UCI Mountain Bike Weltcup Albstadt 2015

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Nach Jahren der selektiven Ignoranz meinerseits schaffte ich es endlich mal, selbst ein rennfreies Wochenende zu haben und mir den kurzen Trip (< 1h) ins Städtchen Albstadt zu gönnen. Abgesehen von der recht kleinen Spielwiese, auf welcher die verschiedenen Weltcup-Läufe durchgeführt wurden (im Grunde nur ein kleines Seitental mit links und rechts steilen Albhängen), ist die gesamte Region der Zollernalb einfach eine wunderschöne Gegend.

Morgens fand das U23-Rennen statt, das ich mir dank Ausschlafen, Morgen-Ritual und gemütlichem Frühstück schenkte. Um 11:15 Uhr dann der Start der Elite-Damen, den ich nicht verpassen wollte. Was zuerst einmal auffällt: Jede Menge Zuschauer, vor allem auch aus den benachbarten, MTB-verrückten Ländern wie Frankreich und der Schweiz. Gerade die Eidgenossen haben ja schon immer eine Menge Weltklasse-Biker am Start, das Thema ist auch dort in den Medien präsenter (die spätere Siegerin Jolanda Neff hatte am selben Abend „natürlich“ eine Einladung ins Schweizer Fernsehen DRS, schaffte aber den Termin dank Dopingkontrolle nicht und durfte dann an Ort und stelle ihr Interview geben). Und bis kurz vor dem Ziel sah es tatsächlich so aus, dass sowohl bei den Damen, als auch bei den Männern eine schweizer Fahne wehen würde. Aber ich greife dem Lauf der Dinge wieder mal voraus…

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Der Weltverband UCI hatte auch in diesem Jahr den zweiten XC World Cup-Lauf (nach Nove Mesto, CZ in der Vorwoche) ins beschauliche Albstadt-Truchtelfingen vergeben und alles, was Rang und Namen hat, war am Start. Die ganze Show rundherum beeindruckte mich schon ein wenig. Einmal mehr hatte ich den Eindruck, dass wir Triathleten (bzw. die Verbände wie ITU, DTU, BWTV) sich da eine ganz große Scheibe abschneiden könnten. Allein die Medien-Präsenz, das Fahrerlager, die Bike-Messe am Rande – unglaublich professionell im Vergleich zu uns. Das gleiche Bild bei den Profis: Während Sebi nach vier Monaten einfällt, auf seinem Blog zu schreiben, dass er eigentlich (!) seit vier Monaten einen Bericht über eines der zwei großen Jahres-Highlights (IRONMAN EM Frankfurt) schreiben sollte, ist sowohl der Rennbericht von bspw. Jolanda Neff am selben Tag online (und wir wollen gar nicht von der Qualität ihrer Website im Vergleich zu den meisten Triathlon-Profis sprechen), Bilder sind überall im Netz und den sozialen Medien zu finden, Red Bull-TV ist „natürlich“ mit einer riesigen Mannschaft vor Ort und sendet „natürlich“ live. Das SWR ist parallel mit einer kompletten Fernseh-Crew am Start und sendet am selben Abend eine halbe Stunde in „Sport Extra“. Und bei uns? Ich höre sie alle nur Jammern, dass es „so schwierig“ mit den Sponsoren sei. Komisch. Ich bin vergleichweise Lichtjahre hinter der Weltspitze, bekomme aber schon immer mein Material (fast) gestellt. Und dafür gibt es natürlich Gründe.

Anyway. Zurück zum Renngeschehen. Bei den Mädels macht die Schweizerin Jolanda Neff nach dem Sieg in Nove Mesto ihren zweiten Sieg binnen einer Woche klar. Dahinter auch nichts Neues: Die langsam alternde Diva Gunn-Rita Dahle-Flesja setzt sich im Sprint auf Zwei durch gegen die kanadische Weltmeisterin Catharine Pendrel. Da stehen auf Gold und Silber zwei Generationen von Mountainbikerinnen: Jolanda, das zarte Mädchen mit 22 Jahren und die gestählte Norwegerin (42) mit der unendlichen Erfahrung. Das gleiche Bild bei den zwei erwähnenswerten Top-Starterinnen aus Deutschland: Dort löst Helen Grobert (23) mit Platz 6 das Olympiaticket, während der Altmeisterin Sabine Spitz (44) hintenraus ein wenig die Puste ausgeht (Platz 11).

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Und bei den Männern? Da ließen die drei Großen des derzeitigen MTB XC-Spitzensports keinen Zweifel daran aufkommen, wer auf dem Podium vertreten ist. Allesamt Weltmeister oder Olympiasieger: Julien Absalon (F, 35) siegt am Ende nach spannendem Kampf vor Nino Schurter (CH, 29) und dem Sieger von Nove Mesto, Jaroslav Kulhavy (CZ, 30). Sehr geil war dabei der Zweikampf der beiden Top-Platzierten, der sich durch einen kleinen Fahrfehler und Sturz von Schurter kurz vor dem Ziel entschied. Ich kann mir vorstellen, wer sich an diesem Abend tierisch über sich selbst geärgert hat…

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Interessant nebenbei: Unser Lokalheld Manuel Fumic aus Kirchheim/Teck hatte sich viel vorgenommen bei seinem „Heimrennen“, lag aber schon in der ersten (von acht) Runden so hoffnungslos zurück, dass er sich „nur noch“ auf den achten Platz vorkämpfen konnte. Damit war er zwar nicht ganz zufrieden, aber die Olympia-Quali hat auch er damit in der Tasche und das sollte ein hübsches Trostpflaster sein. Ein spannendes Detail: Von den sieben Athleten, die sich vor ihm platzieren, kommen fünf aus der Schweiz. Das sollte einem zu denken geben…

Fazit: Ein netter Ausflug in die Zollernalb mit sehr spannenden Wettkämpfen einer geilen Sportart auf allerhöchstem Niveau. Viele sachkundige Zuschauer (angeblich über 15.000 an der Strecke). Tadellose Organisation (soweit ich das von draußen beurteilen kann). Tolle, sehr herausfordernde Wettkampfstrecken. Bestes Rennwetter. Anschließend fuhr ich selbst noch eine Runde rund um den TrÜbPl Heuberg und durch den „Schwäbischen Grand Canyon“, das obere Donautal und rundete den Tag mit einem Open Water Swim mit Neo im A-See ab. Schee war’s!

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