Wettbewerb

Erika_Wex_bei_einem_Wettbewerb

Das Thema Wettbewerb und Wettkampf hat mich immer fasziniert. Stets habe ich unterteilt in sogenannte „Fun-Sportarten“, die ich nur des Spaßes wegen betreibe oder betrieb (Segeln, Surfen, Alpin-Skifahren (mit einer kleinen Ausnahme-Episode), Skitouren, Tauchen, Klettern…um nur ein paar zu nennen) und „Wettkampf-Sportarten“ (der Rest von dem, was ich so betreibe).

Ich realisiere natürlich, dass man die Welt nicht so sehen muss. Und in der Tat überwiegt sicher die Zahl derer, die Sport grundsätzlich nur aus dem reinen Spaß an der Freude ohne jegliche Ambition betreiben. Und selbstverständlich darf sich jeder die Welt so zurechtschnitzen, wie er sie gern sehen möchte.

Nun kommen des öfteren Menschen daher, die extra zu einem Rennen anreisen, teilweise größere Anstrengungen und finanzielle Ressourcen aufwenden, um an der Startlinie zu stehen um dann zu verkünden, dass „sie es ja heute wieder ganz locker angehen lassen“ (und ähnliche Aussagen-Klassiker). Klar gibt es bei Rennen Unterschiede, wie ernst ich es nehme und ggf. wie viel Zeit für ein gezieltes Tapering ich investiere. Aber Wettkampf ist am Ende des Tages eben Wettkampf. Wenn ich locker machen will, gehe ich allein im Wald laufen…

Aufmerksam gemacht wurde ich heute von der Liga-Auswertung 2013 des BWTV. Dort heißt es u.a. (wörtliches Zitat):

„Sorgenkind ist nach wie vor die Frauenliga, die mit elf Teams recht dünn besetzt war. Die vorgegebenen Gründe „Zu viele Wettkämpfe“ und „Zu harte Strecken“ wurden von den wenigsten als Gründe für die geringe Teilnahme gesehen. Sehr häufig kommt jedoch der Hinweis auf das große Leistungsgefälle in der Frauenliga bzw. die Furcht der Frauen, weit hinten oder als Letzte ins Ziel zu kommen. Lösungsansätze für dieses Problem sind jedoch sehr rar.“

Repräsentiert sind die kompetitivsten der kompetitiven Frauen. Nicht nur solche, die Sport betreiben. Nicht nur solche, die eine Lizenz lösen. Nicht nur solche, die bei irgendwelchen Rennen am Start sind. Nein, das sind die Damen, die in der (zugegebenermaßen sehr kompetitiven) Liga angemeldet sind. Und da kommen Hinweise, dass man doch nicht etwa „weit hinten“ oder gar „als Letzte“ (Gott bewahre!) ins Ziel kommen mag. Das erinnert mich an meine ehemalige Vereinskollegin, die alle ihre Triathlon-Rennen gewann, bis sie zum ersten Mal an einer Deutschen Meisterschaft teilnahm. Da wurde sie nur Sechste und gab die Rennerei auch sogleich mit der Begründung auf, das sei ihr dann doch zu viel Druck.

Eine Frage sei mir an dieser Stelle erlaubt: Ist das vielleicht der Grund, warum manche Menschen gern eine Frauenquote einführen wollen? Wir möchten schon gern oben mitmischen, aber wenn wir das Zeug dazu nicht haben, lasst uns das doch einfach per Gesetz regeln.

3 thoughts on “Wettbewerb

  1. Treffend beobachtet und durchaus bezeichnend für unsere „Leistungs“gesellschaft. Oben oder vorne stehen immer gerne, das Risiko zu „scheitern“ wird aber bestmöglich umgangen.
    Kann Dich aber beruhigen, gibt genug Männer, die ähnlich ticken.

  2. Schön, wenn Dir meine Gedanken gefallen, Chris.
    In der Tat kann man das Thema natürlich praktisch „überall“ beobachten: Die „schönen Seiten“ der Leistungsgesellschaft möchten wir schon gern mitnehmen, aber sich selbst committen, selbst Leistung bringen….nee, dann doch lieber nicht, oder wenigstens nur halbwarm.
    Und natürlich ist das kein frauenspezifisches Thema. Über die weichgespülten, domestizierten Typen, die man im Grunde nicht wirklich als Mann bezeichnen kann, möchte ich mich hier gar nicht auslassen.

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