Kona

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Irgendwie ist für mich alles anders in diesem Jahr. Ich weiß nicht, was es ist. Schon im Vorfeld fühlte sich das ganze Thema „IRONMAN World Championship 2015“ ungleich meiner zwei ersten Versuche beim größten und wichtigsten Triathlon auf diesem Planeten an.

Einer der großen Unterschiede war schon mal, dass ich nicht so knapp wie 2008 anreiste, sondern schon neun Tage vor dem großen Tag. Dem entsprechend fühle ich mich heute Abend – kurz vor dem Rennstart morgen früh – deutlich akklimatisierter. Bei den letzten drei kurzen Einheiten (Swim, Bike & Run) heute morgen schoss zwar wie immer der Schweiß in Strömen aus den Poren, es fühlte sich aber nicht mehr so eklig an, wie noch vor einer Woche. Ich scheine meinen Widerstand aufgegeben zu haben.

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Während der erste Tag zum Ankommen aus einem Sightseeing-Trip mit meinen zwei WG-Kameraden Marcus Büchler und Thomas Pumm nach Hawi, Waimea und dem Waipio Valley bestand, ging es ab Tag 2 gleich zur Sache. Zum ersten Mal nutze ich mit den Genossen das Kona Aquatic Center und zog tatsächlich noch so etwas wie ein halbwegs normales Schwimmtraining durch. Das Laufen hielt ich beschränkt auf kurze Einheiten, um meine Achillessehne  nicht unnötig zu belasten. Und gleich bei meiner ersten Radausfahrt auf dem berühmt-berüchtigten Queen Kaahumanu Highway („Queen K“) traf ich auf meinen Altersklassen-Kameraden Marco Göckus vom Ejot Team Buschhütten.

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So gingen die Tage ins Land und ich passte mich nur zu gern Marcus‘ 2/1-Rhythmus an (2 Tage Training unterbrochen von einem lockeren Tag). Das WG-Leben entpuppte sich als unerwartet unkompliziert und echt cool. Die Jungs sind locker drauf, wir kochten ab und zu, gingen aber auch immer dazwischen wieder mal essen. Irgendwann durften die Open Water-Sessions am bekannten Dig Me-Beach um 7:00 Uhr morgens (kurz nach Sonnenaufgang) nicht fehlen. Ab Dienstag lag dann auch wieder das Coffee Boat draußen circa 500 Meter vom Strand entfernt vor Anker und versorgte die Athleten mit Kaffee und Electrolyt-Getränken. Das ist immer ein nettes Ritual und anders als zuhause im Schwabenland kommt man sofort mit den offenen Sportlern aus aller Welt ins Gespräch.

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Die Redaktion des Tritime-Magazins produzierten dabei Videos und Fotos von uns (wovon hier ein paar Bilder entstammen – © Mirko Lehner/Tritime). Das war zwar manchmal ein wenig Aufwand, machte auf der anderen Seite aber auch eine Menge Spaß. So hatten wir einmal einen Foto-Termin in Hawi (Wendepunkt der Radstrecke – erstes Bild oben) und liefen ein anderes Mal zum Sonnenuntergang im Energy Lab unsere Runden (Bild unten).

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Die Rennwoche selbst war dann geprägt vom Check-in mit dem Abholen der Rennunterlagen, dem Race-Briefing, dem Underpants Run und dem Welcome Banquet. Dazwischen wie immer der allseits beliebte Mix aus Trainieren, Essen und Schlafen. Apropos Schlafen: Das ist das Einzige, was ich bis jetzt immer noch nicht angepasst habe. Ich schlafe immer noch schlecht und bin meist zwischen drei und fünf Uhr wach. Seltsamerweise scheint mir der Schlaf aber nicht zu fehlen.

Ein weiteres Highlight der Woche war die wunderbare Möglichkeit, für das Tritime-Redaktionsteam ein Interview mit Siri Lindley zu führen. Ich verfolge als ernsthafter „Student of the Sport“ die Karriere dieser Ausnahme-Trainerin schon seit längerem. Und während ich in der Vorbereitung auf das Gespräch meine Hausaufgaben machte, erging es mir wie Captain Benjamin Willard in Apokalypse Now (1979, Francis Ford Coppola), der auf dem Weg zu seinem Ziel (Colonel Kurtz – gespielt von Marlon Brando) sich einem stetig steigenden Respekt nicht erwehren kann, je mehr er über ihn liest. So saß ich dann fast erfurchtsvoll vor der leibhaftigen Siri Lindley und sie war genau so wunderbar, wie ich sie mir vorstellte. Ich bin gespannt, ob wir das Interview irgendwann einmal zu sehen bekommen, aber das Gespräch war toll und ich bin ein wenig stolz, sie zu ehrlichen, authentischen Antworten, Leidenschaft und Emotionen führen zu können. Trotz allem war uns beiden klar, dass ihr „erstes Rennpferchen“, Mirinda „Rinny“ Carfrae, es dieses Jahr gegen Daniela Ryf sehr schwer haben wird. Wir werden sehen…

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Auf wilde Spekulationen im Vorfeld von Kona lasse ich mich jetzt mal nicht ein, obwohl man wahrscheinlich so wenig Geld wie nie verdient, wenn man auf Jan Frodeno und Daniela Ryf setzt. Und wenn man die Beiden hier vor Ort live sieht, kommt man nicht umhin, zu erkennen, dass sie so fit aussehen, wie es nur irgend geht. Aber das gilt natürlich nicht nur für die beiden Top-Favoriten, sondern für fast alle der 2300 Starter der diesjährigen IRONMAN-Weltmeisterschaft in Kailua-Kona, Hawai’i.

Ich freue mich jedenfalls wie nie, hier überhaubt in ein paar Stunden am Start stehen zu dürfen und werde mein Bestes geben und smart racen ohne frühzeitig in der unerbittlichen Hitze zu explodieren. Meinen zwei WG-Genossen und allen anderen Startern wünsche ich viel Erfolg und viel Spaß. Genießt es (sofern man in diesem Zusammenhang von Genuss sprechen kann)! Und allen Zuschauern vor Ort und an den Rechnern und Fernsehgeräten in aller Welt wünsche ich ein spannendes Rennen. Drückt uns allen die Daumen bitte!

Das diesjährige Motte ist Onipa’a, was soviel wie Widerstandsfähigkeit, Unverwüstlichkeit, Belastbarkeit bedeutet. Mögen wir alle über genügend Onipa’a verfügen und die Inselgötter mit uns sein!

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