Gore-Tex Transalpine-Run 2012 – Tag 4

Auf dem Weg nach Italien…mit Pascal

Auch der vierte Tag bot zuerst einmal eher bescheidenes Wetter. Im Grunde perfekt zum Laufen. Bedeckt aber trocken. Später dann im Ziel von Prettau im Ahrntal kam pünktlich die Sonne raus und wärmte im Ziel unsere müden Körper. Aber der Reihe nach…

Nach einem wunderbar entspannten Frühstück in unserer Herberge stellten wir ordnungsgemäß unsere Taschen raus und begaben uns die paar Meter hoch zum Ziel. Mein persönlicher Ausblick war trübe: Von den 43,3 km schienen ungefähr 35 km flach bzw. leicht an-/absteigend auf breiten Forstautobahnen oder – noch schlimmer – Asphaltstraßen zu verlaufen. Argggghhh! Unter „normalen“ Bedingungen hätte ich damit ja nicht wirklich ein Problem – ich denke, dass ich wahrscheinlich eher zu den schnelleren Läufern im Feld gehöre. Aber erstens bremsen mich natürlich genau da meine Achillessehnen aus und zweitens habe ich bei einem „Trailrun“ eben Lust auf Trail! Im Ziel traf ich auf Johannes Lang, der seinen ganzen Unmut über diese mit Abstand schlechteste Etappe bei mir ablud. Kategorie: „Lasst Euch was Besseres einfallen!“

An den Krimmler Fällen

Vom Start weg ging’s erstmal 12 km flach auf Asphalt (mit bißchen Forstweg) zur V1 unterhalb der berühmten Krimmler Wasserfälle. In zwei großen Stufen stapften wir hoch ins dann wieder ewig flache Krimmler Achental bis zur Inneren Keesalm (weitere 16 km), bevor die Etappe überhaupt irgend etwas mit Trailrunning zu tun hatte. Von dort hatten wir in knapp über 3 km ca. 900 Hm zum höchsten Punkt (Birnlücke, 2665 m) der Etappe und der gesamten Ostroute zu überwinden. Gerade als ich ein paar Fotos von Frank vor dem beeindruckenden Gletscher machen wollte, zog die Wolke rein. Oben war’s dann etwas frisch und windig, aber nichts, was man mit kurz/kurz nicht hätte laufen können (okay, andere waren da natürlich schon wieder eingemummelt wie die Yetis – ich frag‘ mich dann immer, was die Leut‘ im Winter machen). Auf technisch herausforderndem Trail ging’s über große Steinplatten ins nun mit Sonne begrüßenden Trentino/Alto Adige (Südtirol). Mit nur einem kleinen Gegenanstieg ging’s hinab nach Prettau ins Ahrntal, umgeben von vielen Dreitausendern. Bei der letzten Verpflegungsstelle gesellte sich unser Ostbelgier Pascal zu uns, nachdem zuvor sein Teampartner Stefan aufgeben musste. Am Morgen fragte ich noch beim Überholen „Und? Gut geschlafen?“  Die Antwort „Naja, geschlafen habe ich schon gut.“ zusammen mit non-verbalen Signalen zeigte mir, dass es um ihn geschehen war. Wie bei so vielen anderen Teams bröckelte nun – nach ca. der Hälfte – der Putz doch gewaltig. Alle, die es auch nur einen Hauch zu schnell hatten angehen lassen, fielen jetzt wie die Fliegen von der Wand. Schade. Netter Kerl. Pascal ist der beste belgische Biathlet und man sieht ihm sofort an, dass er was drauf hat. Wir sollten uns bis zum Schluss immer wieder einmal über den Weg laufen…

Zielbereich in Prettau

Diese vierte Etappe war mein „down day“. Irgendwie ging’s mir den ganzen Tag nicht besonders. Ich schätze, es wäre vielleicht auch etwas viel verlangt, wenn es einem in einem achttägigen Rennen jeden Tag wundervoll gehen sollte. Anyway. Da half es natürlich, dass ich mit Frank Klass und nicht mit Iker Carrera unterwegs war. Trotzdem steigerten wir uns weiter im Ranking. Nach Platz 33 für Stage 1, Platz 23 für Stage 2 und Platz 17 für Stage 3 nun also als 14. in der Men-Kategorie. Passt alles.

Irgendwie war mir aber nach einer Massage und so gönnte ich mir vor der Pastaparty ein paar Streicheleinheiten von Yvonne. Das tat gut. Die Blackroll, die ich aus Platzgründen zuhause gelassen hatte, kam mir hier auch zuhilfe. Ich war – gelinde gesagt – erstaunt, was da auf der einen Seite bei den Physios und auf der anderen Seite beim Rescue-Team los war. Es schien gerade so, als ob Frank und ich die einzigen wären, die hier weitgehend schmerzfrei und ohne „externe Hilfe“ durchlaufen. Wenn man dann noch mitbekommt, mit welcher Leichtigkeit und Offenheit über die offensichtlich als völlig normal eingestufte, hoch-dosierte Verwendung von Schmerzmitteln aller Art gesprochen wird…kommen mir schon einige Fragezeichen.

Zum Thema Unterkunft möchte ich mich hier mal nicht auslassen. Es sollte der einzige Missgriff bleiben.

4 thoughts on “Gore-Tex Transalpine-Run 2012 – Tag 4

  1. Mir macht es Spaß, dieses hier zu lesen, und mir wird klar, dass ich persönlich ein Ultra-Etappenrennen nie angehen könnte, da fehlt´s hinten und vorn. Respekt! Zur Verwendung von Schmerzmitteln u.a. nur eine Anmerkung: Mein Augenöffner diesbezüglich war, als ich ein Gespräch von einigen Radsportlern mit anhörte, bei dem es ganz ungeniert darum ging, dass Aspirin ja blutverdünnend wirke usw. usw. Kurz: ganz widerlich, und die Frage ist, auf welche Leistung solche Leute eigentlich stolz sein wollen.

    • Das Thema „Manipulation“ fängt eben aus meiner Sicht lange vor dem Thema „Doping“ an. Manipulation ist eben Manipulation – ob erlaubt oder unerlaubt. Mein Körper sagt eben lange vorher, dass es nicht mehr geht und ich will aus falsch verstandenem Ehrgeiz eben trotzdem weiter machen.
      Nebenbei kann so etwas natürlich auch nicht nachhaltig gesund sein…

  2. Mein großen Respekt dass ihr das SO hingebogen habt! Eine große Herausforderung über die Zeitspanne ein Rennen dieser Klasse zu meistern – ohne irgendwelche halblegalen Hilfsmittel. Ich als Sportler erkämpfe mir den Weg zum Gipfel ehrlich und kann dann stolz sein!!! Am Ende des Tages schaut aber jeder in sein eigenes Gesicht…

    • Danke, Tommy.
      Die größte Schwierigkeit für mich war, dass ich selbst so einige Fragezeichen hatte, die ich nur schwer einschätzen konnte und vor allem Frank ein einziges, riesiges Fragezeichen war. Es befanden sich jede Menge unkalkulierbarer Variablen in diesem Spiel und es grenzt an ein Wunder, dass wir das so erfolgreich hingebogen haben.
      Ich mag ja persönlich das Wort Stolz nicht so besonders, aber da ist schon so ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit. Noch schlimmer ist das in letzter Zeit inflationär gebrauchte „alles richtig gemacht“ – und auch hier fällt mir extrem wenig Optimierungspotenzial ein.
      Aber das Tollste ist, wie ein Mensch wie Frank (dem das so sicher niemand zugetraut hätte) so über sich hinaus wachsen kann. So etwas mitzuerleben ist unglaublich schön!

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