Deutsche Meisterschaft Duathlon Langdistanz 2014 in Falkenstein

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Mit Duathlon assoziierte ich ja immer Schmerzen. Den zweiten Wechsel kennen wir Triathleten ja alle zur Genüge und der Körper weiß bescheid, aber dieser ungewohnte Wechsel von einem harten 1. Lauf auf’s Rad….also das muss jetzt wirklich nicht unbedingt sein. Aber der Powerman Germany in Falkenstein (und die damit statt findende Deutsche Meisterschaft über die Lang- und Sprintdistanz) stand schon längere Zeit auf meiner „Race Bucket List“ und so meldete ich mich aus einer Laune jugendlichen Leichtsinns irgendwann im Frühjahr an.

Von Michi Wetzel wusste ich, dass er (wie schon so oft zuvor) starten wird und er trommelte eine starke Süßener Mannschaft zusammen, um den Mennschaftstitel zum AST zu holen. Nachdem von der rennomierten SG Dettigen/Erms praktisch nichts mehr übrig ist (wie von einigen anderen etablierten Vereinen auch – aber dazu ein anderes Mal mehr), folgte Steffen Holder vom Ermstal ins Filstal. Nachdem einige andere Vereinskollegen ausgefallen waren, durfte Steffen als „dritter Mann“ ran und enttäuschte nicht. Mit überragender Leistung komplettierte er die beiden Maschinen (Michi & Locke auf Platz 2 und 3 overall) und landete auf einem sensationellen 18. Gesamtrang (3. M45). Das reichte aber sowas von locker zum Mannschafts-DM-Titel…

Ein schöner Nebeneffekt war, dass wir den Mannschaftsbus des AST Süßen nutzen konnten und unsere zwei Fahrer uns sicher und flott ins gruselig kalte und nasse Vogtland kutschierten. Am Samstag ging das Wetter ja noch, aber am Sonntag (= Renntag) hätte man nicht einmal den eigenen Hund vor die Tür geschickt. Wir kamen überpünktlich in Falkenstein an, fuhren mit dem Auto die Radstrecke ab (BEEINDRUCKEND!!!), checkten dann die Wechselzone und hörten uns das Race Briefing an, das tatsächlich mit einigen Neuerungen aufwartete. Außerdem muss bei so einer DM natürlich das allseits beliebte Kampfrichter-Kartenspiel vorgestellt werden (gelb-gelb-schwarz oder doch eher gelb-schwarz-gelb?). Dann gab’s lecker Pasta-Party und wir schlugen uns die Bäuche voll in der Erwartung, dass wir am Sonntag jede Menge Extra-Kalorien verbrennen würden. Zurück ins Hotel, zusammen Pokalendspiel FCB – BVB gucken und ab in’s Bettchen.

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Am Morgen dann schon beim Frühstück um 07:00 Uhr das erwartete Grauen: Dauerregen, tief hängende, dunkle Wolken und alles nass draußen. Argggh! Die Stimmung hätte besser sein können. Also runter zum Wettkampf-Areal in der Stadt, Sachen herrichten und Bikes einchecken. Spannendes Detail aus professioneller Sicht: Der gleiche Bundeskampfrichter, der abends im Hotel beim Bier der netteste Mensch ist, pfeift mich zurück, da ich ein Flatterband beim Verlassen der Wechselzone unterquert habe, statt 2 Meter außenrum zu laufen. Und das in einer Art und Weise…es ist immer das Gleiche: Gib‘ kleingeistigen Menschen ein wenig Macht und sie nutzen sie auf schamlose, unverschämte Weise aus. Alle Umstehenden schauten entgeistert zu und wunderten sich über so viel Borniertheit. Völlig unnötig. Alldieweil ist nix passiert. Aber so etwas erinnert mich immer sofort an Philip Zimbardo’s Stanford-Prison-Experiment (oder auch Abu Graib).

Dann möglichst lange warm halten, einlaufen und ab zum Start. Nachdem zuvor schon die DM über die Sprint-Distanz gestartet war, gab’s für die Langdistanz pünktlich um 10:15 Uhr den Startschuss und alle rasen – wie bei Duathlons üblich – los, als gäbe es kein Morgen…ähhh…Radfahren. Ich dagegen ließ es in einer Mischung aus Respekt vor der Strecke, Respekt vor dem Duathlon allgemein, meinem bescheidenen Grundgefühl und dem Wetter sehr ruhig und defensiv angehen. Ein nur 26. Split auf der 1. Laufstrecke war dann auch das Ergebnis. Alle drei Teilstrecken sind als Wendepunktstrecken konzipiert und landschaftlich sehr reizvoll. Während man den 1. Lauf lange (aber relativ gemächlich) durch den tiefen Wald an einem hübschen Bächlein entlang bergan zum Wendepunkt läuft, spart man sich den langen Berg beim 2. Lauf und dreht kurz nach dem Ende des Stausees um. Gemein ist ein ca. 600 m langer, sehr steiler Berg den man jeweils zu Beginn bergab (Beine-Killer) und zum Ende bergauf laufen muss. Am Wendepunkt traute ich meinen Augen nicht, wie viel Rückstand sogar Michi und Marcus hatten, ganz zu schweigen von mir. Ich hatte Bernd Weis erst bei km 4 überholt und lief nun stetig einen Vorsprung heraus. Die Mädels (allen voran Titelverteidigerin Julia Viellehner und die Dänin Susanne Svendsen) legten ein brachiales Tempo vor. Erstere sollte später – wie übrigens die Hälfte des gesamten Feldes – den widrigen Wetterbedingungen zum Opfer fallen und aussteigen, während Letztere das Rennen der Frauen overall gewann.

Powerman Germany

Zurück in der T1 dann ein Wechsel der eher gemütlichen Sorte. Auf dem Rad dann das gleiche Bild: Ich ging es extrem zurückhaltend an und wunderte mich, warum nicht mehr Radkanonen von hinten kommen. Aber (1) war ich ja schon unüblich weit hinten und (2) waren wahrscheinlich alle anderen mindestens ebenso vorsichtig und wollten keinen Sturz riskieren. Dann eine total verkehrte Welt: Ich fürchtete mich nicht über die beiden langen Anstiege, sondern über die beiden langen Abfahrten. Erstens wegen der erhöhten Sturzgefahr, aber viel wichtiger wegen der Auskühlung. Bergauf konnte man wenigstens Vollgas geben und ein wenig Wärme-Energie produzieren, aber bergab waren einem da natürlich die Hände gebunden und bei 60 km/h und diesen Temperaturen am Pass auf 750 m.ü.M. (ca. 3°C) konnte man zuschauen, wie man sich der Auskühlung näherte. Das war auch der kuriose Grund, warum ich zum Aerohelm griff: Was ich normalerweise immer als extremen Nachteil für so Typen wie mich ansehe, war jetzt endlich mal ein Vorteil – unter der Tüte ist es einfach wärmer!😉

Trotzdem wunderte ich mich mehrfach, wie unglaublich viel wir Menschen aushalten können – weit jenseits dessen, was sich „normale“ Menschen vorstellen können. Meine Füße und Hände waren komplett gefroren, ich konnte kaum den Lenker und gelegentlich die Radflasche halten und auch der Reste der Beine war kaum zu spüren. Wie die zwei Stampfer dennoch ihr Tagwerk vollbrachten ist mir ziemlich schleierhaft – sie schienen nicht zu meinem Körper zu gehören. Es war einfach nur „Survival Mode“.

Die Rad-Wendepunktstrecke musste zweimal durchfahren werden und schon in der ersten Runde auf der langen Abfahrt zum Wendepunkt kurz vor dem Skistadion in Klingenthal (direkt an der tschechischen Grenze) wurde aus dem Rennen für mich ein interner Willenskampf, im Rennen zu bleiben und nicht auszusteigen. Mit diesem internen Dialog hatten wohl die meisten Athleten zu kämpfen und die Hälfte gab das Rennen vorzeitig auf. So ging es auch Bernd Weis und so hatte ich wieder einen Konkurrenten um den Vize-Titel weniger (dass der AK-Sieg an den überragenden Duathlon-Spezialisten Dirk Strothmann gehen würde, stand für alle Insider außer Frage). Die schwierigste Stelle diesbezüglich war sicherlich nach dem Ende der ersten Radrunde, wo man direkt am Ziel, der warmen Turnhalle und heißen Duschen vorbeifuhr…hinaus in die dunkle Kälte…

Ich wurde teilweise von so heftigen Zitter-Attacken geschüttelt, dass ich Mühe hatte, den Lenker gerade zu halten und Schlangenlinien fuhr. Insbesondere die schwierige und steile Abfahrt zurück nach Falkenstein hatte es mit üblem Asphalt-Belag in sich. Andere schoben da fast die Bikes hinunter. Sowas habe ich noch nie gesehen. Die Verpflegung gestaltete sich als weitere Herausforderung, da es äußerst schwierig war, mit eiskalten Händen aus der Trinkflasche zu trinken, geschweige denn sich ein Gel einzuverleiben. Aber irgendwie schaffte ich es zurück zur T2 und das war für mich das ultimative Ziel der vergangenen zwei Stunden. Ich hatte zwar Mühe mit dem Wechsel und den ersten drei Kilometern (mit besagtem Kamikaze-Downhill), aber irgendwann rollten die Beine dann doch wieder, mir wurde innerlich wieder etwas wärmer und ich schaffte noch einen halbwegs ordentlichen Laufsplit. Zu einem Sprint mit Sven Kunath konnte ich mich dann aber doch nicht durchringen und überließ ihm den Platz vor mir (andere AK).

Siegerehrung Falkenstein M45

Jetzt so schnell wie möglich unter die heiße Dusche (die glücklicherweise auch heiß war), dann erst Zielverpflegung…das Auslaufen musste ausfallen. Danach begann ein wenig Warterei, aber die bemühten Organisatoren schafften es fasst pünktlich, mit der Siegerehrung um 16:30 Uhr zu beginnen. Bei uns türmten sich später nur so die Medaillen und Preise (u.a. getrennt für Powerman (overall) und DM-Wertung, dann der Mannschaftstitel der Kollegen, dann das Overall-Podium und schließlich die Preisgeldränge für Michi & Marcus.

Nachdem wir Locke’s Visier eingesammelt hatten, dessen er sich im Rennen wegen Beschlag und Nicht-Sicht entledigt hatte, ging’s direkt auf den Rückweg. Einen klassischen Fastfood-Stop ließen wir uns natürlich auch nicht nehmen und hielten an der A9 Münchberg-Nord um leckere Burger und Pommes bei Burger King zu ordern.🙂

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Fazit: Ein im Grunde wirklich tolles Rennen mit traumhaft schönen, aber auch unüblich harten Strecken. Leider hatten die Veranstalter zum wiederholten Male Pech mit dem Wetter (vielleicht gibt es zu einer anderen Jahreszeit eine höhere Wahrscheinlichkeit auf akzeptable Bedingungen?). Das Rennen selbst solide und mit viel Herzblut organisiert. Trotzdem hätte jemand – bei DEM Wetter (und es war ja keine Überraschung) – auf die Idee kommen können, warme Getränke an den Verpflegungsstellen auszugeben. Warum anderen Kollegen in Klingenthal ein heißer Kaffee angeboten wurde und auf meine Nachfrage nichts – keine Ahnung. Die Bedingungen sollten jedoch – gerade bei einer Deutschen Meisterschaft – für alle Athleten identisch sein. Trotz allem muss man sagen: Kategorie „Good value for money“.

Überdies war es schön, mal wieder mit einer Gruppe Gleichgesinnter gemeinsam zu einem Rennen zu fahren. Dass später in unserem Bus nur Medaillengewinner sitzen würden konnte niemand ahnen – es machte den Trip aber umso lohnenswerter. Und für mich persönlich: Ich fragte mich mehrfach während des Rennens, ob es das Finish um jeden Preis wert ist – insbesondere vor dem Hintergrund meiner verrückten Saisonplanung. So etwas kostet natürlich eine ganze Menge wertvoller Körner und meine Regenerationszeit bis zum nächsten Wettkampf ist ja nicht gerade üppig. Aber finishen ist eben auch Ehrensache im Tri-/Duathlon. Und wenn man einmal damit anfängt mit dem Aussteigen, weil irgendwas nicht passt, kann sich das ganz schnell zu einer Marotte ausweiten (ich will keine Namen nennen, aber wenn ein uns allen bekannter Athlet zum wiederholten Male nicht ins Ziel kommt und alle im Bus das erwartet haben, ist das kein gutes Zeichen – und ich meine nicht Bernd).

Race Stats:

  • Wetter: Dauerregen und Wind bei 3 – 6°C
  • Strecken: 16k Run – 64k Bike – 8k Run (mit 1265 und 450 Hm)
  • Platzierung: 14. overall (2. M45) / DM: 13. overall und Deutscher Vize-Meister
  • Zeiten: 1:02:06 (26. Run 1) – 1:13 (18. T1) – 2:12:58 (15. Bike) – 1:28 (12. T2) – 32:39 (15. Run 2) = 3:51:14
  • Equipment: Saucony Fastwitch (Run 1) – Planet X Stealth Pro mit Aero-Wheels, Pearl Izumi Radschuhen und Cratoni-Aerohelm – Asics DS Racer (Run 2)
  • Ergebnisliste gibt’s hier!
  • Vorbericht der DTU gibt’s hier!
  • Bericht vom Duathlon-Beauftragten Nobbe Braun gibt’s hier!
  • Michi Wetzel’s Bericht gibt’s hier!
  • Fernsehbericht vom MDR gibt’s hier!

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