Merrimack River Trail Run

Start zum 21. Merrimack River Trail Run in Andover, MA

Nachdem ich für meinen Osterurlaub in Neuengland die Flüge gebucht hatte, schaute ich mich auch gleich mal ein wenig um, was es für Lauf-Wettkämpfe in der Gegend gibt. „Zufälligerweise“ fand dann tatsächlich am vergangenen Samstag in Andover, MA nicht nur irgendein Rennen statt, sondern ein extrem gut besetzter Trailrun am Merrimack River entlang. Das hörte sich gut an und nach zwei Emails war klar, dass ich der erste internationale Teilnehmer sein würde.

Obwohl als Urlaub deklariert, versuchte ich schon ein paar Trainingsrunden zu drehen. Ein paar nahegelegene State Parks boten Trails vom Allerfeinsten. Allerdings waren die Runden meist recht kurz (der durchschnittliche Amerikaner muss ja eine Chance haben, diese zu bezwingen). Und wie ich aus vielen Besuchen des Landes weiß, sind – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die Laufbedingungen katastrophal schlecht. So verwöhnt mit unzähligen Waldwegen wie wir sind die Amerikaner nicht.

Am Samstagmorgen dann fuhren wir rüber nach Andover, holten die Startnummer ab, spulten locker die übliche Aufwärm-Routine ab. Alles ging amerkanisch-entspannt über die Bühne. Als ich dann aber sah, dass tatsächlich nur ganze ca. 7 (sieben!) Meter vom Start weg blieben, um sich in Reih‘ und Glied auf dem Single Trail einzufädeln, überkam mich dann doch ein wenig Panik. Der Organisator Steve (selbst ein US-Meister über die 50-Meilen-Ultrastrecke) führte uns mit großartigem Humor verbal durch den Kurs. Eine Wendepunktstrecke mit zehn Meilen (16 km) bot sich uns dar. Wie erwähnt praktisch 100 Prozent Singletrail. Die ersten und letzten drei Meilen waren weitgehend flach am Fluss entlang, während die mittleren vier Meilen das Gegenteil boten: Steile Rampen, hoch und runter, scharfe Kurven, trockenes Laub, Bachüberquerungen…kurz: es war alles dabei. Die Strecke war dann auch tatsächlich umwerfend schön.

Am Start waren dann wieder alle amerkanisch-relaxed gepaart mit dieser speziellen Höflichkeit, so dass es trotz der sieben Meter bis zum Trailhead sehr gesittet zuging. Die Cracks wurden schon vor dem Start mit Handschlag begrüßt – man kannte sich also (und ich hatte eine Ahnung, an wen ich mich halten musste, wollte ich irgendwo vorn mitmischen). Zwei Raketen gingen dann auch gleich ab wie Schmitt’s Katze und schon nach zweihundert Metern war klar, dass die Jungs in einer anderen Liga spielen. Wie ich später erfahren sollte, waren geschlagene fünf US-Meister am Start. Nach einer Meile überholten mich dann nochmal vier Athleten, die nur höflich hintendran geblieben waren. Zusammen mit zwei weiteren Jungs machte ich mich dann auf den Weg zum Wendepunkt. Es gab einen Verpflegungspunkt bei ca. km 4 – dieser war aber unbemannt und man hätte sich dann selbst einen Becher aus einer Gallonen-Flasche einschenken müssen. Naja, vorn macht das natürlich niemand und so musste ich bis ca. km 7 warten, was mir schon wieder zu lang war bei den steigenden Temperaturen. Aber glücklicherweise verlief fast der gesamte Kurs in schönem, abwechslungsreichen Wald.

Bald hatte sich das Feld so auseinander gezogen, dass ich allein laufen durfte. Ich überholte dann nur noch einen Läufer bei ca. km 9 und kurz vor dem Ziel fing mich ein junger Athlet „oben ohne“ noch ab (gleiche Zeit). Thea stand an der einzigen bemannten Verpflegungsstelle, der direkt oben am Ende von zwei steilen Rampen lag und konnte so ein paar hübsche Bilder machen. Das war auch die einzige Stelle, wo man mit dem Auto hinkam und ein paar Zuschauer zum Anfeuern standen.

Die Jungs vorn liefen in einem atemberaubenden Tempo (und in einer ganz anderen Liga). Mit meinem Rennen konnte ich aber dennoch zufrieden sein. Die Achillessehnen heulten allerdings extrem auf, da sie dann doch noch nicht an die ultra-dünnen und nur 4 mm Sprengung aufweisenden neuen Trail-Rennschlappen vom Typ New Balance MT 110 gewöhnt waren. Acht Kilometer stets in eine Richtung am Hang entlang – da machte sich auch meine Hüfte wieder ein wenig bemerkbar.

Fazit:

Ein tolles Rennen und rundherum gut organisiert (okay, der mittleren Verpflegungsposten hätte schon geholfen an so einem Tag). Aber so warm war es wohl auch die vergangenen Jahre selten – es gab sogar schonmal Schnee und Eis und Hochwasser bis zur Hüfte.

Auf’s Masters (40 plus)-Treppchen reichte es auch gerade noch so, auch wenn mir die anderen zwei alten Hasen ordentlich einschenkten (Platz 2 und 3 overall). Tim (Platz 2) kommt in vier Wochen dann auch nach Deutschland zur Berglauf-Weltmeisterschaft der Masters in Bühlertal. Ein netter Kerl aus Vermont, der sich dann auch mal melden will, allerdings natürlich amerkanisch-wenig Zeit hat für einen Besuch.

Race Stats:

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