VULKAN Cross-Triathlon Schalkenmehren 2016

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Nach einer ganzen Woche Rennpause war es endlich wieder so weit: Der Jahresausflug in die schöne Eifel stand bevor. Das Wetter versprach perfekt zu werden und Lothar Kaspers & Co. hatten alles in ihrer Macht stehende getan, um den VULKAN Cross-Triathlon in Schalkenmehren noch einen Tick zu verbessern und die ohnehin perfekten Rahmenbedingungen gut in Szene zu setzen.

Nachdem ich die Strecke schon vom letzten Jahr kannte, setzte ich mich erst am Renntag nach einem gemütlichen Frühstück zuhause ins Auto und war auch schon drei Stunden später im 360 km entfernten Zielort (okay, ich bin noch in einen Stau gekommen).😉

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Der Start war ja erst für 14:00 Uhr angesetzt und so passt das noch perfekt mit einem frühen Mittagessen. Startunterlagen abholen. Zur großen Überraschung haben sie mir die Startnummer 8 gegeben und offenbar großes Vertrauen in meine Fähigkeiten. Auf der einen Seite ehrt mich das und spornt mich an, auf der anderen Seite erhöht das schon ein bisschen den Druck und erscheint vollkommen unrealistisch bei DEM Feld. Neben dem erneuten Deutschen Meister Jens Roth ist Hannes Wolpert (der in Zeulenroda wegen eines Raddefekts aussteigen musste), Andreas Theobald, Stephan Radeck (bei der DM am vergangenen Wochenende Fünfter) und Altmeister Marc Pschebizin am Start. Die ersten fünf Plätze sind ergo realistischerweise schon mal besetzt. Und dann gab es da noch ein Dark Horse in Form von Simon David, einem MTB-Nachwuchs-Star, der wohl auch brutal gut laufen können soll. Um es vorweg zu nehmen: Genaus so stellte sich später der Zieleinlauf dar. Blieb noch meine alte Regel, wonach ich mich immer gern besser platziere als die Startnummer…und da blieb ja nun rein rechnersich nur noch ein Platz übrig.😮

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Als ich gerade mein Bike herrichte, kommt M45-Kollege René Schällig überraschend am Parkplatz vorbei und stellt sich mal ordentlich vor. Netter Kerl. Hat sich letztes Jahr in Malaysia für Kona qualifiziert und steht voll im LD-Training.

Dann fahre ich nochmal die ersten Kilometer der Radstrecke ab, checke schließlich meine Siebensachen in der Wechselzone ein und chille ansonsten bis zum Start am See. Schließllich kommt der ganze Athleten-Tross hinüber ins Strandbad und Chef-Organisator Lothar Kaspers führt uns durch’s Athleten-Briefing. Ex-MTB-Marathon-Europameisterin Birgit Jüngst ist auch wieder da und man sieht, dass sie sich nicht gerade auf’s Schwimmen freut (nicht ihre ausgesprochene Stärke). Um es schlimmer zu machen, passiert das unmöglich Scheinende: Selbst das Schalkenmehrener Maar ist so warm, dass wir ohne Neos schwimmen müssen. Zwei Runden á 750 Meter mit ziemlich langem Landgang quer durch das Schwimmbad und Sprung vom Steg.

Irgendwann sind wir dann alle so weit und dürfen über die Zeitmatten in den Vorstart-Bereich. Die üblichen Sprüche und gegenseitigen Glückwünsche mit Jens (Roth), Stephan (Radeck) und Andreas (Theobald). Wechselseitig helfen wir uns beim Schließen der Speedsuits. Und dann geht’s ins Wasser. Eine gefühlte Ewigkeit (wie beim IRONMAN in Kona) paddeln wir vorn an der Leine herum, bis es endlich Punkt 14:00 Uhr ist und die wilden Hengste losgelassen werden.

schwimmen_650x433pxDas Wasser ist super sauber und klar und es geht gleich ab wie die Post. Ich habe das Gefühl, dass zwischenzeitlich schon gar niemand mehr versucht, überhaupt an Jens dran zu bleiben. Er ist einfach ein so brillanter Schwimmer. Es geht sehr gesittet zu, ich finde recht schnell meinen Rhytmus, muss aber wieder die einzige größere Gruppe ziehen lassen und finde mich ab der Wendeboje mit einem weiteren Trierer Athleten allein auf weiter Flur. Hatte ich schon erwähnt, wie perfekt hier das Wasser ist? Weich wie Samt und rundherum das satte grün der Maar-Arena. Mit einem Wort: Perfekt!

Beim Sprung vom Steg verrutscht natürlich meine verdammte Schwimmbrille und ich muss den hart heraus-geschwommenen Mini-Abstand wieder abgeben. Auf der zweiten Runde dann ein Zwischenfall, den Lothar und seine Crew sicher ab nächstem Jahr nicht mehr machen: Zwischenzeitlich wurde mitten rein die Sprint-Distanz gestartet und so durfte sich das gesamte Feld durch die Brustschwimmer-Mauer durchschwimmen. Suboptimal (um es diplomatisch auszudrücken). Nach 25:14 spült es mich als 13. ans Ufer. Schwimmausstieg. Komisch: Vor mir helfen zwei Catcher allen aus dem Wasser nur mir nicht. Habe ich nicht freundlich genug gelächelt?😮

Ohne Titel

Dann ein ordentlicher erster Wechsel und rauf auf’s Bike. Den langen Anstieg hoch zur Straße müssen/dürfen Dutzende der Sprint-Distanzler überholt werden und ab da gehen wir auf unsere Extra-Schleife (die es in sich hat). Von jetzt ab ist Ruhe und ich sehe nur noch wenige Athleten um mich herum. Irgendwann überhole ich dann Pauline (Saßerath), die natürlich schnellste Schwimmerin. Die Beine fühlen sich glücklicherweise von Beginn an viel besser an als noch vor einer Woche. Obwohl es nur 21°C warm ist und sich hier und da dicke, graue Wolken vor die Sonne schieben, reicht meine große Trinkflasche mit Müh und Not. René kommt gegen Ende wieder an mir vorbei (nachdem ich mal zurück geschaut habe wegen der ständigen Schaltgeräusche direkt hinter mir). In der T2 überhole ich ihn aber recht schnell wieder und dann beginnt mein Sturmlauf nach vorn. Das Laufen läuft endlich mal wieder richtig gut. Und wie schon in der Vorwoche bin ich sowas von froh, nach langer Durststrecke wieder vollkommen schmerzfrei laufen zu können – auch schnell im Wettkampf. Geil!🙂

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Aber auch mit ordentlich Lauf-Dampf ist dieser erste, lange, steile Berg nicht im Laufschritt von mir zu bewältigen – und schon gar nicht in Runde zwei und drei. Es macht einfach einen Heidenspaß, immer wieder Kollegen vor sich auf der Laufstrecke auftauchen zu sehen und sie dann mit Vollgas zu überholen. Und dann irgendwann ein letzter Blick zurück, dass nicht doch noch jemand im Windschatten hängt und es auf eine Sprint-Entscheidung ankommen lassen will. In 37:50 laufe ich zwar „nur“ die sechstbeste Laufzeit, aber selbst die Bestzeit ist keine Minute weg. Das passt. Ein richtig starkes Rennen, das ich mit 2:34:47 als 7. overall (1. M45) beenden kann. Und an dem ich wirklich mein Bestes gegeben habe und sehr zufrieden mit mir bin.

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Jetzt erstmal wie immer ordentlich runterkühlen und verpflegen. Sind es die kalten Getränke? Jedenfalls habe ich ziemliche Bauchschmerzen, die aber mit der Zeit vergehen. Bike auschecken, noch eine Runde locker ausradeln und dann in den See zum Sauberwaschen. IMG_1840

Nun wird es sogar mir etwas frisch und daher radle ich zurück zum Auto und ziehe trockene Klamotten an. Zurück am Renn-Areal überkommt mich jetzt aber so richtig der Appetit und ich esse erstmal etwas. Schwätzchen mit Birgit (Jüngst). Plötzlich ist auch schon Siegerehrung. Den gleichen (handmade in Schalkenmehren!) Pokal wie letztes Jahr.

Und vorne? Jens gewinnt das Ding wie erwartet (trotz Knieschmerzen von seinem Sturz in Zeulenroda). Dahinter ein ganz starker Hannes Wolpert (mit bester Radzeit) vor Andreas Theobald.

Bei den Mädels gewinnt die überragende Luxemburgerin Isabelle Klein vor Pauline und Birgit.

Und wo wir da so schön bei der Siegerehrung sitzen, werde ich doch glatt noch zum Grillen bei Familie Saßerath eingeladen. Ganz lieben Dank an dieser Stelle für die Gastfreundschaft! Die Twins sind übrigens nicht vor Ort – während sich Max (in Zeulenroda noch Dritter bei der DM hinter Jens und Veit Hönle) den Arm gebrochen hat, ist Phillip am nahe gelegenen Nürburgring bei „Rad am Ring“ (4er-Staffel 24h Bike).

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Nach ordentlichem Ausschlafen und Frühstück mit Familie Saßerath gönne ich mir wie letztes Jahr (damals mit Team-Kollege Martin Schädle) eine lockere Ausroll-Runde auf dem Mountain Bike in dieser fantastischen Eifel-Landschaft. Das Wetter ist hier glücklicherweise – anders als offenbar in vielen anderen Landstrichen – noch richtig schön und so mache ich mich auf, um auf der Rennstrecke hoch zum Dronketurm auf den 561 Meter hohen Mäuseberg hochzukurbeln und von dort den gewaltigen Fernblick in alle Richtungen zu genießen. Von dort geht’s in wildem Downhill zum Waldcafé am Gemündener Maar und dann den sogenannten Lieserpfad das kleine Flüsschen Lieser entlang. Zurück mit ein paar Variationen. Dann noch mal eine lockere Runde planschen, duschen, Kaffee trinken und ab auf die A48 zur Heimreise.

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Fazit: Der VULKAN Cross-Triathlon in Schalkenmehren ist eine dieser wunderbar kleinen, familiären und liebevoll mit viel Herzblut organisierten Rennen, das es wahrlich verdient hätte, nächstes Jahr eine Meisterschaft auszutragen. Warum nur so klein denken, Lothar (DM) – warum nicht gleich für eine EM oder WM bewerben? Dann wäre mal wirklich internationale Stimmung bei Euch! Es ist im Grunde alles schon gesagt: Bis auf das kleine Start-Desaster ist aus meiner Sicht alles perfekt. Gerne komme ich wieder in die schöne Eifel.

Welch ein perfektes Wochenende (das mit Extrem-Entspannung in der Sauna im Fildo endete) – ich kann es mir nicht schöner wünschen und bin unendlich dankbar.

Race Stats:

  • Wetter: Sonnig, leicht bewölkt und windstill  bei 21°C, Wasser 23°C
  • Strecken: 1,5k Open Water Swim ohne Neo – 32k Bike (700 Hm) – 9k Trailrun (250 Hm)
  • Zeiten: 25:14 (Swim, 13.) – 1:31:43 (Bike, 13.) – 37:50 (Run, 6.) = 2:34:47 Gesamt
  • Platzierung: 7. Platz overall (1. M45)
  • Equipment: Compressport Zweiteiler, Zone3 Goggles & Speedsuit, Scott Spark 700 RC MTB, -Radschuhe, -Handschuhe und -Helm, Salming Race 3 Laufschuhe
  • Ergebnislisten gibt’s hier!

Nachtrag: Die beste Geschichte habe ich ja vergessen. Als ich gerade mit meinem ausgescheckten Sparky zum Bad gehe, höre ich von hinten ein „Jörg, Jörg Schneider.“ Ich drehe mich um, kann aber niemanden erkennen. „Du erkennst mich nicht gell?“ kommt es wieder von hinten. Als ich mich wieder umdrehe, sagt der nette Herr hinter mir: „Ich habe Dich eingecheckt am Flughafen. Letzten Oktober. Nach Hawaii zum IRONMAN.“ Unglaublich, oder? Ich habe ihn dann tatsächlich auch erkannt. Netter Kerl. War sehr freundlich damals. Allzu viele Leute checken ja nicht gleich mit ZWEI Fahrrädern ein…

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