Xterra Czech 2011

Konzentriert kurz vor dem Start im a…kalten Stausee von Spindleruv Mlyn

Um es gleich vorweg zu nehmen: Zum zweiten Mal in meinem Leben suchte mich ein Kettenriss heim und zum ersten Mal in einem Rennen. Leider bin ich damit mit einem DNF geführt in der Ergebnisliste des Xterra Czech 2011 in Spindleruv Mlyn im tschechischen Teil des Riesengebirges.

Der Reihe nach…

Leider war ich beruflich bis Freitag-Abend in Mainz unterwegs, holte dann Marion ab und wir fuhren in einer wunderschönen Vollmondnacht Richtung Tschechien; um kurz nach ein Uhr am Morgen trafen wir im Race Hotel Arnika direkt am Stausee ein. Glücklicherweise war die Reception rund um die Uhr besetzt und so hauten wir uns gleich auf’s Ohr (vielen Dank an Marion, dass sie mich das letzte Stück sicher gefahren hat und ich wenigstens ein wenig schlafen konnte. Aufgrund des Status „Race Hotel“ waren am Morgen beim Frühstück schon „alle“ zu sehen: Renata Bucher, Carina Wasle, Olivier Marceau und v.a. Alex Haas und Felix Schumann. Letzterer konnte uns wertvolle Hinweise geben zu soclhen Dingen wie Strecke, Runden, Wechselzonen, Zeitplan und zu guter Letzt wo wir denn die Startunterlagen bekommen (die Website war diesbezüglich etwas…ahem…unergiebig). Das sind die zwei Seiten der Medaille: Einerseits ist alles etwas chaotisch und unorganisiert (aus DEUTSCHER Sicht!), andererseits ist es wie Triathlon in den guten, alten Achtzigern…eine Xterra-FAMILIE, jeder kennt fast jeden, hilfsbereite Mitbewerber, Abenteuer. I love it!

Nach dem Abholen der Startunterlagen packten wir erstmal die Sachen aus dem Auto ins Hotelzimmer und bereiteten die Wechselbeutel vor. Dann hatten wir sogar noch Zeit für ein kleines Nickerchen, bevor wir die Siebensachen packten und runterrollten zur Wechselzone 1. Kurz warmlaufen, dann der Versuch, mich warm zu schwimmen. Es sollte bei einem kurzen Versuch bleiben….mannomann war der See eiskalt. Nicht zu fassen. Offizielle 15°C waren aus meiner Sicht allerhöchstens Forst-2010-Niveau mit 14°C (ich denke eher weniger). Also genau so kalt wie die umgebende Luft- fantastisch!😉

Dann schwenkte auch noch pünktlich zum Start der Nieselregen um in sintflutartige Regenfälle. Einfach herrliche Xterra-Bedingungen. Niemand wollte so recht ins eisklate Nass und so hörte ich plötzlich den Startschuss, setzte mir dann erstmal meine Schwimmbrille auf und musste dann zwei Reihen Athleten überschwimmen. Gut, dass es ein Xterra war mit nur 180 Athleten am Start. Wildes Gedränge an der ersten Boje, danach kam ich ganz gut in meinen Rhythmus. Beim „Australian Exit“ nach der Hälfte der ca. 1,1 km langen Schwimmstrecke rutschte ich (wie viele ander Athleten) aus und gleich wieder den steilen Hang ins Wasser. Nach 15:26 stieg ich als 29. aus den Fluten noch vor den ganzen Pro-Mädels.

Oben im Wald hatten sie frisch Holz geschlagen und den ansonsten tollen Trail mit ihrem schweren Gerät in eine wilde Schlamm-Rutschbahn verwandelt. Die Bikes und Fahrer sahen nach wenigen Minuten aus wie Sau. Am südlichsten (und damit natürlich am weitesten entfernten – Murphy’s Law lässt grüßen) Punkt des Radkurses riss dann meine Kette. Ich hatte alles dabei bis auf einen Ketten-Nieter. Brauchte eine dreiviertel Stunde, um mein Rad nach Hause zu schieben. Sch….😦

Bike total verdreckt, Kerl total verdreckt, keine Kette mehr, total unterkühlt und auch noch eine Blase gelaufen…und am Ende ein DNF. Schlechter kann’s eigentlich kaum laufen. Aber irgendwie nahm ich’s doch ziemlich gelassen. Marion stand glücklicherweise noch an der richtigen Stelle oberhalb der T2. So konnte ich gleich trockene Klamotten anziehen, zurück ins Hotel und unter eine heiße Dusche. Abends schauten wir dann noch bei der Siegerehrung vorbei und gingen gut essen.

Einen Tag später haben wir unser Schlafdefizit komplett eliminiert, einen schönen Zwei-Stunden-Trailrun hinter uns, uns in der Sauna tiefenentspannt und sehen dem nächsten Rennwochenende gleichzeitig gelassen und freudig entgegegen.

Fazit: Ein toller Wettkampf in wunderschöner Landschaft, unfassbar kaltes Wasser und Luft, Xterra-gerechtes Sauwetter und sehr harte Bike-Strecke (nichts für schwache Nerven!), angenehmes Hotel, sportlich gesehen hochwertiges Rennen mit Ronny Dietz als würdigen Sieger vor dem Amerikaner Seth Wealing und dem Tschechen Jan Kubicek. Bei den Damen siegt die Französin Marion Lorblanchet vor den Tschechin Helena Erbenová und der Schweizerin Renata Bucher. Der Sieg in der M40 wäre eine ziemliche Herausforderung geworden, Platz zwei dagegen hätte drin sein sollen. Und nein, ich bin nicht die Radbestzeit gefahren (drei Minuten vor Ronny Dietz): Die in der Ergebnisliste angegebene Zeit ist einfach nach Rückgabe meines Chips. Ronny kam nach meiner langen Wanderung durch dunkle Riesengebirgswälder nach ordentlich absolvierten zwei Radrunden kurz nach mir in die zweite Wechselzone.

Race Stats:

  • Wetter: Dauerregen mit ein paar Sonnenstrahlen, Luft 14°C, Wasser 14°C
  • Strecke: 1,1 km Swim – 30 km MTB – 10 km Run
  • Zeiten: 15:26 (29.) – DNF
  • Equipment: Blueseventy Helix und Vision Goggles; Scott Genius RC-10; Pearl Izumi Race Kit; Pearl Izumi Octane MTB-Schuhe, Alpina Tri-Guard Brille, Alpina Mythos Helm
  • Ergebnisliste gibt’s hier!

7 thoughts on “Xterra Czech 2011

  1. Macht Lust auf’s Ausprobieren. Triathlon-Distanzen und Profile habe ich ja bald so ziemlich durch, irgendwann muss ich mich auch mal der Herausforderung Xterra stellen. Als nur sporadischer Mountainbiker hätte ich allerdings wirklich Respekt vor den technisch anspruchsvollen Strecken. Wie „schlimm“ ist es denn dort wirklich?

  2. Hi Chris, also für mich macht Xterra so brutal viel Spaß – insbesondere (wie ich ja schonmal irgendwo geschrieben habe), wenn man mal ein paar Tausend mehr oder weniger langweilige Straßenkilometer auf dem Zeitfahrhobel runtergerissen hat. Und auch so: Das ist Triathlon wie in den Anfängen. Regeln? Wilde DTU-Kampfrichter, die diese vielen unnützen Regeln peinlich genau überwachen? Fehlanzeige! Schwimm mit der Badekappe, die Du magst, leg‘ Dein Rad in die Wechselzone wo Du magst, leg‘ Deine Schuhe in die Wechselzone wo Du magst, zieh‘ an, was Du magst, mach‘ den Reißverschluss so weit auf wie Du magst…you get the idea.
    Wie „schlimm“ die Strecken sind, hängt v.a. vom einzelnen Wettkampf ab. Z.B. war ja der alte Xterra-Kurs in Titisee für die meisten Trias schon als „schlimm“ bezeichnet worden. Das war Kindergarten gegen z.B. Zittau nächsten Samstag. Und das ist wiederum Kindergarten gegen die Strecke hier in Tschechien. Gestern sind wir ein Teil der MTB-Strecke als Trailrun gelaufen und Marion war klar, dass sie da alles geschoben hätte. Ich schätze mal dass 90% der „normalen“ Triathleten da wenig Spaß gehabt hätten. Aber wenn man’s halbwegs hinkriegt, ist das gerade der größte Spaß. Fun, fun, fun!!!🙂

    • Hi Bernd,
      Du hast ja meine Mobil-Nummer. Lass‘ uns mal telefonieren.
      Wir wohnen hier „an der Strecke“ in Olbersdorf.
      Insider: Shonny war auch in Tschechien und ist auch hier. Ich habe aus informierten Kreisen gehört, dass sie offen für eine neue Partnerschaft wäre… 🙂
      CU around, Jörg

  3. @Chris: Ich muss mich korrigieren – die Zittauer Bike-Strecke ist technisch deutlich anspruchsvoller als in Tschechien. Aber – und das ist an dieser Stelle sicher wichtiger – es gibt auch sehr machbare Strecken für nicht so geübte Triathleten (ähnlich wie bei MTB-Marathons, die ja auch eher für die Massen gemacht sind und i.d.R. wenig technische Singletrail-Abschnitte beinhalten.

  4. Spontan fällt mir der Hürbener Cross-Duathlon ein (08.10.11) oder der „König der Berge“ (schon schwieriger – 18.09.11). Bei richtigen Cross-TRIathlons fand ich die Bike-Strecken immer recht anspruchsvoll (kann natürlich – anders als andere Menschen – nur die beurteilen, die ich auch selbst erfahren habe).

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