Der Spaß-Faktor

run2perform-Läufergruppe am Samstagmorgen im frischen Schnee und Sonne

Am vergangenen Wochenende hatte ich das Vergnügen, unseren dritten run2perform-Event in Darmstadt leiten zu dürfen. Interessanterweise kam einmal mehr ein Thema auf, das ich mit „Fokus vs. Spaß“ umschreiben möchte. Einer der Hauptpunkte meines Vortrages rund um „Parallelen zwischen Hochleistungssport und Management“ war das Thema Fokus, der Konzentration seiner Energie auf eine (oder wenige) Sache(n). Da sowohl in unserer westlichen Marktwirtschaft, als auch im Sport das Prinzip „Winner takes all“ gilt, folgt IMHO direkt, dass der Gewinn – oder zumindest ein Spitzenplatz – anzustreben ist, da der Ertrag im Verhältnis zum erbrachten Aufwand stark steigt. Logisch, oder?

Beispiel: Ein reiner Amateur, der am Abend bei den Sportfreunden einen Vortrag hält, bekommt im Schnitt circa 0,- Euro. Ein durchschnittlicher Vortragsredner bekommt aber schon ca. 200,- Euro + vielleicht Fahrtkosten und die obligatorische Flasche Wein. Das ist schon mal „unendlich“ viel mehr (rein kalkulatorisch). Eine Spitzenkraft dagegen wird jenseits der 2.000,- Euro für den Abend als Honorar berechnen. Wir reden hier also nicht 10 Prozent mehr, wir reden auch nicht 100 Prozent mehr, wir reden jenseits von 1.000 Prozent mehr. „Winner takes all“ at work. Das gleich Spiel können wir überall erkennen, so z.B. auch beim Preisgeld: Der Hawaii-Gewinner geht mit einem sechsstelligen Scheck nach Hause, Platz 11 geht schon leer aus (und die Jungens auf Platz 11 der Weltmeisterschaft wollen wir mal nicht mit den elf weltbesten Fußballern vergleichen, die alle zusammen genommen mehr Geld in einem Jahr verdienen, als alle Triathleten JEMALS in der Geschichte dieser Sportart an Preisgeld erhielten).

Nun kam aber von Teilnehmerseite der Einwand, dass das Spiel bei allzu viel Fokus ja gar keinen Spaß mehr macht. Hmm?! Dilemma!

In der Tat geht es vielen Menschen so und auch ich kann mich dieses Gefühls nicht entziehen. In der Tat meine ich das gerade in der Sportwelt deutlich zu erkennen: Meine Triathlon-Kollegen wollen gern noch einen RTF hier fahren, dann den Ötztaler Radmarathon, dann einen Marathon im Frühjahr laufen und auch das 24 h-Schwimmen wird nicht ausgelassen. Und das ist ja auch alles so in Ordnung. Wir sind Amateure und der Spaß sollte im Vordergrund stehen. Aber wir sollten uns im Klaren sein, dass auf diese Art und Weise nie Höchstleistungen zu erbringen sind. Und wir dürfen uns fragen, was wir wollen im Leben: Spitzenleistung oder „viel Spaß auf vielen Hochzeiten“? Fressen und schlank bleiben gleichzeitig is nich!

Im beruflichen Umfeld traut sich die zweite Strategie nämlich auch niemand: Dort scheint allen klar zu sein, dass der hochspezialisierte Experte gefragt ist und nicht der Generalist, der viele Dinge gut, aber kein Ding hervorragend kann.

Wie gesagt: Ich kann beide Strategien gut nachvollziehen, bin ich ja selbst jemand, der gern auf vielen Hochzeiten tanzt. Und ja, ich diskontiere durchaus die Leistung des Athleten A, der einmal im Jahr zum Höhepunkt fit ist versus Athlet B, der in vielen unterschiedlichen Wettkämpfen und möglicherweise sogar verschiedenen Disziplinen gute Leistungen erbringt.

Nur so ein Gedanke . . .

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