Stress, Training & Gesunderhaltung

Muskulatur_ 40_70_74

Das Bild links ist relativ selbsterklärend. Es zeigt den Querschnitt dreier Oberschenkel. Das obige Bild ist von einem mittelalten Triathleten, das untere von einem alten (wenn man das so sagen darf). Zuerst einmal fällt auf, wie wenig die Muskelmasse wirklich abgenommen hat, wenn sich der Athlet einem kontinuierlichen und vor allem intensiven Ausdauertraining verschreibt. Das mittelere Bild zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn wir das machen, was die meisten Menschen machen: Wir lassen uns gehen, reden uns ein (oder lassen uns von schlechten Medizinern einreden), dass wir „halt einfach alt werden“. Wir hören auf, unseren Körper (und meist auch den Geist) zu fordern und verlieren so nach und nach alles. Einschließlich des Lebens selbst. Wir alle kennen den vielzitierten Spruch: Use it or lose it!

Aber das muss natürlich nicht sein. Wir alle haben schon einmal sehr fitte, durchtrainierte 70-Jährige gesehen, die (1) nicht aussahen wie 70-Jährige und (2) tatsächlich auch „unter der Haube“ (siehe Bild oben) noch tip top in Schuss sind. Warum ist das so?

Die gängige Erklärung ist folgende: Ja, der Herr Müller hat eben besondere Gene. Der ist einfach von der Natur bevorzugt, Bla, bla, bla…die üblichen Ausreden halt. Während die Wahrheit ist, dass die Kausalität genau umgekehrt ist: Weil Herr Müller seinen Körper und Geist fordert (ihn immer wieder Stress aussetzt), bleibt sein Körper in Form. Weil Frau Meier den Muskel benutzt, ihn kontinuierlich starken Reizen aussetzt, wächst er oder bleibt zumindest erhalten. Use it or lose it!

Was tatsächlich passiert ist, dass wir – wie im Rest des Lebens auch – gewissen Herausforderungen ausgesetzt sind. Die kleinen Sünden des Lebens (schlechtes und zuviel Essen, Alkohol, Zigaretten, zu wenig Schlaf, etc.) machen sich über die Zeit eben stark bemerkbar. Was wir als 26-Jähriger noch locker wegstecken und am nächsten Tag volle Leistung abrufen konnten, geht eben schon als 46-Jähriger nicht mehr (wovon ich ein Lied singen kann!).

Der Unterschied? Wie gehe ich mit diesen Herausforderungen um? Lasse ich mich von ihnen sofort entmutigen? Lasse ich mir von meinem inneren Schweinehund mein Leben und meine Leistungsfähigkeit diktieren? Oder drücke ich (sensibel) auch einmal über den Schmerzpunkt hinweg, um zu sehen, dass dahinter auch wieder die Sonne aufgeht? Wenn es nach den meisten Ärzten gegangen wäre, würde ich jetzt keinen Sport mehr treiben oder zumindest nicht mehr laufen. Und wie stehe ich da? Gar nicht so übel. Meine Erfahrung ist, dass wenn ich nicht laufe, meine Probleme eher größer werden. Das war zumindest mit dem Eigenexperiment (n=1) in den vergangenen 20 Jahren immer das Selbe. Erfahrene Mediziner (Praktiker mit eigener Leistungssport-Vergangenheit) bestätigen mir diese Erfahrung immer wieder.

Meine These ist folgende: Wenn es zwickt, erstmal schauen, ob es nur der innere Schweinehund ist, der sich meldet und lieber faul auf der Couch liegen will. Wenn das nicht der Fall ist: Was tut genau weh und warum? Was ist der originäre Auslöser des Schmerzes? Hilft ein kurzes Rausmehmen? Was passiert, wenn ich den Schmerz für eine kurze Weile ignoriere? Und vielleicht erkenne ich ja am Ende des Tunnels, dass mich dieser Schmerz nur testen will, wie ernst ich es meine mit dem Sport und der allgemeinen Gesunderhaltung. Vielleicht ist es nebenbei die bessere Wahl, mit einem leichten Zwicken zu laufen, als einen Oberschenkel wie im mittleren Bild (und den zugehörigen Rest dieses Körpers) zu haben?

Ach ja, wir sollten die zwei betonten Worte im obigen Text beachten: (1) koninuierlich und (2) intensiv! Denn nur wenn wir immer dran bleiben (ohne allzu große Pausen) und wenn wir unseren Körper intensiven Reizen (Stress) aussetzen, passt er sich an. Unterschwellige Reize schaden dagegen bestenfalls nicht. Letzteres ist ein häufiges Problem des Älterwerdens: „Aber wir gehen doch drei Mal in der Woche spazieren – ganze 4 Kilometer!“ So wird das nichts…

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