Einfachheit

einfachheit

Neben dem obigen Zitat gibt es noch eine Reihe weiterer guter Textstellen – eines davon hat mich zu diesem Blogpost animiert:

„Es scheint da einen gewissen perversen menschlichen Charakterzug zu geben, der gerne einfache Dinge kompliziert macht.“

Warren Buffet

Und da ist dann noch ein Spruch meines seit Jahren geschätzten Lieferanten der besten Darjeelings wo gibt, der direkt neben mir an der Wand hängt:

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Brett Sutton (der nebenbei meinen Blogpost über ihn in seinen Blog aufgenommen hat!) hat in seinem aktuellen Artikel zum Thema „Daniela Ryf – the overnight success“ unter dem Titel „The Angry Bird Has Landed“ unter anderem geschrieben:

„I did tell Nicola ⌊Spirig⌉ that I think Daniela ⌊Ryf⌉ should now move to what she can be World Champion in, and that is long course. I’m pleased that we have helped put Daniela back together again, pointed her in the right direction, and said ‘this is where you now belong’. No diets, no fretting over how I can’t get to the size of the others, and more importantly, built up her confidence, not with bullshit but with sound training and then let the race results show you what the real Daniela Ryf can do!“

Vielleicht fällt es dem einen oder anderen jetzt schwer, die Punkte miteinander zu verknüpfen, aber für mich ergibt sich ein roter Faden: Das Leben ist im Prinzip eine recht banale Angelegenheit – und so ist das leistungsorientierte Training. Wie überall im Leben gibt es eine ganze Reihe von Menschen (vielleicht hat Warren Buffet in obigem Zitat ja recht?), die die Dinge lieber kompliziert machen. Komplizierter, als sie sein müssten. Warum machen wir das? Meine erste These ist, dass die Meisten von uns (gerade im Triathlon – das Problem tritt anscheinend seltener bei Fußballern oder Boxern auf) mit einem überragenden Intellekt ausgestattet sind. Und dieser Intellekt will genutzt werden, will mitreden. Meine zweite These ist, dass eine ganze Industrie davon profitiert. Ich sehe das in meinem „Paying Job“ genau so, wie im Ausdauertraining. Viele Menschen profitieren davon, dass sie die Dinge komplizierter machen, als sie sind. „Cui bono?“ ist immer eine gute Frage zu stellen – wem gereicht es zum Vorteil? In meiner Branche machen die Mehrzahl der Kollegen (Trainer, Coaches, Speaker, Berater) die Dinge unnötig kompliziert und ebenso im Ausdauersport. Selbst im Laufen, schätzungsweise der einfachsten aller Sportarten gibt es gefühlte drei Milliarden Coaches, Trainingszentren, Mediziner, Journalisten, die alle etwas beraten oder schreiben wollen (und müssen, um zu überleben). Gerade wenn man sich die einschlägigen Magazine ansieht: Was gibt es außer dem hundertachtzigsten Laufschutest noch „wirklich Neues“ zu berichten? Typisches Beispiel Ernährung: Was gestern die verteufelten Fette waren sind Jahre später die verteufelten Kohlenhydrate. Und wenn man sich die Spitzenkräfte im Sport ansieht, essen die meisten „alles“ ohne Reue…und Massen davon! Ein weiteres Paradebeispiel: Da wird zum tausendsten Mal das Fahrrad X oder die Equipment Y hochgelobt und wenn man genau hinschaut, wird ein Sebi, (weitgehend) egal auf welchem Hobel er sitzt, die Konkurrenz versägen (wenn er nicht gerade – wie vor einer Woche in Mont Tremblant – einen der seltenen Aussetzer hat). Hier wie dort will uns die Industrie (oder „Heiler“ jeder Art) weismachen, dass wir nur noch etwas extra brauchen, um glücklich (oder schneller) zu sein…

Beim Training sehe ich das analog. Ausdauertraining – zumal im rein aeroben Langdistanzbereich – ist keine Rocket Science! Du musst nur die harte Arbeit machen (mit der Betonung auf „nur“)! Und genau da sehe ich eine Form von Prokrastination: Wir lesen lieber den neuesten Trainingstipp im XY-Magazin (der nebenbei im direkten Widerspruch zur Trainingsphilosophie von Z steht), statt die verdammten Laufsachen anzuziehen und im strömenden Regen unseren Zwei-Stunden-Lauf zu absolvieren. Und so enden wir zwar einerseits wahnsinnig klug und belesen – aber eben nicht schnell.

Die einfachste Sache der Welt ist doch, sich zuerst einmal zu fragen „Wo stehe ich?“ und „Wo will ich hin?“ und dann zu schauen (da kann externe Hilfe von einem guten Coach tatsächlich sehr sinnvoll sein), wie ich von A nach B komme. Und schon hier steigen die Meisten aus. Das verstehe ich nicht. Und als nächstes ergeben sich aus dem Ziel und der Strategie (wie) die für den konkreten Athleten und die konkret momentan zur Verfügung stehenden Möglichkeiten (Talente, Stärken, Schwächen, Zeit- und Geldbudget) die konkreten Maßnahmen. Hier steigen dann fast alle Anderen aus, die regelmäßig unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Ich würde mich schon mal fragen, warum ich denn mein Ziel ein um’s andere Mal nicht erreiche. Ich würde mich aber zum Beispiel auch fragen, ob der Coach, mit dem ich über Jahre zusammenarbeite und der es wieder und wieder nicht schafft, mich von meinem sub-optimalen Plateau voran zu bringen, der Richtige für mich ist. Und (jetzt lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster) ich würde mich natürlich auch fragen, warum es andere Coaches schaffen, ihre Athleten regelmäßig auf den Punkt fit an die Startlinie zu kriegen (Olympia, World Championships) und ich leider am Tag X einen rabenschwarzen Tag erwische. Das darf MAL vorkommen, aber streng genommen nicht öfter als einmal in 2 Jahren.

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