DM Mitteldistanz Kulmbach 2010

Ja, was soll ich sagen? Der Oberhammer! Das ich das noch auf meine alten Tage erleben darf! Georg Anstett schlagen und Deutscher Meister (M40) werden. Ich habe das unmöglich Erscheinende möglich gemacht. Hat was. Und da es ein echt harter Kampf war, bin ich auch ein wenig stolz auf meine gestrige Leistung. Auch wenn nicht alles so richtig rund lief, so kann ich doch sagen: Traum erfüllt, Mission accomplished!

Aber der Reihe nach . . .

Michi Wetzel vom AST Süßen holte mich am Samstag um kurz vor eins zuhause ab und wir zockelten gemütlich Richtung Wirsberg, wo wir uns beide jeweils ein Einzelzimmer in einem kleinen Hotel gegönnt hatten. Einchecken und dann gleich sehr frühzeitig zum Startunterlagen abholen und Wechselbeutel abgeben. Wir treffen dann auch gleich Fabian Sauter vom SF Dornstadt (beides Liga-Kollegen) und gehen erstmal zusammen Abendessen und „war stories“ austauschen. Dann zuerst mal zum See und anschließend gemeinsam (mit dem Auto!) die Radstrecke abfahren. Sieht wellig, aber machbar aus.

Wunderschöne Radstrecke! Danach ab ins Hotel und schlafen. Vor dem Einschlafen lese ich noch kurz durch’s Programmheft und erschrecke, als ich mich im angekündigten „Topfeld der Männer“ wieder finde. Ich bin unschuldig – ich schwör’s! :-)  Ich habe keine Ahnung wie ich da rein geriet, aber mein großer Konkurrent Georg Anstett ist auch dabei.

Ein bißchen nervöser als normal bin ich schon und mein Schlaf ist nicht so toll. Schließlich habe ich ehrlich allen gesagt, die mich danach fragten, dass ich auf jeden Fall auf’s AK-Podium möchte und zeitlich so zwischen 4:10 und 4:20 für realistisch halte (ohne die Radstrecke je gesehen zu haben und ohne brüllend-heiße 30°C+ zu erwarten).

Die Elite-Damen beim morgendlichen Einchecken

Nach dem Frühstück fahren wir direkt die 6 km zum Trebgaster Badesee. Dort geht’s schon zu wie in einem Ameisenhaufen. Ist aber trotzdem eine überraschend entspannte Atmosphäre. Ich fahre noch ein paar Meter das Rad ein, dann Rad einchecken in der Wechselzone. Die letzte Darmentleerung, ein bißchen einlaufen und dann ist auch schon der Start der Frauen. Sieht imposant aus im Sonnenlicht des frühen Morgens (08:30 Uhr). Neo anziehen, allen Bekannten alles Gute wünschen und dann geht’s auch schon ab ins Wasser. Ein paar arme Frauen treiben noch wie Treibholz im See rum, aber im Rennen bekomme ich fast nichts davon mit. Denn komischerweise finde ich mich vom Start weg in der Hauptgruppe der Elite wieder (nicht mein angestammter Platz) und komme nach drei Runden und etwas langen zwei Kilometern nach 30:22 zusammen mit Fabian und Michi aus dem Wasser. Michi bolzt natürlich gleich nach vorne weg, aber Fabian sehe ich immer mal wieder. Die Berge nimmt er entschlossener, in der Ebene und bergab ziehe ich wieder vorbei (Wattmesser lässt grüßen!). Dummerweise habe ich ungekannte Probleme mit dem Magen, muss dauernd übel aufstoßen und fühle mich nicht so richtig toll. So ist denn auch die Radzeit von 2:24:33 nicht der Brüller und ich werde von gefühlt massenhaft Leuten überholt. Zum Glück ist aber der letzte Athlet, der mich ca. 3 km vor der T2 überholt, Herr Anstett persönlich. Ich denke mir: „Mann, das läuft offenbar besser, als Du denkst. Da geht heute noch was!“ Allerdings weiß ich natürlich auch ob Georg’s ausgesprochener Laufstärke (so viele Leute, die am Ende eines sauber vermessenen (!) IRONMAN einen sub-3 Marathon raushauen gibt’s ja nicht auf dem Planeten). Und er macht das eben auch schon seit JAHREN konsistent (IM Frankfurt 2009: Platz 11 overall, erster Amateur in 8:38 h; 2008 Platz 14 overall, dritter Amateur in 8:44 h; 2007 Platz 12 overall, zweiter Amateur in 8:50 h). Er macht – ganz Langdistanzler – den letzten Kilometer locker und da ich bis zum letzten Meter voll durchziehe, bin ich am Wechselbalken gerade wieder dran. Wir sind absolut zeitgleich am Wechselplatz; ich muss aber wegen meiner zickenden Waden noch meine CEP-Kompressionsstrümpfe anziehen. In diesen entscheidenden Sekunden läuft Georg ca. 60 Meter weg. Und obwohl ich gefühlt die ersten Kilometer flott anlaufe, komme ich bis zum ersten Wendepunkt (km 5) keinen Meter näher. Frust. „Sollte ich den DM-Titel durch die blöden CEPs verlieren?“ Aber sehr plötzlich – zwischen km 8 und 9 hat er eine Schwächephase und ich bin dran. Laufe ein paar Meter mit ihm und überlege mir meine taktischen Optionen. Aber in dem Moment läuft er gefühlt so langsam, dass ich einfach wegziehe. Am nächsten Wendepunkt (km 10) sehe ich dann schon einen recht beruhigenden 80 m-Vorsprung und bis ins Ziel nehme ich ihm dann doch noch über eineinhalb Minuten ab. Zwischendurch habe ich aber als ausgesprochener Kälte-Spezialist auf dieser fast schattenlosen Laufstrecke in voller Mittagshitze selbst die eine oder andere Schwächephase zu überstehen! Mann, was hab‘ ich gekocht, was hab‘ ich gelitten! Vielen Dank für die vielen Verpflegungsstellen (angeblich alle 1,6 km – aber da war an dieser einen Stelle ein Loch, gebt’s zu!) und die vielen freundlichen Helfer. Ich habe nur ein Mal den Schwamm verpasst und netterweise wenigstens den etwas ausgelutschen Schwamm eines überrundeten Athleten bekommen. Nett! Aber daran habe ich auch gesehen, wie nah am Limit (hitze-/verpflegungstechnisch) ich mich bewegte. Kurz vor dem Ziel wie immer nochmal sicherheitshalber umschauen und dann ist er da, der Zielbogen. Endlich!

OH YES! I DID IT!

Ich weiß zwar nicht sofort, ob das zum DM-Titel reicht (das weiß man bei einer DM nie so richtig – da kommen manchmal Leute, die man sonst nie sieht, weil vom Deich oder so… ;-)), aber ich schätze, wenn ich Herrn Anstett schlage, dass das dann reichen müsste. So ist es dann auch.

Ich bin aber auch noch keine zwei Sekunden über die Ziellinie, da empfängt mich auch schon ein freundlicher Herr – ich bin völlig erschrocken, da ich mich als Laie in diesen Dingen ja (noch) nicht auskenne – und weist mir einen sogenannten Chaperon („der Schatten“) zu. Von dem werde ich dann die nächsten zweieinhalb Stunden nicht aus den Augen gelassen – bis ich meinen Ausweis besorgt habe und endlich – nach DER Dehydration – pinkeln kann. Ja, nochmal etwas, dass ich an diesem Tage zum ersten Mal im Leben erleben darf: Doping-Kontrolle der NADA!

Aber das geht alles sehr entspannt ab. Die Profis lassen das zum x-ten Mal stoisch über sich ergehen, aber ich finde das ganze Prozedere schon spannend und bin neugierig. Michi muss zuerst mal das Auto am See holen, da ich mich als Jörg Schneider ausweisen muss. Und als unwissender kleiner Amateur hat man natürlich nicht im Wettkampf seinen Ausweis am Mann. Also kühle ich mich erstmal runter und trinke, trinke, trinke was das Zeug hält. Dabei halte ich mich stets an Wasser und Apfelschorle, da mich mein Chaperon sofort pflichtgemäß über die Risiken von kontaminierten Lebensmitteln („Besser kein Mohnkuchen jetzt!“) aufklärt. Das Zimmer, in dem die Doping-Kontrolle stattfindet ist angenehm kühl im Vergleich zu dieser unsäglichen Bullenhitze draußen. Zwischendurch gehe ich dann zum Duschen und irgendwann kommt Michi mit dem Ausweis. Der Rest geht recht flott. Das äußerst nette Ehepaar Schneider führt mich im Auftrag der NADA Schritt für Schritt durch das Protokoll und nachdem ich zwischenzeitlich locker die 90 Milliliter vollmache und auch die spezifische Dichte stimmt (nicht zu dünn!), verpacken wir sachgemäß meine A- und B-Probe, ich unterschreibe unter Zeugen das Protokoll und fertig.

Gerade noch Zeit genug, um die Räder und die Neos abzuholen und ins Auto zu verladen und pünktlich zur Siegerehrung zu erscheinen. Michi hat in der M25-29 die A-Karte gezogen (Podium Platz 1, 2 und 4 overall – er als 8. overall nur vierter in der AK). Ich dagegen habe mit Platz 17 overall den Sieg und DM-Titel in der AK sicher und darf mich über diverse Memorabilia freuen. Und die DM-Medaille hängt mir auch noch die „Chefin“ (DTU-Präsidentin Wisser) persönlich um. Wenn das nichts ist!

Ein schöner, aber auch brutal harter Tag neigt sich dem Ende zu. Ich bin froh, dass Michi fährt und mir von seinem Neuseeland-/Australien-/USA-Trip letztes Jahr erzählt . . .😉

Race Stats:

  • Wetter: Sonnig, leichter Wind, 30°C – Wasser: 18°C
  • Distanzen: 2,1 – 87 – 20 (offiziell 2 – 85 – 20)
  • Sieger: Markus Fachbach (Commerzbank Triathlon Team) in 3:53:37 und Diana Riesler in 4:22:15
  • Zeiten: 30:22 (Swim) – 2:24:32 (Bike) – 1:21:25 (Run) = 4:16:19 (Gesamt)
  • Ergebnisliste gibt’s hier!
  • Material: blueseventy Helix + Vision Goggles, Planet X Stealth Pro + Pearl Izumi Tri Fly Carbon Radschuhe + Pearl Izumi PRO Tri Short + Singlet + Giro Advantage Aerohelm + Alpina Airframe One Brille, Pearl Izumi Streak Laufschuhe + Pearl Izumi Ultrasensor Race Lid
  • Lernpunkte: Mehr Trinken und Verpflegung selbst mitführen und Wechsel noch optimieren!

Fazit: Ein geiler Tag! Heiß aber hart!

10 thoughts on “DM Mitteldistanz Kulmbach 2010

  1. Und ich dachte mir die ganze Zeit im Rennen: Gut, dass es heute gerade angenehm und noch nicht zu heiß ist. Immerhin, ich bin beruhigt, dass ich nicht der einzige bin, der die Schwimmstrecke als deutlich zu lang empfand. Wenn auch der Teuchner deutlich über 30 schwimmt, dann passt was nicht und auch für die Radstrecke habe ich 87 km stehen.

  2. Ja, die 87 km kann ich von allen, die GPS oder Radcomputer dabei hatten bestätigen. Und ich glaube bei der Schwimmstrecke sind sich auch alle einig, dass die zu lang war. Hey, nochmal: Chapeau! Hast ein tolles Rennen gezeigt!
    Offenbar bist Du einer dieser Hitzespezialisten, auf die ich oft so neidisch bin. Ich stehe ja auch nicht unbedingt auf 11°C und Dauerregen wie in letzter Zeit, aber im Rennen bin ich halt dann der Letzte, der kotzt!🙂

  3. O. K., dann halt Deutscher Meister!! Was folgt dann? Reschpekt für die supergute sportliche Leistung da im Ganzwoanders. Wußte gar nicht, dass du in B. studiert hast. Also, genieße die Zeit danach, und vielleicht bis bald mal am Mi in Beuren.

    Gruß Alex

  4. Hi Jörg,
    Respekt! und Herzlichen Glückwunsch! Die letzten Laufeinheiten die ich erlebt habe warst ja schon super gut drauf, aber es ist natürlich ein Unterschied ne Stunde bei 16 Grad zu laufen und solch einen Wettkampf zu absolvieren. Na dann kannst ja am Sonntag noch mal einen raushauen!

  5. Hi Franky,
    erstmal danke für die Glückwünsche.
    In der Tat ist das ein Unterschied – ich war da ja schon fast drei Stunden unterwegs und „leicht vorgeglüht“.😉
    Ich hoffe allerdings trotzdem, dass es am kommenden Sonntag nicht wieder so ein brütend heißer Tag wird. Bestell‘ doch mal als Organisator bitte 11°C und leicht bewölkt, gern auch mit etwas Nieselregen.🙂
    Naja, mal schauen, wie ich die Beine bis dahin wieder in Schuss bekomme. So eine Mitteldistanz nimmt mich schon immer ganz schön mit – v.a. wenn ich so grenzwertig dehydriere.

  6. Hi Jörg,
    herzlichen Glückwunsch zu Deinem Titel. Den Georg Anstett zu schlagen
    ist echt`ne Leistung. Leg die Beine hoch und genieße Deinen Erfolg!

    Gruß
    Roland

  7. @Ralf: Danke für Deine Glückwünsche!

    @Roland: Ja, bin gerade (völlig unvernünftigerweise) am genießen mit einem guten Riesling . . .😉
    Bin ja Amateur!

  8. Glückwunsche natürlich auch von mir!
    Wirklich klasse, und das nach einem eher schwierigem 2009.
    Es ist halt wie Radfahren, man verlernt es einfach nicht😉

    Grüße
    Martin

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