Rennbericht Powerman Zofingen

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Sorry, aber die Woche über war viel los. Deshalb erst heute mein persönlicher Rennbericht auf meinem Blog (den offiziellen Tritime-Bericht gab’s ja schon). Kurz und knapp: Am Samstag ging es um die Mittagszeit los nach Süden mit einem Stop in Winterthur (Meeting mit einem neuen Coachee). In Zofingen angekommen war ich genau drei Minuten zu spät und die Schweizer waren eisenhart: Race Office closed, keine Startunterlagen mehr.

Okay, dann halt alternativ die Radstrecke abfahren mit dem Auto. Schaut gut aus. Zum Einrollen erstmal genüssliche 10 km im Tal recht flach entlang bis zum ersten von drei großen Bergen. Der erste Berg geht irgendwie auch noch recht flüssig – zwar sehr steil in kurzen Abschnitten, aber eben überschaubar von der Länge (5 km). Aber verglichen mit dem Inferno erscheint natürlich alles „überschaubar“. Dann eine steile Abfahrt mit einer scharfen Linkskurve innerorts und….hoppala…muss da ausgerechnet jetzt und hier eine fiese, enge Baustelle sein? Weiter flach das Tal raus, scharf rechts abbiegen udn schon geht’s in den zweiten – und größten – Berg. Der Anstieg zum Bodenberg ist zwar auch nur 5 km lang, aber hat statt 150 Hm mehr als 250 Hm. Wieder eine kurze, steile Abfahrt, bevor es super-schön das Tal über 10 km von Fischbach nach St. Urban (mit schöner Klosteranlage) geht (-200 Hm). Dann kommt der dritte Berg, der aber im Grunde nur eine sehr flüssig zu fahrende Welle ist, die wunderschön auf recht flachen Serpentinen durch den Wald hinauf geht. Dann noch ein paar weitere Wellen und hinab geht’s zurück nach Zofingen. Das Ganze ist dann eine 50 km-Runde, die am morgigen Renntag drei Mal zu durchfahren ist.

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Dann zu meinem netten, kleinen Bed & Breakfast „Chez Silvia“. Dort angekommen chillt auch schon ein Pärchen und ein Blick auf seine Beine verrät mir sofort, was der Typ (Simon Hoyden) am folgenden Tag vorhat. Da er im vergangenen Jahr schon gestartet war kann er die üblichen Leidensgeschichten erzählen. Während die Eckdaten bei der Radstrecke ja klar wären, seien die beiden Laufstrecken nicht annähernd adäquat im Höhenprofil abgebildet. Okay, so richtig neu ist diese Info im Grunde nicht – ich habe noch von keinem Zofingen-Starter gehört, dass die Laufstrecke leicht wäre. Im Grunde übertreffen sie sich regelmäßig nur im Ausmaß der Härte. Als erster Eindruck muss man sich das Höhenprofil nur mal genau heranzoomen: Tatsächlich – über 100 Hm gleich vom Start weg auf den ersten 1½ km. Das ist heftig. Danach wellig und zum Schluss der 5 km-Runde gemächlich bergab. Das Ganze zwei Mal. Beim zweiten Lauf im Prinzip ähnlich, nur in der verschärften Variante. Und natürlich drei Mal so lang…😮

Nach einer sehr guten Nach mit viel entspanntem Schlaf weckt die Hausherrin mit Kaffeeduft und einem guten schweizer Frühstück. Alles herrichten, zusammenpacken und rüber nach Zofingen in die „Arena“. Erstmal gemütlich Startunterlagen abholen (ich bin nicht der Letzte), dann Rad herrichten und einchecken. Die ganze freundliche deutsche Schiedsrichter-Familie (Thomas, Uli & Uwe) ist da und gut gelaunt an diesem perfekten Wettkampf-Morgen. Als ich gerade meinen Wechselplatz eingerichtet habe, sehe ich genau gegenüber in der gleichen Reihe Marcus Büchler, der vollkommen in Gedanken versunken ebenfalls alles herrichtet und mich nicht bemerkt. Schließlich begrüßen wir uns, er macht das obige Foto und wir gehen gemeinsam zum Foto-Termin mit der DTU-AK-Nationalmannschaft an den Start.

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Die Mädels starten eine Stunde von der Jungs um 8:00 Uhr. Wir haben gleich zwei heiße Eisen im Feuer mit Julia Viellehner und Katrin Esefeld. Erstere steigt leider schon beim ersten Lauf aus (was ist denn da los?), letztere wird später Gesamt-Siebte.

Nochmal zurück zum Auto (welches perfekt nahe an der Wettkampf-Arena geparkt ist und zufällig noch sein eigenes WC-Häuschen daneben an einer Baustelle hat). Als sich alle Nervösen mehr und mehr warmlaufen, ziehe auch ich mich um, besprenkel‘ mich mit Wasser am Brunnen, laufe mich mit „Locke“ ein und stelle mich dann brav in den „Corral“, als die Elite-Starter im üblichen WM-Procedere einzeln aufgerufen werden und ein paar Meter vor uns Amateuren auf die Strecke gehen dürfen.

Bei der erwähnt bissigen Laufstrecke halte ich mich extrem zurück und schaffe es, mich nicht zu sehr durch die wilden Hengste verrückt machen zu lassen. Wettkampf hin oder her, Weltmeisterschaft hin oder her – der Tag ist noch lang und die Körner werden später noch gebraucht. Ähnlich wie bei einem IRONMAN, werden die Früchte auf der zweiten Hälfte der zweiten Laufstrecke verteilt.

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Kollege Bernd Weis zieht in der zweiten Runde am langen Berg gemächlich vorbei und erzählt irgendwas von „anstrengend“. Bis zur T1 verliere ich ein paar wenige, unentscheidende Sekunden, sehe ihn aber noch vor mir (1. Lauf 10 k in 37:48). Bernd ist mir am heutigen Tage aber so egal wie alle anderen Athleten. Ich bin völlig klar im Kopf, dass ich hier mein ganz eigenes Rennen mache und auf jeden Fall finishe.

Was allerdings dazu führt, dass die Anderen sich natürlich wie immer zu einem grenzwertig „legalen“ Gruppetto zusammenschließen und in mehr oder minder korrekten Abständen gerade die flacheren Kilometer gemeinsam zu absolvieren, während ich überhaupt nur auf der ersten halben Runde andere Athleten um mich herum sehe, derweil ich die restlichen 2½ Runden praktisch völlig allein im Niemandsland vor mich hinfahre. Abgesehen von den vielen Minuten, die ich so verliere, ist das ein schönes, einsames Dahinrollen über die landschaftlich wirklich fantastische Strecke. Etwas gespenstisch war es aber manchmal schon irgendwie. Schon gut, dass ich die Strecke angeschaut hatte und mich orientieren kann – ansonsten hätte man schon manchmal zweifeln können, ob man noch richtig ist. Blöd auch, dass man auf diese Art wirklich gar keinen Gradmesser der eigenen Leistung hat.

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Egal. Die strecke famos, das Wetter perfekt, die Zuschauer wundervoll. Auch 150 km gehen dann irgendwie rum und ich rollte relativ entspannt in Zofingen ein, wo ich schon vom Eventsprecher angekündigt wurde und die Zuschauer frenetisch jubelten (Bike 150k in 4:38:08). Dann schöner, flotter Wechsel und auf geht’s auf das große Finale: 30 sehr, sehr bergige Kilometer, die so gar keinen Rhythmus aufkommen lassen wollten. Da half es auch nicht wirklich, dass es einmal mehr die ersten 2½ km nur bergauf ging. 😥

Der Start war dann irgendiwe doch schlimmer als bei praktisch allen Langdistanzen, die ich absolviert habe. Das fühlte sich alles andere als rund an. Irgendwie blieb ich aber am Laufen und nach dem ersten großen Anstieg konnte man das Rumgeeiere wenigstens halbwegs als Laufen bezeichnen. Dann der steile Downhill zum Wendepunkt. Uiuiui, den werde ich wohl nachher hochwandern müssen. Ja, ich musste und ja, fast alle anderen (die ich sehen konnte) auch. Verpflegung alle ca. 2½ km – okay an so einem relativ kühlen, bewölkten Tag, aber an einem sonnigen 30°C-Tag würde mich das killen. Auf meiner zweiten Runde (2 Runden á 15 km) fängt es dann sogar ganz leicht zu nieseln an – herrlich!

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Durch die drei Wendepunkte behält man einen schönen Überblick über das Renngeschehen. Der spätere Sieger Seppe Odeyn aus Belgien kommt als erster und mit ordentlich Abstand an mir vorbei gelaufen. Ganz kurz vor dem Ziel gelingt das nur einem weiteren Athleten: Dem deutschen Duathlon-Shootingstar Felix Köhler. Schön, dass wir auch ganz vorn in der Elite wieder mit von der Partie sind. Starke Leistung! Wie erwartet ist es dann hintenraus eine ziemliche Quälerei, vor allem, weil ich schon seit Ende der Radstrecke mit Krämpfen kämpfen muss. So bremst mich die überlastete Muskulatur (die ja auch zugegebenermaßen in keinster Weise auf solch eine Belastung adäquat vorbereitet war) regelmäßig aus, wenn der Kopf hätte schneller Laufen wollen.

Auf dem letzten langen Downhill lasse ich es dann aber noch mal ordentlich rollen (oder lobbern, wie Anja sagen würde) und überhole dann doch noch eine ganze Reihe von Athleten. Tja, und dann ist das Ziel da, der OK-Chef Stefan Zug begrüßt mich im Ziel und ich freue mich über die eigene Leistung, das Finish und das wirklich ganz tolle Rennen.

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Dann rüber zur Verpflegung (es geht mir magentechnisch nicht wirklich gut und ich kann kaum etwas essen). Danach duschen, Rad auschecken und dann die Frage, ob ich noch zur Postrace-Party mit Siegerehrung bleiben soll, oder doch lieber gleich weiter zu Mutti & Papa an den Bodensee?! Ich entscheide mich für Variante 2, da ich nun doch schon ziemlich müde bin und nicht mitten in der Nacht in Überlingen ankommen möchte.

Fazit: Ein wirklich fantastisches Rennen. Natürlich perfekt und gleichzeitig familiär-liebevoll organisiert. Wunderschöne Wettkampfstrecken und wundervolle Zuschauer. Das Rennen bietet genau das, was es verspricht: Eine brutal harte Strecke, die die Muskulatur maximal schrottet. Das sollte ich vielleicht einmal optimal vorbeitet angehen?!

Race Stats:

  • Wetter: Meist bedeckt (manchmal etwas sonnig) bei 19-22°C, später leichter Wind und Nieselregen
  • Strecken: 10k Run (320 Hm) – 150k Bike (1770 Hm) – 30k Run (620 Hm)
  • Zeiten & Platzierung (AK): 37:48 (1. Lauf – 11.) – 1:43 (T1 – 3.) – 4:38:08 (Bike – 13.) – 1:58 (T2 – 2.) – 2:26:10 (2. Lauf – 10.) = 53. Platz overall (10. M45)
  • Ausrüstung: DTU-Nationamannschafts-Anzug, Salming Race 3-Laufschuhe, Fuji Norcom Straight TT-Bike, Scott Triathlon-Radschuhe, Casco Speedaero-Helm, Rudy Project-Brille, Asics DS-Racer Laufschuhe
  • Ergebnislsiten gibt’s hier!
  • DTU-Bericht gibt’s hier!
  • Gesamtrückschau auf Powerman.ch gibt’s hier!
  • Fotogalerie auf flickr gibt’s hier!
  • Die Duathlon-News gibt’s drüben bei Nobbe Braun!

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