichtig, sich auch mit Leuten zu unterhalten/zu schreiben, die einen nicht wirklich kennen und die ein oder andere Sache/Problem mit einer einfachen (Gegen-)Frage fast schon lösen…
    Vielleicht sollten wir uns doch mal persönlich unterhalten. Soviel Gesprächsstoff kann man in die Kommentare gar nicht hineinpacken. Achja mit einem gemeinsamen Buch: wieso nicht? Die Parallelen zwischen Laufen und Business sind ja riesig. Die Fehler leider auch.

    Gruß
    Sven

  6. Pingback: Das war 2009: Training | Projekt 2011

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