Trailrunning auf Korsika – Teil 4

Am nächsten Morgen schaute ich mich ein wenig um vor dem Frühstück. Das ansonsten beschauliche Bergbächlein Restonica war zu einem wilden Fluss angewachsen. Das Dominique Colonna hat ein ziemlich spektakuläres Holzdeck direkt über den Fluss gebaut und am Morgen bot das, bevor die anderen Gäste aufwachten, den perfekten Rahmen für eine Morgen-Meditation, ein bißchen Yoga und Tai Chi. Nach dem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf, mit dem Wagen das super-kleine und super-spektakuläre Bergsträßchen ins Restonica-Tal zu befahren. Leider wurde das Wetter immer schlechter, je näher man an den Hauptkamm heran fuhr. Irgendwann war dann so viel Schnee und Geröll auf der Straße, dass ich umkehrte. Über den Col de Sorba und den Col de Verde ging’s rüber ins Tal der Taravo. Von Zicavo aus unternahm ich einen weiteren Lauf hoch zum GR 20 zu den Bergeries de Bassetta und Matalza. Hier gab es wahnsinnig viele Kastanien und wilde Schweine. Leider war ich nie schnell genug, die kleinen Wutzen zu filmen. Die waren aber echt süß – im Gegensatz zu den dicken, fetten Sauen. Mann, waren das Geräte! Riesig! Aber irgendwie gaben sie dann stets nach zähen Verhandlungen den Weg wieder frei.

Danach ging’s weitere gefühlte 3768 Kurven und Kehren weiter und im hübschen Bergdörfchen Zonza machte ich eine Pause im Salón de Thé – allerdings nicht zum Tee- sondern zum Kaffeetrinken. Das Wetter verschlechterte sich wieder und so fuhr ich hinunter zum Meer, wo die Temperaturen sehr viel angenehmer waren, der Wind weniger heftig und die Wolke weit über uns. Am nächsten Morgen dann eine Bilderbuch-Aussicht auf die Berge und den Sonnenaufgang am Strand.

Nach einem gemütlichen Frühstück in einer Boulangerie, ein wenig Lesen am Strand und einer ausgiebigen Schwimmrunde im Meer, fuhr ich dann doch nochmal hoch zum Col de Bavella, denn das war der erste (und einzige) Tag, an dem auch der Hauptkamm sonnig und wolkenlos war. Vom Pass aus nahm ich den „offiziellen“ GR 20 zum Refuge Asinau und die „alpine Variante“ zurück. Am späten Nachmittag war das Licht wieder einmal fantastisch. Nach und nach verabschiedeten sich die Besucher und es kehrte Ruhe ein. Ich übernachtete in der Gíte, in der ich im Schneesturm am ersten Tag schon zu Mittag gegessen hatte. Wieder gab’s ein leckeres (und umfangreiches) Abendessen mit einem Viertele Rotwein. Das 6-Bett-Zimmer hatte ich ganz für mich – ich war der einzige Gast. Draussen wurde es wieder bärig kalt, aber in der Stube brannte das Feuer im offenen Kamin und es war kuschelig warm.

Am nächsten Morgen hieß es dann langsam Abschied nehmen von dieser wunderschönen Insel. Vom Col de Bavella ging’s die wunderschöne Passstrasse hinunter zum Meer bei Solenzara und dann die Ostküste entlang zurück nach Bastia. Nach einer letzten Lese-Einheit bei einem letzten Café au Lait gab ich den Mietwagen ab und checkte ein. So ein süßer, kleiner Flughafen hat was: Vorne rein – hinten raus. Alles easy. Der Flug war pünktlich und genau beim Überflug über die Heimat am Bodensee ließen die Wolken nach und gaben den Blick frei auf ein sonniges Süddeutschland, das uns mit Föhn-Temperaturen um 16°C empfing. Was will man mehr?😉

Eine Woche auf Korsika allein, meist draussen in der Natur fühlen sich an wie eine dreimonatige Reise. Unglaublich entspannend. Die Eindrücke waren vielfältig. Ich hatte mal wieder richtig Spaß mit der Fotografiererei. Beim nächsten Mal würde ich – wenn ich nicht nur mit einem Mini-Rucksack den GR 20 belaufen, sondern wie diesmal mit Mietwagen unterwegs sein würde – meine neue Canon 7D mitnehmen. Da waren (trotz mehr als 1000 Fotos) einige Möglichkeiten, die ich mit der Mimimal-Leicht-Ausrüstung (Casio Exilim FH-100 und GoPro Hero 2) nicht wahrnehmen konnte.

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