Triathlon-Wochenende am Schluchsee

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Da ich ja im Herbst schon meinem Verein zugesagt hatte, zwei Starts in der LBS Cup Triathlon-Liga für das Team zu machen, durfte ich nun zum zweiten Mal in den sauren Apfel eines Doppelstarts beißen. Um es vorweg zu nehmen: Es lief mal wieder überraschend gut. Aber der Reihe nach…

Irgendwie hatte ich (anders als normal) erst drei Tage vorher meine Unterkunft gebucht. Sie stellte sich als perfekt heraus: Ein ganz wunderbares, uraltes Schwarzwälder Bauernhaus mit einer gastfreundlichen Gastgeberin, die extra früh das Frühstück für mich herrichtete. Die herrliche Ruhe und der morgendliche Blick aus dem Fenster waren umwerfend.

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Am Samstag stand der traditionelle Abschluss der LBS Cup Triathlon-Liga auf dem Plan. Der TSV Frickenhausen wurde vertreten von Thomas Karger, Ralf Gliese, Kai Fügel und Onkel Jörgi. Nachdem die Bojen bei der 1. Liga verrutscht waren, wurden sie ausgerechnet für die tendenziell schwächeren Schwimmer wieder deutlich „lang“ ausgesetzt. Kai klemmte sich vom Start weg auf Ansage an meine Füße und nervte die ersten 300 m mächtig, da er immer diesen Tick zu dicht aufschwamm und an den Zehen kraulte. Dann wurd’s ihm zu easy und er schwamm zur 2. Boje links vorbei. Ich hatte ein paar super Füße erwischt und blieb entspannt dahinter. Leider unterlief den Veranstaltern einer dieser dummen, unnötigen Fehler und die Volkstriathleten starteten während wir auf der 1. Runde waren. Was dann kam war ebenso vorauszusehen wie übel: Wir mussten eine Wand aus „Wasserleichen“ mit roten Badekappen überschwimmen. Ein alpiner Slalom ist nichts dagegen…😦

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Kai kam direkt hinter mir aus dem Wasser und rief mir noch zu. Dann eine der sicherlich härtesten Wechselzonen unter den Triathlons: Unter zwei Minuten hat das nur Uli geschafft und die Beine brannten vom steilen Anstieg vom See hoch zur T2. Allein hier nahm ich Kai schon 40 Sekunden ab. Dann das nächste „Highlight“ vom Schluchsee: Es geht sofort einen sehr, sehr langen Anstieg ohne einrollen hoch. Ich spulte nach Kräften die zwei verkürzten Radrunden á 13 km runter und kam nach 10. Swimsplit und 14. Radsplit so um Platz 10 in die T2. Nach flottem Wechsel sah ich auch recht schnell Freund Rolf Schwarz am Horizont auftauchen. So lief ich dann doch ein wenig zu schnell an, ließ es nach dem Überholvorgang aber auch etwas gechillter angehen, um mich auf den sonntäglichen Crosstriathlon etwas zu schonen. Kai Krause kam vorbeigedonnert und an einem normalen Tag hätte ich versucht mitzulaufen. So ging der beste Runsplit an ihn (25:39), während ich relativ locker in 26:59 durchlief (was noch für den 7. Runsplit reichen sollte). Im Ziel bedeutete das Rang neun, was mich sehr zufrieden stimmte. Wie in Waiblingen mit angezogener Handbremse eine Top Ten-Platzierung (auch wenn das ja eigentlich gar nicht mein Ding ist – aber das war ja eine Sondersituation und das werde ich sicher auch nicht mehr so machen in Zukunft). Mein Motto ist ja in Rennen immer: „Wenn schon, dann vollgas alles geben, was du in dir hast!“

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Dann das übliche Post-race-Procedere: Wechselzone ausräumen, duschen, Ergebnisse checken. Dann schaue ich bei Wiebke Klein in ihrem kleinen, mobilen „Phyiotherapie-Zentrum“ vorbei und frage, ob sie etwas für mich tun kann im Hinblick auf den morgigen Wettkampf. Massage ist schlecht, aber sie hilft, ein wenig „das Becken zu öffnen“ und das fühlt sich schmerzhaft, aber gut an. Ich kann sie allen „Problem-Kandidaten“ nur wärmstens empfehlen! Danach rüber ins Kurhaus zur Liga-Abschluss-Siegerehrung mit großer Pasta-Party. Viel zu viel gegessen, aber nette Gespräche mit den üblichen Verdächtigen. Schließlich gehe ich noch die Startunterlagen holen für das morgige Race und fahre dann in meine Unterkunft. Sachen herrichten für den morgendlichen Start und dann früh ins Bettchen. Hatte ich schon die herrliche Ruhe im Hochschwarzwald erwähnt?

Der Sonntag begann mit einem erfreuten Blick aus dem Fenster. Das Wetter hatte sich nach erneutem nächtlichem Regen gut gemacht. Nach dem Frühstück völlig allein in der großen Familien-Stube, die Sachen ins Auto verladen und rüber zur Wechselzone. Dort ist schon alles busy und ich treffe auch gleich die Kollegen Bernd Kiesel und Abbi Westphal. Wechselzone herrichten, Schwätzchen halten, mit Neo runter zum See. Wetsuit anziehen und im (beheizten) Pool warmschwimmen. Der See hat immer noch nur 17°C Wassertemperatur, was zwar mit Neo kein Problem ist, aber eben doch auf der kühlen Seite. Kai ist mitgekommen und macht ein paar Fotos.

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Nach der Vorstellung der Elite-Athleten begeben wir uns zur Startlinie. Das Ufer ist so steil, dass es im Grunde keinen Unterschied macht, ob wir (wie in diesme Fall) einen Landstart machen, oder einen Wasserstart. Nach einem kräftigen Delfinier-Sprung geht’s gleich los. Ich schwimme deutlich härter an als gestern und spüre das schon vor der ersten Boje. Trotzdem finde ich einen guten Rhytmus und es flutscht ganz gut. Nach ebenfalls zwei Runden (diesmal allerdings 750 m statt 600 m) steige ich als 16. aus den kühlen Fluten des Schluchsees und sprinte noch einmal den steilen Anstieg hoch zur Wechselzone. Die Wechselzeiten sind noch langsamer, da wir in einem großen „S“ nicht „vorne rein – hinten raus“, sondern genau umgekehrt die T1 verlassen. Daher stehen auch geschlagene 3:08 bei mir zu Buche. Sofort geht es in einer kurzen, kniffligen Technik-Schikane an der Turnhalle vorbei in einen nicht enden wollenden, sehr langen Anstieg. Dort sehe ich bestimmt vier Athleten zwischen 50 und 80 Meter vor mir, die ich versuche bis zum höchsten Punkt zu erwischen. Leider gelingt mir das nicht und ich muss bis zur berühmten Rothaus-Brauerei hart arbeiten, um Guy Evans (einen sehr symphatischen englischen Kollegen) einzuholen. Wenig später gesellt sich noch Sportfreund Joe Renner dazu. Im oberen Teil des relativ flachen und technisch nicht sehr schwierigen MTB-Kurses macht es durchaus einen Unterschied, ob man allein fährt oder zusammen. Im Anstieg zu Beginn der zweiten 15 km-Runde zieht sich das Feld wieder etwas auseinander. Oben angekommen stürzt die zu dieser Zeit (und auch später im Ziel) zweite Frau, Maud Goldsteyn (NED), in einem der kurzen, technisch etwas kniffligen Trailstücke und bremst uns etwas aus. Sie sieht ziemlich lädiert aus, finisht das Rennen aber bravourös.

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Auch wenn sich Joe und Guy zwischenzeitlich immer etwas absetzen können, erreichen wir Drei zusammen die T2. Jetzt wird’s hektisch, denn Joe kenne ich von diversen Cross-Duathlons und weiß um seine Laufstärke. Allerdings ist er einer der Wenigen, die ebenfalls am Vortag beim Ligarennen am Start standen. In der Hektik laufe ich nicht noch mal zurück, um meinen Helm ordnungsgemäß in meine Wechselbox zu legen und kassiere dafür eine 15 s-Zeitstrafe, die ich nach der 2. Laufrunde absitze. Und auch wenn wir zusammen auf die Laufstrecke gehen, so donnern die Zwei so unvorstellbar schnell los, dass ich nicht folgen kann und sie nach 500 m schon ca. 50 m Vorsprung haben. Aber sie haben es wohl etwas übertrieben, denn Joe hole ich schon im ersten Downhill ein und setze mich schon in der 1. Runde entscheidend ab. Nur Guy will einfach nicht locker lassen. Aber gerade, als ich ihm entscheidend nahe komme, winken mich die Kampfrichter ins Penalty-Zelt. Schade, das hätte noch ein richtig schöner Schulter-an-Schulter-Battle werden können. Ich überhole noch den total fertigen Tschechen Thomas Eberl und dann kommt von hinten auch nichts mehr und ich laufe sehr zufrieden als Gesamt-14. ins Ziel. Sofort umarmen wir uns (Guy & I), freuen uns zusammen über die jeweilig gute Leistung und erkennen sofort, dass wir wieder einmal die gleiche AK sind (die M45 ist wie so oft die bestbesetzte Agegroup und ich der „beste Drittplatzierte“ – Joe gewinnt hinter mir bspw. die M35). Aber die Platzierungen sind ohnehin bestenfalls zweitrangig. Mit meinem Einsatz und der gezeigten Leistung bin ich rundherum zufrieden – und DAS zählt!

Wieder das gleiche Post-race-Procedere. Leider fängt es dann irgendwann zu regnen an und die Hobby-Athleten, die um 13:30 Uhr an den Start gingen, konnten einem leid tun. Nach der Siegerehrung ging’s dann nach Hause an den Bodensee, um im Kreise der Familie das Fußball-WM-Finale zu schauen und viel zu spät und müde ins Bettchen zu fallen.

Bei der Elite gewinnt wie von mir erwartet Kris Coddens aus Belgien vor dem Tschechen Jan Kubicek und Jim Thijs. Bei den Mädels gewinnt Kathrin Müller sehr überlegen vor der Holländerin Maud Goldsteyn und er Italienerin Elisabetta Curridori. Erwähnenswert aus meiner Sicht sind auch die „Oldies“. Am Samstag z.B. platziert sich der Papa von Fabian Sauter, Bernd, noch vor so Jungs wie Rolf Schwarz, Martin Valecka oder Kai Fügel. Und am Sonntag ist Pete (Peter Naegeli aus der Schweiz, M60!!) auf Rang 22 mit der viertschnellsten Schwimmzeit overall! Reschpeckt, Jungs – you are an inspiration!

Fazit: Ein richtig geiles Sportwochenende mit zwei kurzen, knackigen, aber sehr unterschiedlichen Triathlon-Wettkämpfen. Das Standard-Programm vom Samstag ist ja bekannt und nichts Neues. Die gekürzte Strecke kam mir etwas entgegen (schonender). Am Sonntag dann ein richtig schöner Cross-Triathlon mit Potenzial. Aus Xterra-Warrior-Sicht muss man ganz klar die Bike-Strecke erschweren. Für Anfänger zum reinschnuppern und „Straßen-Triathleten“ ist das sehr gut machbar, aber alle anwesenden „Xterra-Freaks“ waren sich einig, dass diese Strecke nicht crossig genug ist. Dagegen war die Laufstrecke vom crossigsten, was ich je gesehen habe. Das war auch ein Grund, warum mir dann doch ein bißchen der Saft ausgegangen ist und ich Federn lassen musste (alle vor mir Platzierten sind schneller gelaufen – ein Umstand den ich so nicht kenne und praktisch nie erfahre). Aber was will man erwarten: So ein Rennen am Vortag (zumal Top Ten) geht halt doch nicht spurlos an einem alten Mann vorüber…

Ach ja, mit dem zweiten Finish im ETU Cross Triathlon Europacup bin ich mit 156 Punkten hinter dem erneuten schweizer Sieger Dirk Pauling Zweiter im M45-Ranking (aktuelles Ranking gibt’s hier).

Und noch was: Das waren Wettkampf Nummer 17 und 18 dieses Jahr – alle erfolgreich gefinisht. Diese Konstanz kann einem förmlich Angst machen. Aber auch wenn ich mich morgen verletzen sollte, war das schon jetzt eine sehr erfolgreiche und super tolle Saison und ich bin mega-zufrieden nach der langen Zeit der Schmerzen.

Race Stats:

  • Wetter: April-Wetter mit Regenschauern, Sonne, 15-19°C, Wasser 17°C
  • Rennen Samstag: 1,2 – 26 – 7,5
  • Platzierung: 9. Platz overall (4. M45), Team 8. Platz (Seniorenliga)
  • Zeiten: 21:10 (10. Swim) – 2:07 – 46:17 (14. Bike) – 0:48 – 26:59 (7. Run) = 1:37:23
  • Equipment: Blueseventy Helix Neo, Planet X Zeitfahrrad mit Aerowheels, Pearl Izumi Radschuhe, Alpina Helm & Brille, Montrail Rogue Racer Laufschuhe
  • Ergebnislisten gibt’s wie immer hier!

 

  • Strecke Sonntag: 1,5 – 30 – 10
  • Platzierung: 14. Platz overall (3. M45)
  • Zeiten: 26:44 (16. Swim) – 3:08 – 1:20:43 (16. Bike) – 0:49 – 38:17 (15. Run) = 2:29:42
  • Equipment: Blueseventy Helix Neo, Grand Canyon CF SLX Hardtail MTB, Pearl Izumi Radschuhe, Alpina Helm & Brille, Montrail Rogue Racer Laufschuhe
  • Ergebnislisten gibt’s hier und hier!
  • Bernd’s Bericht gibt’s hier!

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