Tria Echterdingen Pfingstausfahrt 2016

 

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Welche zwei Adjektive kommen zuerst in den Sinn, wenn man an die traditionsreiche Pfingstausfahrt (seit 1994) der Tria Echterdingen in der 2016er-Edition denkt? Nass und kalt. Diese zwei Worte beschreiben im Kern die ansonsten wunderbaren drei Tage mit über 30 Gleichgesinnten auf dem Weg nach Isny ins Allgäu und wieder zurück in die schwäbische Heimat. Das Bild oben (Photo Credit: Anni Günthner) zeigt in visueller Form ganz gut, wie es uns auf den 208 Kilometern ins Allgäu und den 179 Kilometern zurück nach Echterdingen erging. Es war eine schmutzige Angelegenheit, Mensch unbd Maschine (Rennrad war Pflicht) wurden an ihre mentalen, physischen, emotionalen und mechanischen Grenzen gebracht und auf’s Äußerste getestet. Man schien wie nach einer Langdistanz um Jahre gealtert und es brauchte schon eine ganze Stunde im siedend heißem Wasser in der Badewanne, bis Onkel Jörgi wieder aufgetaut und unter die Lebenden zurück gekehrt war.

Aber der Reihe nach: Sven und sein Orgateam machten einen fantastischen Job in der Kreation der diesjährigen Ausfahrt. Routenwahl, Pausen, Hotel, Verpflegung – alles top-notch. Nur das Wetter hatten sie mal wieder nicht im Griff („Was ist denn daran so schwer – muss man sich wieder um alles selbst kümmern?“ oder auch „Lauter Amateure – ich kann so einfach nicht arbeiten!“). Das Gute an der Sache war, dass wir alle dank diverser Wetter-Apps wussten, was uns erwartet und im Grunde froh waren, als am Samstagmorgen um 07:00 Uhr bei der Abfahrt geradezu sensationelle Bedingungen herrschten: Trocken bei ca. 9°C. Von da an konnte es dann quasi nur noch abwärts gehen…😉

Die Route führte durch bekanntes Gebiet durch den Schönbuch zum Neckar bei Kichentellinsfurt, dann über Gönningen hoch auf die Alb. Erste Pause in Sonnenbühl-Undingen. Natürlich wurde wie fast immer in solchen Sitautionen der typische Amateur-Fehler Nummer 1 gemacht: VIEL zu schnell wurde angefahren, an jeder Ampel wurde gleich mal mit 380 Watt gezeigt, wer den stärksten Motor im Feld hat und selbstverständlich wurde an jedem Berg ein Ausscheidungsfahren veranstaltet. Das alles natürlich nur bei der testosteron-gesteuerten Gruppe 1. Ich ließ mich dann auch gleich mal zurückfallen und fuhr kurze Zeit mit der Gruppe 2, bis die Jungs sich etwas ausgetobt hatten. Die Gruppen 3 und 4 ließen es entsprechend noch gemütlicher angehen. Verpflegungsposten Nummer 2 war bei herrlicher Sonne am Zielfinger See bei Mengen, wo früher mit den ganzen Triathlon-Stars der DTU Deutschland-Cup ausgetragen wurde. Glücklicherweise war als VIP Guest Daniela Sämmler mit von der Partie und so wurde von da an etwas vernünftiger gefahren. Alles schien so wunderbar…bis wir ausgerechnet in meinem Heimat-Trainingsrevier im Bodensee-Hinterland ein richtig fettes Gewitter erwischten, das sich ausgerechnet direkt über unseren Köpfen austoben wollte und uns mit Hagel und Starkregen beglückte. So stellten wir uns in Ruschweiler am Illmensee unter, bis das Gröbste vorbei war, mussten aber von da an im Dauerregen die restlichen 80 km abspulen. Nach der Abfahrt vom Höchsten (auch höchster Punkt der Etappe) ging’s das Deggenhausertal bis Oberteuringen und dann ins Allgäu über Wangen zum Zielort. Alle waren nass bis auf die Haut, kalt bis auf die Knochen, erschöpft und sehnten sich nach einer heißen Dusche.

Dann gab’s erstmal zur Begrüßung Kaffee und Kuchen und später ein exzellentes Abendessen in unserem Hotel „Hohe Linde“. Komischerweise verabschiedeten sich dann doch alle recht bald in die Kojen.

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Am Pfingstsonntag gab es diverse ausgearbeitete Touren. Daniela durfte nach Plan mit ihrem mitgereisten Freund Moritz und Sven eine größere Radschleife drehen, fünf tapfere Athleten (mich eingeschlossen) fuhren mit den Bikes nach Wangen ins wunderschöne Freibad Stefanshöhe (die 24°C Wassertemperatur war ein angenehmer Kontrast zur Umgebungstemperatur),  gönnten sich anschließend Kaffee und Kuchen im Café Moritz in der Altstadt und fuhren wieder in einer welligen Schleife zurück. Und die Mehrzahl unternahm eine Wanderung im Eistobel. Abends dann wieder ein hervorragendes Dinner im Hotel mit leckerem Salat, feinsten Steak vom Grill und yummi Dessert. Wie erhofft war es eine schöne Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre einige der Vereinskollegen mal persönlich kennenzulernen. Beim Schwimmtraining ist ja meist nie so recht viel Zeit zum gepflegten Dialog – vor allem nicht auf Bahn 1.

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Der Pfingstmontag war dann noch kälter angekündigt. Wir starteten trocken und kamen zügig über Kißlegg und Bad Waldsee nach Bad Schussenried (VP1). Dort einsetzender Regen, ohne den wir ja zwischenzeitlich kaum noch Leben konnten. Wellig verließen wir das Allgäu und kreuzten durch Oberschwaben in Richtung Donau. Es wurde deutlich entspannter gefahren als noch auf der Hinfahrt (surprise, surprise). Dann ging’s nach einem fetten Zacken im Höhenprofil (Pflummern) über Zwiefalten auf die Schwäbische Alb bis zum Gestüt Marbach (VP2). Die Verpflegungsstellen wurden aber meist recht rasch wieder wegen drohender Unterkühlung verlassen. Im Heimat-Trainingsrevier ließen wir es über Bad Urach hinunter durch’s Ermstal zum Neckar rollen und radelten über’s Aichtal zurück zum Ausgangspunkt. Und als man gerade dachte „Naja, jetzt sind wir ja schon fast zuhause“, erwischte uns im Ermstal nochmal eine brutale Regenwand. Lerne: Es gibt Unterschiede zwischen Regen und Regen. Während ein paar Tropfen oder auch das, was in Bayern „Schnürlregen“ genannt wird, noch ganz akzeptabel ist, wird es sehr ungemütlich, wenn das Wasser so tief auf der Straße steht, dass man von überholenden Autos noch eine Extra-Dusche von der Seite bekommt. Zitat meines Nachbarn: „Das ist so scheisse, das es schon fast wieder gut ist.“

Am Auto in trockene Klamotten zwängen und zuhause zuerst einmal eine Stunde bei gefühlten 60°C in der Badewanne einweichen. Brrrrr. Das war echt etwas für die ganz Harten – selten so gefroren. Abschließend gönnten wir uns alle noch eine Pizza bei „Sale und Pepe“ und ich schätze mal, dass alle so früh wie ich ins Bett gingen und ähnlich gut durchschlafen konnten.

Fazit: 400 km++ an einem selten kalten und verregneten Pfingstwochenende haben wahrscheinlich die Wenigsten gebunkert. In einer 10 Mann-Gruppe gibt es genügend Windschatten, um sich zu verstecken und genügend Möglichkeiten sich vorne auszutoben – also für jeden etwas dabei. Die Topographie hatte es auf dem Hinweg durchaus in sich, kam auf dem Rückweg dagegen eher harmlos daher. Die Strecke war wunderschön ausgewählt und bereits am 1. Mai-Wochenende von einem Test-Team auf Herz und Nieren geprüft und für gut befunden. Das Hotel war einsame Spitze und das Essen von allererste Güte. Auch die Gastfreundschaft und liebevolle Versorgung der Inhaber war herzerwärmend. Mitgefühl für die leidenden Kämpfer, die völlig erschöpft und durchnässt das Haus betraten, drang aus jeder Pore. Das Einzige, was aus meiner Sicht fehlte, war ein Sauna (aber die wäre wahrscheinlich eh recht schnell wegen Überfüllung geschlossen worden). Die Versorgung vom Begleitfahrzeug und damit auch die Möglichkeit für angeschlagene Fahrer sich auf einer Etappe auszuruhen war perfekt. Überdies ging mein Plan auf und ich hatte genug Gelegenheit, jede Menge liebe und interessante Sportkollegen etwas näher kennenzulernen. Leider fällt mir in solchen Situationen immer auf, wie viele Menschen es für nötig halten, hinter dem Rücken negativ über nicht anwesende Dritte zu reden. Das stösst mir immer etwas negativ auf, aber vielleicht bin ich da auch berufsbedingt etwas zu sensibel.

Insgesamt jedenfalls eine richtig runde Sache. Für das abgrundtief schlechte Wetter konnte ja niemand was. Und aus Trainingssicht war es viel weniger die physische Anstrengung als der mentale Kampf, stoisch die verdammte Kurbel im eiskalten Dauerregen zu drehen, wenn man genau weiß, wie viele Stunden es noch so weiter geht. Dicker Daumen hoch, für alle „Überlebenden“ (ich denke, ein T-Shirt „I survied PAF 2016“ erscheint angebracht) und natürlich vor allem für alle, die das Ding so sauber organisiert und durchgeführt haben – allen voran Sven Günthner!

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