Wolfgangsee Challenge 2016

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Im Salzkammergut, da kann man gut…lustig sein – aber auch Triathlon machen. Die Bedingungen sind ein Traum: Glasklare Bergseen, wunderbare freie Natur, rührige Renn-Organisatoren und süße kleine Städtchen, die offenbar dem Sport nicht abgeneigt sind und sich über Athleten und Angehörige freuen.
Man kann sich des Eindrucks kaum entziehen, dass unsere Alpen-Nachbarn alles ein klein wenig entspannter angehen, manchmal für den deutschen Teil in mir etwas zu entspannt. So fehlten auf der Website wichtige Informationen oder waren nur durch umfangreiche Suche zu finden statt direkt in der Ausschreibung zu stehen (Wo gibt es die Startunterlagen, Nudelparty, wie sieht die Wechselzone aus, etc.). Aber wie gesagt ist das nur das perfektionistische deutsche Gen, denn angekommen im wunderschönen Strobl am Südufer des Wolfgangsees läuft alles in tiefenentspannter Atmosphäre ab, funktioniert aber im Endeffekt tadellos.

Vier Wettbewerbe werden bei der Wolfgangsee Challenge angeboten: Zwei Cross-Triathlons am Samstag (Sprint und Olympisch), sowie zwei Straßen-Triathlons am Sonntag (ebenfalls Sprint und Olympisch).
Beim Abholen der Startunterlagen fällt auf, dass das komplette Tourismusbüro in ein Rennbüro umfunktioniert wurde und die pfiffige Dame das mal eben allein ohne Hetze managt. Der Dorfplatz direkt an der Promenade wird kurzerhand in eine Wechselzone umfunktioniert – sensationell! Man steigt aus dem Wasser und muss nicht erst noch hunderte Meter im Neo laufen, bevor man bei seinem Fahrrad ankommt.

Wenn man nicht gerade aus Südbayern kommt, ist die Anfahrt schon ein ganz ordentlicher Trip. So zockelte ich also am Freitag vor den großen Nachmittags-Staus ins Salzkammergut, gerade rechtzeitig zum nachmittäglichen Gewitter mit wilden, dunkelgrauen Wolken, viel Blitz und Donner, sowie dem berühmten Schnürlregen. Startunterlagen abholen und dann gleich mal den See testen. 15, 16 oder gar 17 Grad? Nach meinem Gefühl an der Oberfläche eher schon fast 18°C – also pefekt für’s Schwimmen im Neo. In meinem kleinen, feinen Hotel Bergrose einchecken, lecker abendessen. Früh schlafen gehen.

Ein kurioser Dialog entfaltet sich beim Einchecken:

Sie: „Frühstück gibt’s ab 6 Uhr.“

Ich: „Perfekt. Der Start ist um Neun. Da passt das ja wunderbar mit drei Stunden vorher letzte Nahrungsaufnahme.“

Sie (schaut mich sehr erstaunt an): „Das war ein Scherz.“

Ich: „Wie jetzt?“

Sie: „Naja, das ist mein Standard-Witz. Alle Gäste lachen an der Stelle. Die sind ja im Urlaub und keiner mag vor acht frühstücken.“

Ich: „Ui. Und jetzt?“

Sie: „Naja, vielleicht können wir uns auf einen Kompromiss einigen und ich mache Ihnen alles um 7 Uhr fertig.“

Also eine Stunde länger schlafen und dafür nur 2 Stunden vor dem Start Frühstück.

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Ich hatte mir spontan überlegt, vielleicht doch an beiden Kurzdistanzen zu starten, da eine spezielle „King & Queen“ bzw. „Prince & Princess“-Wertung aus den Finish-Times der beiden Kurz- bzw. Sprint-Rennen angeboten wurde. Im Angesicht meines derzeit relativ schwachen Trainingszustands entschied ich mich dann doch dagegen und startete nur beim Cross. Die längere der beiden Cross-Distanzen war als österreichische Staatsmeisterschaft ausgeschrieben und so war dann auch alles da, was Rang und Namen hat (u.a. die im weltweiten Xterra-Zirkus mitmischenden Elite-Damen wie Carina Wasle und Sandra Koblmüller).

Zum Rennen: Am Samstag pünktlich um 9:00 Uhr starteten wir Cross-Triathleten im glasklaren, aber frischen Wasser des Wolfgangsees. Kurz dahinter: Die Sprint-Distanzler und die Staffeln. Immer gern genommen: Zwei runden á 750 Meter unterbrochen durch einen kurzen Landgang. Vom Start weg zur ersten Boje gibt’s gleich mal was auf die Mütze. Ich merke sofort, dass es sich um eine Meisterschaft handelt und hier kein Meter verschenkt wird. Danach sind dann aber auch die Positionen vergeben und ein sehr rhythmisches Schwimmen ist möglich. Die etwas lang geratenen 1500 Meter vergehen wie im Flug und schon dürfen wir über den roten Teppich direkt zu unseren Bikes in der Wechselzone. Raus aus der T1 geht es durch’s Dorf und dann auf einem ehemaligen Bahndamm durch ein wunderschönes Ried erstmal am Seeufer entlang nach Norden, bevor es dann extrem abrupt den steilen Berg hinauf geht. Ich wurde ja glücklicherweise schon vorgewarnt, aber was dann kommen sollte, haute mich schon ein wenig um. Ein nicht enden wollender Berg, den ich so mit meinen kleinen Albaufstiegen nicht gewohnt war (fast 900 Höhenmeter am Stück, teils fehlte mir ein Gang bei maximal 34/40). Dabei hätte man es sich denken können bei der umgebenden Bergwelt.

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Zwischenzeitlich entwickelte sich das Wetter auch zu einem Traum. Wo morgens noch tiefe Wolken hingen, da kamen nach und nach immer größere blaue Löcher zum Vorschein und pünktlich zur Laufstrecke machte es dann vollends auf und testete uns mit tropischen Bedingungen und feucht-schwüler Hitze. Das hatte nebenbei den Vorteil, dass man einen atemberaubenden Blick von oben auf den Wolfgangsee erhaschen konnte und der Fotograf in mir auf der Stelle stehenbleiben und diesen Moment einfangen wollte.
Aber zurück zum Rennen: Oben angekommen am Ende dieser ellenlanger Auffahrt durften wir in einer Schiebe-/Trage-Passage die letzten Meter zum Sattel erklimmen, um endlich auf der Nordseite des Zwölferhorns in einer langen Abfahrt etwas Kühlung zu bekommen. Der Rest verging dann wie im Flug. Nach der einzigen technisch schwierigen Singletrail-Passage ging es in wildem Auf und Ab (und später nur noch ab – wie durften ja noch ca. 600 Höhenmeter verbraten) zurück zum Bahndamm und hinein nach Strobl.
Inzwischen eine tolle Stimmung rund um den Dorfplatz und die Wechselzone. Zweiter Wechsel ordentlich geglückt und ab geht es auf die Laufstrecke. Diese besteht aus zwei runden rund um den Bürgl, einen bewaldeten Felsen, der sich circa 200 Meter steil aus dem See erhebt und an dessen Westseite ein spektakulärer Holzsteg angebaut ist. Über diesen und herrliche Singletrails auf der Ostseite geht es später am Bach entlang zurück zu T2 und auf die zweite Runde. Zu Beginn bin ich gänzlich allein und fühle mich etwas verloren. Aber durch die Waldtrails hat man auch selten mal hundert Meter Sicht voraus. In der zweiten Runde kann ich dann aber doch noch ein paar Kollegen einsammeln und ich finde auch nach und nach besser in meinen Rhythmus. Nur eine Verpflegungsstelle (alle 5,1 km) ist mir an so einem Tag natürlich deutlich zu dünn, aber ich habe es ja mal wieder überlebt.

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Und dann ist es da, das Ziel. Auch hier wieder eine sehr entspannte und freundschaftliche Atmosphäre. Nach ausreichender Kühlung und Verpflegung ging ich dann noch eine Runde auslaufen und wartete auf meine ehemalige Team-Kameradin Christina Herbst, bevor ich mir im See den ganzen Dreck vom Leib wusch. Überraschend bald war dann auch schon die Siegerehrung angesetzt (Info mal wieder Fehlanzeige). Aber gerade, als ich in meine Hotel heimradeln will, kommt mir so ein Impuls und ich drehe nochmal um. Pasta gibt’s auch noch (Info mal wieder Fehlanzeige). Ein konkreter Ablaufplan hätte allen geholfen (dann muss man auch nicht alle 10 Minuten eine Extra-Durchsage machen).
Danach heim, den Wellness-Bereich des Hotels unsicher und ein Nickerchen machen und abends mit den Ösi-Freunden zum Pizzaessen. Zum Sound des rauschenden Baches schlafe ich wieder wie ein Murmeltier.
Leider gab es am Sonntag im Hotel erst ab acht Uhr Frühstück (was sie netterweise am Renntag schon speziell für mich auf sieben Uhr vorverlegten). So verpasse ich das pre-race Procedere und den Schwimmstart am nächsten Morgen. Keine Ahnung, warum schon so zeitig gestartet werden musste.
Wie auch immer: Ich war es den Kings und Queens schuldig, zum Anfeuern und Fotografieren an der Strecke zu stehen und bewegte meinen Hintern so schnell es ging zur Wechselzone. Pünktlich zum Schwimmausstieg war ich da und fotografierte wie ein Wilder. Das Anfeuern kam natürlich auch nicht zu kurz und ich erhielt nach dem Rennen lobende Worte für mein Engagement.

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Fazit:
Ein wunderbarer Event in einer grandiosen, wie für den Triathlon gemachten Landschaft. Gastfreundliche Österreicher. Im Grunde läuft alles wie am Schnürchen, aber aus deutscher Sicht könnte es eben alles noch ein klein wenig besser und runder laufen. Im Grunde wäre mit wenigen verbesserten Informationen im Vorfeld (Website, Ausschreibung) fast alles perfekt. Auf der anderen Seite entsteht so diese lockere Entspanntheit, die einem als Deutscher besonders in anderen Ländern positiv auffällt. Der See – ein Traum! Strobl – ein super schnuckliges Dörfchen mit Charme. Das Hotel Bergrose – österreichische Gastfreundschaft gepaart mit viel Ruhe und erstklassigen Speisen. Dazu noch alte Freunde getroffen und neue gemacht. Insgesamt ein richtig rundes Triathlon-Wochenende vom Feinsten.

Race Stats:

  • Wetter: Wildes Mix aus Wolken (oben am Berg kurz mitten drin) & Sonne, schwül-warm bei ca. 21°C, windstill, Wasser ca. 17°C
  • Strecken: 1,5k Swim (eher 1,6 – 1,7k) – 42k Bike – 10,2k Run
  • Zeiten: 25:17 (Swim) – 1:17 (T1) – 2:09:27 (Bike) – 0:29 (T2) – 43:48 (Run) = 3:20:20 Gesamt
  • Platzierung: 30. Platz overall (3. M45)
  • Equipment: Zone3 Vanquish Neo und Schwimmbrille, Scott Spark 700 RC MTB mit Scott MTB-Schuhe und Handschuhe und Brille; Compressport Zweiteiler, Asics DS Racer Laufschuhe (sicherheitshalber wegen mehr Sprengung statt der Salming Race)
  • Ergebnislisten gibt’s hier!

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