Malle 04.2015 & Triathlon Portocolom

Hafen Portocolom

Nachdem es an Ostern mal wieder vom ekelhafesten Wetter gab, das Deutschland zu bieten hat, entschloss ich mich kurzfristig noch ein paar Tage länger auf Mallorca rund um den Triathlon in Portocolom zu verweilen. Wenn ich laufen könnte, wäre das sicher alles halb so wild. Aber wenn die Bäder geschlossen sind wegen der Osterferien und es dann Schneeschauer runterhaut, muss ich nicht unbedingt auf’s Rad sitzen. Die ganz Knallharten gehen dann vielleicht noch auf die Rolle oder das Laufband – aber das war ja noch mein Ding. Und auch wenn es auf den Balearen ebenfalls ungewöhnlich kühl über den Winter und das Frühjahr war, so kann man bei 18/19°C und Sonne eben doch sehr gut radfahren. Und die öffentlichen Bäder (Piscinas Municipales) sind ein Traum: Praktisch immer hatte ich eine ganze Bahn für mich allein.

Also wieder mal ein paar Klicks an der richtigen Stelle gemacht, die Kreditkarte um einen recht kleinen Betrag belastet, den ich so auch fast zuhause zum Leben bräuchte, Sachen gepackt und ab ging’s letzten Dienstag. Die ersten Stopps waren klar: (1) Schwimmtraining, (2) Lidl -> einkaufen, (3) Café Millenium -> Kaffee trinken und frühstücken. Dann hinüber in mein Quartier in Cala d’Or. Zu meiner Überraschung verteilt sich das „Studio“ nicht nur auf zwei Etagen und verfügt über eine 30 Quadratmeter große Dachterasse, sondern auch eine Küche. Großartig! Wie üblich gehe ich dann erst nachmittags, wenn sich die Luft erwärmt hat, auf eine Radrunde. Da ich ja kein Lauftraining einplanen kann, darf ich mich voll auf die anderen beiden Disziplinen konzentrieren. Und anders als in der Vergangenheit habe ich mir angewöhnt, tatsächlich auch am Schwimmen zu arbeiten und nicht „nur“ radzufahren. Und von der ewigen Kilometer-Fresserei wie das bei den „Normalos“ so Usus ist, habe ich ja schon lange abgelassen. Aber das darf natürlich jeder für sich selbst herausfinden, was da am besten für ihn/sie passt. Zu großer Fokus auf das reine Training passt für mich nicht (daher kann ich mich auch nicht für stupide zwei schweißtreibende Stunden auf der Rolle motivieren). Der Spaß, der bei mir persönlich schon sehr durch die Bewegung in der freien Natur entsteht, braucht seinen Raum. Und ich liebe die Natur hier auf Mallorca! Alles ist schon frühlinghaft etwas weiter vorangeschritten und sowohl die Gerüche und insbesondere das Licht haben es mir angetan.

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Nach zwei Tagen dieser Routine und herrlichen Ruhe allein in diesem großen Apartment wurde die Idylle kurz unterbrochen durch Sandrine, der ich zwei Tage Unterschlupf gewährte, bis sie ihr Race Hotel in Portocolom beziehen konnte. Die Zeit verflog sehr schnell, da unsere Interessen ja gleichgelagert waren. Und das Schwimmtraining passt optimal, da wir annähernd gleich schnell schwimmen. Freitags probieren wir dann einen ersten Open Water Swim in einer der geschützten Buchten um die Ecke. Das Meer ist aber selbst hier drin ziemlich „choppy“ und es ist eine Herausforderung, zu navigieren und Bojen zu erkennen. Wir sind uns einig: Die Temperaturen sind nicht gerade paradiesisch, aber mit Neo absolut machbar.

ows

Am Samstag dann die Rennunterlagen abholen und das Rad einchecken. Das Wetter ist nicht ganz so toll wie angekündigt – der kalte Nordostwind hat kaum nachgelassen und tieffliegende Wolken fegen über den Himmel und hängen sich am Rennmorgen am San Salvador fest. Aber es ist eben auch nicht wirklich schlecht – eher „Onkel Jörgi-Wetter“ mit 18°C, sonnig bis leicht bewölkt und eben jenem starken Nordostwind. Warmmachen fällt weitesgehend aus, denn die Bikes sind ja schon eingecheckt und Laufen geht nicht wirklich gut. Wechselzone herrichten, ein paar Meter traben was geht, Kleiderbeutel abgeben und rein in den Wetsuit. Und wo wir schon über den Neo sprechen: Ist mein alter schon wieder so alt (und hat damit an Flexibilität verloren)? Oder haben die Neopren-Entwickler ihr Material weiter verbessert? Jedenfalls kommt mir mein neuer Vanquish von Zone3 tatsächlich so extrem flexibel im Arm-/Schulterbereich vor, dass ich gleich mal dachte, ich hätte ein Loch reingerissen. Hammer!

Dann rüber zum Start. Es darf eingeschwommen werden und ich nutze die Möglichkeit für ein paar hundert Meter im kalten Meer. Der Ausstieg ist etwas „flimsy“, funktioniert aber. Spanien halt. Wir werden in drei Startwellen eingeteilt und alle „alten Männer“ ab 40 kommen in die zweite Welle. Als alle Athleten der 1. Startwelle gerade loslegen wollen, kommen natürlich noch jede Menge Nachzügler in letzter Sekunde. Spanien halt. Netterweise klärt mich mein Nachbar im „Corral“ darüber auf, wie hier der Start funktioniert. Alle Athleten werden irgendwann aufgefordert, vom Ponton ca. 1 Meter tief ins Wasser zu springen und dann ertönt einfach irgendwann der Startschuss so nach 20/30 Sekunden. Mit anderen Worten: Es wird gleich losgeschwommen und keiner hört mehr den Startschuss. Gut zu wissen. Spanien halt. Trotz des zwischenzeitlich üblichen Slalom-Schwimmens durch das Treibholz der ersten Welle, komme ich gefühlt gut voran. Aber irgendwie hat man durch das ständige Überholen ohnehin immer diesen falschen Eindruck, brutal gut unterwegs zu sein, während die Spitze sich vielleicht stetig entfernt?! Lange Wechselzone. Hüfte beginnt sich schon gleich zu melden. Zuerst die Laufschuhe aus dem Wechselcontainer, Neo, Badekappe, Schwimmbrille rein, Laufschuhe wieder oben drauf (ich starte dann doch lieber in trockenen Schuhen). Helm und Brille auf uns raus geht’s. Es überholen mich wieder nur einzelne Athleten, während ich in einem ständigen Überholrausch bin. Also entweder läuft’s gut oder ich bin miserabel geschwommen…

Das Radfahren läuft gefühlt recht ordentlich, das Race-Setup stimmt und ich bin zufrieden. Hoch nach Son Maciá mit Rückenwind rollt es richtig gut. Und selbst am San Salvador teile ich mir meine Kräfte passend ein. Die Abfahrt nehme ich konservativ, da ich doch schon ein paar Stürze gesehen habe. Überholen ist auf der engen, kurvigen Bergstraße eh‘ schwierig. Zurück in der T2 dann ein recht anständiger Wechsel und raus geht es auf eine schöne Laufstrecke leicht wellig am Meer entlang bis raus zum Leuchtturm und zurück. Diese Laufstrecke würde ich gern mal im Vollbesitz meiner Kräfte laufen! Trotz meines Handicaps überhole ich nur Leute (zugegeben: die meisten davon werden von der Langdistanz sein). Bei km 1,5 schießt es mir wieder übel rein in die Hüfte und ab km 4 ist (gefühlt) nur noch ein Humpeln möglich. Trotzdem bin ich immer noch im Überhol-Modus, was mir schon anzeigt, dass ich im Gesamtfeld weiter hinten bin als normal. Am Ende springt ein 29. Gesamtplatz heraus, was den 2. Platz in der Kategorie Veteranos M40-50 einbringt (das ist überraschend gut für meine momentanen Möglichkeiten in einer Zehner-AK!). Und den Ex-Radprofi und AK-Vorjahressieger Marcel Wüst habe ich auch hinter mir gelassen. Diana steht gleich im Ziel und empfängt mich lebensfroh trotz Krankheit (sie hätte sonst sicher die Konkurrenz beherrscht). Später kommt Sandrine ins Ziel als Gesamtzweite des 55.5 – Gratulation!

Im Ziel ist es dann richtig sonnig und warm und es gibt jede Menge leckeres Essen und Trinken. Der Eigentümer von Túnel ist auch Triathlet und sponsert natürlich dieses Rennen. Da er auch ein Weingut in Binissalem besitzt, bekommt sogar jeder Athlet eine Flasche Wein. Markus kommt vorbei – er hatte Pech, hat sich etwas zu sehr auf dem Rad verausgabt und konnte seine echte Waffe, das Laufen, nicht ausspielen. So wurde er noch von Platz 2 auf 4 auf der 111er-Strecke durchgereicht und konnte seinen Vorjahressieg nicht verteidigen.

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Nach ausgiebigem Chillen im „Athletes Garden“ humpel ich rüber zur Dusche, dann zum Auto, parke es zielnah um und checke das Rad aus. Schließlich gemütlich am Pier warten auf die Siegerehrung. Es gibt noch jede Menge leckeren Kuchen. Nur die Masseure machen gerade schluss, als ich auch noch auf die Idee komme. Naja, einen Pokal gibt’s auch noch (schon lange keinen mehr erhalten – der Trend scheint eindeutig Richtung Medaille zu gehen).

Fazit: Ein schönes, gut organisiertes Rennen mit einer Hammer-Radstrecke (die ja ohnehin brutalst überrepräsentiert ist). Schwimmen und Laufen verkommen bei so einer Strecke dann schon sehr zu Randthemen. Aber das weiß man ja vorher. Der Wind macht die Strecke nicht leichter. Landschaftlich sensationell! Nette, freundliche, hilfsbereite Menschen überall. Okay, Windschatten wird natürlich gefahren, dass sich die Balken biegen. Aber da muss man ja nicht mitmachen. Durch die harte Strecke wird das eh‘ etwas entzerrt. Das Wasser ist schon noch etwas frisch, aber auch nicht kälter als in den ersten Liga-Rennen (z.B. Forst). Insgesamt eine runde Sache.

snset

Race Stats:

  • Wetter: Sonne, leicht bewölkt, 18°C, starker Nordostwind
  • Strecke: 0,5k Swim – 50k Bike – 5k run (ergo 55.5)
  • Zeiten: 08:22 (Swim) – 01:07 (T1) – 1:33:56 (Bike) – 0:55 (T2) – 20:07 (Run) = 2:04:27
  • Platzierung: 29. Platz overall (2. M40-50)
  • Material: Zone3 Vanquish Wetsuit, Fuji Nocrom Straight TT-Bike, Pearl Izumi Radschuhe, Cratoni Aerohelm, Alpina Brille, Asics DS Racer Laufschuhe, Humanspeed Triathlon-Anzug
  • Ergebnisliste gibt’s hier!

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