Heilbronn Streckenbesichtigung

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Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn man bei 14°C und dunkelgrauem, wolkenverhangenen Himmel zuhause losfährt und die Jungs im Radio bei der Wettervorhersage einen Satz fallen lassen wie „Die Temperaturen schwanken zwischen 10°C auf der Schwäbischen Alb und 22°C im Zabergäu“. Auf ins schöne Zabergäu, wo gleich mehrere der weltbesten Radfahrer unter den Triathleten geboren wurden (wie Thomas Hellriegel oder Sebi Kienle, um nur die zwei Bekanntesten zu nennen). Und gleichzeitig ein Landstrich, wo zwei der weltbesten Mitteldistanzen so nah beieinander liegen wie sonst nirgendwo auf dem Planeten: Der IRONMAN 70.3 Kraichgau und die Challenge Heilbronn. Die Veranstalter des Letzteren baten zur Streckenbesichtigung und nach Kai’s Beschreibung des vergangenen Events dachte ich mir, dass ich gerade jetzt genau so einen Stimulus brauchen könnte. Raus aus dem lahmarschigen Langdistanz-Gedrücke und voll in die Fresse im großen Peloton mit jungen Liga-Athleten. Und so sollte es kommen: Genau wie angekündigt gab es eine Gruppe „30 km/h + x“, in die ich mich eingruppierte und in dem sich 90 km lang eine Wattspitze an die andere reihte. Das tat zwar mitunter weh, setzte aber einmal einen ganz anderen Reiz, als immer nur kontrolliert in Aero-Position nach Gefühl oder Watt möglichst konstant in die Pedale zu treten.

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Schnell war klar, dass ich hier nicht der Chef sein würde und dem entsprechend reihte ich mich in die recht große Gruppe ein, die sich aber bis ins Ziel deutlich dezimieren sollte. Der Name des Spiels: Ausscheidungsrennen. Netterweise waren auch wieder einmal ein paar Profis mit eingeladen worden und so hatte ich die Möglichkeit, mich neben Horst Reichel auch längere Zeit mit der süßen Anja Beranek auszutauschen. Letztere hat ja am Vor-Wochenende überragend den IRONMAN 70.3 in St. Pölten vor der Olympiasiegerin Nicola Spirig gewonnen. IMG_2064

Ein interessanter Aspekt, dem ich hier ein paar Zeilen widmen möchte, fiel mir in diesen Gesprächen auf. Während die meisten Amateure völlig unrealistische Vergleiche ziehen und gern ihre absolute Sternstunde sich selbst und der Welt als den Standard verkaufen, ist die Denke bei den Top-Leuten (wie eben jenen beiden Profis) eine völlig gegensätzliche. Sofort wird eingeräumt, dass Nicola ja andere Hauptziele (in diesem Fall die kommende Direkt-Qualifikation für die olympischen Spiele in Rio 2016) hat und dieses Rennen voll aus dem Training bestritt. Die eigene Leistung wird also heruntergespielt und realistisch eingeschätzt. Amateure (im Denken) schlagen dagegen einen anderen Athleten, mit dem sie sich ohnehin nicht vergleichen sollten, einmal im Leben und behaupten, sie wären besser (oder zumindest „den kann ich schlagen“) und verschweigen sich selbst und dem Zuhörer den Kontext, in dem dieser Vergleich stattfinded.

Aber zurück zum „Rennen“: In einer langen Abfahrt überholten wir im Sauseschritt eine langsamere Gruppe und ich musste kräftig reintreten, um nicht den Anschluss zu verlieren. Einer unserer Mitstreiter verlor dabei aber wohl (hinter mir) die Kontrolle über sein Fahrrad und düste in einer Kurve geradeaus in die Büsche. Anja hielt und erkundigte sich, fuhr dann aber nach positiver Bestätigung auch weiter. Irgendwann merkte ich den „Verlust“ und kam mir dann gar nicht gentleman-like vor. Ich drehte dann wenig später um und fuhr ihr entgegen. Gemeinsam nahmen wir es dann etwas lockerer und kamen im schönsten Sonnenschein in Heilbronn an. Nach einem weiteren Versuch zu laufen (der sehr positiv verlief) trat ich die Heimreise an, um wenig später (door-to-door in 50 Minuten) im Regen bei 15°C zuhause anzukommen. Ein rundherum gelungener Ausflug, eine sensationell schöne Rad- und Laufstrecke, viele nette Triathleten und ein strammes Training. Schee war’s!

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