Dirty Race dreizehn 2014

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Der berühmt-berüchtigete Start 2010 mit u.a. Normann Stadler (1.), Felix Schumann (2.), Johannes Moldan (3.), Matthias Pfrommer (4.) und Michi Wetzel (5.) (© Marbacher Zeitung)

Dirty is was supposed to be….and dirty it was!🙂

Mannomann! ich habe ja auch schon das eine oder andere Rennen mit Mountain Bike absolviert. Und es war auch schon mal schlechtes Wetter. Aber so viel tiefen Schlamm habe ich überhaupt noch nie erlebt. Ich habe zeitweise echt gebangt, dass mein doch schon sehr in die Jahre gekommenes Scottie nicht unterwegs schlapp macht. Jedenfalls knirschte alles, machte gar seltsame Geräusche und blockierte öfter mal beim Schalten. Toi, toi, toi: Das Material und auch der Bub haben durchgehalten.

Das Rennen war von Organisator Achim Seiter wieder einmal glänzend organisiert. Ausgebuchtes Rennen und ein Line-Up der Stars sind der verdiente Lohn für die lange, solide Arbeit. Herzlichen Dank, lieber Achim, für ein weiteres grandioses und schmutziges Rennen!

Schon am Parkplatz begegne ich Steffen Holder und er erzählt mir von Bernd’s Mißgeschick: Radunfall – Schlüsselbeinbruch. Ich war ausnahmesweise mal super-zeitig angereist und wusste so recht gar nicht, wie ich die Zeit totschlagen soll. Also rauf auf’s Bike und mal ordentlich warmfahren. Danach die Wechselzone herrichten und einlaufen. Fühlt sich im Grunde alles sehr gut an. Pünktlich um 13:30 Uhr dann der Start. Direkt neben mir startet die haushohe Favoritin bei den Damen: Kathrin Müller. Wie immer beim Dirty Race wird brutal angelaufen. Schon nach der Stadionrunde (ca. 1 km) waren gefühlte 30 Leute vor mir…und zu meinem Kummer sollte sich das auch bis zur T1 kaum ändern. Puuh. Irgendwie schaffte ich es nicht einmal trotz wirklich solidem Warmlaufen, vom Start weg Vollgas zu geben. Da war es wieder: Das Damokles-Schwert des Alters.

Nach nicht so richtig schnellem Wechsel rauf auf’s Rad und da waren sie wieder, meine drei Probleme: Kein Druck, keinen Mut und keine Ahnung, wie’s weiter gehen soll (frei nach Otto). Also gute Miene zum bösen Spiel und schauen, ob ich diesen alten Diesel doch noch irgendwie in Schwung kriege. Das brauchte so ungefähr zwei Drittel der Strecke. Gegen Ende spürte ich tatsächlich, dass langsam der Knoten platzte und es runder lief. Indes: Viel zu spät!

Seltsamerweise gesellt sich ein weiteres unbekanntes Phänomen an meine Seite: Wadenkrämpfe! So ein Mist! Nun muss ich auch noch die wenigen Stellen, an denen es von selbst läuft, dazu nutzen, die Waden (v.a. links) zu stretchen. Aber glücklicherweise geht das auf dem Rad ganz gut. Also den Rest durch die tiefe Schlammpiste pflügen, hoffen, dass die Kette hält, hoffen, dass die Wade hält, sich wundern, dass das Bike überhaupt noch vorwärts geht bei so viel Dreck und schließlich irgendwie in der T2 ankommen.

Nach solidem Wechsel geht’s auf die zweite Laufstrecke (identisch mit der ersten, aber ohne Stadionrunde). Und welche Überraschung: Nachdem ich schon das Schlimmste befürchtete, gehen die Beine doch noch auf und ich laufe einen sehr ordentlichen zweiten Run-Split (9.). Na also, es geht doch noch was! Man muss Onkel Jörgi einfach ein bißchen Zeit geben. Nach schwachem ersten Lauf und unterirdischer Radleistung also doch wenigstens noch ein versöhnliches Ende. Das soll und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass da noch viel Arbeit auf mich wartet.

Alle Fotos: © Marbacher Zeitung

Zum Gesamtrennen ist folgendes zu sagen: Felix Schumann gewinnt das Ding erwartungsgemäß, allerdings muss er sich ganz schön strecken. Unter solchen extremen Bedingungen sind die Top-Mountain Biker natürlich noch mehr im Vorteil (als ohnehin schon bei festerem Untergrund). Und obwohl Felix selbst ein super Biker ist, sind die eingefleischten Biker noch mal einen Ticken besser. Das nutze Matthias Pfrommer mehr als in vergangenen Jahren und setzte sich entscheidend ab. Aber Felix ist dieses Jahr mal wieder richtig gut drauf, legte einen sensationellen 2. Laufsplit auf den Asphalt und sichert sich den Sieg. Bei den Mädels war’s erwartungsgemäß langweilig, da die ehemalige Weltcup-Starterin Müller sich natürlich in keiner Sekunde die Butter vom Brot nehmen ließ, beide Läufe nur unwesentlich schlechter als ich und das Biken besser hinkriegt. Long story short: I got chicked! Sehr knapp, aber es fehlten mir am Ende der Laufstrecke ein paar Meter.🙂

Die Zweite, Martina Höllige, schaute denn auch etwas geknickt am Leaderboard: Fast eine Minute pro Kilometer beim Laufen abgenommen zu kriegen, ist schon recht frustrierend. Und wir reden hier über die Zweite overall!

Fazit: Ein wieder einmal wunderschöner Samstag-Ausflug (40 Minuten Anreise sind natürlich ein Traum, wenn man bedenkt, dass die Starter mittlerweile aus ganz Süddeutschland anreisen, um sich mit den Maschinen zu messen). Tolles Rennen. Perfekte Mischung aus familiärem Umfeld, knallharter Weltklasse-Konkurrenz und einem harten, aber fairen Kurs. Super Training für mich zum ersten Mal hintenraus so richtig im tiefroten Bereich. Das hatte ich schon seit ungefähr 2½ Jahren nicht mehr. Das spüre ich. Das Garnichts-Machen und das lange, langsame Trailrunning machen einen einfach langsam. Das gekoppelt mit Joe Friel’s Ergüssen zum Thema „Training für alternde Triathleten“ (Stichworte: Weniger Testosteron, weniger Kraft) bestätigen mich in der Entscheidung, die Trailrunning-Sachen mal für einen Moment zu parken und wieder bewusst mehr kurze, schnelle Sachen zu machen. Nebenbei bin ich überzeugt, dass ich auf der Basis jederzeit einen ganz soliden Ultratrail absolvieren kann. Andersrum jedoch nicht.

Das Dirty Race wird von Jahr zu Jahr stärker besetzt. Im Grunde ist es jetzt schon viel mehr einem DM-Status nahe, als ein Eichelberg-/Kraichgauman oder sonstiges Rennen je sein wird. Auch wenn dieses Jahr die ganz schillernden Namen wie Kienle oder Stadler fehlten, war es doch ein Stelldichein der Cross-Triathlon-Branche. Und es ging enger denn je zu. Während ich 2008 noch mit 7:18 min. Rückstand auf Sebi Kienle Zehnter overall werde, reicht es dieses Jahr mit 10:02 min. auf Felix Schumann „nur“ zu Platz 28 overall. Christopher Hettich z.B. schafft es mit gerade mal 01:50 min. Rückstand nur auf Platz 7 – trotz den beiden schnellsten Laufsplits. Eine harte Pille ist jedoch, dass ich in den sechs Jahren von 2008 (letzter Start Dirty Race) bis heute 10 Minuten (in Worten: ZEHN!) eingbüßt habe. Bei den Läufen nicht gar so übel (50 und 44 Sekunden), aber beim Biken eben 8:22 min. Okay, das Meiste davon ist sicher den viel schwierigeren und langsameren Bedingungen geschuldet, aber für’s Laufen ist das keine Ausrede. Auf der anderen Seite muss man sich natürlich auch fragen: Woher soll’s denn kommen? Wenn man wie ich sporadisch hier und da mal auf’s Rad steigt (in dieser Woche z.B. noch gar nicht), darf man sich eben auch nicht wundern…

Aber – und das ist schließlich das Wichtigste – es hat mal wieder einen riesen Spaß gemacht.

Race Stats:

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