DTU AK-Nationalmannschaft

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Disclaimer vorweg: Dies ist mein Blog und spiegelt natürlich nur meinen Standpunkt, meine Meinung wider. Er ist von mir persönlich geschrieben und betrifft in keinster Weise mein Amt als Vize-Präsident des BWTV. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir hier erlaube, diese meine Meinung ohne Maulkorb zu vertreten.

Ich bin ja nun seit meinem Wiedereinstieg in den Triathlon-Sport 2008 bei einigen internationalen Meisterschaften gestartet. Meist war die deutsche Beteiligung eher dürftig (im Vergleich z.B. zu den Briten, die regelmäßig mit einem riesigen Wettkampf-Bataillon aufkreuzen). Und ich möchte an dieser Stelle nur kurz anreissen, was regelmäßig Gesprächsstoff unter den deutschen Triathleten ist, dass nämlich bei uns ein bunter Haufen Individualisten ohne jeden Zusammenhang zu erkennen ist. Jedes Shirt, jeder Anzug muss natürlich selbst finanziert werden. Es ist von außen keinerlei Gemeinsamkeit erkennbar. Die Briten dagegen laufen mit einheitlichem Trainings- und Wettkampf-Anzug auf, Shirts und alles inklusive. Das sieht beeindruckend aus. Meist ist noch ein extra Betreuer vor Ort, Fotos aller Athleten rund um das Rennen und natürlich während des Rennens werden gemacht. Die Rundum-Sorglos-Versorgung ist eindrucksvoll und im Grunde deutscher als deutsch. Unser deutscher Auftritt erinnert dagegen eher an Südländer…

Nur in einem Punkt sind wir wieder total deutsch: Der nationale Verband muss selbstverständlich haarkleine Nominierungskriterien aufstellen und diese gnadenlos durchsetzen. Dazu gehört beispielsweise, dass jeder Starter den offiziell genehmigten Nationalmannschafts-Anzug tragen (und selbst kaufen!) muss. Seltsam nur, dass die Bilder der späteren Europameisterin alles andere als den französischen Nationaldress zeigen und urplötzlich alles andere als konsequent vorgegangen wird.

Der zentrale Punkt ist jedoch der bürokratische Beamtenstaat. Nicht allein, dass alle diese tollen Schaubilder, Dokumente und Websites erstellt und verwaltet werden müssen. Nein, jeder einzelne Athlet muss sich mit einem offiziellen Antrag für jeden einzelnen Wettkampf extra „bewerben“. Das steht in totalem Kontrast zu der mickrigen 18 Mann (und Frau) starken DTU-Truppe. Es ist meines Wissens nach nur selten vorgekommen, dass wir unser Kontingent je ausgenutzt hätten. Und selbstredend muss diese „Bewerbung“ satte zwei Monate vor dem eigentlichen Rennen eingegangen sein. Die berühmten Parkinsonschen Gesetze live und in Farbe. Die Verbandsstrukturen wachsen und man schafft sich dann einfach mehr (oder meist weniger) sinnvolle Tätigkeiten. Von Produktivität oder schlanken Prozessen wollen wir mal nicht reden…

Das führte einmal mehr dazu, dass einige Athleten nicht „nominiert“ wurden, obwohl sie seit Jahren verlässliche Medaillen-Garanten sind. Ich nenne nur mal die ersten Zwei, die mir in den Sinn kommen und die ich persönlich kenne: Die Sportfreunde Marcelo Ruiz (Sieger M45-49) und Stephan Radeck (3. Platz M25-29).

Nun fragte ich einen verbandsnahen Vertreter, ob er nicht Nachnominierungen bewirken könne (nachdem genau das in verschiedenen anderen Nationen funktioniert hat). Aber da war natürlich nichts zu machen. Er hatte aber sofort – ohne sich je mit dieser Thematik auseinandergesetzt zu haben – die richtige Frage parat: „Warum macht man es nicht andersrum und setzt die überschaubare Anzahl Athleten, die für so etwas in Frage kommen, als „default“ gesetzt ein und macht einen einfachen Mausklick. Warum bei dem Aufwand nicht lieber eine kleine, überschaubare Datenbank mit den jeweiligen Leistungen der Athleten?“ Tja, warum eigentlich nicht…gute Frage! Zumal die Athleten nach erfolgter Anmeldung beim Veranstalter, ein extra Formular herunterladen müssen, dies persönlich unterschreiben und postalisch in die Otto-Fleck-Schneise (DTU-Zentrale) schicken müssen. So 1960ies…

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Da lobe ich mir Dave Nicholas, den Mann hinter der Xterra-Brand. Du bist da oben auf dem Podium – du bekommst dein Zertifikat zur WM-Quali (Maui). Eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich. Warum auch?

Wir halten fest: Es ist im Interesse unseres Verbands, des Sports allgemein und selbstredend der Athleten (also alle Beteiligten), dass (1) möglichst viele deutsche Athleten ihr Land vertreten und (2) möglichst viele Medaillen für ihr Land erkämpfen. Auf der anderen Seite macht man es einmal mehr deutsch, nämlich so kompliziert wie möglich, genau das zu erreichen. Schade eigentlich. Und selbstverständlich ist auf Nachfrage immer „der Andere“ schuld. Die DTU ist es gar nicht – die ETU ist schuld!😉

Eine (sicher ungewünschte) Konsequenz ist, dass ich mich jetzt schon mal prophylaktisch für Zofingen angemeldet habe, obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass ich zwei Wochen nach dem Inferno Triathlon die Duathlon-WM bestreiten kann.

Und das Ende des Liedes? Marcelo und ich stehen auf dem Podium, bekommen aber keine Medaillen (wie übrigens der Franzose zwischen uns auch nicht) und erwartungsgemäß sind die schlechter platzierten Athleten auch nicht mehr zur Siegererhung anwesend, da sich Platz vier bis sechs natürlich keine Medaillenchancen ausrechnen konnten (der Kollege Mat Stephenson (GBR), mit dem ich am Vortag die Radstrecke abgefahren war und mich länger unterhalten habe, ist halt auch schon 25 Minuten hinter Marcelo). Die ETU konnte ergo viele ihrer schönen Medaillen wieder einpacken, da einige Podestplätze unbesetzt blieben. Irgendwie nicht sehr sinnvoll…😮

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