Swiss Irontrail

Startaufstellung zum 1. Swiss Irontrail (T141)

Ich war in der glücklichen Lage, vergangene Woche bereits am Donnerstag-Nachmittag ins schöne Engadin fahren zu dürfen. Der 1. Swiss Irontrail stand an und da sich diverse bekannte Athleten dieser Herausforderung stellen wollten, nutzte ich die Gelegenheit, diese zu supporten, anzufeuern, mir das Rennen und die Organisation anzuschauen und selbst ein wenig die weltbesten Trails dieser herrlichen, hochalpinen Landschaft unsicher zu machen.

Eins kann ich voraus schicken: Von der Möglichkeit, jemals selbst ein Rennen zu organisieren (eine komplexe, logistische Aufgabe, die mich schon sehr fasziniert), bin ich komplett abgekommen; sozusagen geheilt.

Als ich am Abend in Pontresina ankomme, treffe ich mich gleich mit Thomas und seiner Freundin Silke. Denis Wischniewski und sein Fotograf laufen uns über den Weg und wir genießen das Abendessen zusammen. Für mich als „Neuling in der Szene“ gibt’s da jede Menge zu lernen. Am Morgen beim Frühstück tauschen wir aus, wie wir das Rennen verfolgen wollen und wer wohl wie stark sein könnte.

Kurz bevor es losgehen soll kommt der erste Hammer des Tages: Aufgrund der Witterungsbedingungen wird der Start verschoben. Um gleich mal die Frustrationstoleranz der Wettkämpfer zu testen, wird der Start um 8 Stunden (in Worten: Acht!) auf 16:00 Uhr verschoben. Die erste Schleife wird komplett herausgenommen, man startet wieder an gleicher Stelle und läuft dann „nur“ noch 154 statt 201 Kilometer. Also verbummeln alle mehr oder weniger planlos den Tag. Netterweise wird eine sehr ordentliche Pastaparty im Zelt aufgebaut mit Schokokuchen, Cola und Schokolade. Alles gut.

Läufer auf dem Weg zum ersten Pass (Fuorcla Surlej)

Schließlich erfolgt tatsächlich der Start um 16:00 Uhr und ich verfolge die Läufer auf der ersten Runde über Rosegg und die Fuorcla Surlej hinunter nach St. Moritz. Das ist eine interessante und lehrreiche Erfahrung: Ein Rennen „hautnah“ aber eben nicht aus der Athleten-Perspektive zu erfahren. Das erste und deutlichste, das mir auffällt, ist, wie schnell sie alle (naja, vielleicht ganz hinten nicht?) das Rennen angehen. Es gibt da aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten: Entweder hat sich da die komplette Elite Europas versammelt und die sind alle wirklich so schnell, oder die Selbstüberschätzung ist einmal mehr grenzenlos (Letzteres erscheint mir wahrscheinlicher). Mein Weg führt mich über herrliche Singletrails zurück nach Pontresina.

Hoch über dem Silvaplana-See

Dort umziehen und zu Abend essen. Den Start des T141 mit Jan Krewinkel um 21:00 Uhr lasse ich mir nicht entgehen. Danach sofort zum Auto und über St. Moritz und Silvaplana hinauf auf den Julier-Pass. Schon im Dunkeln geht’s hinunter nach Savognin. Ich fange das Rechnen an: Wieviel Zeit werden die Schnellsten brauchen, um auf den Piz Nair zu kommen (höchster Punkt der Strecke mit 3022 m.ü.NN)? Wie lange bis ins nächste Etappenziel Bergün? Wie lange über den Pass nach Savognin? Es fängt zu regnen an und die Nacht ist stockdunkel. Ich erinnere mich an Adventure Racing-Nächte vor einigen Jahren und denke, wie schön es diese Trailrunner jetzt haben – sie haben ja viele Verpflegungsstationen, trockene Unterkünfte zum Hinlegen und markierte Trails. All‘ das gab’s beim AR nicht: Da legten wir uns für einen kurzen Powernap in den nächsten Graben und mussten den Weg in stockdunkler Nacht selbst finden. Trotzdem muss ich zugeben: So eine Nacht im Dauerregen in alpiner Hochlage ist natürlich nicht angenehm. Aber wie Jan Krewinkel (mein Team-Kollege von der TSG Reutlingen) am Start so schön (und wahr) sagte: „Wenn ich einen stupiden Popel-Stadtmarathon laufen will, melde ich mich da an.“ Und in der Tat: Wer sich für ein 200 km-Rennen in hochalpiner Gegend anmeldet, wird doch hoffentlich zumindest eine leise Ahnung haben, was ihn hier erwarten kann?! Er wird doch hoffentlich wissen, worauf er sich hier einlässt? In der AR-Zeit habe ich jedenfalls viel Schlimmeres erlebt. Ohne Netz und doppelten Boden.

Ich parkte mein Auto am Ende des Fahrwegs oberhalb von Savognin, spähte den Trail etwas aus, entschied mich dann aber dafür, auf die ersten im trockenen Auto zu warten und mich dann erst mit meiner guten Lupine Piko auf den Weg zum Pass zu machen. Irgendwann schlief ich ein – wohl wissend, dass ich bei der esten Stirnnlampe, die vorbeizieht sowieso wach werde. Um 04:30 Uhr wachte ich im ersten Licht des neuen Morgens auf. Seltsam – hatte ich alles verpennt? Ich fuhr direkt hinunter in den Ort, wo die nächste A-Kategorie-Verpflegungsstelle sein musste (alles von Essen, Trinken, Sanitäter, Dropbags, Schlafstelle vorhanden – fehlt im Grunde nur Kino, Coke und Popcorn). Niemand da. Wie konnte das sein? Alle schon durch? Da fiel mir ein, dass ich mein Handy auf lautlos gestellt hatte. Netterweise hatte Ton Dörner und Silke mir schon die Nachricht vom Abbruch des Rennens auf’s iPhone gespielt. Bummer!

Ich schwöre: Um 04:30 Uhr morgens war die Straße in Savognin abgetrocknet! Wie schlimm kann das Ganze dann gewesen sein? Hmm??? Jesus Christus, was für ein Kindergeburtstag ist das denn? Ich konnte eine solche Entscheidung in keinster Weise nachvollziehen. Und ich war vor Ort. Ich bin selbst gelaufen. Okay, für gewisse Athleten wäre das sicher ein bißchen „heavy“ gewesen. Aber mal ehrlich: Ich wunderte mich von Beginn an, wie sich 400 von 700 Läufern für diese Mega-Distanz und das sicher zu erwartende „Abenteuer“ anmelden konnten. Und ich wunderte mich abermals, als die Läufer mit einem Tempo losliefen, dass ich so den meisten einfach nicht zutraue. Nicht für 201 km, nicht für 154 km und auch nicht für 100 km. Kann natürlich sein, dass die ersten 40-50 Athleten mich alle schlagen würden. Aber die Erfahrung sagt etwas anderes.

Ich konnte mit den gut vorbereiteten und ausgerüsteten Athleten mitfühlen, die jetzt sicher frustriert in Bergün rumsaßen und Däumchen drehten. Insbesondere mit jenen, die andere Rennen zugunsten dieses, ihres Jahreshöhepunktes ausfilen ließen und sich voll auf diesen Wettkampf konzentrierten. Schade, sehr schade.

Für mich allerdings war das alles halb so schlimm. Ich fuhr einfach nach Lenzerheide weiter, machte ein Nickerchen bis die Bäckerei aufmachte, frühstückte in Ruhe, und als ich fertig war, rissen pünktlich die Wolken auf und ich konnte in herrlichsten Sonnerschein wunderbare Trails rocken.

Aussicht auf den Südhang/Stätzerhorn

Ich dachte zu mir: Mensch, wenn Du schon hier in dieser wunderbaren Bergwelt bist, ist es doch sinnvoll, mal „vertical“ zu gehen. So machte ich geschwind 1,5 k vertical hoch auf’s Rothorn und wieder runter. Ordentlich Kaffeetrinken und ab nach Hause zum Bodensee. Dieser kleiner Schlenker musste sein und ich verbrachte den Sonntag mit einem weiteren hübschen Trailrun am Sipplinger Berg, der obligatorischen Schwimmrunde zu Ritsche’s Bootssteg und ab ging’s auf die A81 zurück nach Hause. Another beautiful weekend in the mountains!

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