Wörthersee Trail Maniak 2015

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Aller guten Dinge sind drei – nachdem ich schon zum IRONMAN Austria in Klagenfurt im Juni und dann im August noch einmal für die „48h Wörthersee“ im schönen Kärnten zu Besuch war, folgte ich der Einladung des Chef-Organisators Mario Schönherr zur diesjährigen siebten Edition des Wörthersee Trail Maniak ins idyllische Städtchen Pörtschach. Und wo wir schon den Trip machten, nahm ich auch gleich Anja, Andrea und Jürgen im Gepäck mit und wir vertraten die „Neckartal-Albtrauf“-Farben über zwei der vier angebotenen Distanzen.

  1. Die Königs-Disziplin war der „Superior“ mit 120 km Länge: Zwei Mal rund um den Wörthersee – ein Mal in der Nacht (Start frei gewählt ab 22:00 Uhr) + ein Mal am Tag.
  2. Die „Ultra“-Distanz über 60k (einmal rundum), der sich unsere zwei Girls stellten.
  3. Die „Challenge“-Distanz über 35,7 Kilometer: Vom Pyramidenkogel über Klagenfurt ins Ziel nach Pörtschach. Jürgen und ich versuchten uns über diese „Bambini-Strecke“.
  4. Und schließlich die „Sprint“-Distanz über 15,3 km von Krumpendorf nach Pörtschach.

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Mario und sein Team haben da eine wirklich feine Veranstaltung aufgezogen. Aus meiner Sicht war alles tip-top organisiert. Dabei bietet Pörtschach und der Wörthersee eine denkbar optimale Kulisse für einen nicht zu alpinen, aber trotzdem technisch wie konditionell herausfordernden Trailrun. Und bei den vier angebotenen Strecken sollte für jeden etwas dabei sein. Wobei die Superior-Strecke sicher eine besondere Aufgabe darstellt, läuft man doch eine komplette Runde auf dem Wörthersee-Rundwanderweg, nur um am Start/Ziel-Bereich irgendwann am Morgen einzulaufen (je nachdem, wie schnell man eben läuft) und dann noch einmal auf die selbe Strecke zu gehen. Puuh, das ist echt was für die mental starken Langstrecken-Freaks.

Ich selbst nahm die Challenge-Strecke zusammen mit meinem lieben Laufkumpel Jürgen in Angriff, nachdem ich erst drei lange Läufe dieses Jahr absolviert hatte (einer davon der Marathon beim IM Austria) und unbedingt nochmal mein Fahrgestell auf Kona trimmen wollte. Zugegeben: Spezifisches Training ist was Anderes und im Nachhinein betrachtet, zerbröselt einem so ein Trailrun einfach doch zu stark das Gebälk, aber Spaß hat’s gemacht und das ist ja immer das Wichtigste!🙂

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Aber von Vorne. Jürgen bot an, uns alle in seinem schicken Volvo zu chauffieren und das nahm auch ich nach viel Autofahrerei in letzter Zeit dankend an. So fuhren wir am Freitag-Morgen gemütlich runter nach Kärnten, bezogen unsere Zimmer und gingen direkt zum Race Briefing. Danach Startunterlagen abholen und Abendessen. Die Stimmung ist gelöst und alle sind wohlauf. Jürgen hat sich dummerweise nochmal hingelegt, als er unbedingt mit Stöcken trainieren musste und leider sein linkes Knie etwas in Mitleidenschaft gezogen. Aber sonst: Tutto bene!

Nach einer guten Kappe Schlaf begleiteten wir die Mädels zum Start und schickten alle Läufer auf ihren Weg. Wir selbst hatten genügend Zeit uns dann in aller Ruhe zu richten und den Shuttlebus zum höchsten Punkt der Strecke, dem Pyramidenkogel zu nehmen. Immer wieder schön bei solchen Rennen: Man lernt so viele nette Menschen kennen. Durch die längeren Distanzen ist die Stimmung meist etwas lockerer. Obwohl: Ich nehm‘ das zurück mit den längeren Distanzen. Und auch nicht alle sind locker vor dem Start. Aber die Meisten sind sich bewusst, dass es hier nicht auf die letzte Sekunde ankommt und das nimmt doch etwas Druck raus.

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Anyway: Lässige Atmosphäre auf dem Gipfel. Alle sind gut drauf, die Bässe hämmern aus den Boxen, der Moderator tut sein Bestes, um ein bisschen Stimmung in die Meute und die zufällig rumstehenden Touristen zu bringen. Und da sind wir auch schon bei einem der kleinen Schwachpunkte des Events: Er interessiert offenbar kein Schwein. Zuschauer (im Gegensatz zu den meisten Triathlons, v.a. auch IRONMANs) – Fehlanzeige! Selbst Wanderer, die einem auf dem Trail begegnen: Völlig unbeteiligt. In ihre Gespräch vertieft stapfen sie ohne auch nur die Miene zu verziehen an mir vorbei. Komisch, denke ich, das habe ich auch schon mal anders erlebt (natürlich wie immer nur meine n=1-Erfahrung).

Fast pünktlich um 10:30 Uhr starten Jürgen, ich und die anderen „Challenger“ auf unsere Runde über Reifnitz und Klagenfurt um die Ostseite des Sees. Zuerst geht es 850 Höhenmeter bergab zum See. Wir haben uns vorgenommen, dass wir dieses erste Stück nach Reifnitz sehr entspannt und langsam angehen und halten uns auch daran. Locker plaudernd warten wir auf Anja, die uns eigentlich auf dem Weg zum Gipfel entgegen kommen müsste. Nach drei, vier Kehren kommt es auch so und wir feuern sie entsprechend lautstark an. Leider haben wir nicht ganz den Überblick, wie viele von den blauen Startnummer („Ultra“) schon durch sind und wie viele Frauen. Aber wir sind uns ziemlich sicher, dass sie die erste Frau ist.

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Nach dem langen Downhill folgt auch sogleich der erste längere Anstieg. Und da mein Mitläufer Florian sich gerade so gut mit mir unterhält bleibe ich auch die nächsten Kilometer mit ihm zusammen und verabschiede mich von Jürgen. So geht es auf wunderschönen Wurzeltrails am Oberen Spintikteich und der Friedelhöhe (682 m) vorbei hinunter nach Klagenfurt. Bis hierher ist alles noch im super-lockeren Fettverbrennungsmodus (das war eines meiner Ziele). So hatte ich auch bewusst keine Verpflegung dabei und trank nur Wasser. Dummerweise lief ich – nachdem ich zuvor schon nach und nach die Schnellstarter überholt hatte – auf Manuel auf. Und das war der Erste, der voll im Wettkampfmodus mit mir ein Rennen veranstalten wollte. Also ließ ich ihn wieder bergab davonziehen. Blöd nur, dass ich wenig später wieder auf ihn auflief und er sich nicht locker entspannt plaudernd sondern (viel zu) stark keuchend hinten reinhängte. Naja, an der zweiten Verpflegungsstelle am Strandbad von Klagenfurt füllte ich nur rasch mein Mini-Fläschchen auf und hatte so wieder meine Ruhe. Allerdings sollte sich das eine Fläschchen Wasser sowie kein Zucker bis zum nächsten (und letzten!) VP als, ahem, „herausfordernd“ heraus stellen. Zudem war ich nun schon etwas zu früh nicht mehr im ultra-entspannten Trainingslauf-Modus. Und da die Strecke komplett ungleich verteilt ist, fingen nun erst die Schwierigkeiten an. Viele schöne Singletrails zwar, aber eben auch ein wildes Auf und Ab. Ich lief diesen Abschnitt komplett allein bis zum nächsten „Wasserloch“. Dort traf ich auf zwei Challenger-Kollegen und einen Ultra-Läufer. Mit diesem netten Kamerad, Markus, nahm ich die verbliebenen Kilometer zum Ziel in Angriff. Er lag auf Platz 8 im Feld der 60 km-Gefährten und holte hintenraus nochmal alles raus. Ich dagegen ließ es dann im finalen Downhill entspannter angehen und finishte in 3:21:32 h ebenfalls als Achter in der Challenge-Wertung.

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Im Ziel wartete ich dann mit den Kumpanen ziemlich lange auf Jürgen & Anja, verpflegte mich entspechend gut (deutlich zu dehydriert trotz praktisch perfekter Bedingungen – obwohl es war schon sehr dämpfig und wir alle waren patschnass). Irgendwann fing ich dann aber doch das Frösteln an und verzog mich geschwind ins Hotel unter die warme Dusche. Als ich zurück kam, waren die beiden (zufällig) zusammen in Ziel gelaufen – Anja hatte Jürgen auf den letzten Metern des roten Teppichs gerade eingeholt. Danach warteten wir wieder ziemlich lange auf Andrea, mit der es dann aber auch direkt ins Hotel ging. Ein bisschen Selbstmassage und dann mussten wir auch schon wieder zum zentralen Monte Carlo-Platz zur Siegerehrung, denn unsere Anja hatte tatsächlich die Damenkonkurrenz für sich entschieden (22. Platz im Ultra-Gesamtfeld in 6:42:25 h) und ich schaffte es als Gesamt-Achter im Challenge-Feld noch auf den 3. Platz in der M40-49. Leider verfehlten sowohl Andrea, als auch Jürgen als jeweils Vierte das „Stockerl“ knapp. Und leider hatten wir offenbar alle etwas an den Ohren und meinen Aufruf überhört (ahem, räusper). Naja, ich war ja dieses Jahr auch schon oft genug auf dem Podium. Schönes Wiedersehen mit Trail-Kumpel Florian Grasel, der nur drei Wochen nach einem ausgezeichneten UTMB-Finish die 120 Kilometer lange „Superior“-Strecke gewinnt. Reschpeckt! Und schönes Kennenlernen und Austausch mit anderen Sportfreunden, vor allem der Kemptener „Algäu-Truppe“, mit der wir auch das Abendessen gemeinsam genossen.

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Tja und dann wurde erstmal ausgiebig geschlafen. Am Morgen ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, noch eine schöne Open Water-Schwimmeinheit vom hoteleigenen Strand aus zu genießen. Als ich gerade fertig bin, kommt Jürgen auch noch runter und wir paddeln noch ein paar Meter im herrlich smaragdgrünen Wasser des Wörthersees. Duschen, packen, frühstücken…und dann geht’s auch schon wieder heim.

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Fazit: Ein gelungener Ausflug in meine zwischenzeitlich fast „zweite Heimat“. Und gleichzeitig ein schöner Ausflug in diese schon ganz andere Welt der Trailrunner. Mindestens so wilde Farben, mindestens so überausgerüstet und mindestens so viel Show und Selbstdarstellung wie bei den lieben Triathleten. Aber eben auch das andere Extrem: Völlig unprätentiöse Naturburschen und -mädels, die einfach ihr Ding machen und Spaß an der Bewegung in der freien Natur haben. Der Wörthersee bietet eine Traumkulisse für Sportevents aller Art (nun schon nach dem IRONMAN und „Kärnten läuft“ der dritte schöne Event, den ich erleben darf). Der Trail Maniak ein durch und durch von Mario und seiner Crew top organisiertes Rennen mit großem Spaß-Faktor. Und schließlich mit den zwei A-Girls und J-Boys eine nette Neckar-Albtrauf-Truppe mit der man gern so eine Aktion durchzieht. Warum sich so viele Läufer auf einer so gut markierten Strecke verlaufen entzieht sich meiner Vorstellungskraft, aber dass viele Athleten in Rennen ihr Großhirn komplett abschalten ist mir ja auch von Triathlons bekannt.

Race Stats:

  • Wetter: Bewölkt, trocken, windstill, 16°C
  • Distanz: 35,7 km mit 850 Hm Aufstieg und 1280 Hm Abstieg
  • Zeit: 3:21:32 h
  • Platzierung: 8. Platz overall (3. M40-49)
  • Matertial: Montane Running-Shorts, Fuelbelt, Montrail Rogue Racer Trailschuhe
  • Ergebnisliste gibt’s hier!

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