Lichtenwalder Halbmarathon 2011

Das Männer-Overall-Podium des Lichtenwalder Halbmarathons

Gestern Mittag war es also soweit: Geschwind rübergehuscht nach Lichtenwald, Startunterlagen abgeholt, dabei gemerkt, dass die halbe TSS-Gang anwesend war, sonst jede Menge bekannte Gesichter gesehen, Startnummer (95) anpinnen und dann endlich los zum Einlaufen. Natürlich begegne ich auch Marcus Büchler, dem klaren Rennfavoriten und Titelverteidiger, der mir allerdings klagt, dass er letztes Jahr vom Start weg ganz allein laufen musste (5 Minuten Vorsprung). Ich schlage ihm vor, dass wir ja gern ein paar Meter zusammenlaufen können…

Vom Start weg hat Marcus aber offenbar gar keine Lust, zusammen zu laufen, sondern sucht vom ersten Kilometer an die Entscheidung. Nach den zwei letzten Läufen möchte ich es mir heute richtig besorgen und nicht einfach mein Tempo durchlaufen. Ich ging also mit, so weit mir das eben gestern möglich war. Und da die Strecke auf den ersten 7,5 Kilometern (mit einem Zwischenanstieg) kontinuierlich bergab geht und schon nach ca. 1,5 Kilometern ein asphaltierter Weg recht steil bergab führt, nutzte Marcus mit seinen Riesenschritten die Gelegenheit für eine erste Attacke und weg war er. Wieder einmal (dejá vu) laufe ich ca. 80 – 100 m hinter ihm her hinunter ins Filstal. Unten angekommen habe ich aber bereits auf ca. 50 m verkürzt und im langen Anstieg hole ich ihn dann langsam, aber sicher, ein. Mit den taktischen Spielchen habe ich mir aber meine Beine schon ganz schön zerschossen und spüre die ersten Zipperlein ab km 11. Hier kommt auch von hinten ein Mitstreiter – der spätere Zweitplatzierte Dominique Braun. Er fackelt nicht lange und startet sofort seinerseits die nächste Attacke. Ich spüre meine Hüfte zu diesem Zeitpunkt schon so stark, dass ich abreissen lasse. Die Zwei schienen sich’s nochmal gegenseitig richtig besorgen zu wollen und da hatte ich keine Lust, den noch weiten Weg ins Ziel mitzuspielen. Wie sich die weiteren Kilometer zeigen sollte, wäre das eh‘ nichts geworden. So schalte ich einen halben Gang zurück. Wie jeder erfahrene Athlet weiß, macht es schon einen riesen Unterschied, wenn man nur mal 10 – 15 sec/km rausnimmt (ähnlich wie beim Rad, wo sich 10 – 15 Watt unter der FTP gleich deutlich lockerer anfühlen). Wie auch immer: Der Heimweg zog sich noch zäh hin und es bedurfte schon einer gewissen Willensanstrengung, meine geschrotteten Beine (ich wollte es ja nicht anders) am Laufen zu halten. Vorn entschwanden meine zwei Mitstreiter – sich gegenseitig anstachelnd – langsam am Horizont, während von hinten nichts anbrannte. So zockelte ich dann als Gesamtdritter nach 1:20 ins Ziel.

Marion hatte Notdienst und konnte daher nicht selbst laufen. Ich drückte ihr allerdings meine neue Exilim in die Hand, allerdings ohne die nötigen Basis-Instruktionen. Das war ein Fehler. Deshalb gibt es nun doch nicht die vielen, schönen Bilder wie erwartet. Allerdings hat sie ein schönes Zeitlupen-Video vom Start geschossen. Ich werde es editieren und in den nächsten Tagen online stellen – eine schöne Laufstil-Analyse von Marcus und mir.

Fazit: Ich konnte genau mein Ziel erreichen, dass ich wollte.

  • Nicht stetig mein Tempo laufen, sondern taktische Tempoveränderungen mitgehen.
  • Beine mal richtig schrotten, um das Gefühl auf dem Marathon am Ende eines Ironman zu generieren.
  • Wenn möglich auf’s Gesamt-Podium.
  • Wenn möglich AK gewinnen (leider als 3. overall nur 2. in der M40).

Der Lichtenwalder Halbmarathon ist ein sehr ordentlich organisierter Wettkampf. Die Laufstrecke ist traumhaft schön, insbesondere jetzt, da alles grünt und blüht. Sie ist SEHR ANSPRUCHSVOLL!! Es gab genügend Verpflegungsstellen – selbst für mich.😉

Leider wurde das Erlebnis einmal mehr getrübt durch eine sich E W I G hinziehende Siegerehrung. Warum sich an dieser Stelle niemand Gedanken macht, kann ich nicht nachvollziehen. Bei mehreren angebotenen Läufen wird die Situation schnell inakzeptabel. Bambini-, Schüler, Fitnessläufe neben 10 k und Halbmarathon strapazieren die Geduld der Läufer bis auf’s Äußerste. Das empfinde ich als brutal nervig (und offenbar nicht nur ich). Und dann wundern sich die Veranstalter, wenn nicht mal die Geehrten selbst bleiben und das Stockerl leer bleibt…das geht auch anders – man muss es nur wollen und mal innovative Wege gehen.

Race Stats:

Nachtrag: Bemerkenswert ist, dass man Vierter overall werden musste, um in der berühmt-berüchtigten M40 auf’s Treppchen zu kommen (Platz 2, 3 und 4 overall). Argghhh!

Bemerkenswert auch, dass man eine 1:24:01 laufen musste für Platz 1 in der M45, eine 1:26:29 für den Sieg in der M50 und sogar der Drittplatzierte der M50 eine 1:30:01 lief. Selbst Peter Schweizer reicht es da mit einer 1:33:05 nur zu Platz 6. Direkt davor lief Annegret Bauer eine 1:32:39 auf diesem Kurs (!) um nicht nur die W45 (!), sondern auch die Gesamt-Damenkonkurrenz für sich zu entscheiden. Reschpeckt!

Nebenbei hört sich meine 1:20:36 vielleicht nicht besonders toll an. Allerdings waren in den vergangenen 5 Jahren auch nur ganze drei Athleten schneller unterwegs (neben Marcus und Dominique Braun noch Steffen Häntzschel).

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