Xterra World Championship 2015 – der Rennbericht

12208229_434742930059872_1573098621_n

Nun ist er also Geschichte, der letzte Wettkampf der Saison 2015. Puuh, war das wieder ein hartes Stück Arbeit! Okay, dass es hart werden könnte war irgendwie absehbar. Aber dass es so weh tun würde – das hatte ich nicht auf der Rechnung. Ich meine fast, dass drei Wochen zwischen IRONMAN und Xterra schlechter sind als zwei (und wahrscheinlich sogar als eine).

Wie immer geht dann alles sehr schnell und er ist „ganz plötzlich“ da, der Renntag. Sechs Uhr aufstehen, frühstücken, Sachen herrichten. Tom, Christina und ich fahren mit den Bikes und einem kleinen Rucksack zur Wechselzone, richten den eigenen Wechselplatz her und jeder durchläuft sein eigenes pre-race Ritual. Direkt gegenüber parkt der sehr symphatische Marcelo Ruiz, der mir dieses Jahr in Zittau zum ersten Mal den DM-Titel weggeschnappt hat und hier mit Siegchancen an den Start geht. Wir flaxen ein wenig rum, knipsen ein paar Fotos und laufen uns dann zusammen ein.

Unten am Strand dann den Swim Skin anziehen, nochmal von Clifford weihen lassen, kurz einschwimmen und schon starten die Profis. Fünf Minuten später sind dann auch wir Amateur-Männer dran. Der Start klappt prima, ich komme gut weg, gerate in keine Keilereien und schwimme mit viel Spass und Genuss zur ersten Boje und zurück zum Beach. Dort erwische ich auch eine gute Welle, bin raus, sehe während des Australian Exit, dass ich ganz ordentlich liege und gehe in die zweite Runde. Welch eine tolle Kulisse für die Auftaktdisziplin eines Triathlon. Frohlocken!

image

Dann der kleine Berglauf zur T1, flotter Wechsel und schon geht’s auf die atemberaubend schöne Bikestrecke. Typischerweise sind es wie immer die M20er und M25er, die wie die Wilden zu Beginn überholen (nur um später gnadenlos einzugehen). Ich versuche meinem Rhythmus zu finden, aber die Beine sind schwer und wollen nicht so recht. Trotzdem bin ich irgendwie dabei, überhole in etwa so viele Kollegen, wie mich überholen.

Bildschirmfoto 2015-11-05 um 00.39.05

Oben angekommen geht’s über die sogenannte „Razor Ridge“ mit steil abfallenden Wänden und spektakulärer Aussicht zu beiden Seiten, hoch in die Berge und hinunter bis an’s Meer. Dann hinab in die erste Abfahrt. Ich werfe meine inzwischen leere Radflasche weg und erwische ganz sauber eine Neue. Doch oweh, sie springt mir auf der nun folgenden Abfahrt auch gleich aus dem Flaschenhalter und nun stehe ich ganz ohne Wasser da. Das gleiche Malheur passiert offenbar auch einigen Kollegen, denn der Boden ist übersät mit Trinkflaschen. Da es einer dieser steilen, schnellen Downhills ist, kann ich auch nicht mal eben bremsen und zurücklaufen, um sie aufzuheben. Ausserdem fliegen direkt hinter mir die Kollegen hinab. Der erste Sargnagel ist damit schon mal gesetzt. Ohne Verpflegung versuche ich, mich bis zur zweiten (letzten) Aid Station durchzuschlagen. Dort erwische ich wieder eine Radflasche mit herrlich kaltem Wasser. Runterkühlen was geht. Ich schaffe es ganz ordentlich durch das Labyrinth der „Lower Bowl“ – eine einzige Aneinanderreichung von ganz engen Haarnadelkurven.

image

Auf den letzten Metern presse ich mir noch ein zweiten Gel rein und erreiche ohne Sturz die Wechselzone. Geschafft! Rasch die Laufschuhe an und rauf geht’s auf die ebenso harte wie schöne Laufstrecke. Die erste Hälfte tendenziell nur bergauf, dafür die letzten 5,5k fast nur noch bergab. Wie in Kona sehne ich jede einzelne Verpflegungsstelle herbei und es könnten für mich gern doppelt so viele sein. Die Hitze macht mir doch sehr zu schaffen. Bei einigen der steileren Anstiege muss ich in einen Gehschritt verfallen. Es ist einfach ein schreckliches Gefühl, wenn man als eigentlich guter Läufer von so vielen Mitbewerbern überholt wird, statt wie gewohnt selbst zu überholen.

image

Aber so ist das halt: Erstens kann ich noch so gut akklimatisiert sein – ich kann mit dieser schwülen Hitze einfach nicht „warm warden“. Und zweitens sitzt der IRONMAN, verknüpft mit den verketzungsbedingten wenigen Laufkilometern doch sehr in den Knochen. Bergab mit etwas kühlendem Wind geht es dann aber gleich besser und ich überhole doch noch ein paar Athleten. Zum krönenden Abschluss führt die Strecke über den D.T. Fleming Beach und noch ein paar Höhenmeter ins Ziel. Auf diesen letzten 100 Metern kann ich sogar noch einen Kollegen überholen und falle völlig überhitzt und dehydriert ins Ziel. Dort werde ich gleich gut versorgt und mit viel, viel Wasser, Gatorade und Essen geht mir es auch gleich besser. Ich treffe nach und nach alle mir bekannten Athleten und die meisten scheinen recht zufrieden zu sein. logo-worlds

Später erfahre ich dann, dass ich den Sieg im „Hawaii Double“ um circa fünf Minuten verpasst habe. Oh well…es gibt Schlimmeres! Wer hätte je gedacht, dass ausgerechnet das Schwimmen mir jemals die beste Platzierung bescheren würde (12./85 in der AK), während es dann steil bergab geht (Bike 21./85 und Run 24./85).

Fazit:

Der Xterra in Maui ist ein wirklich spektakuläres Rennen in einer ebensolchen Landschaft. Wer es gerne heiß mag – hier ist für genügend tropische Hitze gesorgt. Der Swim ist ein wirklicher „Rough Water Swim“ im Ozean, auch wenn sich das Meer dieses Jahr von Dienstag in der Rennwoche (CRAZY) bis zum Renntag (EASY) doch sehr beruhigt hat. Die Bikestrecke ist ein Traum für jeden Mountain-Biker. Ein einziger Singletrail mit so vielen Kurven, dass einem fast schwindelig wird. Und der Laufkurs eine richtig harte Nuss, die im Grunde wie geschaffen für mich ist: Sehr lange, steile Anstiege, viele Höhenmeter und einige natürliche Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Für mich wären noch mehr Aid Stations hilfreich, aber ansonsten ist die Organisation top! Überdies ist es die Weltmeisterschaft – genau wie in Kona sind jede Menge RICHTIG GUTER Athleten am Start und es ist eine wahre Freude, die vielen bekannten, internationalen Starter der Xterra-Familie wiederzutreffen. Im Gegensatz zu anderen amerkanischen Rennen gibt es sogar richtig gutes Essen (einmal vorher, einmal hinterher). Das Ritz Carlton Kapalua bietet eine praktisch perfekte Kulisse und ebensolche Ausstattung. Ein Rennen, das automatisch auf meiner jährlichen Rennliste stehen würde, wenn es nicht so ein Mördertrip dorthin wäre.

Race Stats:

  • Wetter: Sonne, kaum Wind, 36°C – Wasser 28°C
  • Strecke: 1,5k Ocean Swim in M-Form (2x raus und wieder rein) – 32k Bike mit ca. 1500 Hm – 10,5k Run mit nochmal ca. 300 Hm
  • Zeiten: 24:50 (Swim, 12.) – 2:23 (T1) – 1:59:53 (Bike, 21.) – 1:03 (T2) – 58:15 (Run, 24.) = 3:26:22
  • Platzierung: 132. Platz overall (20. M45)
  • Equipment: Humanspeed Zweiteiler, Zone3 Swim Skin, Zoggs Predator Goggles, Grand Canyon Hardtail MTB, Rudy Project Helm & Brille, Pearl Izumi Radschuhe, Montrail Rogue Racer Laufschuhe
  • Ergebnislisten gibt’s hier!
  • Schöner Bericht auf tri2b gibt’s hier!

4 thoughts on “Xterra World Championship 2015 – der Rennbericht

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s