Brett Sutton – The Doc

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Ich glaube ich habe an anderer Stelle schon einmal geschrieben, dass ich mir ziemlich sicher war, das Brett Sutton, „The Doc“, und ich ziemlich gut zusammenpassen müssten. Wir sind aus dem selben Holz geschnitzt, sehen die Welt und insbesondere die triathletische Trainingswelt doch zumindest sehr ähnlich. Wir beide nehmen kein Blatt vor den Mund, sagen, was wir denken und tun, was wir sagen. Mir ging es schon einige Jahre so, wie Captain Willard aus Apokalypse Now, der den angeblich durchgeknallten Colonel Kurtz im Dschungel aufspüren soll, von seiner Akte und dem dahinter liegenden Menschen aber mehr und mehr fasziniert ist. Trotz allem, was über ihn berichtet wird und trotz aller Widersprüche. Oder vielleicht gerade deshalb. Deshalb musste ich auch sofort die Gelegenheit beim Schopfe packen, recht kurzfristig meine Siebensachen packen und direkt nach der Mitteldistanz in Ulm nach St. Moritz reisen, um als Agegrouper eine Woche mit ihm und seiner Trainingsgruppe zu trainieren. Dass das Ganze direkt nach einem 4h+ Rennen passieren musste und noch dazu auf der Höhe von 1850 m.ü.M. – naja, man kann nicht alles haben im Leben.

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Letzten Sonntag fuhr ich also von Ulm nach St. Moritz, wo ich mich in ein kleines, feines, bezahlbares Hotel (Veltlinerkeller) einquartierte, das direkt in St. Moritz-Bad liegt. Der Standort ist perfekt, denn er liegt nur wenige Meter vom Ovaverva (in dem das Hallenbad untergebracht ist, in dem wir jeden Morgen die erste Einheit des Tages absolvieren) und dem Leichtathletik-Stadion, wo das Bahntraining stattfindet.
Auch diesbezüglich scheinen sich auf den ersten Blick sämtliche Vorurteile gegenüber Sutto und seinen Trainingsmethoden zu bewahrheiten: Es wird viel trainiert, es wird richtig hart gearbeitet. Schaut man aber näher hin, hat das alles Methode. Die Leser meines Blogs wissen ja, dass auch ich die Welt sehr differenziert sehe und Mittelmäßigkeit persönlich verabscheue. Vor allem aber verabscheue ich die elendige Gleichmacherei und den Hang der meisten Menschen, ihr wahres Potenzial gerade NICHT zu entwickeln und auszuleben. Auch in meiner beruflichen Welt habe ich mich ja der Hilfe verschrieben, Menschen in ihren kommunikativen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Von daher sind Sutto’s und mein Job aufregend ähnlich. Und beide haben wir das Glück, mit den ohnehin schon Besseren arbeiten zu dürfen.

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Meine Hauptziele waren ja vor allem, vom Doc ein Feedback zu meinen abgrund-tief schlechten Schwimm-Fähigkeiten zu bekommen, ein paar spezifische Trainingsmethoden kennenzulernen und ein paar Antworten auf konkrete Fragen zu erhalten. Es ist jetzt Freitag-Nachmittag und ich kann jetzt schon an alle drei Punkte einen Haken machen. Der Eine oder Andere wunderte sich ja bereits, warum ich noch Zeit zum Blogschreiben und Facebook habe. Erstens nehme ich Brett Sutton als außerordentlich feinfühligen Menschen wahr, der sehr genau weiß, wie sich die zwei, drei Tage nach einer Mitteldistanz anfühlen. Er schonte mich daher maximal, denn das Ausbrennen seiner Athleten ist – entgegen anders lautender Berichte – ganz und gar nicht sein Ziel. Und zweitens baut sich das Müdigkeitslevel nach und nach kumulativ auf. Heute habe ich schon sehr viel Zeit im Bett verbracht. Aber der Tag hat ja nach wie vor 24 Stunden, der Schlaf in der Höhe ist auch nach fünf Tagen immer noch schlecht und ich habe bis dato auch noch keine Einheit trainiert, die länger als 2½ Stunden gedauert hätte. Das entspricht eben wieder ganz meiner Philosophie. Dafür geht’s aber auch ab und zu richtig zur Sache. In meinem ganzen Leben habe ich noch kein Bahntraining von 21 Kilometern durchgezogen; ebenso wenig wie das heutige Hauptset beim Schwimmen von 9 x 300m zügig mit lausigen 15s Pause. Aber im Nachhinein ist man geradezu erstaunt, wie gut das geht…und man spürt einen Effekt. Alles arbeitet im Körper. Wodurch sich auch die zwei Mittagsschläfchen heute erklären.

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Und was macht nun diesen Mythos Brett Sutton aus?

  • Zuerst einmal ist er ein Mann, der Klartext spricht. Leider ist das ja heutzutage zu einer erwähnenswerten Seltenheit verkommen.
  • Dann ist er ein Coach, der aus vielen unterschiedlichen Kontexten schöpfen kann. Er hat schon Schwimmer (in Australien, wo Schwimmen absoluter Volkssport ist!), Boxer, Windhunde und Rennpferde…und eben Triathleten trainiert. Seine Analogien aus dem Boxsport waren beispielsweise extrem hilfreich für mich beim Schwimmen. Gerade mit meinem beruflichen Hintergrund verstehe ich, warum er eben besser ist als alle anderen (da die meisten Trainer „angelernte Hilfskräfte“ sind – nur, weil man mal Sport studiert hat, ist man beileibe nicht qualifiziert, Dinge verständlich rüberzubringen!).
  • Dann ist er eben ein Aussie…und damit eine wunderbare Mischung aus totaler Entspanntheit, Humor und knallhartem Kampfgeist (sorry, ich verallgemeinere grob).
  • Dann ist er einer der wenigen Menschen mit wirklichem Selbstvertrauen. Sorry, aber ich habe noch nicht viele kennengelernt. Bei den meisten Leuten ist das eine schlecht sitzende Maske, die beim kleinsten Rüttler in sich zusammenfällt. Weshalb ich ja gern das Stilmittel der Provokation nutze, um hinter die Maske zu sehen. Und weshalb so viele Trainerkollegen ihn anfeinden, weil ihnen dieser atemberaubende und wahnsinnig konsistente Erfolg nicht vergönnt ist und sie nicht wie ein Mann damit umgehen können. In den meisten Fällen vermute ich den blanken Neid als Ursache.
  • Anders als viele Dienstleister (nicht nur Coaches) ist er wirklich, wirklich, zutiefst interessiert am Weiterkommen seiner Schützlinge.

Dies Liste ist sicher bei Weitem nicht erschöpfend. Aber das sind schon mal ein paar Punkte, die mir spontan einfallen.

Fazit: Ich kann jedem Athleten, der die Sache halbwegs professionell sieht und persönlich ernsthaft an seinem persönlichen Weiterkommen interessiert ist, diesen außerordentlichen Coach nur empfehlen. Der Camp-Preis ist sehr bezahlbar, die Schweiz dagegen ist für Nicht-Schweizer sauteuer.

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